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  • Vom schnöden Mammon und der "wahren" Kunst

  • sonadora
    sonadora
    warum verübelt man einem künstler auf der einen seite, die teilnahme an der kunsumgesellschaft, mit der produktion (ich glaub dass das wort durchaus zutreffend ist) von kunst, mit der der künstler uU richtig geld verdienen kann. und auf der anderen seite wird ein künstler, der sich von all dem (bewußt) distanziert, mit dem prädikat 'weltfremd' abgestempelt.

    sind nicht eigentlich beides formen der auseinandersetzung mit der heutigen gesellschaft?
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  • Pierre Menard
    Pierre Menard
    liebste bunion falls du jemals beim lesen die kompetenzstufe 2 erreichen solltest, lass es mich wissen.
    zu deiner anmerkung: ich habe in den beiden längeren texten ausdrücklich von "authenzität" gesprochen. sogar mit diesem begriff. und ich hab e mit keinster weise behauptet, dass erfolg und ernsthaftigkeit nicht hand in hand gehen können. eben der von mir angeblich so gnädig beurteilte herr rauch ist ein beispiel für ernsthaftigkeit, die sich mit erfolg paart.
    dazu noch kurz die bemerkung, ich persönlich mag die bilder von herrn rauch nicht so besoonders. dies ist aber eine geschmacksurteil, trotzdem sind sie eindeutig ernsthafte kunst.
    schwarz weiß würde ich deine versuchte lesart meines textes, der zudem explizit nicht an dich gerichtet war, tiulieren wollen. es ist nicht sehr authentisch, wenn man den eigenen standpunkt nicht klar formuliert umso sich mit dem widerstand auseinader zusetzen. das ist mir eine nummer, zwar nicht zu schwarz weiß, aber
    entweder feige oder dumm. eventuell trifft es auch das dort "undifferent". mir ist jemand lieber, der ecken und kanten hat, als jemand, der glatt wie ein fisch ist und scheinbar nicht in der lage oder gewillt, aus welchen gründen auch immer, eine eigene position zu formulieren. naja, ich hoffe du weißt wenigstens warum du dich für kunst interessierst.
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  • noinub
    Liebster hanni, danke für ihre freundlichen Worte bezüglich meiner Person (welche ich gerade noch lesen konnte). Zum einen kann man imo (<- Meinung) bei Internetidentitäten sowieso nicht von Authentizität sprechen, zum anderen kann ich mich dunkel (falls ich nicht auch von Senilität betroffen bin)an einen etwas anderen Standpunkt gegenüber Rauch erinnern. But anyway, ich beziehe mal wieder keine Position und erfreue mich am Bild über dem Sofa.
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  • siku
    [quote="hanni"]
    @ Hanni

    [...] wie zum beispiel die kommerzialisierung, trivilaisierung der mittel(mitschriften, häschen, puppen usw) bei gleichzeitigen anspruch, die sicht auf die welt zu erneuern usw.


    Hi hanni,

    der folgende Beitrag betrifft deinen Text von gestern, den von heute habe ich noch gar nicht gelesen.

    Die „Mittel“ werde ich jetzt mal thematisieren, ein kleiner Ausflug in die Geschichte: Die „Trivialisierung der Mittel“ bei gleichzeitigem Anspruch auf eine „kunstästhetische“ Aussage ist ein anregender Diskussionsansatz. Der Wertewandel der künstlerischen Mittel ist in der Tat beeindruckend. Hat in der traditionellen Kunst das Material dem Werk gedient, so ist es heute schon fast umgekehrt: das Werk dient den Mitteln (häufig trivialen Alltagsgegenständen), sich einen würdigen Kulturrahmen zu verschaffen: Eine weitere Möglichkeit für Gebrauchsgegenstände (neben deren Einzug in zahlreiche Heimatmuseen), geadelt zu werden. Aber es hat sich eben sehr viel getan zwischen der Ikonenmalerei, wo noch die Kostbarkeit der Materialien den Wert des Kunstwerkes steigerten und Duchamps revolutionärem Pissoire mit geringem Materialwert liegen Jahrhunderte. Ab diesem Zeitpunkt wandelte sich die Wertigkeit der Mittel geradezu im ICE-Tempo. Nicht mehr nur der Eigenwert der Materialien, sondern ihre spezifischen Eigenschaften verkörpern symbolische Werte. Das Material rückt ins Zentrum des Werkes, lieferte Konnotationen an Kriegsgeschehen (Beuys) Wertlosigkeit (Schwitters), Konsumfetischismus (Warhol) Geschlechtercodes (Kiki Smith) usw. Heute scheinen den Mitteln keine Grenzen mehr gesetzt zu sein (vom Decorum zum Sammelsurium ;-)). Formalistische Positionen sind in narrative Kontexte überführt worden.

