• vor kurzem hat ein Kommentar bei mir eine Überlegung in Gang gesetzt, bei der ich aber zu keinem Schluß komme.

    Vielleicht sagt Ihr was dazu:

    Wenn man sich mit einem Künstler/einer Künstlerin beschäftigt, - über längere Zeit als mal eben nur ein Bild zu betrachten - macht man sich dann mehr und mehr eine Vorstellung nicht nur von den Arbeiten, sondern auch von dem Menschen, der dahintersteht?

    Und wenn dem so ist, ist das hilfreich? Kann man dann auch immer besser weitere Arbeiten "verstehen" oder engt man sich damit nur selbst in der unvoreingenommenen Betrachtung einer Arbeit ein?

    26.07.2005 - 18:12 Signatur Antworten
  • Antworten (19)

  • Anonymous

    Hi Lisa,

    ich komme gerade eben von einer Helnwein Ausstellung in Oberhausen. Ich muss gestehen, auch wenn ich seine Bilder schon lange aus dem Internet kannte; so gut mit dem Künstler auf einer Wellenlänge zu sein, zu wissen was ihn bewegt, ja quält, habe ich noch nie erlebt.
    Ich habe die Werke Helnweins schon immer sehr gemocht, aber die intensive Auseinandersetzung vor und durch die Ausstellung (wobei ich sagen muss, dass auch die vielen Texte dazu entscheidend beigetragen haben) hatte erst so etwas wie eine Tür geöffnet, durch die ich diesen Menschen fast vor mir sehen konnte. So als hätte man eben eine Biografie gelesen.
    Anknüpfend an diese Erfahrung, würde ich schon sagen: Ja! Je mehr man sich mit einem Künstler beschäftigt, um so mehr wird man ihn verstehen. Ist man dann Voreingenommen was seine Werke betrifft? Vielleicht, könnte schon sein. Aber ich gebe zu, das ist mir momentan total egal

    Peter

    26.07.2005 - 18:55
  • Danke für Deine Antwort, Rex.

    Als ich die ersten Sätze gelesen hatte, dachte ich: " Woher willst Du das wissen? Woher willst Du wissen, was Helnwein bewegt? Kann es nicht sein, daß das, was Du da zu erkennen glaubt, etwas ist, was Dich selbst bewegt?"

    Dann las ich weiter etwas über "viele Texte". Welche Texte waren das? Von Helnwein verfaßte? Oder Texte von anderen über ihn oder seine Arbeiten?

    27.07.2005 - 13:58 Signatur
  • Zitat Lisa: „Wenn man sich mit einem Künstler/einer Künstlerin beschäftigt, - über längere Zeit als mal eben nur ein Bild zu betrachten - macht man sich dann mehr und mehr eine Vorstellung nicht nur von den Arbeiten, sondern auch von dem Menschen, der dahintersteht?
    Und wenn dem so ist, ist das hilfreich? Kann man dann auch immer besser weitere Arbeiten "verstehen" oder engt man sich damit nur selbst in der unvoreingenommenen Betrachtung einer Arbeit ein?“


    Es kann hilfreich sein, muss aber nicht. Das ist ja das Schöne am Thema „Kunst“. Es kommt häufig anders als man denkt! Der eine Künstler reflektiert sehr stark seine eigene Persönlichkeit, ein anderer dagegen überhaupt nicht. Wahrscheinlich kann man über die Persönlichkeit des „Meisters“ mehr erfahren, wenn man sich intensiv mit vielem beschäftigt, was er veröffentlich hat. Für die Rezeption ist dies jedoch nicht in jedem Fall erforderlich. „Schaden“ (im Sinn von Blick einengen) kann es aber keineswegs.
    Wichtiger für die Rezeption ist die Kenntnis über das Umfeld des Künstlers: Zeit, Kunstströmungen usw. Warum wurde gerade dieser Künstler so erfolgreich?? –könnte eine Frage sein.
    Wenn man sich das Geschriebene von/ über einen Künstler ansieht, versteht man vielleicht besser, warum gerade dieser und nicht jener berühmt geworden ist.
    Gute Einblicke in Künstlerleben gibt besonders der allgemeiner Schriftverkehr von Künstlern, so auch Alltagskram wie z. B. das Thema Bilderverkauf und Kunstmarkt. Ein gutes Beispiel dafür bieten die Briefe von Oskar Schlemmer, der einmal von einem „kanienchenhaften produzieren von Bildern“ berichtete – was würde er wohl heutzutage schreiben...

