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  • SELFPORTRAIT PROJECT 2007

  • Friedrich
    Friedrich SELFPORTRAIT PROJECT 2007
    đź”—
  • girekleu
    Du behältst, wenn du ein Selbstportrait bei Artou hochlädst, das Eigentum an deinem Bild. Du erklärst dich aber damit einverstanden, dass Artou dein Bild auf seinen Seiten zeigen darf und damit der Öffentlichkeit zugänglich macht. Darüber hinaus erlaubst du, dass der Maler dein Bild als Vorlage für ein Gemälde verwendet. Du hast allerdings kein Recht darauf, dass ein Bild, das du hochgeladen hast, auch gezeigt wird. Dezidiert pornografische Bilder werden unter Umständen nicht gezeigt.

    Gehört dein Selbstportrait zu den ausgewählten 25 besten und wird dein Bild gemalt und ausgestellt, so besitzt du während der Ausstellungseröffnung einerseits das Vorkaufsrecht für das betreffende Gemälde, andererseits steht dir ein Rabatt von 20 Prozent des Verkaufspreises zu. Nimmst du dieses Recht nicht in Anspruch, steht dir bei Verkauf des Bildes an eine andere Person oder Institution ein Anteil von 10 Prozent des Verkaufspreises zu. Nach dem Tag der Ausstellungseröffnung verfällt dein Vorkaufsrecht. Dein Anteil an den Verkaufserträgen bleibt aber bis zum Verkauf erhalten. Der Preis eines Gemäldes mit den Maßen 120x80 cm wird mindestens 2400 Euro betragen. Du müsstest für das Gemälde, das nach deinem Selbstportrait angefertigt wurde, 1920 Euro bezahlen. Im Falle eines Verkaufs an andere stünden dir demgegenüber 240 Euro als Gewinnanteil zu. Gibst du dein Bild zur Auktion frei, können die Beträge höher liegen.

    Ohne Messerset? Das ist ja povert.
  • martinicio
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  • z-m
    Ich sag's ja immer: Man muss mit der Zeit gehen!
    Früher beschränkte man sich darauf, im stillen Kämmerlein die Umfrageergebnisse zu frisieren, um sie dann mit vor Stolz geschwollener Brust zu präsentieren, aber heutzutage macht man das natürlich ganz anders: Man gestaltet schlicht den Fragebogen seinen Wünschen entsprechend und, wie böse Zungen dann und wann zu behaupten wagen, beantwortet Beschwerden oft mit dem Verweis darauf, dass ja keine Abstimmungspflicht besteht; das Verhältnis der Wähler zu den gezwungenermassenen Nichtwählern wird in den Ergebnissen freilich vornehm verschwiegen, denn dieses bringt nur all zu oft so manches Kreisdiagramm aus dem Gleichgewicht - der Betrachter soll ja die Daten gut ablesen können.
    Als Fazit bleibt mir nur festzustellen: Wer souverän genug und sich seiner Sache sicher ist, sowie hinter ihr stehen kann, braucht sich nicht zu scheuen etwsa altmodisch zu wirken, nur weil er dem Abstimmenden eine Wahlmöglichkeit einräumt. Oder wie sagte eine deutsche Sozialdemokratin einmal: "Eine Mehrheit muss nicht unbedingt quantitativ sein.". In diesem Fall 1 : 6000000000 oder so...
  • AndrĂ© M. Kuhl
    André M. Kuhl
    Das SELFPORTRAIT-PROJECT 2007

    Gerne reden wir über unser heutiges Zeitalter als eines der virtuellen Räume und Realitäten. Selbst die mediale Vermittlung von wirklicher Wirklichkeit in den Nachrichten, Fernsehberichten und News-Tickern populärer Websites enthüllt sich bei genauerer und kritischer Betrachtung als Teil einer totalen – und zuweilen auch totalitär gewordenen – Fiktion, die nur dort jäh zerbricht, wo die scheinbar willkürliche und erbarmungslose wirkliche Wirklichkeit physisch und existentiell ein individuelles Leben – unser eigenes oder das eines uns nahe stehenden Menschen - spürbar deformiert.