    Doch genau hier hat die bildende Kunst auch eine Konkurrenz bekommen bzw. sich selbst aufgehalst: die Werbung. Das Design ist dabei, den Materialschlachten der Objekte und Installationen den künstlerischen Alleinanspruch zu stehlen und das ist bisher auch bestens gelungen. Gerade beim Design werden Material und Form mit zweckmäßigem Gebrauch verbunden, das künstlerisch Nutzlose J in künstlerisch Nutzbares verwandelt. Und auf regionalen Kunstmärkten sind längst nicht mehr nur Malerei und Grafik zu sehen, designte Gebrauchsgegenstände stehen wie selbstverständlich dabei – und sind manch anderem Werk in der künstlerischen Aussage überlegen.

    Hier werden kaum noch kunsttheoretische Erklärungen benötigt. Sind die Kritiker nun überflüssig? Ich meine ganz und gar nicht. Denn gerade der „absolute“ künstlerische Freiraum stellt die Kunstschaffenden vor das Problem der kritischen Reflektion des eigenen Werkes. So, nach dem ziemlich langen Ausflug bin ich jetzt wieder beim (zugegebenermaßen etwas polemisch formulierten Thema angelangt). Denn schnöder Mammon oder wahre Kunst ist ja eine Aussage, welche die Position heutiger Kunstschaffender zu reflektieren scheint. Man fühlt sich berufen, hehre „Nichtkunst“ zu machen und verweigert hier und da kommerziell Schaffenden die künstlerische Legitimierung. Da ist es schon an der Zeit, wenn „neutrale“ (Subjektivität lässt sich nicht völlig ausschalten) Kritiker sich auch mal zu sagen trauen, was sie denken. Irgendwie hat es sich so eingeschliffen, dass fast ausschließlich positive Kritik angesagt ist, wer negative Eindrücke hat, soll die gefälligst für sich behalten.

    Mit soviel aktiver Beteiligung der Nichtkunstgemeinde auf meinen Beitrag hatte ich eigentlich gar nicht gerechnet. An dieser Stelle schwanke ich auch etwas, wie ich meine Antworten gestalten soll. Mein Text war schon auf das Kunstnet, und besonders auf seinen Freundeskreis ausgerichtet. Aber es soll ja keine Blessuren geben, so halte auch ich mich möglichst neutral, obwohl mir gerade bei dem Freundeskreis von kn genau diese Überschrift eingefallen ist.
    Kunsttheorien zu verarbeiten will gelernt sein. Wie ich fände, eine Aufgabe für den Kunstmönch hier intensiv Hilfestellung zu leisten. J))
    Übrigens, den habe ich irgendwie etwas aus den Augen verloren, aber er scheint komplexer geworden zu sein?

    Robert Walser, der in einem Heim einen großen Teil seiner Lebenszeit verbrachte, war vielleicht einer der ersten überzeugenden „Nicht-Künstler“ (Tütenkleber). Obgleich er ein recht umfangreiches literarisches Werk hinterließ, ist vielen wohl lediglich das berühmt gewordene Foto seines Todes im Schnee in Erinnerung geblieben.
    Wenn’s in diesem Zusammenhang um Kunst geht, ist seine Tätigkeit schon bemerkenswert – auch wie Meditation.

