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  • Das Informel

  • siku Das Informel
    Das Informel

    Die Definition „Informel“, die auf den Pariser Kritiker Michel Tapié zurückgeführt wird, ist Ausdruck für eine nicht formalistisch orientierte Malerei, die sich von festumrissenen Formengebilden und Strukturen löste. Sie ist eng verbunden mit dem Begriff „Tachismus“ (la tache = der Fleck), der ihm vorausgegangen war. In einem von formalen Bindungen weitgehend befreiten Malvorgang wurde vom Künstler Spontaneität und Intuition gefordert. Der Entstehungsprozess trat in den Vordergrund.

    „Gegen neo-plastische Strenge führten diese ’anderen Abstrakten’ wieder die Psyche, die Sensibilität und die Emotion des Menschen ein. Fragen nach Sinn, nach Leben, gar dem Universum“, beschreibt Manfred de la Motte die Anfänge einer Kunst, in welcher der Malprozess zur Entdeckung einer neuen unbekannten Dimension geistigen Seins erhoben wurde.

    Anfang der 50er Jahre des 20 Jahrhunderts formierte sich in Amerika und Europa eine auf Gegenständlichkeit verzichtende Kunstströmung, die einen drastischen Bruch mit den Vorkriegstraditionen, sowohl der amerikanischen wie der europäischen Malerei markierte.
    Nach der Isolation deutscher Künstler während des Nationalsozialismus orientierte sich die „dritte Generation“ abstrakt arbeitender Maler wieder an der internationalen Kunstszene. Anstöße kamen vom Abstrakten Expressionismus und Action Painting aus Amerika, von Pollock, Motherwell, de Kooning sowie dem Frankokanadier Riopelle. In Frankreich gehörten u.a. Manessier, Bazaine, Soulages und der deutschstämmige Wolfgang Schultze (Wols) zu den Impulsgebern.

    Die deutschen Maler informierten sich zunächst aus der amerikanischen Kunstzeitschrift >Art News<. Persönliche Kontakte ergaben sich mit amerikanischen und französischen Künstlern durch die Kunstszene in Paris Anfang der 50er Jahre.

    Der Kunsttheoretiker Karl Ruhrberg bezeichnet das deutsche Informel als erste neo-expressionistische Strömung der deutschen Nachkriegskunst mit Wurzeln in der Romantik.(Aufsatz: K. Ruhrberg: Aufstand und Einverständnisse, 1984)

    siku
  • tnubetueh
    @siku
    so weit so gut, oder so sehr gut :-)..

    wie bezeichnet man dann die schöpfungen, die sich irgendwo zwischen gegenständlichkeit und informel bewegen? wirf doch mal einen blick auf meine skizze "sterbender schwan"-

    (kann mir mal einer sagen, warum diese bildeinblendung nur im falle des "login" erscheint? ) einenteils lehnt er sich noch an das erscheinungsbild des schwans an, andererseits ist er schon extrem frei interpretiert, und war "farbformulierte" spontanität für das arrangement verantwortlich. ich hätte für meine schnellskizze keine bezeichnung parat, würde sagen es ist stark abstrahiert, aber sicher kein informel. und also ist abstrahieren noch nicht abstrakt malen, oder ? die welt ist kompliziert, grade die künstliche :-)...
  • tnubetueh
    das ist doch mal wieder typisch, die portals-technik hat keine lust, unter allen umständen meinen link auszugeben, siku hat keine lust, meine frage zu beantworten - oh ihr grausamen - und sich dann noch wundern, wenn ich ahnungslos bleibe... siku siku , mit müllmännern reden aber nicht mit mir..das trifft schwer ;-)
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  • siku
    @ heutebunt: Gemach, gemach, gut Ding will Weile haben. Die Antwort auf deine Fragen müssten sich, zumindest teilweise, aus dem folgenden Text erschließen lassen. Vielleicht entscheidest du dann selbst, welchen Bezug dein sterbender Schwan zum historischen Informel hat. :-)


    Das Informel galt nach 1945 neben Tachismus und Action Painting als zeitgemäße Kunstströmung, die ein idealtypisches Gegenmodell zur NS-Kunst bildeten. Die Euphorie eines neuen Anfangs, Aufbruchs in ein neues Zeitalter schlug sich im nichtgegenständlichen Prozessdenken der Künstler nieder, führte zu einem elementaren Befreiungsprozess in der Malerei: gestisch, eruptiv-vegetativ. Farbe bildet ohne Mitwirkung von Linien selbst die Form. Bei einigen Künstlern wird sie durch Kontraste und rhythmische Setzungen zum Kontinuum, das metaphorisch Raum und Zeit erfahrbar macht.