    Interessante Einblicke zum Thema Kunstverständnis vermittelt der Almanach „Der Blaue Reiter“ von 1912, hrsg. von Franz Marc und Wassily Kandinsky. In diesem Buch kommen ausschließlich Künstler (Maler und Musiker) in Aufsätzen zu Wort. Der Almanach ist bis heute ein Buch, das aus dem üblichen Rahmen fällt und Einblicke in die Vielschichtigkeit des Themas Kunst vermittelt – Richtung: „intuitives Verstehen“ :))). Hinter diesem bedeutsamen, von hanni im Nachbar-Thread eingebrachten Begriff verbirgt sich eine wichtige Voraussetzung für Kunstverständnis.

    Wichtige Künstler der Minimal-Art (im weitesten Sinn) haben vorher Kunstgeschichte studiert, waren also bereits theorienlastig ausgerichtet, bevor sie mit ihren Arbeiten berühmt wurden.

    - Und etwas theoretische Vorwissen kann auch für die Beurteilung von zeitgenössischer Kunst nicht schaden.

    Beste Grüße siku

    27.07.2005 - 19:21
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  • Anonymous

    Lisa, das waren Texte von Helnwein wie von anderen. An dieser Stelle muss ich aber gestehen, dass ich nicht die Absicht habe, dich von irgendetwas überzeugen zu wollen

    PS: Aus den Beiträgen von Siku will ich kurz einen Satz ganz besonders hervorheben:
    "Wichtiger für die Rezeption ist die Kenntnis über das Umfeld des Künstlers: Zeit, Kunstströmungen usw"
    Wobei ich das Umfeld und die Zeit für besonders wichtig erachte. Und da wir so wenige Einblicke, insbesondere in das Umfeld (einer Zeit) eines Künstlers haben, fällt es uns oft schwer ihn zu verstehen. Ich bin (z.Z) der Ansicht, dass viele Künstler ihre Kindheit ihr Leben lang aufarbeiten (Insofern wäre es wichtig diese (möglichst gut) zu kennen)

    27.07.2005 - 20:42
  • Anonymous

    Ich würde Euch gerne eine Gegenfrage stellen, Ihr seit selber Künstler, stellt Euch einmal vor, Ihr wäret nicht ihr, sondern ihr betrachtet Eure Bilder als aussenstehender Dritter, zu welchem Schluss würdet Ihr über Euch selber gelangen, -und wie weit würde dies mit der Realität übereinstimmen?
    Weiter, stellt Euch vor, Ihr würdet Euch mit Eurem Leben beschäftigen, aber nur mit den Informationen, die Ihr oder Dritte nach aussen getragen haben, nicht mit dem Wissen, was Ihr selbst über Euch habt.
    Sammelt alle Informationen über Euch, die auch Dritten zugänglich sind, vertieft Euch neutral in Eure Werke und bildet Euch daraus ein Bild über Eure Persönlichkeit. Und dann vergleicht, in wie weit dies mit Eurer wahren Person übereinstimmt. Was ist Fiktion, was Manipulation und was ist die Wahrheit.
    Ich hoffe, Ihr versteht, was ich meine.

    Gruss Alex

    28.07.2005 - 03:39
  • Anonymous

    Das ist ein wichtiger Punkt Wolkenstein. Im Grunde führt das vor Augen, dass man die eigene Arbeit nie in dem Sinne verstehen kann, wie andere sie verstehen ...

    Man denke nur an das Erstaunen, wenn man seine Stimme zum ersten mal von einem Tonträger hört. Man erkennt sich selbst nicht: "Das soll meine Stimme sein?" Ich glaube das ist noch harmlos im Vergleich zu dem, was uns erwarten würde, wenn wir unsere Bilder so sehen könnten, als wäre sie nicht von uns selbst ...

