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  • KUNST UND KALKÜL

  • Pierre Menard
    Pierre Menard KUNST UND KALKÜL
    ein sehr empfehlenswerter aufsatz:

    "Die Herausgeberin der Zeitschrift Texte zur Kunst, Isabelle Graw, entwirft in ihrem Essay Kunst, Markt, Mode (LETTRE 74 3/06) eine Topologie der Kunstszene zwischen aufgeheiztem Markt, Celebrity-Kult, Mode und Geschäft. Wer bestimmt, was als gut gilt, wer macht die Preise? Wie geriert sich der Künstler, welche Rolle hat er zu spielen in dem, was man als „visuelle Industrie“ bezeichnen könnte."
    leseprobe: 🔗
    und wo ich gerade bei frau graw bin, auch das interview mit herrn virno und ihr aufsatz: >>VON HIER AUS / Über Köln-Mythen, Fremdbestimmung und Rückzugs- und
    Ausstiegsszenarien angesichts der gestiegenen Bedeutung von "Leben"<< beides in texte zur kunst 63 09/06 sind lesenswert.

    danke für ihre aufmerksamkeit.
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  • efwe
    efwe
    danke f d link--
    ps und dampft grad nicht sowas wie eine schwimm-messe am ozean ;)
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  • sinA
    Zwei Zitate von Isabelle Graw:
    "Zwei Paralleluniversen, die getrennt nebeneinander her zu existieren vermögen und doch punktuell Schnittmengen bilden."

    "Das komplexe Gefüge dieses Marktes möchte ich mit dem Philosophen Axel Honneth als soziales Medium verstehen, welches es seinen Akteur/innen erlaubt, ihre Leistungen und Güter mit den jeweils anderen auszutauschen, um dabei enorme Gewinne zu erzielen. Damit dieser Markt funktionieren kann, müssen seine Akteur/innen jedoch in einen gemeinsamen Wertehorizont eingelassen sein und bestimmte normative Überzeugungen teilen. Der kollektive Glaube an die Kunst und ihre Bedeutung ist Voraussetzung dafür, daß sie in diesem Markt als "wertvoll" erachtet werden kann. In dem Maße, wie ganz profan mit ihr gehandelt wird, wird sie idealistisch verklärt und für letztlich unbezahlbar erklärt."

    Es wird ganz eindeutig Geld mit der Kunst gemacht...was auch nicht so schlimm wäre...wenn nur nicht die Folgen, die dann auf die Kunst negativ zurückfallen und wirken. Es entsteht ein Teufelkreis,oder genauer - eine Spirale nach unten... Für Künstler kann es fatal enden.
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  • renegArt
    renegArt
    Es wird ganz eindeutig Geld mit der Kunst gemacht...was auch nicht so schlimm wäre...


    kritischer wär's, wenn eine gesellschaft für kunst und kultur keine knete übrig hätte. ;)

    spitzwegs "armer poet" mag ja allgemein anerkannt schwer romantisch anmuten. bei licht betrachtet muss man aber schon ziemlich durch den wind sein, um hinter der bettlägerigkeit die romantik erkennen zu wollen.

    wenn nur nicht die Folgen, die dann auf die Kunst negativ zurückfallen und wirken. Es entsteht ein Teufelkreis,oder genauer - eine Spirale nach unten... Für Künstler kann es fatal enden.


    das hängt nicht zuletzt davon ab, wie jene künstler sich inszenieren, bzw. glauben, sich inszenieren zu müssen. neue impulse können natürlich nicht entstehen, wenn man sich ausschließlich an erwartungshaltungen orientiert. marketing-technisch wäre es aber eine fahrlässig riskante strategie, erwartungshaltungen zu ignorieren. ein künstler ist immer auch unternehmer. er bleibt es auch als erfolgloser unternehmer, ob es ihm nun schmeckt oder nicht. zur image-bildung taugt letzteres nur dummerweise meist erst nach seinem tode.