    Der Pixel-Wirklichkeit auf den Bildschirmen und den subjektiven Wirklichkeiten in unseren Köpfen stehen aber auch ganz reale Menschen aus Fleisch und Blut gegenüber. Ganz so, als wollten sie unablässig und nachhaltig den Beweis für McLuhans These erbringen, nach der das Medium selbst die Message ist, verwandeln sie sich als Besucher der virtuellen Welten, als Nutzer virtueller Räume und Informationspools in markante Exemplare einer neuen, doppelgesichtigen Spezies: Sie sind verwoben in ein multiples Netz aus Kommunikationen, im dauernden schriftlichen - aber kaum mehr schriftsprachlichen - Ausstausch mit körperlosen Anderen beispielsweise im Chat, über ICQ oder Weblogs, aber zugleich als materielle Wesen oft einsam und isoliert vor ihren Bildschirmen und Webcams. So werden die objektiven virtuellen Welten der Programme und des Internet zu (Re-)Projektionsflächen für die Fiktionen der ihnen gegenüber sitzenden Subjekte. Zum einen sucht das bis in die Sprache hinein passive Eintauchen in die audiovisuelle Scheinwelt sich in der Aktivität subjektiver Fiktionalisierung ein Gegengewicht. Zum anderen bietet der virtuelle Kommunikationsraum eine willkommene Zuflucht vor den Zumutungen einer stumpfen, ermüdenden oder sogar deprimierenden wirklichen Wirklichkeit. Während wir auf Bürgersteigen, in Bussen und Bahnen unser Norm-Gesicht spazieren führen, das uns eine wenig kunstsinnige Natur beschied, und uns freiwillig in die Maßanzüge der allgemeinen Normen und einer nicht weniger allgemeinen Unvernunft zwängen, können wir uns in der Einsamkeit vor unseren Bildschirmen, den mehrfach vergüteten Linsen unserer Digitalkameras und Foto-Handys zu neuen Menschen formen: Wo früher kein Rückzugsort für Selbstverwirklichung war, greift heute eine bizarre und scheinbar regellose, manchmal sogar immoralische Selbstinszenierungspraxis Raum, in der sich oft schamlos Süchte, Sehnsüchte, alternative Lebens- und Körperkonzepte offenbaren. Das Private und Intimste wird einer anonymen Öffentlichkeit preisgegeben oder sogar dafür allererst erfunden. Selbstbilder in Worten, vor allem aber in Form von Fotos, die hinter verschlossenen Türen im Bad, im Bett und besonders vor Spiegeln geschossen werden. Auf ihnen sind Körper, Körperteile, sogar Körperflüssigkeiten zu sehen, Kinderpopos, aufreizende Posen, die ernsten Blicke der Alltagsphilosophen, Selbstverletzungen, Selbstdeformationen, Glück, Verzückung und symbolisch vollzogener Suizid.

    Vergleichbar dem schnellen Zoom dieses Textes auf das in seiner Leiblichkeit isolierte und normativ stark eingeschränkte Subjekt als User moderner Kommunikationsmedien richtet das SELFPORTRAIT-PROJECT 2007 seinen Fokus auf die subjektiven Versuche, mit Hilfe digitaler Aufzeichnungsgeräte den eigenen Leib als einen befreiten in den virtuellen Raum der erfundenen Wirklichkeit hinüber zu retten. Die – meist antwortlose – Selbstbefragung durch das Selbstportrait ist nicht neu. Zwar diente das Selbstportrait in der Geschichte der Kunst meist Studienzwecken – und welches Modell ist schon so universell verfügbar? – aber schon im 15. Jahrhundert verbanden Künstler, wie beispielsweise Memling in der Rolle des Heiligen Johannes oder Dürer in seinem berühmten Selbstportrait aus dem Jahre 1500, das Selbstportrait mit bewussten Selbstinszenierungen. So zahlreich in den letzten etwa 600 Jahren diese künstlerischen Selbstbefragungen und Rollenspiele gewesen sein mögen – heute, zumal seit der direkten Übertragbarkeit der Bilddaten von Datenträger zu Datenträger ist das Selbstportrait ein Massenphänomen. Dabei reichen diese in die Milliarden gehenden Selbstportraits von naiven Versuchen der Selbstdokumentation als lebensgeschichtliche Fixpunkte in Raum und Zeit bis hin zu bewusster und ästhetisch ausgeklügelter Gestaltung des eigenen Abbilds in einem als bloße Form erkannten Umraum, der Cadrage.