    Hier mache ich erst mal Schluss.
    Gruß
    siku

    Bis demnächst
  • siku
    Lieber temps-sur-temps,

    einige Anmerkungen zu deinem anregenden Text von Samstag:

    [quote="temps-sur-temps"]
    Hat nicht erst die Avantgard ein Zirkel geschlagen von theoretisch kopflastig geprägter Kunst zur Gebrauchskunst und neue Innovationen in Architektur, Möbeldesign und Alltag hervorgebracht.
    Es gibt sie noch die Vertreter die die Kunst nicht nur als Selbstzweck sondern auch als Bereicherung unserer Alltagskultur ansehen.

    >>Ja ich habe auch nichts dagegen einzuwenden. Mein Text peilte eigentlich die Fraktion der Nichtkünstler an. Designer könnte man aber durchaus zu den Brot-Künstlern zählen (kein Schimpfwort J). Sie produzieren doch für den Markt, Nichtkunst dagegen verweigert sich diesem weitgehend. <<

    [...] ein Kunsttheoretisches Gebilde aufzubauen.
    Diese Kunsttheoretischen Gebilde sind nicht unbedingt Erfindungen der Künstler, sondern können abgeleitet werden in die Sparte der Kunstkritik und Beschreibung, die sich sozusagend schützend vor dieselbige stellt und in der Vergangenheit und Gegenwart als Vermittler und Erklärer dienbar ist.


    >>Diese Dienstleistung und Behütung gegen den Unbill des Kunstbetriebes wird von Künstlern doch auch dann gern angenommen, wenn Verkaufserfolge oder offizielle Kunstweihen zu erwarten sind. Das ist doch geradezu eine soziale Tätigkeit, welche die Kunstexperten da vollbringen. (Es soll schon Künstler gegeben haben, die- zum Selbstschutz – temporär keine eigenen Theorien öffentlich äußern durften J)) <<



    Wenn du dich einmal auf den Einschlägigen Kunstmessen umschaust wirst du sehen das in der Zeitgenössischen Aktuellen Kunst das dekorative Element längst die Oberhand gegenüber kritisch geprägter Kunst erlangt hat.


    >>Messen sind ja auch moderne Verkaufstempel. Künstler, die sich dem dekorativen Element in ihrer Arbeit verweigern gibt es schon noch, aber ich spekuliere mal: auch die möchten ihre Werke gern im Museum verewigt sehen – wenn sie ehrlich zu sich selbst sind.
    Kunst als reiner Selbstzweck für den Künstler, erscheint mir wie ein Fisch, der das Wasser verweigert<<

    Wie sonnst kann man sich den betenden Gartenzwerg oder die Geheimnisträger eines Ottmar Hörl erklären, um nur ein aktuelles Beispiel zu nennen. Ich nenne das Kitschkultur vom feinsten.


    >>Wir tun uns in der Tat schwer (besonders die Künstler der freien Kunst) angewandte Kunst als gleichwertig anzuerkennen. Kann man diese doch nur schwerlich mit metaphysischen und philosophischen Gedankengut veredeln.<<

    Gruß siku
  • sonadora
    sonadora
    @siku:

    ich fühle mich jetzt einfach mal angesprochen als ein der KN-gemeinde zugehöriges mitglied, die Du mit diesem thread eigentlich nicht ansprechen wolltest und deren reaktion Dich nun überrascht (oder überrascht Dich schon, dass es überhaupt eine derartige reaktion gibt?)

    vielleicht übersiehst Du bei Deiner -zugegebener maßen weitreichenden- argumentation aber einen wichtigen faktor:
    die defintion der kunst in einer zeit liegt in entscheidendem maße in der hand der kunstbetrachter. es stehen sich also kreative und konsumenten gegenüber. ein kunstverständnis erwächst aus dieser gegenüberstellung. und je größer der spalt zwischen dem, was der betrachter sehen möchte, und dem, was künstler produzieren, ist, desto größer ist wahrscheinlich die kluft innerhalb der gesellschaft. läge die verpflichtung nun nicht darin, diese kluft zu verringern, die position für neue stützpfeiler auszukundschaften?
    statt dessen ergibt man/frau sich lieber in vorgekaute schemata und ordnet sich entweder der konsumgesellschaft zu, oder aber erklärt die heutige welt für null und nichtig und ist sowieso generell erst mal gegen alles abwehrend, negativ eingestellt. das halte ich für die echte tragödie, in deren hauptrolle sich ein großteil der aktuellen kunst wunderbar profiliert.


