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  • Was lest ihr so?

  • tra_nu
    Endlich kriegen die Taliban finanzielle Unterstützung, wo ihnen doch die Amies das ganze Mohngeschäft kaputtmachen! Einfacher wär's aber schon, ihnen gleich die Waffen zu liefern.
  • tra_nu
    "Lenin kam nur bis Lüdenscheid" Hatte mir eine humorvolle Betrachtung der 68er- und Folgegeneration versprochen. Bis Seite 35 bisher nur langweilige Familiengeschichte. Wenn's besser wird, sag ich Bescheid.
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  • heinrich
    DER KÜBELREITER

    F.Kafka

    Verbraucht alle Kohle; leer der Kübel; sinnlos die Schaufel; Kälte atmend der Ofen; das Zimmer vollgeblasen von Frost; vor dem Fenster Bäume starr im Reif; der Himmel, ein silberner Schild gegen den, der von ihm Hilfe will. Ich muß Kohle haben; ich darf doch nicht erfrieren; hinter mir der erbarmungslose Ofen, vor mir der Himmel ebenso; infolgedessen muß ich scharf zwischendurch reiten und in der Mitte beim Kohlenhändler Hilfe suchen. Gegen meine gewöhnlichen Bitten aber ist er schon abgestumpft; ich muß ihm ganz genau nachweisen, daß ich kein einziges Kohlenstäubchen mehr habe und daß er daher für mich geradezu die Sonne am Firmament bedeutet. Ich muß kommen, wie der Bettler, der röchelnd vor Hunger an der Türschwelle verenden will und dem deshalb die Herrschaftsköchin den Bodensatz des letzten Kaffees einzuflößen sich entscheidet; ebenso muß mir der Händler, wütend, aber unter dem Strahl des Gebotes "Du sollst nicht töten!" eine Schaufel voll in den Kübel schleudern.

    Meine Auffahrt schon muß es entscheiden; ich reite deshalb auf dem Kübel hin. Als Kübelreiter, die Hand oben am Griff, dem einfachsten Zaumzeug, drehe ich mich beschwerlich die Treppe hinab; unten aber steigt mein Kübel auf, prächtig, prächtig; Kameele, niedrig am Boden hingelagert, steigen, sich schüttelnd unter dem Stock des Führers, nicht schöner auf. Durch die fest gefrorene Gasse geht es in ebenmäßigem Trab; oft werde ich bis zur Höhe der ersten Stockwerke gehoben; niemals sinke ich bis zur Haustüre hinab. Und außergewöhnlich hoch schwebe ich vor dem Kellergewölbe des Händlers, in dem er tief unten an seinem Tischchen kauert und schreibt; um die übergroße Hitze abzulassen, hat er die Tür geöffnet.

    "Kohlenhändler! " rufe ich mit vor Kälte hohl gebrannter Stimme, in Rauchwolken des Atems gehüllt, "bitte Kohlenhändler, gib mir ein wenig Kohle. Mein Kübel ist schon so leer, daß ich auf ihm reiten kann. Sei so gut. Bis ich kann, bezahl ichs."

    Der Händler legt die Hand ans Ohr. "Hör ich recht?" fragt er über die Schulter weg seine Frau, die auf der Ofenbank strickt, "hör ich recht? Eine Kundschaft. "

    "Ich höre gar nichts", sagt die Frau, ruhig aus- und einatmend über den Stricknadeln, wohlig im Rücken gewärmt.

    "0 ja", rufe ich, "ich bin es; eine alte Kundschaft; treu ergeben; nur augenblicklich mittellos. "

    "Frau", sagt der Händler, "es ist, es ist jemand; so sehr kann ich mich doch nicht täuschen; eine alte, eine sehr alte Kundschaft muß es sein, die mir so zum Herzen zu sprechen weiß."

    Fortsetzung folgt...
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  • heinrich
    "Was hast du, Mann?" sagt die Frau und drückt, einen Augenblick ausruhend, die Handarbeit an die Brust, "niemand ist es; die Gasse ist leer; alle unsere Kundschaft ist versorgt; wir könnten für Tage das Geschäft sperren und ausruhn. "

    "Aber ich sitze doch hier auf dem Kübel", rufe ich und gefühllose Tränen der Kälte verschleiern mir die Augen, "bitte seht doch herauf; Ihr werdet mich gleich entdecken; um eine Schaufel voll bitte ich; und gebt Ihr zwei, macht Ihr mich überglücklich. Es ist doch schon alle übrige Kundschaft versorgt. Ach, hörte ich es doch schon in dem Kübel klappern!"