    Gemeinsam ist allen diesen Selbstportraits die Inszenierung. So wie es unmöglich ist, in der Begegnung mit anderen nicht zu kommunizieren (Watzlawick), ist es dem Portraitisten unmöglich, sich selbst im Portrait nicht zu inszenieren: Das Selbstportrait ist immer unauthentisch, es enthüllt weniger das materiale Sein des Portraitierten als vielmehr seinen - immateriellen – Wunsch, wie er gesehen werden will, oder auch, wie er nicht gesehen werden will. Dabei spielt der formale Aufbau der fotografischen Selbstportraits im Allgemeinen keine wesentliche Rolle, weil die gestalterischen Grenzen situationsbedingt eng begrenzt sind. Entweder richtet sich das Objektiv vom ausgestreckten Arm aus auf das eigene Gesicht oder andere Körperbereiche oder aber die Kamera befindet sich auf einer Ablage, einem Tisch oder auf dem Boden und arbeitet mit zeitlicher Verzögerung, während der der Portraitist sich in seine Pose begibt. Immer mangelt es diesen Fotos an Kontrolle durch den Produzenten. Er sieht nicht, was er tut. Anders verhält es sich bei der weit verbreiteten Gewohnheit, sich in einem Spiegel zu fotografieren. Aber auch hier ist größtmögliche Kontrolle über die Cadrage nur möglich, wenn der kleine Monitor der Digitalkamera direkt in den Blick genommen werden kann. Dann aber wird das Gesicht des Portraitierten meist gerade durch die Kamera teilweise verdeckt. Die eigentliche Ästhetik dieser Form von Alltagsfotografie zeigt sich erst in der Auswahl der aus subjektiver Sicht gelungensten Exemplare aus einer meist langen Reihe von formal zufälligen Selbstschüssen. Auffallend ist aber, dass gerade diese Auswahl, also das Weglassen und Löschen des formal Bedeutungslosen in den meisten Fällen ausbleibt: Die Selbstportraitisten veröffentlichen über die einschlägigen Seiten, Blogs und vor allem digitale Fotoalben nicht selten alle oder fast alle Ergebnisse ihrer Portraitsitzungen, so als ergäbe sich das wahre Bild erst aus der phänomenologischen Deutung der Vielzahl verschiedener Ansichten. Vor allem die Ansichten, die die Perspektive der Anderen simulieren, spielen eine bedeutende Rolle: Man fotografiert sich von schräg oben, vom Bauchnabel her und von den Seiten, das Gesicht im Profil.

    Wie ein Baum, eine Landschaft oder ein Interieur sich jeweils als in seiner komplexen Entstehungsgeschichte zufällig Erscheinendes der ästhetischen Festlegung durch den Künstler anbietet, so stellt mittlerweile auch die Bilderwelt des Internet ein Naturreich neuer – wenn auch vielleicht nicht höherer – Ordnung dar. In diesem Naturreich, in dem gleichgültig sich Bild an Bild fügt, herrscht eine Art ästhetischer Naturzustand, in dem das Wohlgeordnete das Zufallsprodukt adelt und umgekehrt die desorientierenden Zufallsprodukte das Bild, das sich einmal bewusstem ästhetischen Kalkül verdankte, ästhetisch nivellieren. Das SELFPORTRAIT-PROJECT 2007 unternimmt den Versuch, eine gültige Ästhetik innerhalb des modernen Selbstportraits in der Alltagsfotografie freizulegen. Zugleich kann auf inhaltlicher Ebene vielleicht fassbar werden, wie sich – entsprechend McLuhans These – Mentalitäten durch die Nutzung moderner Medien wandeln und wie sich als Massenphänomen wiederholt, was in der Romantik des 19. Jahrhunderts nur wenigen Künstlern, Literaten (und Lesern) vorbehalten blieb: der Rückzug in eine subjektivistische Innerlichkeit zwischen zweiflerischer Selbstbefragung und düster-pessimistischer Nekrophilie.

    Der künstlerische Akt der Auswahl bliebe unvollständig, wenn er das Ausgewählte dem Medium seines Ursprungs nicht enthöbe. Deshalb ist es für das Projekt wesentlich, dass die aus einer Vielzahl freiwillig übertragener digitaler Selbstportraits ausgewählten Bilder auf ein Medium übertragen werden, das weitaus älter ist, das nämlich der Malerei. Der Prozess der Malerei unterwirft das Naturding „Foto“ einer erneuten Deutung und vor allem einem leiblich vollzogenen Akt der Herstellung, der das einer virtuellen Sphäre angehörende Bild in der uns vertrauten materiellen Parallelwelt neu erschafft und ihm so ästhetische und inhaltliche Bedeutung verleiht, die ihm im virtuellen Raum der Gleichgültigkeiten versagt blieb.