    mit bestem gewissen,
    claudia
    Signatur
  • siku
    Hallo Claudia,
    die Antworten schreibe ich zwischen deinen Text

    [quote="sonadora"]
    >>ich fühle mich jetzt einfach mal angesprochen als ein der KN-gemeinde zugehöriges mitglied,<<

    das bist du doch auch, ich freue mich über möglichst viele Beiträge. Mich überrascht eher deine Reaktion, allerdings habe ich ähnliches schon befürchtet. Aber wenn man „am schreiben ist“, kommt es leicht vor, dass man (ich) eine bestimmte Zielgruppe im Blick hat, die man ganz gut zu kennen glaubt.



    >>vielleicht übersiehst Du bei Deiner -zugegebener maßen weitreichenden- argumentation aber einen wichtigen faktor: <<


    Nein, ich übersehe in meiner, wie du es ausdrückst „weitreichenden Argumentation" keinen wichtigen Faktor, vielmehr reagiere ich auf die geschriebenen Beiträge, auf das, was mir angeboten wird. - Das mag nicht der ideale Diskussionsweg sein.


    >>die defintion der kunst in einer zeit liegt in entscheidendem maße in der hand der kunstbetrachter. es stehen sich also kreative und konsumenten gegenüber. ein kunstverständnis erwächst aus dieser gegenüberstellung.<<


    Diese Ansicht teile ich nicht ganz mit dir: Kunstbetrachter sind nicht automatisch Konsumenten. Kunstbetrachter ist jeder, der ein Bild, eine Skulptur, ein Objekt oder ein anderes Kunstwerk anschaut. Und Kunstverständnis erwächst auch nicht nur! durch die unterschiedlichen Interessen der beiden von dir herausgebildeten Gruppenmitglieder: Betrachter – Kreative. Kunstverständnis muss wie andere Fähigkeiten auch, erworben werden – eigentlich ein Leben lang - und eine sehr wichtige Rolle spielt der Zeitgeist.


    >> und je größer der spalt zwischen dem, was der betrachter sehen möchte, und dem, was künstler produzieren, ist, desto größer ist wahrscheinlich die kluft innerhalb der gesellschaft. läge die verpflichtung nun nicht darin, diese kluft zu verringern, die position für neue stützpfeiler auszukundschaften?<<


    Kunstvermittlung findet täglich in öffentlichen Institutionen z. B. Museen, Schulen (hier bitte kein Aufschrei) statt. Nur wenn es um die Vermarktung geht, scheinen diese Institutionen vergessen zu werden. "Die Position für neue Stützpfeiler auszukundschaften" - das ist ein netter Satz, hört man doch desweilen von Kunstschaffenden in Bezug auf "Kunsttheoretiker" Bemerkungen wie: Labertaschen oder die haben doch keine Ahnung. :-) Aber im Ernst: das geschieht doch.


    >>statt dessen ergibt man/frau sich lieber in vorgekaute schemata und ordnet sich entweder der konsumgesellschaft zu, oder aber erklärt die heutige welt für null und nichtig und ist sowieso generell erst mal gegen alles abwehrend, negativ eingestellt. das halte ich für die echte tragödie, in deren hauptrolle sich ein großteil der aktuellen kunst wunderbar profiliert. <<


    Das müsstest du bitte mal näher erklären. Solltest du mich so verstanden haben, dann zeigt dies, dass wir von einem unterschiedlichen Grundverständnis ausgehen. Ich hatte für mich eher das Empfinden, dass ich zwischen angewandter Kunst (die ich nicht abwerte) und der freien Kunst (z. B. Nichtkunst, reflektiert kunstphilosphische Werte und Kunsttheorien) hin und her eiere, um beiden Seiten gerecht zu werden. Ich bin Rezipientin, die sich im Gegensatz zu Künstlern (Ausnahmen bestätigen die Regel) mit einem weiten Spektrum unterschiedlicher Kunstströmungen beschäftigt - und allerdings auch Vorlieben nicht leugnet. Diese liegen aber nicht im Bereich der Konzeptkunst und auch nicht beim Design.
    Ach ja, eins ist mir schon wichtig: Neues entsteht nicht im luftleeren Raum, es wächst aus alten Wurzeln, (man könnte auch sagen aus zu kleinen Schuhen) heraus. -Und das "Neues generell abwehrend" behandelt wird, das ist einfach zu pauschalisiert.