    28.07.2005 - 07:56
  • Im Nachlass eines arrivierten (Museums-) Malers habe ich (leicht überspitzt formuliert) von der Geburtsanzeige bis zur Sterbeurkunde fast alles gesehen, was die Familie gesammelt und aufbewahrt hatte. Darunter befanden sich Informationen, die für die künstlerische Entwicklung von Bedeutung waren und andere die zu jedem Privatleben gehören. Veröffentlicht werden eigentlich nur werkrelevante Geschehnisse.
    Allerdings, wer schaut nicht gern einmal in fremde Nähkästchen.

    Die Frage, wie der Künstler seine Arbeit quasi als „neutraler“ Betrachter bewertet ist ein interessanter Gedanke – für den Künstler persönlich wahrscheinlich spannend, für die öffentliche Bewertung des Oeuvres dagegen weniger ausschlaggebend. Gruß siku

    28.07.2005 - 10:34
  • inm + wolkenstein: ein sehr faszinierender Punkt.
    Auch im Hinblick auf die Gewichtung *g*
    Ich bin oft ein wenig verwirrt, wenn ich bei einer Bildbesprechung höre, "das könne wohl nur der Künstler selbst beantworten". Wieso grade der? Weil der einen Denkvorsprung hat? Weil er das Ding gemacht hat und es nun in seiner Verantwortung stünde zu klären, WAS DAS IST? :)

    Lässt sich das umkehren?
    Vielleicht ist grade das Gegenteil der Fall: der Künstler hat sich bereits die Zähne ausgebissen, er ist restlos betriebsblind - also ist das Werk fertig, jetzt lässt er andere ran? *gg*

    Wie ist das nun mit dem Verständnis... Ich ziehe mich persönlich gerne auf den Standpunkt zurück, einem Werk müssten wohl mehr Fragen als Antworten eigen sein. Bis ins letzte sei Kunst nicht erklärbar, blabla.
    Und doch habe ich immer ein wenig den Eindruck, mich aus der Verantwortung zu stehlen, wenn ich nicht zumindest ein bisschen was zum Werk sage...

    Mo

    28.07.2005 - 10:46
  • Hallo,

    Zu Lisas Eingangsfrage... Ich reagiere sehr unterschiedlich. Es gibt Fälle, wie Max Ernst, da entwickelte ich tieferes Interesse erst nachdem ich eine Biographie gelesen habe. Bei anderen wars genau umgekehrt. Da sagte mir ein Bild zu, nachdem ich aber mal ein Interview mit dem Künstler gesehen habe, wars mir verleidet. Da dachte ich nur noch: "Was ein Schnösel!"

    Wo ich häufig merke, wie sehr mich das intensive Studieren eines Bildes beeinflusst, sind die Zeichnungen und Radierungen von Horst Janssen. Es braucht dann immer eine Zeit, bis ich wieder ich bin und nicht versuche, nachzuahmen.

    Das mit dem "betriebsblind" ist eine gute Bezeichnung. Ich mags gar nicht, wenn man mich fragt. Lieber möchte ich hören, was einer ohne das "Hintergrundwissen" dazu zu sagen hat. Schliesslich habe ich im Rahmen meiner Möglichkeiten alles schon gedacht. Da möchte ich doch lieber wissen, was Aussenstehende dazu meinen. Hinter kann man immer noch über Wunsch und Wirklichkeit reden.

    Und zu guter letzt, wenn ich mehr zu sagen hätte oder anders ausdrücken könnte, würde ich nicht malen, sondern ein Buch schreiben.

    Gruss, Lumina

    28.07.2005 - 12:12
  • bißchen ot, aber irgendwie ganz passnd:

    betsy berne im gespräch mit c. sherman:

    B: Do you think viewers like a challenge or prefer to be told what to think?

    C: You know what? I don’t really care.


    aus "tate magazine issue 5"

    28.07.2005 - 13:04 Signatur
  • Anonymous

    Findet man - aufgrund der Zuneigung zu einem bestimmten KÜnstler (oder der Kenntnis seiens Werkes o.ä.) - manchml Arbeiten gut, die einem, wären sie von einem anderen Künstler nicht oder nicht so gut gefallen hätten?

