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  • Was ist KUNST?

  • siku
    Kunst im sozialen Kontext. Für alle, die theoretisches Geschwafel nicht mögen: bitte gar nicht erst lesen, das ist eben ein theoretischer Text. Er muss nicht jedem schmecken.

    Mein Text folgt in Stichpunkten (mehr oder weniger) dem Beitrag von Teriell. Auf Zitate daraus verzichte ich jedoch weitgehend.
    Kunst in soziokulturellen Zusammenhänge zu betrachten, ist wohl hauptsächlich ein Phänomen unserer Zeit. In den 80er/ 90er Jahren wurde z. B. die Kunst von Florenz nach diesen Zusammenhängen untersucht, eine neue Betrachtungsweise der Kunstwissenschaft, damit erschloss sich auch ein neuer Themenkreis (Seminararbeiten etc.).
    Art design zur Raumverschönerung kam schon im „Goldenen Zeitalter der Holländischen Malerei“ zur Blüte. Wandbilder für das eigene Heim betreffen nicht den Kern der „Kunst“. Vielmehr sind sie das Drumherum, die Aureole. Wenn über den essentiellen Bereich der Kunst gesprochen wird, ist auch die Musik und die Literatur einzubeziehen. Auch diese Bereiche haben ihren Unterhaltungssektor, und das ist jetzt nicht abwertend gemeint!
    Hierzu einen Gedanken von L. Bernstein (sinngemäß): „bei uns in Amerika gibt es keine E- und U-Musik, sondern nur gute oder schlechte Musik“.

    Wertungen und Hierarchien sind letztlich aus der Poetik des Aristoteles abgeleitete kunsttheoretisch Doktrin. Demzufolge wurde die grundsätzliche Bedeutung eines Kunstwerks nach dem Wert seines Themas (hier Bildgegenstand) bemessen. – Und so ganz frei von diesen Bewertungen sind wir bis heute nicht. Wem huscht beim Stichwort „Leipziger Schule“ nicht ein huldvolles Lächeln übers Gesicht. Objektkunst, Videokunst, Fotografie sind salonfähig geworden und damit ändert sich auch die Kunstrezeption.

    An dieser Stelle doch ein Zitat von Teriell:>> „Was kann (im universelleren Sinne) der Gegenstand der Kunst sein?“<<

    Ist heute ein Streben nach einem „universellen Sinn“ in der bildenden Kunst überhaupt noch möglich? Kommt wohl darauf an, was man unter „universell“ versteht. Die Suche nach dem >>„Schönen, Wahren, Transzendenten“<< (z. B. das Innestehen im Bilde nach Heidegger) von der Zeit unabhängig in jeder Epoche, oder hat Kunst im Technischen Zeitalter eher etwas Nostalgisches? Die Welt wird erforscht von den Naturwissenschaften. Für Kunst bleiben da nur noch die Leerstellen. An erster Stelle wäre wohl die Musik zu nennen, die sich dieser Leerstellen annehmen könnte. Verlangen wir von Kunst bzw. verlangen Künstler von sich selbst nicht zu viel, wenn sie uns den „nicht erklärbaren Rest des menschlichen Seins“ erfahrbar machen sollen/ wollen?
    Dennoch wird bei fast jeder Diskussion über Sinn und Zweck der Kunst die Frage nach dem Transzendenten laut: ist es unausrottbar in der menschlichen Seele verankert?
    Offensichtlich ist da eine Wandlung in den wissenschaftlichen Disziplinen. Die von Beginn der Neuzeit für Kunst bedeutende Philosophie wirkt eher historisch; besonders Kulturwissenschaft und Soziologie sehen hier neue Aufgaben.

    Gerade in der Konzeptkunst wird der Rezipient zu einem konstruktiven Faktor. Die Künstler bauen auf die Selbsterfahrung der Rezipienten, weisen ihnen so Mitverantwortung am Kunstwerk zu. Die Standardfloskel „Der Rezipient möge selbst das Werk vollenden“ (indem er es mit einem auf ihn zugeschnittenen Sinn versieht) fundamentiert das „Offene Kunstwerk“ und leicht besteht die Gefahr, dass es damit der Beliebigkeit preisgegeben wird. Um überhaupt zu erfahren, ob wir ein Kunstwerk betrachten, bedarf es mittlerweile der Rahmenbedingungen, der Absegnung des Kunstbetriebes. Was in früheren christlich-fundamentalen Epochen durch historische Motive und Anschauung erfahrbar wurde, wird heute durch Theorien und Kulturbetrieb ersetzt.