    "Ich komme", sagt der Händler und kurzbeinig will er die Kellertreppe emporsteigen, aber die Frau ist schon bei ihm, hält ihn beim Arm fest und sagt: "Du bleibst. Läßt du von deinem Eigensinn nicht ab, so gehe ich hinauf. Erinnere dich an deinen schweren Husten heute nachts. Aber für ein Geschäft und sei es auch ein eingebildetes, vergißt du Frau und Kind und opferst deine Lungen. Ich gehe. " "Dann nenn ihm aber alle Sorten, die wir auf Lager haben; die Preise rufe ich dir nach." "Gut", sagt die Frau und steigt zur Gasse auf. Natürlich sieht sie mich gleich.

    "Frau Kohlenhändlerin", rufe ich, "ergebenen Gruß; nur eine Schaufel Kohle; gleich hier in den Kübel; ich führe sie selbst nach Hause; eine Schaufel von der schlechtesten. Ich bezahle sie natürlich voll, aber nicht gleich, nicht gleich." Was für ein Glockenklang sind die zwei Worte "nicht gleich" und wie sinnverwirrend mischen sie sich mit dem Abendläuten, das eben vom nahen Kirchturm zu hören ist.

    "Was will er also haben?" ruft der Händler. "Nichts", ruft die Frau zurück, "es ist ja nichts; ich sehe nichts, ich höre nichts; nur sechs Uhr läutet es und wir schließen. Ungeheuer ist die Kälte; morgen werden wir wahrscheinlich doch viel Arbeit haben. "

    Sie sieht nichts und hört nichts; aber dennoch löst sie das Schürzenband und versucht mich mit der Schürze fortzuwehen. Leider gelingt es. Alle Vorzüge eines guten Reittieres hat mein Kübel; Widerstandskraft hat er nicht; zu leicht ist er; eine Frauenschürze jagt ihm die Beine vom Boden.

    "Du Böse!" rufe ich noch zurück, während sie, zum Geschäft sich wendend, halb verächtlich, halb befriedigt mit der Hand in die Luft schlägt, "du Böse! Um eine Schaufel von der schlechtesten habe ich gebeten und du hast sie mir nicht gegeben." Und damit steige ich in die Regionen der Eisgebirge und verliere mich auf Nimmerwiedersehn.
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  • heinrich
    [/u]Durchschnitt

    Bedeutungen:

    [1] Mathematik: Summe der Eigenschaften verschiedener Dinge, geteilt durch deren Anzahl
    [2] ungefährer Erfahrungswert; Objekt oder Wesen mit "normalen" Eigenschaften seiner Klasse.
    [3] Vorgang des Durchschneidens
    [4] Mengenlehre: Elemente, die allen Ausgangsmengen gehören
    Abkürzungen:

    [1] Ø
    Synonyme:

    [1] Mittelwert, (arithmetisches) Mittel
    [4] Schnittmenge
    Gegenwörter:

    [1] Extremwert
    [4] Vereinigung
    Unterbegriffe:

    [1] Jahresdurchschnitt
    [2] Bevölkerungsdurchschnitt
    Beispiele:

    [1] Der Durchschnitt der Jahrestemperatur ist die letzten Jahre über angestiegen.
    [2] Der Spaßfaktor hält sich im Durchschnitt.
    [2] Der Durchschnitt der Bevölkerung verdient so, dass er davon leben kann.
    [3] Setze den Durchschnitt etwas weiter links an!
    [4] Bei der Zeichnung entspricht dem Durchschnitt die überlappte Fläche.
    Abgeleitete Begriffe:

    Durchschnittsalter, durchschnittlich, Durchschnittsgeschwindigkeit, Durchschnittsmenge, Durchschnittspreis, Durchschnittstemperatur, Durchschnittswert[u]


