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  • Der kleine weisse Hund

  • Harald Solter
    Harald Solter Der kleine weisse Hund
    Kurz nach Anbruch des sogenannten Postmillenniums begab sich folgende kleine und eigentlich unbedeutende Geschichte. Und zwar geschah es genau so, so ähnlich oder ganz anders – der Wahrheit wird wohl niemals auf den Grund gegangen werden.

    Ich flanierte an einem sonnigen Juninachmittag durch die Einkaufsstrasse unseres kleinen Städtchens und liess meinen Blick gerade über die Schaufensterauslagen eines Schuhgeschäftes schweifen, als mein Blick an einem weissen Stück Papier hängen blieb, auf welchem folgendes geschrieben war: Kleiner weisser Hund entlaufen, Tierklinik, Tel... Belohnung 100,- €
    Sofort begann ich den Horizont abzusuchen, nicht aber nach dem kleinen weissen Hund, sondern nach Leuten, die nach demselbigen auf der Suche wären. Ich konnte aber nichts entdecken, und machte mir auch selbst nicht die Mühe einen Gedanken daran zu verschwenden, etwa eine getigerte Katze zu fangen, sie weiss anzupinseln und ihr das Kläffen beizubringen.
    Wer macht sich schon die Mühe, wegen 100 € nach einem kleinen weissen Hund zu suchen?

    Wem mag der Hund wohl gehört haben? Vielleicht einem jungen Mädchen, das diesen Hund über alles liebte und deshalb ihr Sparschwein geschlachtet und den Hund in die Tierklinik gebracht hat, um ihn dort von irgendeinem Leiden kurieren zu lassen.

    Nun war es zu dieser Zeit auch hierzulande durchaus bekannt, dass es im fernen China jederzeit an der Tagesordnung war, dreiste Diebe durch einen gezielten Genickschuss hinzurichten, weil sie versucht hatten eine Handvoll Reis zu stehlen um nicht des Hungers sterben zu müssen.
    Sofort nach der Hinrichtung wurden diese Verbrecher dann ausgewaidet – man entnahm ihnen sämtliche lebenswichtigen Organe und warf den Rest des Kadavers in den Müll.
    Diese Organe wurden anschliessend an reiche Menschen aus dem Westen verkauft, die aus irgendeinem Grund todkrank waren und das jeweilige Organ viel dringender benötigten als ein unnützer Reisdieb und sich daher auch aus gutem Grund ein längeres Leben leisten konnten – sie hatten es sich verdient.

    Etwas ähnliches könnte unserem kleinen weissen Hund widerfahren sein – eine amerikanische Milliardärsgattin wurde von ihrem greisen Ehemann plötzlich und unvorhergesehen mit einem gigantischen Vermögen und einem anderen kleinen weissen Hund im Stich und alleine gelassen.
    Fortan widmete die arme Witwe all ihre Aufmerksamkeit dem kleinen weissen Hund und fristete soweit ein ganz erträgliches Dasein, bis eines Tages das arme Tier begann, an einer rätselhaften Krankheit zu leiden.
    Die besten Veterinärmediziner der Vereinigten Staaten wurden sofort beauftragt, alles nur erdenkliche zu unternehmen, um das Leben des armen Geschöpfes zu retten – koste es was es wolle.
    Die Ärzte stellten daraufhin ein rätselhaftes Krebsgeschwür an der linken Niere oder im rechten Lungenflügel des Getiers fest und kamen rasch zu dem Entschluss, dass das Organ ausgetauscht werden muss, und zwar so schnell wie möglich.
    Fieberhaft begannen sie im Internet zu recherchieren, doch als sie kein passendes Spenderorgan finden konnten schickten sie eine Email an alle renommierten Tierkliniken der Welt, als dass diese behilflich wären, nach einem rettenden Ersatz zu suchen.
    Wie es der Zufall oder das Schicksal nun wollte landete unser kleiner weisser Hund gerade in besagter Tierklinik auf dem Operationstisch als die Nachricht von der Suche bekannt wurde.
    Das kleine Mädchen wurde daraufhin nach Hause geschickt, mit der Anweisung ihren Liebling am folgenden Tag wieder abzuholen, nachdem er von seinem Leiden kuriert worden wäre.

    Als das Mädchen wie geheissen am nächsten Tag dort erschien wurde ihm folgende Geschichte erzählt:
    Man habe versucht, den Hund auf dem Operationstisch festzuschnallen und mit einer Narkosespritze zu betäuben, doch plötzlich habe er sich gewehrt wie ein Berserker, sich von den Fesseln losgerissen und sei durch einen Spalt in der Tür entkommen noch ehe man sich´s versah.
    Da mit so etwas schliesslich niemand rechnen konnte, bat man nun das Mädchen, die enstandenen Kosten für den nicht unbeträchtlichen Aufwand zu erstatten und anschliessend nach dem Tier zu suchen, auf dass man sein Leben in letzter Minute doch noch retten könne.
    Das Mädchen suchte fieberhaft in der ganzen Stadt, doch sie konnte den Hund nirgends finden, darauf besann sie sich auf die letzten 100,- verbliebenen Euro ihres ersparten und begann überall Zettel aufzuhängen auf denen eine Belohnung ausgesetzt wurde, auf dass ihr die Leute helfen, nach dem armen Tier zu suchen.

    Wie gesagt, ob diese Geschichte sich so, oder so ähnlich oder ganz anders ereignet hat wird wohl niemals aufgeklärt, denn die Wahrheit ist im angehenden Postmillennium nicht wirklich wichtig.

    (c) copyright by LarS van Core 2003
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  • El-Meky
    El-Meky
    :o) wuff !

    ja die Gedanken sind frei und machen Spass !

    Gruss Ella

    Die Gedanken sind frei :o)
    Signatur
  • odnaliW_ocsicnarF Die Botschaft einer Ziege
    :o))
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  • Seite 1 von 1 [ 3 Beiträge ]

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