    es ist ein ewiges mysterium, was z.b. einen roy lichtenstein genau abhebt von heerscharen unterbezahlter comic-zeichner, von denen manche in sachen originalität, bilddramaturgie oder schlicht handwerklich solche prominente ikonen locker beiseite schieben könnten. es wird wohl auch ein unlösbares rätsel bleiben, warum arrivierte "künstler" sich auch dann noch nur selbst kopieren, wenn sie es sich längst wirtschaftlich leisten könnten, die grenzen der eigenen phantasie auszuloten. ein wutschnaubender galerist, der seine künstler primär als produkt begreift, wird da als erklärung kaum ausreichen.

    vielleicht liegt's an der eitelkeit und damit ist es auch eine recht komische sache. ohne eitelkeit gäbe es keine kultur. zugleich ist sie größtes hindernis.
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  • Pierre Menard
    Pierre Menard
    "..es ist ein ewiges mysterium, was z.b. einen roy lichtenstein genau abhebt von heerscharen unterbezahlter comic-zeichner, von denen manche in sachen originalität, bilddramaturgie oder schlicht handwerklich solche prominente ikonen locker beiseite schieben könnten."

    das ist, glaub ich, kein mysterium, zumal roy lichtenstein eben kein comiczeichner war. als beispiel erwähnen wir hier nur kurz das ironische zitat des drippings und die damit verbundene kritik an den vom abstrakten expressionismus kultivierten klischee des tumben künstlers. lichtenstein demontiert dieses stereotyp des edlen wilden auf eine leichtfüßige, humorvolle art und weise oder wie mach einer es heute formuliert:"kritik muß tanzen."
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  • sinA
    @renegArt."...das hängt nicht zuletzt davon ab, wie jene künstler sich inszenieren, bzw. glauben, sich inszenieren zu müssen\"

    Der Künstler muss sich in Szene setzen können, weil er eben ein Künstler ist und eine bestimmte eigenartige Idee hat (oder sollte haben).Was haben wir vom Künstelr , der im lochrigen Pulli im Keller sitzt und "wunderschöne" Bilder malt, die niemand sieht?.
    Aber! Hier kommt's! Was steckt hinter einem oder anderen Künstler? Welche Idee oder gar nichts?

    @renegArt."...es wird wohl auch ein unlösbares rätsel bleiben, warum arrivierte "künstler" sich auch dann noch nur selbst kopieren\"

    So unlösbar ist das Rätzel auch nicht. Schon die alten Griechen (PLATON) hatten sich darüber Gedanken gemacht. Sehr vereinfacht fragen wir mal so: Steckt hinter dem Künstler und seinem Werk eine DARSTELLUNG oder IMITATION?

    Hier ist der Beispiel einer typischen Imitation:

    🔗

    Also, wenn der Künstler mit eigenem Kunst NUR zu kalkulieren versucht, geht das meistens in die Hose...
  • malsupilahmi
    malsupilahmi
    Die berühmten Leute sind nicht umsonst berühmt. Das ist mein Schluss aus leider nicht allzuvielen Museumsbesuchen und würde ich auch so bis 1950 unterschreiben.
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  • sinA
    Ja, und wieviel richtig gute Künstler kennen wir überhaupt nicht? Die unentdeckt geblieben sind? Das ist mir ein Rätsel!
  • siku
    Der von hanni empfohlene Aufsatz ist schon deshalb bemerkenswert, weil er das soziale Gefüge sichtbar werden lässt, in dem differenzierte Aspekte für Qualität und Preis von Kunstwerken genannt werden. Ich nehme jedoch an (befürchte), dass der Aufsatz von den einzelnen Lesern unterschiedlich, je nach eigenem Standpunkt aufgefasst und interpretiert wird. Künstler, Kritiker und Vermarkter stecken in einem sozialen Geflecht. So wie es nicht nur einem Kunstexperten oder Galeristen nicht möglich ist einen bestimmten Künstler am Markt zu etablieren, ist es auch dem Künstler im Alleingang nicht möglich, in die erste Kunstliga aufzusteigen. Eine „Tellerwäscherkarriere“ ist im Kunstbetrieb äußerst selten, wenn sie auch immer mal wieder als Hoffnungsträger für die Zukunft heraufbeschworen wird. Wer nicht von Anfang an, beginnend mit einem Kunststudium an einer etablierten Hochschule, in die richtige Startposition gelangt, kann sich eine internationale Karriere mit Traumpreisen für seine Arbeiten schnell abschminken.