    28.07.2005 - 13:06
  • Anonymous

    wenn jeder hier sich darauf beschränken würde, nahezu kommentarlos und ohne bio(-ähnliche) bemerkungen, sein zeug reinzustellen, wäre vieles schnell beantwortet.

    :)))

    28.07.2005 - 18:08
  • wie langweilig

    28.07.2005 - 22:22
  • Anonymous

    [quote="_its_not_me_"]Findet man - aufgrund der Zuneigung zu einem bestimmten KÜnstler (oder der Kenntnis seiens Werkes o.ä.) - manchml Arbeiten gut, die einem, wären sie von einem anderen Künstler nicht oder nicht so gut gefallen hätten? [/quote]


    Das glaube ich auch, wer hat z.B. nicht schon einmal eine CD/Platte von Musikern die man gut findet, gekauft,obwohl speziell diese CD/Platte Schrott waren und einem eigentlichj nie gefallen hätten. Das wird in der Malerei sicher nicht anders sein.

    30.07.2005 - 07:35
  • ich kann mich gar nicht erinnern, die biographie von künstlern/musikern jemals in dem maße interessant gefunden zu haben.

    die einzige zuneigung, der ich jedoch durch sammelbildchen (im zarten alter von 15) mal sichtbaren ausdruck verliehen habe, galt einer figur namens maxwell smart...

    30.07.2005 - 10:29 Signatur
  • Anonymous

    @brooklyn

    meinst Du ihn hier

    Maxwell

    Gruss

    30.07.2005 - 10:46
  • Presse

    .
    helnwein com/presse/internet
    abstracts_14.html (26.Juli 2005)
    .

    07.07.2007 - 14:25
  • Anonymous

    kannte ich schon, constantin hatte mich seiner zeit darauf aufmerksam gemacht.
    ich find´s aber nach wie vor bemerkenswert, diesen text auf helnweins seite zu finden.

    ps: dass er auch ein kn-mitglied ist werden nicht allzu viele wissen


    ok, unter "aktives mitglied" verstehe ich was anderes, aber wer will ihm das verübeln?
    ;-)

    07.07.2007 - 15:02
  • Hallo,

    das ist ein interessanter Thread mit spannender Fragestellung, habe ihn ganz gelesen, wenn auch jetzt erst.

    Der Zusammenhang zwischen Werk und dem Menschen der dahinter ist, ist eine spannende Sache. Natürlich sollte in einem Kunstwerk etwas sichtbar sein von dem Menschen Künstler, das ist das Authentische, in vielen Prudukten zum Verkauf bestimmt ist das nicht der Fall. So kann man aus dem Werk sehr viel über den Menschen erfahren, meines erachtens mehr als aus einer gedruckten Biografie.
    Ich versuche bei jeder Ausstellung neben den Inhalten auch dahinter zu kommen was für ein Mensch das ist der dieses geschaffen hat. Am liebsten ist es mir wenn es neben den Werken auch noch eine persönliche Begegnung mit dem Künstler gibt, das ist meistens nur bei der Vernissage möglich. Auch bei meinen Ausstellungen und schon garnicht bei den Dauerausstellungen bin ich ständig zu gegen.

    Von der Intention des Werkes mal abgesehen geht es doch letztendlich immer um den Menschen. Worin besteht denn der Sinn der künstlerischen Arbeit, doch eindeutig um das Leben in der Gemeinschaft zu beschreiben, zu reflektieren und Vorschläge zu machen wie das zwischenmenschliche Zusammenleben zu gestalten wäre. Also ist das Thema der Mensch, besonders bei künstlerischen Werken und dabei exemplarisch der Erschaffer der Werke. So ist für mich das Wesen des Menschen der hinter dem Werk steht sehr wichtig und das eher im Erleben einer persönlichen Begenung bei Lebenden als das studieren der Biografien bei Toten.

    gruß fluuu

    07.07.2007 - 15:19 Signatur
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