    André M. Kuhl, Juli 2007
  • AndrĂ© M. Kuhl
  • andreslama
    das konzept ĂĽbernehm ich doch glatt...
    ;-)
  • Sabine Minten
    Sabine Minten
    ich hatte eigentlich gerade ĂĽberlegt, mein konterfei selbst malerisch umzusetzen... aber so...hmmm...

    möglicherweise kann der andre das ja viel besser?
    :-)))
    Signatur
  • AndrĂ© M. Kuhl
    André M. Kuhl
    Liebe Sabine,
    das Project ist ja - vielleicht gegen seinen Anschein durch den intellektuellen Ăśberbau (siehe Text oben) - durchaus POP. Du kannst ja mitmachen! GrĂĽnden wir eben eine POP-KUNST-BAND! Im Vergleich mit den alten Meistern sind wir wie Gitarristen, die gerade einmal ein paar Grundakkorde beherrschen. Bei Pop und Rock verlangt aber auch niemand mehr...

    Liebe GrĂĽĂźe


    André
  • ratslla
    "intellektuelles" (?) geschwalle als aneinanderreihung bedeutungsschwangerer wörterlis in mythologisch-soziologisch-moralisierendem kleidchen.
    der inhalt dieses x-fach geschwollenen geblubbers ist typisch für "seriöse künstler" , die letztendlich irgendsowas brauchen, um ihre eigenen produkte mit "beeindruckenden" offenbarungen zu dekorieren, damit das die rezipideppies für bedeutend halten.
    ähm...
    soweit ich das sehe, ist doch dein eigentliches anliegen, mit bildchen kohle zu machen, oder? das naiv-durchsichtige "strategiekonzept" finde ich genauso banal, wie diese megaoft benutzte thesenmixtur (siehe oben). wie sich das alles widerspricht, scheint auch kaum aufzufallen.
    wenn du portraits pinseln willst, hast du ca 6,5 millarden köpfe zur verfügung. so what?
    inhalt des geredes und ihre logik in diesem zusammenhang wird völlig flach bis unsinnig.
    ich zitiere dazu mal was schönes:
    ästhetisieren: > menschlicher stoffwechsel ist bekannt. was beim mund als schinkenröllchen mit topfenfüllung hineinkommt, verläßt den körper als stinkendes, braunes etwas durch den after. wenn nun eine firma ein produkt verkaufen will, das der reinigung der letzteren öffnung dient, wird nicht die stinkende realität als informationsplattform bemüht, sondern ein schöner frauenpopo in ultraweißem höschen.

    zum guten schluss: dein post an sabine an der letzten ausfahrt zur wirklichkeit kollidiert still und ohne grosses aufsehen zu erregen mit deiner trojanischen superthese an der leitplanke deines verstandes.

    :)))
  • heinrich
    Puh

    Thank you Thank you ThankyouThankyouThankyouThankyouThankyouTha…
    Signatur
  • AndrĂ© M. Kuhl
    André M. Kuhl
    Lieber AllSTAR,

    ich weiß nicht recht, was falsch daran sein soll, mit Kunst Geld verdienen zu wollen. Womit verdienst du dein Geld? Warum sollte das finanzielle Ziel zugleich der Kern der Ideologie sein, aus der heraus das Produkt entsteht, das verkauft werden soll? Wenn das der einzige Widerspruch sein soll, den du in dem Vorhaben siehst, weiß ich nicht, was du willst. Wahrscheinlich bloß auf- und gefallen durch eine argumentativ kaum fundierte Polemik, die weit mehr aufs platte Ressentiment derer schielt, die mit der Sprache als Erkenntnismittel auf Kriegsfuß stehen, denn auf tatsächliche Aufklärung (über was auch immer, das wurde ja in deiner Kritik nicht deutlich). Aber ein Klick aufs Profil macht hinlänglich deutlich, dass du aufs Wort angewiesen bist, um einigermaßen Aufmerksamkeit zu gewinnen.