    Zitat Isabelle Graw: „Der kollektive Glaube an die Kunst und ihre Bedeutung ist Voraussetzung dafür, daß sie in diesem Markt als "wertvoll" erachtet werden kann. In dem Maße, wie ganz profan mit ihr gehandelt wird, wird sie idealistisch verklärt und für letztlich unbezahlbar erklärt."
    Das Kunst am Markt für wertvoll erachtet wird, sehe ich eher als positiven Aspekt. Für „unbezahlbar“ wird >historische< Kunst erklärt, das gilt nicht für aktuelle Kunst, auch wenn diese hohe Marktwerte erzielt.

    Zitat Anis: „Es wird ganz eindeutig Geld mit der Kunst gemacht...was auch nicht so schlimm wäre...wenn nur nicht die Folgen, die dann auf die Kunst negativ zurückfallen und wirken. Es entsteht ein Teufelkreis, oder genauer - eine Spirale nach unten... Für Künstler kann es fatal enden.“
    Da sehe ich nicht so schwarz, vielmehr scheint mir die zunehmende Anzahl von Kunstschaffenden und damit von künstlerischen Produkten den Überlebenskampf einzelner Künstler zu erschweren.

    Zitat renegArt: „... es wird wohl auch ein unlösbares rätsel bleiben, warum arrivierte "künstler" sich auch dann noch nur selbst kopieren, wenn sie es sich längst wirtschaftlich leisten könnten, die grenzen der eigenen phantasie auszuloten. ein wutschnaubender galerist, der seine künstler primär als produkt begreift, wird da als erklärung kaum ausreichen.“

    Erfolge machen satt – und das Pferd, das einen bisher gut getragen hat, wechselt man auch nicht so gern. Des weiteren ist es doch auch so, dass die Kunsthistorie dazu neigt, von dem jeweiligen Künstler, die prägnantesten Sujets zu besprechen und herauszustellen, während andere Motivversuche und Experimente nur im Werkeverzeichnis auftauchen. Da kann man gelegentlich staunen, welche Vielfalt darin bewundert werden kann.

    Zitat Jennifer: „Die berühmten Leute sind nicht umsonst berühmt. Das ist mein Schluss aus leider nicht allzuvielen Museumsbesuchen und würde ich auch so bis 1950 unterschreiben“

    Auch was heute in etablierten Kunstvereinen gezeigt wird, gehört zu den besseren künstlerischen Würfen. Es ist aber auch eine Tatsache, dass viele fähige Kunstschaffende für die Öffentlichkeit unsichtbar bleiben, weil sie nicht richtig protegiert worden sind bzw. werden. Dazu gibt es auch in der Kunstgeschichte genügend Beispiele. Es gibt auch berühmte Künstler, die zu deren Lebzeiten berühmt waren und später in der Versenkung verschwanden. Nur wer im Kunstbetrieb nie dokumentarisch erfasst wurde, kann zu einem späteren Zeitpunkt nicht mehr berühmt werden, der ist praktisch nicht existent am Kunstmarkt.
  • renegArt
    renegArt
    zumal roy lichtenstein eben kein comiczeichner war.


    richtig! genau deshalb habe ich ihn in meiner provokanten these jenen im kunstbetrieb eher selten hoch angesehenen comic-zeichnern gegenübergestellt. die spitze ging auch nicht gegen lichtenstein, den ich mit seiner "tanzenden kritik", wie du es nennst, durchaus schätze, sondern an der selektiven wahrnehmung, die einzelne idole glorifiziert.

    da sind wir dann wieder bei dem von dir vorgestellten artikel (danke übrigens), der - nicht ganz zu unrecht - über "celebrity-taugliche besucher" von kunstmessen und den damit einhergehenden klatschjournalismus lästert.