    Wiktionary
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  • heijo
    heijo Arschlochfreie Zone
    Konnte mich gestern nicht von einem sehr amysanten,herzhaften Buch von Dieter Moor (TTT) trennen, mit Berichten aus einer Arschlochfreien Zone. Der Titel "Was wir nicht haben, brauchen Sie nicht" Sorry,wollte eigentlich den Beitrag löschen, ging aber nicht,so sind es eben zwei Beiträge geworden.
  • heijo
    heijo arschlochfreie Zone
    Dieter Moor (TTT)"Was wir nicht haben brauchen Sie nicht" Berichte aus einer arschlochfreien Zone. Hatte nach der Lektüre sehr gute Laune!
  • heinrich
    Folgen des Wertewandels [Bearbeiten]
    Selbstentfaltung entspricht den Erfordernissen moderner Gesellschaften

    1.Der Wegfall der großen wertegebenden Institutionen wird durch Bildung kleinerer autonomer Subsysteme aufgewogen oder ganz kompensiert.

    2.Von Seiten der Subsysteme sind vor allem Kreativität, Beweglichkeit und Neugier gefragt, was analog zu individualistischen Selbstentfaltung liege.

    3.Selbstentfaltung ist keine affektiv betonte und lustvoll erlebte Triebbefriedigung, sondern der Zwang des Individuums, seine Qualitäten zu fördern und ins gesellschaftliche Leben einzubringen.

    4.Von einem Verlust von Werten wie Ordnungsliebe, Fleiß und Pflichterfüllung könne von empirischer Seite keine Rede sein. Vielmehr werden diese situationsangemessen gehandhabt und dadurch weniger offensichtlich.

    5.Selbstentfaltung bedeutet keinesfalls Egoismus und Verantwortungslosigkeit. Dies lässt sich aus der steigenden Toleranz gegenüber diversen Minderheiten belegen.

    6.Selbstentfaltung hat keine Anonymisierung zu Folge, was durch das Entstehen ganz neuer sozialer Netzwerke bewiesen ist.

    7.Der Wegfall „universaler“ Wertevorstellungen wird durch neue, alle Subsysteme verbindende Werte ersetzt, wie instrumentelle Intelligenz, Flexibilität, Anpassungs- und Umstellungsgeschick oder hochentwickelte Fähigkeit, Misserfolge oder Versagen zu ertragen und produktiv zu verarbeiten.

    Wiki
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  • Kris
    Kris
    Die neue Arch+: Post oil City...

    Wie stellt ihr euch die Stadt nach dem Öl vor??
  • ledifkciuq

    Troll


    "Ein Troll ist ein fabelhafter Riese, dessen Erscheinen alle verfügbare Aufmerksamkeit auf sich zieht. Leute, denen noch Freude im Leben geblieben ist, laufen davon, während Verrückte und Helden sich zur Wehr setzen. Einzige Regel beim Kampf gegen Trolle ist das zentrale Fütterungsverbot.

    Das schlimmste was im Kampf gegen einen Troll passieren kann, ist dass ein zweiter Troll hinzukommt. Dass die Trolle untereinander sehr verstritten sind ist zwar eine gute Sache. Aber im Kampf um die Aufmerksamkeit fressen sie sich gegenseitig die Gliedmaßen weg und verletzen damit das Fütterungsverbot.

    Sobald zwei Trolle in der Nähe sind kann man sie beobachten, ohne um sein Leben zu fürchten. Es läuft etwa so ab ... "