    Aber hast ja mit dem guten Heinrich einen ebenbĂĽrtigen Mitstreiter gewonnen. Herzlichen GlĂĽckwunsch! Sprachlich vielleicht nicht ganz so gewitzt...
  • girekleu
    Ein hoher Anspruch auf Wahrheit,
    mein lieber art-amk, das muĂź ich
    mal erwähnen und mit einigen Zita-
    ten belgend festigen:

    Das SELFPORTRAIT-PROJECT 2007

    Gerne reden wir über unser heutiges Zeitalter als eines der virtuellen Räume und Realitäten. Selbst die mediale Vermittlung von wirklicher Wirklichkeit in den Nachrichten, Fernsehberichten und News-Tickern populärer Websites enthüllt sich bei genauerer und kritischer Betrachtung als Teil einer totalen – und zuweilen auch totalitär gewordenen – Fiktion, die nur dort jäh zerbricht, wo die scheinbar willkürliche und erbarmungslose wirkliche Wirklichkeit physisch und existentiell ein individuelles Leben – unser eigenes oder das eines uns nahe stehenden Menschen - spürbar deformiert.

    Der Pixel-Wirklichkeit auf den Bildschirmen und den subjektiven Wirklichkeiten in unseren Köpfen stehen aber auch ganz reale Menschen aus Fleisch und Blut gegenüber. Ganz so, als wollten sie unablässig und nachhaltig den Beweis für McLuhans These erbringen, nach der das Medium selbst die Message ist, verwandeln sie sich als Besucher der virtuellen Welten, als Nutzer virtueller Räume und Informationspools in markante Exemplare einer neuen, doppelgesichtigen Spezies: Sie sind verwoben in ein multiples Netz aus Kommunikationen, im dauernden schriftlichen - aber kaum mehr schriftsprachlichen - Ausstausch mit körperlosen Anderen beispielsweise im Chat, über ICQ oder Weblogs, aber zugleich als materielle Wesen oft einsam und isoliert vor ihren Bildschirmen und Webcams. So werden die objektiven virtuellen Welten der Programme und des Internet zu (Re-)Projektionsflächen für die Fiktionen der ihnen gegenüber sitzenden Subjekte. Zum einen sucht das bis in die Sprache hinein passive Eintauchen in die audiovisuelle Scheinwelt sich in der Aktivität subjektiver Fiktionalisierung ein Gegengewicht. Zum anderen bietet der virtuelle Kommunikationsraum eine willkommene Zuflucht vor den Zumutungen einer stumpfen, ermüdenden oder sogar deprimierenden wirklichen Wirklichkeit. Während wir auf Bürgersteigen, in Bussen und Bahnen unser Norm-Gesicht spazieren führen, das uns eine wenig kunstsinnige Natur beschied, und uns freiwillig in die Maßanzüge der allgemeinen Normen und einer nicht weniger allgemeinen Unvernunft zwängen, können wir uns in der Einsamkeit vor unseren Bildschirmen, den mehrfach vergüteten Linsen unserer Digitalkameras und Foto-Handys zu neuen Menschen formen: Wo früher kein Rückzugsort für Selbstverwirklichung war, greift heute eine bizarre und scheinbar regellose, manchmal sogar immoralische Selbstinszenierungspraxis Raum, in der sich oft schamlos Süchte, Sehnsüchte, alternative Lebens- und Körperkonzepte offenbaren. Das Private und Intimste wird einer anonymen Öffentlichkeit preisgegeben oder sogar dafür allererst erfunden. Selbstbilder in Worten, vor allem aber in Form von Fotos, die hinter verschlossenen Türen im Bad, im Bett und besonders vor Spiegeln geschossen werden. Auf ihnen sind Körper, Körperteile, sogar Körperflüssigkeiten zu sehen, Kinderpopos, aufreizende Posen, die ernsten Blicke der Alltagsphilosophen, Selbstverletzungen, Selbstdeformationen, Glück, Verzückung und symbolisch vollzogener Suizid.

    Vergleichbar dem schnellen Zoom dieses Textes auf das in seiner Leiblichkeit isolierte und normativ stark eingeschränkte Subjekt als User moderner Kommunikationsmedien richtet das SELFPORTRAIT-PROJECT 2007 seinen Fokus auf die subjektiven Versuche, mit Hilfe digitaler Aufzeichnungsgeräte den eigenen Leib als einen befreiten in den virtuellen Raum der erfundenen Wirklichkeit hinüber zu retten. Die – meist antwortlose – Selbstbefragung durch das Selbstportrait ist nicht neu. Zwar diente das Selbstportrait in der Geschichte der Kunst meist Studienzwecken – und welches Modell ist schon so universell verfügbar? – aber schon im 15. Jahrhundert verbanden Künstler, wie beispielsweise Memling in der Rolle des Heiligen Johannes oder Dürer in seinem berühmten Selbstportrait aus dem Jahre 1500, das Selbstportrait mit bewussten Selbstinszenierungen. So zahlreich in den letzten etwa 600 Jahren diese künstlerischen Selbstbefragungen und Rollenspiele gewesen sein mögen – heute, zumal seit der direkten Übertragbarkeit der Bilddaten von Datenträger zu Datenträger ist das Selbstportrait ein Massenphänomen. Dabei reichen diese in die Milliarden gehenden Selbstportraits von naiven Versuchen der Selbstdokumentation als lebensgeschichtliche Fixpunkte in Raum und Zeit bis hin zu bewusster und ästhetisch ausgeklügelter Gestaltung des eigenen Abbilds in einem als bloße Form erkannten Umraum, der Cadrage.