    ich würde noch einen schritt weiter gehen, als isabelle graw, die ihr plädoyer als verteidigung des seriösen kunstjournalismus formuliert, der gefahr laufe zu einer ansammlung von society-histörchen zu verkommen.

    für mich ist das eher ein folgerichtiger schritt, denn ein großteil des kunstbetriebs besteht ja wohl daraus, sich sektglas-schwenkend auf vernisagen selbst auszustellen. das phänomen ist auch nicht wirklich neu und solange dort leute mit kohle rumkullern und ihre eitelkeiten pflegen, werden sie auch goutiert, da es deren scheckbücher sind, die den zirkus am laufen halten. und es ist nicht gerade wenig geld, das in diesem ambiente bewegt wird.

    die damit verbundene kritik an den vom abstrakten expressionismus kultivierten klischee des tumben künstlers.


    obacht! lichtenstein kam selbst aus der expressionistischen ecke, bevor er sich der pop-art zugewandt und diese stilrichtung entscheidend mitgeprägt hat. ;)

    Was haben wir vom Künstelr , der im lochrigen Pulli im Keller sitzt und "wunderschöne" Bilder malt, die niemand sieht?.


    völlig korrekt. nur liegt eben da auch die gefahr. die inszenierung kann schnell die inhalte ersetzen, die sie eigentlich transportieren soll. verstärkt wird das durch ein publikum, das - zumindest teilweise - an jenen inhalten gar nicht interessiert ist, sondern eher am begleitenden glämmer, den es für die eigene inszenierung auszuschlachten hofft.

    Sehr vereinfacht fragen wir mal so: Steckt hinter dem Künstler und seinem Werk eine DARSTELLUNG oder IMITATION?


    ich stell die frage dagegen: ist die imitation immer so ohne weiteres als solche erkennbar?

    kürzlich habe ich wieder einmal etwas dazu gelernt: eine menge der ideen und konzepte, die von m.c. escher umgesetzt wurden, stammen ursprünglich vom schwedischen grafiker oscar reutersvärd. nur wer zum teufel war reutersvärd? damit möchte ich eschers verdienst nicht schmälern, ich mag seine grafiken nach wie vor sehr. nur weiß eben kaum jemand, auf wessen schultern seine arbeit eigentlich steht.

    Also, wenn der Künstler mit eigenem Kunst NUR zu kalkulieren versucht, geht das meistens in die Hose...


    schön wär's :)

    mein aha-erlebnis hatte ich vor einigen jahren im centre pompidou, wo einige von piet mondrians originalen im beeindruckenden postkarten-format hingen... zusammen mit werken anderer künstler, deren namen ich noch nie gehört habe, deren werke aber dem typischen mondrian-stil zum verwechseln ähnlich sehen. die namenlosen kunstwerke waren zwischen 5 und 20 jahre älter, als das, was von mondrian selbst ausgestellt war. die erkenntnis hat mir das oevre mondrians nicht wirklich näher bringen können. ich war eher verblüfft, dass man selbst mit derart banalen plagiaten berühmt werden kann.

    ich selbst musste ähnliche übungen in der schule im kunstkurs über mich ergehen lassen, bis sie mir damals zu den ohren rausgekommen sind. den mist hab ich dann nach der benotung umgehend weggeschmissen, aber wenigstens achte ich seitdem eher darauf, wie unterschiedliche formen und farben den optischen schwerpunkt eines bildes beeinflussen. insofern haben die imitationen wenigstens mir persönlich etwas gebracht, aber die ergebnisse dieses mühens sind heute da, wo sie hingehören.