    Als künstlerisch avantgardistischer Stil gehört das Informel heutzutage längst der Vergangenheit an. Seine Lebensdauer war ohnehin nur kurz bemessen. Bereits ab Anfang der 60er Jahre trat mit der Gruppe Zero, der Minimalart und der Nouveau Réalisme Gegenströmungen auf.
    Aber noch heute zehren Kunstschaffende vom historischen Informel. Was damals für die Künstler dieser Kunstströmung schon ein Problem in Bezug auf Anerkennung war, die (vermeintlich) einfache handwerkliche Voraussetzung, hat u. a. auch dazu geführt, dass diese Malrichtung nie so richtig ernst genommen wurde.

    Das erste Mal machten das deutsche Informel mit der Ausstellung der „Quadriga“ 1952 in der Frankfurter Zimmergalerie Franck auf sich aufmerksam. Zu der Gruppe gehörten die Maler Karl Otto Götz, Otto Greis, Heinz Kreutz und Bernhard Schultze. Die Bezeichnung stammt von dem baltischen Literaten René Hinds, der die vier Maler bei der Ausstellungseröffnung als „Quadriga der Avantgarde“ bezeichnete. Die Gruppe, eher ein loser Zusammenschluss, löste sich schnell wieder auf.

    Bereits 1949, im Gründungsjahr der Bundesrepublik Deutschland, wurde die Gruppe ZEN 49 gegründet: eine erste Interessengemeinschaft deutscher, abstrakter Künstler. Ihr gehörten u.a. die Maler Willi Baumeister (der seine bereits vor und auch währende des 2. Weltkrieges entwickelten abstrakten Kompositionen weiterführte), Ruprecht Geiger, Hans Hartung, aber auch E. W. Nay und Fred Thieler (der dann zum rheinischen Informel zählte) an.

    1982 traten die Künstler des Informel öffentlich zum „Symposium Informel“ in Saarbrücken auf. Zu ihnen gehörten : Karl Otto Götz, Gerhard Hoehme, Bernhard Schultze, K.R. H. Sonderborg und Fred Thieler. In dem von Georg W. Költzsch geführten Gesprächen tritt zutage, dass die Künstler - trotz des vereinheitlichenden Namens „Informel“ – unterschiedliche Ansätze verfolgten. Von Mai bis Juni 1983 fand dann eine Ausstellung „Die Malerei der Informellen heute“ in der Modernen Galerie des Saarland Museums Saarbrücken statt. Die Beweggründe, welche die Maler zum Informel führten, gehörten zu diesem Zeitpunkt bereits der Vergangenheit an. Zeitgemäßere Kunstströmungen wie die Concept Art hatten sich bereits etabliert.
    siku
  • retxed
    proleten-philosophie,

    very lovely ...
  • tnubetueh
    @dexter: ich lese heute scheinbar dauernd beiträge, die alles mögliche, bloß nicht logisch sind. was heißt'n jetzt hier proleten-philosophie? very lovely... vielleicht sagt mir mal einer worum's hier geht!!! hat sich das kunstnet kurzfristig eine eigene sprache zugelegt, und mir verschwiegen welche?!... bitte um aufklärung...
  • Ulf Spuhl
    Ulf Spuhl
    Aufklärung gebe ich nicht aber das Thema ist interessant.
    Informelle Kunst in Paris nach 1945 entstanden war bisher in der abstrakten Bilderwelt noch nicht so sehr meine Beschäftigung, halte es nach wie vor mehr mit den Surrealisten in Paris der 30er Jahre.
    Ohne Frage sind 'Informelle Kunst' und 'Abstrakter Expressionismus' mit 'Action Painting' sehr spannende Prozesse in der großen abstrakten Landschaft. Das bezieht sich nicht nur auf Malerei, man möchte es kaum glauben, auch in der Fotografie haben sich Ströme der abstrakten Bildentstehung mit ganz eigenem Prozess entwickelt.
    Schon 1916 entstanden die ersten abstrakten Stilleben in der Fotografie. Diese Strömungen reichen bis heute, so habe ich bei dem Fotografen Andreas Lutherer gefunden:"Seine Werke schlagen eine Brücke zwischen zeitgenössischer Konzeptkunst und dem klassischen deutschen Informel."