    Gemeinsam ist allen diesen Selbstportraits die Inszenierung. So wie es unmöglich ist, in der Begegnung mit anderen nicht zu kommunizieren (Watzlawick), ist es dem Portraitisten unmöglich, sich selbst im Portrait nicht zu inszenieren: Das Selbstportrait ist immer unauthentisch, es enthüllt weniger das materiale Sein des Portraitierten als vielmehr seinen - immateriellen – Wunsch, wie er gesehen werden will, oder auch, wie er nicht gesehen werden will. Dabei spielt der formale Aufbau der fotografischen Selbstportraits im Allgemeinen keine wesentliche Rolle, weil die gestalterischen Grenzen situationsbedingt eng begrenzt sind. Entweder richtet sich das Objektiv vom ausgestreckten Arm aus auf das eigene Gesicht oder andere Körperbereiche oder aber die Kamera befindet sich auf einer Ablage, einem Tisch oder auf dem Boden und arbeitet mit zeitlicher Verzögerung, während der der Portraitist sich in seine Pose begibt. Immer mangelt es diesen Fotos an Kontrolle durch den Produzenten. Er sieht nicht, was er tut. Anders verhält es sich bei der weit verbreiteten Gewohnheit, sich in einem Spiegel zu fotografieren. Aber auch hier ist größtmögliche Kontrolle über die Cadrage nur möglich, wenn der kleine Monitor der Digitalkamera direkt in den Blick genommen werden kann. Dann aber wird das Gesicht des Portraitierten meist gerade durch die Kamera teilweise verdeckt. Die eigentliche Ästhetik dieser Form von Alltagsfotografie zeigt sich erst in der Auswahl der aus subjektiver Sicht gelungensten Exemplare aus einer meist langen Reihe von formal zufälligen Selbstschüssen. Auffallend ist aber, dass gerade diese Auswahl, also das Weglassen und Löschen des formal Bedeutungslosen in den meisten Fällen ausbleibt: Die Selbstportraitisten veröffentlichen über die einschlägigen Seiten, Blogs und vor allem digitale Fotoalben nicht selten alle oder fast alle Ergebnisse ihrer Portraitsitzungen, so als ergäbe sich das wahre Bild erst aus der phänomenologischen Deutung der Vielzahl verschiedener Ansichten. Vor allem die Ansichten, die die Perspektive der Anderen simulieren, spielen eine bedeutende Rolle: Man fotografiert sich von schräg oben, vom Bauchnabel her und von den Seiten, das Gesicht im Profil.

    Wie ein Baum, eine Landschaft oder ein Interieur sich jeweils als in seiner komplexen Entstehungsgeschichte zufällig Erscheinendes der ästhetischen Festlegung durch den Künstler anbietet, so stellt mittlerweile auch die Bilderwelt des Internet ein Naturreich neuer – wenn auch vielleicht nicht höherer – Ordnung dar. In diesem Naturreich, in dem gleichgültig sich Bild an Bild fügt, herrscht eine Art ästhetischer Naturzustand, in dem das Wohlgeordnete das Zufallsprodukt adelt und umgekehrt die desorientierenden Zufallsprodukte das Bild, das sich einmal bewusstem ästhetischen Kalkül verdankte, ästhetisch nivellieren. Das SELFPORTRAIT-PROJECT 2007 unternimmt den Versuch, eine gültige Ästhetik innerhalb des modernen Selbstportraits in der Alltagsfotografie freizulegen. Zugleich kann auf inhaltlicher Ebene vielleicht fassbar werden, wie sich – entsprechend McLuhans These – Mentalitäten durch die Nutzung moderner Medien wandeln und wie sich als Massenphänomen wiederholt, was in der Romantik des 19. Jahrhunderts nur wenigen Künstlern, Literaten (und Lesern) vorbehalten blieb: der Rückzug in eine subjektivistische Innerlichkeit zwischen zweiflerischer Selbstbefragung und düster-pessimistischer Nekrophilie.