    Erfolge machen satt – und das Pferd, das einen bisher gut getragen hat, wechselt man auch nicht so gern.


    eine einleuchtende erklärung, aber keine entschuldigung :D

    Da kann man gelegentlich staunen, welche Vielfalt darin bewundert werden kann.


    yep! das wäre imho der job von leuten wie graw, den blick des publikums zu weiten und entsprechende aufmerksamkeit herzustellen. nur leider gibt es auch im geleitzug zu häufig den impuls, sich an stereotypen festzubeißen und auf die sicht zu konzentrieren, die vermeintlich "ankommt". sicherlich wird es da auch engagierte journalisten geben, womöglich nicht einmal wenige. nur leider fallen die im allgemeinen tenor nur unzureichend auf, und wenn man isabelle graw glauben mag, weist der trend wohl geradewegs in die entgegengesetzte richtung.
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  • Robert Wolter
    Robert Wolter
    Ein interessanter Aufsatz, danke für den Hinweis.
    Ich möchte nur auf den Schlußsatz auf der Website eingehen:
    >>Der kollektive Glaube an die Kunst und ihre Bedeutung ist Voraussetzung dafür, daß sie in diesem Markt als "wertvoll" erachtet werden kann. In dem Maße, wie ganz profan mit ihr gehandelt wird, wird sie idealistisch verklärt und für letztlich unbezahlbar erklärt.<<

    Möglicherweise ist es die unheilige Allianz zwischen Spekulanten und "Kunstkennern", die zum Hype bei manchen Werken geführt hat. Den Spekulanten ist die Kunst an sich oft anfangs völlig gleichgültig, sie sehen nur den Profit. Trotzdem schmückt man sich auch in diesen Kreisen z.B. gerne mit echten "alten Meisterwerken", weil sie ein Statussymbol sind, oder ein Symbol der "Kultur". Es ist allgemein etabliert, sich mit Kunst zu umgeben, wenn man wirtschaftliche Macht hat. Vielleicht rechtfertigt ein typischer Machtmensch auch noch sein ausbeuterisches Tun gerade dadurch, daß er doch "junge Talente fördert" und damit "Kunst und Kultur stärkt".

    Das ist ein endloses Themenfeld, man müßte am Ende die ganze kapitalistische Welt einbeziehen.

    Zitat siku:
    >>Ich nehme jedoch an (befürchte), dass der Aufsatz von den einzelnen Lesern unterschiedlich, je nach eigenem Standpunkt aufgefasst und interpretiert wird.<<

    Genau richtig erkannt, das ist aber trivialerweise bei jedem Text so.

    Zitat Jennifer:
    >>Die berühmten Leute sind nicht umsonst berühmt. Das ist mein Schluss aus leider nicht allzuvielen Museumsbesuchen und würde ich auch so bis 1950 unterschreiben.<<

    Warum gerade bis 1950? Das erscheint mir recht willkürlich. Ist es z.B. bei Joseph Beuys nicht mehr angemessen?

    Nochmals Zitat siku:
    >>Auch was heute in etablierten Kunstvereinen gezeigt wird, gehört zu den besseren künstlerischen Würfen. <<

    Das ist aber sehr pauschal und der Begriff "etablierter Kunstverein" ist mir ein Rätsel.

    Zitat Anis:
    >>Ja, und wieviel richtig gute Künstler kennen wir überhaupt nicht?<<

    Meiner Auffassung nach mit Sicherheit die Mehrheit aller Künstler. Viele sind reine Hobbyisten geblieben und hatten nicht den Ehrgeiz, berühmt zu werden.

    Nochmals Zitat Anis:
    >>Was steckt hinter einem oder anderen Künstler? Welche Idee oder gar nichts?<<

    Die Grenzen sind offenbar fließend. Viele Künstler wurden "künstlich gemacht", nicht weil sie etwas Originelles bieten, wohl aber die richtigen Leute kennen.

    Ich sollte jetzt mal aufhören, sonst zitiere ich noch den ganzen Thread ;)
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  • sinA
    @renegArtich."... stell die frage dagegen: ist die imitation immer so ohne weiteres als solche erkennbar?"

    Ich wage zu behaupten, JA. Das ist aber ein anderes Thema. Nur kurz: Der "echte" Künstler spielt mit offenen Karten. Er verleugnet sein Darstellungsmedium nicht. Im Gegenteil:er betreibt eine konsequente Mitthematisierung jener Medialität, durch die hindurch er arbeitet. Mit den "Mitteln" des Bildes kommt beim Maler nicht das Ding selbst, sondern die Darstellung des Dinges zu Vorschein.