    Ich glaube auch nicht, dass sich „aktuelle Kunst“ durch eine Schwäche der Kunstvermittlung profilieren kann. Kunst z. B. aus dem Bereich der hier immer wieder angesprochenen Konzeptkunst benötigt die Kunstvermittlung, den offiziellen Kunstraum, um überhaupt als Kunstwerk wahrgenommen zu werden. Beispiel: einige Materialien aus dem Baumarkt (Georg Herold sei hier genannt) erhalten ihren Kunststatus erst durch den Ausstellungsort: von hanni gern mit white cube betitelt J Blumen-, Landschaftsbilder oder farbschöne abstrakte Kompositionen benötigen dagegen nur zwei Akteure: einen Verkäufer und einen Käufer.


    Soweit zu deinem letzten Beitrag. Aber ich habe deinen vorherigen nicht übersehen, hier sei er noch mal zitiert:



    >>„warum verübelt man einem künstler auf der einen seite, die teilnahme an der kunsumgesellschaft, mit der produktion (ich glaub dass das wort durchaus zutreffend ist) von kunst, mit der der künstler uU richtig geld verdienen kann. und auf der anderen seite wird ein künstler, der sich von all dem (bewußt) distanziert, mit dem prädikat 'weltfremd' abgestempelt.
    sind nicht eigentlich beides formen der auseinandersetzung mit der heutigen gesellschaft?“<<



    Ich hatte darauf nicht geantwortet, weil ich meine, dass sich andere kn-Mitglieder hier besser angesprochen gefühlt hätten. Ich verüble den Künstlern den Verkauf ihrer Sachen nicht, sondern gönne ihnen eine kommerzeillen Erfolg, denn der befähigt oftmals zu noch größeren Leistungen. *grins*

    Liebe Grüße
    siku

    PS. sollten noch Klarheiten bestehen, ich diskutiere gern weiter :-)

    editiert am 11.4.06 um 12.00
  • siku
    Kleine Zwischeneinlage:

    Programmtipp: "Bilderstreit" auf 3 sat, heute um 22.45
    mit Bazon Brock und anderen.
    Es werden vier aktuelle Kunstausstellungen vorgestellt und diskutiert.

    Gruß
    siku
  • Christian Pollhammer
    Christian Pollhammer
    sehr interessiert und alle positionen sind immer irgendwie richtig, - also schon mal nichts eindeutiges,

    ich möchte hier als schnöder ökonom spreche: die kunst hat nun einen richtigen und grossen markt - dieser markt schafft sich ein grösse durch eine möglichst breite basis, - er(der markt) will also masse und höhere absatzraten bei fallenden preisen, dies natürlich gekrönt von einem gut abgesteckten luxussegment - jenes wo wohl jeder "künstler" gerne hinmöcht´ - wie auch immer märkte die sich entwickeln schaffen sich die entsprechenden kundensegmente selber und eben auch die jobs dazu: zu brauchen also: künstler aller "lagen" - im grunde bedienen kitschmaler, kunsthandwerker eben auch eine masse, die basis -eine entsprechende klientel

    daran ist wohl nichts falsch, zur diskussion über die echte kunst oder das handwerk oder das konstrukt und das konzept, hat wohl alles seine berechtigung - jeder tut eben was er kann. nicht jeder kann malen - oder es ist den meisten zu blöd und fad und ald - wie auch immer

    bedenklich finde ich: ein kunstbetrieb schafft meinung und sagt was kunst ist - zunehmend wird kunst zu etwas was verstanden und nachvollzogen werden kann - weil: und das ist der PUNKT - der kunstverkäufer und kunstkäufer will sein unternehmerrisiko minimieren!!! das bedeutet das man den kunsproduzenten kontrollieren können muss, gut man lässt ein paar perlen und künstlerstars zu - testimonials die eine schar von hoffnungsvollen jungkünstler dazu inspirieren soll auch weiterhin den kunstbetrieb und markt billig mit ideen und werken zu füttern - ABER im grunde hält kunstbetrieb sich SÄUE die gemästet und geschlachtet werden können.