    🔗
  • ledifkciuq
    Rainer Maria Rilke

    Für Wolf Graf von Kalckreuth

    Geschrieben am 4. und 5. November 1908 in Paris

    Sah ich dich wirklich nie? Mir ist das Herz
    so schwer von dir wie von zu schwerem Anfang,
    den man hinausschiebt. Daß ich dich begänne
    zu sagen, Toter der du bist; du gerne,
    du leidenschaftlich Toter. War das so
    erleichternd wie du meintest, oder war
    das Nichtmehrleben doch noch weit vom Totsein?
    Du wähntest, besser zu besitzen dort,
    wo keiner Wert legt auf Besitz. Dir schien,
    dort drüben wärst du innen in der Landschaft,
    die wie ein Bild hier immer vor dir zuging,
    und kämst von innen her in die Geliebte
    und gingest hin durch alles, stark und schwingend.
    O daß du nun die Täuschung nicht zu lang
    nachtrügest deinem knabenhaften Irrtum.
    Daß du, gelöst in einer Strömung Wehmut
    und hingerissen, halb nur bei Bewußtsein,
    in der Bewegung um die fernen Sterne
    die Freude fändest, die du von hier fort
    verlegt hast in das Totsein deiner Träume.
    Wie nahe warst du, Lieber, hier an ihr.
    Wie war sie hier zuhaus, die, die du meintest,
    die ernste Freude deiner strengen Sehnsucht.
    Wenn du, enttäuscht von Glücklichsein und Unglück,
    dich in dich wühltest und mit einer Einsicht
    mühsam heraufkamst, unter dem Gewicht
    beinah zerbrechend deines dunkeln Fundes:
    da trugst du sie, sie, die du nicht erkannt hast,
    die Freude trugst du, deines kleinen Heilands
    Last trugst du durch dein Blut und holtest über.
    Was hast du nicht gewartet, daß die Schwere
    ganz unerträglich wird: da schlägt sie um
    und ist so schwer, weil sie so echt ist. Siehst du,
    dies war vielleicht dein nächster Augenblick;
    er rückte sich vielleicht vor deiner Tür
    den Kranz im Haar zurecht, da du sie zuwarfst.
    O dieser Schlag, wie geht er durch das Weltall,
    wenn irgendwo vom harten, scharfen Zugwind
    der Ungeduld ein Offenes ins Schloß fällt.
    Wer kann beschwören, daß nicht in der Erde
    ein Sprung sich hinzieht durch gesunde Samen;
    wer hat erforscht, ob in gezähmten Tieren
    nicht eine Lust zu töten geilig aufzuckt,
    wenn dieser Ruck ein Blitzlicht in ihr Hirn wirft.
    Wer kennt den Einfluß, der von unserm Handeln
    hinüberspringt in eine nahe Spitze,
    und wer begleitet ihn, wo alles leitet?
    Daß du zerstört hast. Daß man dies von dir
    wird sagen müssen bis in alle Zeiten.
    Und wenn ein Held bevorsteht, der den Sinn,
    den wir für das Gesicht der Dinge nehmen,
    wie eine Maske abreißt und uns rasend
    Gesichter aufdeckt, deren Augen längst
    uns lautlos durch verstellte Löcher anschaun:
    dies ist Gesicht und wird sich nicht verwandeln:
    daß du zerstört hast. Blöcke lagen da,
    und in der Luft um sie war schon der Rhythmus
    von einem Bauwerk, kaum mehr zu verhalten;
    du gingst herum und sahst nicht ihre Ordnung,
    einer verdeckte dir den andern; jeder
    schien dir zu wurzeln, wenn du im Vorbeigehn
    an ihm versuchtest, ohne rechtes Zutraun,
    daß du ihn hübest. Und du hobst sie alle
    in der Verzweiflung, aber nur, um sie
    zurückzuschleudern in den klaffen Steinbruch,
    in den sie, ausgedehnt von deinem Herzen,
    nicht mehr hineingehn. Hätte eine Frau
    die leichte Hand gelegt auf dieses Zornes
    noch zarten Anfang; wäre einer, der
    beschäftigt war, im Innersten beschäftigt,
    dir still begegnet, da du stumm hinausgingst,
    die Tat zu tun -; ja hätte nur dein Weg
    vorbeigeführt an einer wachen Werkstatt,
    wo Männer hämmern, wo der Tag sich schlicht
    verwirklicht; wär in deinem vollen Blick
    nur so viel Raum gewesen, daß das Abbild
    von einem Käfer, der sich müht, hineinging,
    du hättest jäh bei einem hellen Einsehn
    die Schrift gelesen, deren Zeichen du
    seit deiner Kindheit langsam in dich eingrubst,
    von Zeit zu Zeit versuchend, ob ein Satz
    dabei sich bilde: ach, er schien dir sinnlos.
    Ich weiß; ich weiß: du lagst davor und griffst