    Es ist nicht mein Gedanke, sondern von Lambert Wiesing aus seinem Buch "Artifizielle Präsenz", das ich in Moment lese.

    Reutersvärd und Escher, soviel ich weiß, bilden ein starkes Paar. Wer etwas vom Escher wissen will, muss durch Reutersvärd durch. So habe ich gemacht.
  • sinA
    Ich habe noch zwei dazu passende Zitate gefunden.
    Aus dem Magazin ARTINVESTOR Nr.03/2006:

    "Die Kunst. Visionen in Werte zu wandeln.
    Erlesene Kunst hat dauerhafte Gültigkeit und steigert Ihren Wert durch die Zeit. Denn Kunst fungiert als universales Medium zwischen den Menschen, über die Epochen hinaus. Das schöpferische Moment der Kunst - die Fähigkeit des Künstlers zu einet Vision, die aus einer reinen Idee eine wertvolle Realität werden läßt -, diese Fähigkeit wohnt auch demjenigen inne, der die Kunst als Kapital versteht."


    Aus der Kolumne von Eva Karcher.

    Ästhetik statt Ethik

    Wir erleben die flächendeckende Warholisierung unseres kleinen Globus. Warhol ist unsere Wierklichkeit, in der alles Oberfläche ist. Wir scheinen ausschließlich den ästhetischen Regeln paralleler Lifestyle-Welten zu gehorchen und uns freiwillig den Chics und Looks eines immer totalitäreren Marketingdiktats zu unterwerfen. Diese Codes mixen wir und fügen sie zur Collage unserer hedonistischen Selbstverwirklichung. Während Beuys die Ästhetik der Ethik unterordnete, indem er einer Vision folgte und ein Ideal zu verwirklichen suchte, war es bei Andy Warhol genau umgekehrt. Seine Welt war eine ästhetische, in welcher Moral gleichgültig war: unsere Welt, eine Welt der Performance und der Inszenierung.

    Soviel Oberfläche war nie. Psyhotherapeuten werden von ästhetischen Chirurgen ersetzt, Attraktivität gilt als Gut mit dem höchsten Kapitalwert. Nicht stehlen gilt gegenwärtig als unmoralisch, sondern fett und hässlich tu sein. Ästhetik hat die Ethik ersetzt. Ihm, der Sphinx ohne Rätsel, hätte diese Entkoppelung von Ästhetik und Ethik vielleicht gefallen. Aber sie hat ihren Preis. Mag der Kult der Oberfläche und die höhere Sensibilität für Form und Stil auch das Auge umschmeicheln und verführen. Aber ist es nicht befremdend, wenn ethisches Handeln nur noch als Geschmacksfrage diskutiert wird und gut auszusehen ungleich höher bewertet wird als gut zu sein?

    Warhol ist unser angebeteter Über-Hero, und das ist gut so. Doch wo bleibt Beuys? Wir brauchen ihn für unsere existenzielle Balance."
  • siku
    Das Problem dieser Textausschnitte ist es, dass sie nur einen Ausschnitt künstlerischen Schaffens thematisieren, indem der Autor Beispiele wählt, die mit wenigen Zeilen zu einem anvisierten Ergebnis führen (hier: „Ästhetik statt Ethik“). Beispiele für künstlerische Prozesse, die existentielle menschliche Bereiche ansprechen, gibt es auch heutzutage hinlänglich, es seien hier nur zwei willkürlich ausgewählte Namen genannt: Rebecca Horn, Thomas Hirschhorn.
    Schaut man sich in Kunstvereinen oder Museen die zeitgenössische Kunst ausstellen um, kann man doch vielmehr den Eindruck erhalten, dass Marktstrategien gemordet werden sollen. Kaum wird dort die aalglatte Masche der Popkultur präsentiert. Bewegt man sich dagegen auf Kunstmessen, die galerieähnlich den motivierten Privatsammler ansprechen, wird man eher Handliches zum Erwerb finden. Doch daraus gleich den Verfall der Ethik zu begründen, finde ich ein wenig hochgeschraubt.
    (Kleine Randbemerkung:Beuys hat kleine handliche Grafiken gefertigt und auch verkauft, auch scheint es mir zweifelhaft, Warhols Werk gänzlich ethische Werte abzusprechen.)
  • Annemarie Siber
    Annemarie Siber
    wobei man (mal wieder) beim allseits so beliebten Thema wäre:
    "WAS ist Kunst?"
    anhand eines kleines Umweges über "darf man mit Kunst kalkuliert =(?) berechnend Geld verdienen?"