    gruß fluuu
    Signatur
  • siku
    Aufklärung gebe ich nicht (...)
    halte es nach wie vor mehr mit den Surrealisten in Paris der 30er Jahre.
    [...]
    Schon 1916 entstanden die ersten abstrakten Stilleben in der Fotografie. Diese Strömungen reichen bis heute, so habe ich bei dem Fotografen Andreas Lutherer gefunden:"Seine Werke schlagen eine Brücke zwischen zeitgenössischer Konzeptkunst und dem klassischen deutschen Informel."

    gruß fluuu


    @ fluuu
    schaaade , das Thema Fotografie wäre spannend :-). So ein Thema lebt doch erst, wenn es aus verschiedenen Perspektiven betrachtet wird.
    Einen Bezug zum Surrealismus hat das Informel auch, denn einige Künstler des Informel orientierten sich am Automatismus der Surrealisten (vgl.André Breton). Das ist übrigens ein wichtiger Aspekt, den ich ausgelassen hatte.

    Gruß
    siku
  • Ulf Spuhl
    Ulf Spuhl
    Ja, alles im Leben wird klarer und besser verständlich wenn man es aus verschiedenen Perspektiven betrachtet. Zunächst ist eine Anstrengung von Nöten die zunehmenden Informationen zu verarbeiten aber dann zeichnet sich ein klareres, verständlicheres, angstfreieres und wohltuenderes Bild ab. Das ist überall in der bildenden Kunst so, natürlich auch in der Fotografie. Da hier die Kunstfertigkeit hauptsächlich im Sehen besteht, das Formen des Lichtes durch das Auge, ist das Betrachten verschiedener Perspektiven besonders gut zu praktizieren.
    Ansonsten kann man die 'abstrakte Fotografie' als Oberbegriff seit Erfindung der Fotografie für Abbildungen bei der die gegenständliche Darstellung in den Hintergrund tritt begreifen und es sind alle Strömungen wie Surrealismus, Informel bis hin zur digitalen Kunst einbezogen.
    Genau, dieser Automatismus der im Surrealismus entwickelt wurde, nämlich dem unbewussten 'Niederschreiben' von spontanem Ausdruck innerer Erregungsprozesse ohne kontrollierende oder korrigierende Verstandestätigkeit, kann durchaus spannend sein.

    gruß fluuu
    Signatur
  • tnubetueh
    und wieder weg von der theorie zur praxis - gibt's kriterien, die ein abstraktes bild zweifelsfrei gut machen, oder ist die wahrnehmung der arbeit ebenso intuitiv wie die herstellung und damit ebenso willkürlich in der bewertung? das hieße dann ja wieder nach dem motto "jeder strich ein treffer" - und so einfach ist es ja nicht - weiß sogar ich ;-)...
    (nur der klarheit halber - ich rede von malerei, nicht von photographie )
  • Ulf Spuhl
    Ulf Spuhl
    gibt's kriterien, die ein abstraktes bild zweifelsfrei gut machen, ...
    (nur der klarheit halber - ich rede von malerei, nicht von photographie )


    Das kenn ich nur vom Kochen, ein Rezept macht das Essen gut aber auch nicht zweifelsfrei, man muss noch verstehen das Ganze umzusetzen.
    Was soll es denn geben, dass ein Bild zweifelsfrei gut macht?
    Gut verkaufen lässt sich Titten und Ärsche, meinst Du soetwas.
    Nein, es gibt keine speziellen Kriterien für abstrakte Bilder, es gilt vom klar definiert gegenständlichen zu abstrahieren bis der Gegenstand soweit in den Hintergrund tritt, dass er das Bild nicht beherscht, sondern Flächen, Strukturen und Farben dominieren und dem Betrachter den Freiraum für die eigene Phantasie lässt.
    Ein Punkt ist eventuell, wie bei allen anderen Bildern auch, wenn es gelingt dem Werk eine "Seele"
    einzuhauchen, dann ist es gut.
    Ansonsten kann Dir doch niemand Kriterien sagen, wann Du Dein Bild für gut empfindest, die spürst Du doch nur selbst und wenn es sehr gelungen ist, empfindet es der Betrachter auch. Da gelten für abstrakte Bilder die selben Kriterien wie für alle anderen Bilder auch. Farbe, Komposition, Struktur, Aussage, Inhalt usw., das einzige ist, das Gegenständliche ist so abstrahiert, dass man es nicht 1:1 mit der Realität überprüfen kann aber wann kann man das bei einem Kunstwerk schon.
    Es sind bei Malerei und Fotografie die selben Vorgänge die zur Abstraktion führen.