    Der künstlerische Akt der Auswahl bliebe unvollständig, wenn er das Ausgewählte dem Medium seines Ursprungs nicht enthöbe. Deshalb ist es für das Projekt wesentlich, dass die aus einer Vielzahl freiwillig übertragener digitaler Selbstportraits ausgewählten Bilder auf ein Medium übertragen werden, das weitaus älter ist, das nämlich der Malerei. Der Prozess der Malerei unterwirft das Naturding „Foto“ einer erneuten Deutung und vor allem einem leiblich vollzogenen Akt der Herstellung, der das einer virtuellen Sphäre angehörende Bild in der uns vertrauten materiellen Parallelwelt neu erschafft und ihm so ästhetische und inhaltliche Bedeutung verleiht, die ihm im virtuellen Raum der Gleichgültigkeiten versagt blieb.

    André M. Kuhl, Juli 2007

    Lieber AllSTAR,

    ich weiß nicht recht, was falsch daran sein soll, mit Kunst Geld verdienen zu wollen. Womit verdienst du dein Geld? Warum sollte das finanzielle Ziel zugleich der Kern der Ideologie sein, aus der heraus das Produkt entsteht, das verkauft werden soll? Wenn das der einzige Widerspruch sein soll, den du in dem Vorhaben siehst, weiß ich nicht, was du willst. Wahrscheinlich bloß auf- und gefallen durch eine argumentativ kaum fundierte Polemik, die weit mehr aufs platte Ressentiment derer schielt, die mit der Sprache als Erkenntnismittel auf Kriegsfuß stehen, denn auf tatsächliche Aufklärung (über was auch immer, das wurde ja in deiner Kritik nicht deutlich). Aber ein Klick aufs Profil macht hinlänglich deutlich, dass du aufs Wort angewiesen bist, um einigermaßen Aufmerksamkeit zu gewinnen.

    Aber hast ja mit dem guten Heinrich einen ebenbĂĽrtigen Mitstreiter gewonnen. Herzlichen GlĂĽckwunsch! Sprachlich vielleicht nicht ganz so gewitzt...


    Aber wer soll das denn lesen?
    Es ist irgendwie... ja: schlecht.
    Tut mir leid, aber so ist es...

    Es fehlt ein Buchstabe, hier ist er: 'e'.
  • martinicio
    martinicio
    so viele Buchstaben auf einmal. das regt natürlich die fetischisten zur colorierung und vervielfältigung an :)
    Signatur
  • Robert Wolter
    Robert Wolter
    Und dann auch noch rosa, grauenhaft ;)
    Signatur
  • ratslla
    Liebe Sabine,
    das Project ist ja - vielleicht gegen seinen Anschein durch den intellektuellen Ăśberbau (siehe Text oben) - durchaus POP. Du kannst ja mitmachen! GrĂĽnden wir eben eine POP-KUNST-BAND! Im Vergleich mit den alten Meistern sind wir wie Gitarristen, die gerade einmal ein paar Grundakkorde beherrschen. Bei Pop und Rock verlangt aber auch niemand mehr...

    Liebe GrĂĽĂźe
    André


    hm... das hatte ich fast vergessen. jedenfalls nicht explizit berĂĽcksichtigt.
    sieh mal, du softer donnerpinsler:
    die einen backen legga brötchen, die andern schneiden ner kuh sauberst den kopf ab oder schaukeln unentwegt einen halben gedanken von der rechten in die linke hirnschale und zurück, in der hoffnung, dass ihm irgendwie die andere hälfte bei solch schabernack begegnet, auf dass sie sich zu einem ganzen und somit funktionablen, verschmelzen können. si? no?
    bist du sicher, dass du weisst, was deine gedanken steuert? lies dir einfach 50 mal deine texte durch und versuch mal zu analysieren, was diese vermitteln sollen und unter umständen bewirken.
    ich bin nun mal so einer, der die ganze geniekagge nicht überbewertet. du verstehst? ist eh wie in deinem fall - banall. bissken öde, aber nix ungewöhnliches.
    ich find´s´auch völlig voraussehbar, was dir dazu als reaktion einfiel.
    du kapierst deine begrenzung nicht. das ist alles und nicht weiter schlimm.
    alles wird gut, wie ne doofe tv-tante ständig und unerschütterlich sowie treuherzigst dem zuschauer verzapfen will. dein sender heisst kn-tv und das solltest du weiterhin sehr ernst nehmen ! jawoll, ja...