    die Rillen ab, wie man auf einem Grabstein
    die Inschrift abfühlt. Was dir irgend licht
    zu brennen schien, das hieltest du als Leuchte
    vor diese Zeile; doch die Flamme losch
    eh du begriffst, vielleicht von deinem Atem,
    vielleicht vom Zittern deiner Hand; vielleicht
    auch ganz von selbst, wie Flammen manchmal ausgehn.
    Du lasest's nie. Wir aber wagen nicht,
    zu lesen durch den Schmerz und aus der Ferne.
    Nur den Gedichten sehn wir zu, die noch
    über die Neigung deines Fühlens abwärts
    die Worte tragen, die du wähltest. Nein,
    nicht alle wähltest du; oft ward ein Anfang
    dir auferlegt als Ganzes, den du nachsprachst
    wie einen Auftrag. Und er schien dir traurig.
    Ach hättest du ihn nie von dir gehört.
    Dein Engel lautet jetzt noch und betont
    denselben Wortlaut anders, und mir bricht
    derf Jubel aus bei seiner Art zu sagen,
    der Jubel über dich : denn dies war dein :
    Daß jedes Liebe wieder von dir abfiel,
    daß du im Sehendwerden den Verzicht
    erkannt hast und im Tode deinen Fortschritt.
    Dieses war dein, du, Künstler; diese drei
    offenen Formen. Sieh, hier ist der Ausguß
    der ersten : Raum um dein Gefühl; und da
    aus jener zweiten Schlag ich dir das Anschaun
    das nichts begehrt, des großen Künstlers Anschaun;
    und in der dritten, die du selbst zu früh
    zerbrochen hast, da kaum der erste Schuß
    bebender Speise aus des Herzens Weißglut
    hineinfuhr -, war ein Tod von guter Arbeit
    vertieft gebildet, jener eigne Tod,
    der uns so nötig hat, weil wir ihn leben,
    und dem wir nirgends näher sind als hier.
    Dies alles war dein Gut und deine Freundschaft;
    du hast es oft geahnt; dann aber hat
    das Hohle jener Formen dich geschreckt,
    du griffst hinein und schöpftest Leere und
    beklagtest dich. - O alter Fluch der Dichter,
    die sich beklagen, wo sie sagen sollten,
    die immer urteiln über ihr Gefühl
    statt es zu bilden; die noch immer meinen,
    was traurig ist in ihnen oder froh,
    das wüßten sie und dürftens im Gedicht
    bedauern oder rühmen. Wie die Kranken
    gebrauchen sie die Sprache voller Wehleid,
    um zu beschreiben, wo es ihnen wehtut,
    statt hart sich in die Worte zu verwandeln,
    wie sich der Steinmetz einer Kathedrale
    verbissen umsetzt in des Steines Gleichmut.
    Dies war die Rettung. Hättest du nur ein Mal
    gesehn, wie Schicksal in die Verse eingeht
    und nicht zurückkommt, wie es drinnen Bild wird
    und nichts als Bild, nicht anders als ein Ahnherr,
    der dir im Rahmen, wenn du manchmal aufsiehst,
    zu gleichen scheint und wieder nicht zu gleichen - :
    du hättest ausgeharrt.
    Doch dies ist kleinlich,
    zu denken, was nicht war. Auch ist ein Schein
    von Vorwurf im Vergleich, der dich nicht trifft.
    Das, was geschieht, hat einen solchen Vorsprung
    vor unserm Meinen, dass wirs niemals einholn
    und nie erfahren, wie es wirklich aussah.
    Sei nicht beschämt, wenn dich die Toten streifen,
    die andern Toten, welche bis ans Ende
    aushielten.(Was will Ende sagen?) Tausche
    den Blick mit ihnen, ruhig, wie es Brauch ist,
    und fürchte nicht, daß unser Trauern dich
    seltsam belädt, so daß du ihnen auffällst.
    Die grossen Worte aus den Zeiten, da
    Geschehn noch sichtbar war, sind nicht für uns.
    Wer spricht von Siegen ? Überstehn ist alles.


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  • heinrich
    Einfachheit - Keep it simple and stupid
    Kleinheit - Small is beautiful
    Lokalität - Lass die Kirche im Dorf
    Kurzfristigkeit - Wer weiss schon, was morgen sein wird
    Egoismus - Wenn jeder an sich selbst denkt,
    sind alle wohlbedacht
    Nachdenken - Smarter, not harder
    Langsamkeit - Ankommen statt umkommen

    praxilogie.de
    Signatur
  • oojah
    Heinz von Foerster / Bernhard Pörksen:

    Wahrheit ist die Erfindung eines Lügners
    Gespräche für Skeptiker
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