    Diese Frage und deren Suche nach Antwort gleicht mir langsam aber sicher nach krampfhafter "Meta-Kunst"
    Meta-Kunst weil es beinahe Kunst-Charakter besitzt wie darüber immer wieder verzweifelt philosophiert wird und krampfhaft weil man diese Zeit mit der Suche nach Antworten auf (meiner Meinung nach) sinnvollere Fragen verbringen könnte (da fallen mir auf Anhieb so diverse ein!)

    Tschö! ;-)))
    Signatur
  • siku
    Einspruch :-))

    so simpel ist der zitierte Artikel nicht! Eine Kritik an einer - gezielt ausgerichteten - Verflachung künstlerlischen Anspruchs (wie die Autorin zu meinen scheint) zu Gunsten einer Com-MERZ-ialisierung ist nicht gleichzusetzen mit der Frage "Was ist Kunst?"
    Es wird auch nicht philosophiert, sondern es werden lediglich Begriffe aus der Philosophie erwähnt.
  • sinA
    @ siku."Doch daraus gleich den Verfall der Ethik zu begründen, finde ich ein wenig hochgeschraubt.
    (Kleine Randbemerkung:Beuys hat kleine handliche Grafiken gefertigt und auch verkauft, auch scheint es mir zweifelhaft, Warhols Werk gänzlich ethische Werte abzusprechen.)"

    Einverstanden, so ist es mit Kunstwerken, sie kann man einfach nicht in eine Schublade schieben.

    Ich nenne nur zwei Namen, zwei "Bad Boys" der Kunstszene, die internationale Berühmtheit genießen.

    Andreas Slominski und Jeff Koons

    Die beide kann man auch in Verbindung mit Beuys setzen.Sie machen sowohl die räumlichen Bilder, als auch 2D Bilder.

    Die Ästhetik dieser grellbunten Bilder ist so überstrapaziert, dass es wird nicht mehr lüstig.
    Ist hier auch Kalkül im Spiel oder ein Schrei des Malers nach Ethik? Die Interpretation dieser Bilder ist durch ihre übertriebene Repräsentation schnell erschöpft. Man sucht nicht lange nach dem Sinn dieser Bilder. Die Optik überdeckt alles. Es bleibt nur das Gefühl,"es ist etwas drin". Dafür wird es auch viel Geld ausgegeben. Ob da was wirklich was drin ist, ist zweite Frage.

    Ich nehme an, dass die zunehmende Bedeutung digitaler Bilder spielt hier auch eine große Rolle. Man darf diese Entwicklung aber nicht einfach als "Bankdirektorenästhetik", "Kunstkalkül" oder "optische Vergewaltigung" abtun. Vielleicht ist es auch eine Form der Verweigerung und Widerstandes...wer weiß... es ist Kunst halt.

    Man kann auch eigene kleine Bildchen malen uund über große Kunst philosophieren... Eine schließt das andere nicht aus..
  • siku

    Ich nehme an, dass die zunehmende Bedeutung digitaler Bilder spielt hier auch eine große Rolle. Man darf diese Entwicklung aber nicht einfach als "Bankdirektorenästhetik", "Kunstkalkül" oder "optische Vergewaltigung" abtun. Vielleicht ist es auch eine Form der Verweigerung und Widerstandes...wer weiß... es ist Kunst halt.

    Zustimmung.

    Man kann auch eigene kleine Bildchen malen uund über große Kunst philosophieren... Eine schließt das andere nicht aus..

    :-)))

    Grüße siku
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