    :)))
  • Stefan Arens
    Stefan Arens
    wasn das alles? (ich bin zu faul dem Link zu folgen, manchmal bricht mein computer bei komplizierten seiten sogar ab) - vielleicht in einem Satz?

    Sieht so aus, als wären es Maler die unbedingt Studienmaterial brauchen... oder die nur Portraits malen und damit ihr Brot verdienen. Ist ja okay, aber find ich öhm, naj, ja. Ich bin ja keiner dieser Maler, wol, also ists irgendwie belanglos, überhaupt meinen Mauszeiger zu bewegen diese Seite zu öffnen, ist mir zu riskant.
    Nein, bin natĂĽrlich zu faul.
    #

    Es würde mich aber interessieren, wie organisiert dieser Kommerz ist, und tue es nun trotzdem. Aha. Kommerz ist mir dann zuwider, wenn er organisiert abläuft. Werden wir verarscht, oder die, oder wer verarscht hier wen? (wer beutet hier wen aus) Wo ist der Haken? Oder gibt es keinen? Naja, vielleicht ists ja eine echt gute Sache wo keiner einen Hinterhalken bereit hält.
  • Ulf Spuhl
    Ulf Spuhl
    ...wer glaubt denn daran, dass mit diesem Konzept wirklich Geld zu verdienen ist, außer es gibt Gönner und Mäzene die Mitleid haben. Sie würden eventuell das Geld auch ohne diesem Projekt investieren.

    Allein die Idee ist gut, wenn man sich die Portraits mal anschaut die bei artou hochgeladen sind, kommt man auf erstaunliche Bilder. Diese Portraitsammlung ist so wie sie ist ausstellungswert und sollte unverändert veröffentlicht werden über die Website hinaus.

    Ansonsten funktionieren kommerzielle Projekte im Internet mit Kunst von unbekannten Leuten kaum, was gut funktioniert sind groĂźe Gruppenprojekte fĂĽr gemeinnĂĽtzige Zwecke wie es Galerie Nordhof gezeigt hat mit "Vereinte Kunst gegen Not".

    gruĂź fluuu
    Signatur
  • AndrĂ© M. Kuhl
    André M. Kuhl
    Allstar war ja ganz schön angepiekt!
    Intelligenz und (wenn auch bemühter, aber durchaus trainierter) Wortwitz sind nicht zu leugnen. Fragt sich nur, weshalb jemand, der hinreichend Intelligenz besitzt, ein Projekt aufgrund seiner sprachlichen Darstellung attackiert, dabei jedoch unterlässt, eine fundierte Analyse des Kritisierten zu leisten, und stattdessen die verbale Attacke als Blitzableiter für angestaute Aggressionen nutzt. Der wahrhaft Intelligente hätte - sofern er das SELFPORTRAIT PROJECT 2007 aufgrund schneller Analyse als belanglos und durchschnittlich und seine Autoren als linkische Geldscheffler entlarvt hätte - den Forenbeitrag eilends verlassen und sich mit anderem beschäftigt. Allstar aber sah sich - aus welchen Gründen auch immer - genötigt einen Kübel Verbalmüll ins Forenthema zu kippen. Will er ein gefährliches Projekt verhindern? Die Welt davor bewahren? Wenn das Projekt ein Nichts ist - warum kümmert er sich dann? Dieser Widerspruch gibt mir zu denken.
    Gescheit genug, das Forenthema durch Abstinenz zu nivellieren, ist er jedenfalls nicht. Im Gegenteil: Mit seinem nächsten Beitrag wird er dem Thema neue Aktualität und wahrscheinlich auch Popularität bescheren.

    Aber ganz im Ernst: Allstar, du solltest dir helfen lassen. Geh einfach mal auf den folgenden Link:

    đź”—

    Solltest du hier keine Hilfe finden, folge einfach dem nächsten Link:

    http://www.pausch.at/htm/bon/humor/xray/homer.jpg

    Gute Besserung!
  • girekleu
    Ja ja, nickten die weisen Großbärte
    und sagten: einmal so ernst tuen kön-
    nen... und dann sterben - vor Eigenlang-
    weile und Todernst.
  • Seite 1 von 2 [ 23 Beiträge ]

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