    Mit der Kultur – Soziologie rückt auch die Bildung, die Herkunft des Rezipienten ins Blickfeld. War Kunst früher primär einem humanistisch gebildeten Kreis zugänglich, so wendet Kunst sich, seit sie den „Elfenbeinturm“ in den 70er/ 80er Jahren des 20 Jh. verlassen hat, heute an jedermann. Dementsprechend ergeben sich schon bildungsgebundene Kategorien. Das hat Pierre Bourdieu 1982 in seiner viel beachteten, aber kritisch beurteilten Schrift „ Die feinen Unterschiede – Kritik der Urteilskraft“ beschrieben. Das Buch beruht auf einer empirischen Untersuchung von Bourdieu in Frankreich.
    >>Kunsterlebnisse<< und >>Kulturwirkekreise<< hat auch der deutsche Soziologe Alfons Silbermann untersucht. Ihm kam es darauf an, Einstellung und Bewertung des Publikums (in Museen und öffentlichen Ausstellungen) festzustellen, und dessen Ansichten schichtenspezifisch zu verorten. Diese Daten waren für Museen und den Kunstmarkt bestimmt. Hier nähern wir uns der Marktforschung. Die Ideologien der Künstler und Kunstrezipienten bleiben außen vor, da sie laut Silbermann nicht objektivierbar und verlässlich sein konnten. Hier wird die Spaltung zwischen Ideologie und Vermarktung/ Repräsentation deutlich. (Kunst ideologisch betrachtet lässt sich meines Erachtens auch heute noch nicht verlässlich messen. Ich lasse mich aber gern eines Besseren belehren bzw. aufklären.)
    Den Kunstschaffenden wird heutzutage schnell das Etikett der „Marktgierde“ aufgedrückt. Alles strebt nur zum Verkauf? Wer nicht in den Markt kommt, schmückt sich mit der ideellen künstlerischen Idee des unbekannten Genies. Das sind Urteile und Vorurteile, die sich auch nicht empirisch messen lassen.

    Zitat von Teriell: >> Welches Weltbild kann die kunst heute aufgreifen und angreifen oder (für eine Nachwelt) dokumentieren? – Tja, selbst dies differnziert herauszufinden ist meiner Meinung nach die Aufgabe der Kunst.“

    Künstler haben schon in allen Zeiten „spezifisch für ihre Zeit“ gearbeitet, sie haben gar keine andere Wahl. Was den kommenden Generationen davon wichtig erscheint, werden diese bestimmen. Wir werden von der Zeit (mit)bestimmt.

    Gruß
    siku
  • siku

    [...]dass es wenig Nährgehalt hat sich dekorativ in immer perfekterer Weise davonzustehlen. Dass man vielleicht erkennt, dass die gesellschaftliche Aufgabe von Kunst mehr wiegt als die Glorifizierung des Belanglosen.
    [Soviel für heut]


    Mich interessieren konkrete Beispiele und Vorstellungen der Umsetzung.

    Zur Verdeutlichung und Unterstützung könnte der folgenden Link beitragen:
    "Was ist Transferkunst? ein Terminus für transdisziplinäres, künstlerisches Arbeiten."
    http://www.transferkunst.de/transferkunst.html

    (ist übrigens von derselben Gesellschaft wie "Wirre Sätze zur Kunst")

    Die Diskussionen, so auch der verlinkte Text, halten sich bevorzugt im theoretischen Bereich auf.

    Im Bereich von Kultursponsoring und Corporate Identity ist dieses interdisziplinäres Verhältnis von Kunst und Wirtschaft /Politik praktisch umgesetzt: innovative Kunst als Impulsgeber für innovative Unternehmen und als Immageträger für dýnamische Politiker. Nur ist damit die Fähigkeit der Beeinflussung auf andere Bereiche durch Künstler schon ausgereizt?
  • tnips
    Hallo alle miteinander,

    darüber, was Kunst ist, können sich meines mittlerweilen Erachtens nur Menschen untereinander unterhalten, die die absolut gleiche Definition teilen. Einfach so gefragt, und einfach so durcheinander geantwortet, gibt es nur Unverständnis und Streit.

    Sollen sich mal ein Jurist, der sagt "Kunst ist alles, was Kunst sein soll" und ein Mitglied des etablierten Kunstbetriebes darüber unterhalten :-

    ... und der eigene Senf ;-) : mir ist die Auffassung des Juristen aus vielerlei Gründen sympathischer.

    Viele Grüße,

    Sabine
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  • 102
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    Kunst ist eine Ausdrucksform. Sie dient diversen Intentionen.

    -sie kann dekorativ sein
    -provokativ sein
    -auf Themen intelligent hinweisen
    -langweiliges Handwerk sein
    -inspierierend sein

    Auf jeden Fall ist Kunst geschmacksabhängig!
    Signatur
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