    also wenn wer davon leben will, ist er im grunde genau so gut beraten auf den strich zu gehen, im grunde ist da kein unterschied

    ich sags mal so und seh´s auch anders, mit dem pinsel in der hand - gilt dieser vor allem mir, den spiegel brauch ich um meine realität zu erschaffen. verkauf die vergangenheit sofort wenn du dafür den richtigen preis kriegst, interessier dich für die gegenwart und die zukunft, fürchterlich sowas zu sagen, vergesst das alles

    ich pinsle und blinzle die sonne an, die mag mich
    viele grüsse chris
  • spmet-rus-spmet
    Die Situation ist halt so wie sie ist, der Kunstmarkt ist ein Spartenmarkt, der gepflegt und bedient gehört.

    Der Künstler muss neben seiner Aufgabe Kunst zu schaffen auch ein guter Ökonom sein. Das bedeutet nicht das er sich verkaufen muss. Er muss seine Kunst verkaufen, und dazu stehen ihm Vielfältige Möglichkeiten und Rechte zur Verfügung die ein "Normaler" Geschäftsmann in diesem Maße nicht besitzt.
    Das Gejammer des verkannten Genies der in seinem Kämmerlein verreckt und nach seinem Tode erst entdeckt wird gehört in die Mottenkiste gesperrt.
    Genauso wie der Spruch Qualität setzt sich durch.

    Die Qualität hat erst dann eine Chance sich durchzusetzten wenn sie am Markt bekannt ist.
    Andernfalls geht sie den Weg aller Produkte die es an entsprechender Marketingstrategie fehlen lassen.

    Der Spruch vieler ist jetzt "Ja dafür bräuchte ich aber einen Galeristen."
    Selbstverständlich wäre das hilfreich.
    Nur verhalten sich die meissten Künstler nicht so, das sie das Vertrauen eines Galeristen in ihr Potenzial wecken könnten.

    Der böse böse Galerist, will er doch die Hälfte vom Erlös. Wie kann er nur. Ist denn das Risiko das dieser eingeht nicht ungleich höher als das des Künstlers?

    Auch ohne Galeristen Lässt sich am Markt agieren.
    Dabei sind einige Dinge zu klären.

    Welches Produkt stelle ich her.
    Wie hoch ist die Konkurenz in meiner Sparte.
    Was sind die Vorteile meines Werkes.
    Wie ist mein Profil.
    Gibt es eine Abgrenzungslinie.
    Gebe ich mich damit zufrieden meine Bilder zu verkaufen, und nutze ich auch andere Wege.

    Werde hier mal Schluss machen. Muss meinen Eltern heute einen Besuch abstatten.
  • siku
    .

    Jeder Kunstschaffende will verkaufen, will sich aber dennoch nicht gleich mitverkaufen, manche steuern den Markt deshalb vorerst gar nicht an, weil sie klug genug sind, abzuschätzen, dass für ihren momentanen künstlerischen Stand die Käufer rar gesät sein könnten.

    Und der Graben zwischen Kunstschaffenden der Konzeptkunst (die vornehmlich Objekte und Installationen herstellen) und Malern, Bildhauern oder Designern ergibt sich vielleicht schon aus den unterschiedlichen Vorbedingungen. Um annehmbare Preise zu erzielen benötigen Arbeiten der Konzeptkunst* vorher offizielle Anerkennung. Der Künstler muss bereits offizielle Ausstellungen nachweisen und der Innovationsanspruch an die Arbeiten ist wesentlich höher. Das bedeutet aber nicht zwangsläufig, dass die Maler nur Verkaufsware vom Band liefern, den billigen Weg gehen, die Kunst verraten und nur nach schnöden Mammon schielen. „Nicht jeder kann malen“, nur kann das auch nicht „jeder“ Betrachter oder gar Käufer erkennen. Oft täuscht das gefällige Motiv über die Malqualität hinweg (Beispiel: der allseits beliebte Sonnenuntergang.) und bringt gleich eine ganze Gattung in Verruf.

    Die klare Konzeption, die temps-sur-temps am Ende seines Beitrags vorstellt, scheint mir sehr stark auf Grafik oder Design zugeschnitten zu sein. Sie lässt sich nicht einfach auf andere Kunstgattungen übertragen. Wenn sich auch gerade die „Konzeptkünstler“ fragen müssten: welchen Imagegewinn bringt meine Installation dem Sponsor? Im instrumentierten Sponsoring (z. B.Coporate Communications)hat der Imagefaktor eines Kunstwerkes äußerste Priorität. Da ist der imaginäre Wert einer Biographie mit Ausbildung an einer in Kunstkreisen hochgeschätzten Hochschule beträchtlich. Hier erhält das (so gern abgewertete) Kunststudium mit Meisterschüler-Abschluss merkantile Bedeutung.

    Gruß
    siku

    *mit der Bitte um Nachsicht, dass ich hier Begriffe der Einfachheit halber pauschal verwende. :-)
  • spmet-rus-spmet
    Schwierig ist und bleibt es in jedem Markt seinen Weg zu gehen. Siku du sagst, das meine Konzeption eher auf Design und Grafik abgestimmt ist. Genaugenommen muss ich das verneinen, weil: ich finde das das eine nicht das andere ausschließt. Nenne mir einen triftigen Grund weshalb man seine Bildrechte über das gemalte Unikat nicht weitreichender ausnutzen sollte. Hat das der Gesetzgeber doch eindeutig zu gunsten des Künstlers geregelt. OK vielleicht werde ich selbst nie in der Ersten Liga spielen. Aber meine Bildrechte lasse ich mir nicht zu billig abkaufen und nehme meine Rechte der weiterverwertung wahr.
    Was die Sparten Performance und Installation betrifft, so ist das Bildrecht erst recht entscheidend für den finanziellen Erfolg. Christo und Jean-Claude machen es seit Jahrzehnten vor. Natürlich muss man sich einen Namen schaffen. Ohne Frage ist das entscheidend, und die Herkunft und der Titel kann helfen. Wer sich und seine Arbeit nicht gegenüber anderen abgrenzt wird auch damit nicht weit kommen. Die eigene Künstlerische Identität ist wichtig. Alles andere läuft auf Marktbedienung hinaus und bringt zunächst ein finanzielles Polster. die Crux bei der Marktbedienung ohne eigenes Profil ist die Gefahr der Lächerlichkeit, nur mal so am Rande noch angemerkt. Oder wie würden es Kunstbewanderte beurteilen wen ich anfinge meine Männchen auf dem Kopf zu malen. Genauso ist es doch mit den Tausenden Portraitisten und Landschaftsmalern die wie du schon sagst diese Sparten in den Verruf bringen. Ein Allheilmittel gibt es nicht. Ich finde für mich ein bisschen Marktbedienung und ein wenig Kunstfreiheit mit all den Rechten die ich nutzen kann ist mein Schlüssel. Als Künstler sollte man neben dem Freien Geist auch eine seriöse und faire Geschäftspolitik verinnerlichen, ohne sich zu verschenken (und ohne auf die oft überzogenen Richtpreise von Künstlerkollegen Rücksichten zu nehmen)(Ja ja, ich hör schon wieder den Einwand dann machst du unsere Preise kaputt). Dann wird man auch vom Geschäftspartner, das ist in aller Regel der Kunstliebhaber auch respektiert und nicht als versponnener Outlaw der bürgerlichen Gesellschaft wahrgenommen. Jetzt hab ich mich in den Themen etwas verhaspelt, Egal ich lass es trotzdem mal so stehen. Vielleicht kann ja der ein oder andere was damit anfangen. PS: Zum Preiskaputtmachen: Der Preis richtet sich am Markt aus und nicht am Quadratmeter bepinselter Fläche wie es so manche gerne hätten, und es in den Preisen erfolgloser Künstler leider immer wieder ablesen kann.
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