    gruß fluuu
    Signatur
  • tnubetueh
    hallo fluuu - eine antwort, mit der ich was anfangen kann...
    daß man titten und ärsche verkaufen kann, weiß ich,und daß es keine kunst ist dabei, weiß ich auch, aber das meinte ich nicht :-)

    ich frage mich nur schon seit langem etwas, was vermutlich völlig überflüssig ist - nämlich, was macht das kunstwerk mit dem betrachter. wenn ich hier im forum die "einschaltquote" der einzelnen arbeiten betrachte - nackte tatsachen ausgenommen - frage ich mich immer, ob es ein kriterium gibt, das die betrachter mehrheitlich anspricht - bei gegenständlichen arbeiten bezieht oder bezog man sich früher auf kompositionsgrundsätze, die zugrunde gelegt dann vermeintlich ein bild "gut" machen sollten. so etwas umgeht man bei abstrakter kunst ja bewußt, dennoch werden manche arbeiten mehrheitlich sehr gelobt, andere ignoriert,was per ratio nicht nachvollziehbar ist. geht mir ja selbst so, daß ich vor so manchem pigmentfriedhof stehe und entzückt bin, wohingegen mich ein anderer farbklecks abstößt (für diese bezeichnungen werde ich jetzt wieder ärger kriegen...;-)... ich kann mir eigentlich nie erklären warum das so ist, aber ich suche leidenschaftlich nach dem schwarzen schimmel, sprich, den erklärungen, die keiner geben kann.
    daß bilder, die man selbst sehr gelungen findet, auch andere so empfinden, erfahre ich eigentlich nicht, was mir gefällt, gefällt anderen selten. daß der betrachter gerne interpretationsfreiräume vorfindet, sehe ich hingegen auch so. vielleicht das einzige, was man als künstler wirklich für den betrachter tun kann, wenn man denn überhaupt wollte ... - freiräume schaffen :-)
  • Ulf Spuhl
    Ulf Spuhl
    Hallo heutebunt,

    würde sagen, man muss nicht alle Empfindungen erklähren können, ein abstraktes Bild vermittelt in erster Linie eine Stimmung, die kann man empfinden, damit hat man einen Zustand der gefühlt das Dasein erklährt und dieses Gefühl ist Leben. Warum das jetzt noch vom Sachverstand definieren müssen und in eine womöglich immer funktionierende Formel bringen?
    Für das Leben auf alle Menschen bezogen gibt es diese Formel nicht, die kann man höchstens für sich selbst rausfinden. Aber wenn ich durch ein abstraktes Bild das Gefühl habe, es könnte meine Formel umschreiben, dann reicht mir das, habe etwas gefunden was mir Antwort auf das Leben gibt, muss es nicht berechnen können, sondern entdecke es immer wieder neu...

    gruß fluuu
    Signatur
  • tnubetueh
    hallo fluuu - genau das ist es wohl - man muß nicht alle empfindungen erklären können. da bin ich (war ich) immer auf dem holzweg... wenn einstein nach der weltformel suchte, dann macht das sinn, wenn man eine empfindungsweltformel sucht, ist's im ansatz schon falsch. ich werde da immer wieder in die irre geleitet, weil man menschen beispielsweise auch manipulieren kann, und sie sich somit als berechenbar zeigen, aber eben nicht jeder immer, das muß man sich vor augen halten.
    vielleicht sollte ich mir einfach meine erklärungszwanghaftigkeit abgewöhnen :-)

    guter beitrag von dir - grade der letzte satz:

    "Aber wenn ich durch ein abstraktes Bild das Gefühl habe, es könnte meine Formel umschreiben, dann reicht mir das, habe etwas gefunden was mir Antwort auf das Leben gibt, muss es nicht berechnen können, sondern entdecke es immer wieder neu... "
    p.s. wieso kann ich nur ohne zitat-vermerk kopieren?- wie geht's mit?
  • Ulf Spuhl
    Ulf Spuhl
    Ja, die Formel von Einstein beschreibt die Relativitätstheorie und deckt einen großen Teil der Wahrnehmung der Welt ab, jedoch nur im rationalen Sinne, auf die Gefühlswelt und die Psyche hat diese Formel keinen Einfluss.
    Das Spannende ist ja gerade, finde ich, dass in der Stimmungswelt immer wieder neues zu entdecken möglich ist, bei jedem Betrachten eines Werkes kann ich etwas entdecken das mir vorher so noch nicht bekannt war und beim selber Kreieren kann ich etwas in mir selbst entdecken, was mir bisher noch nicht aufviel, ist doch sehr spannend wie alles sich verändert und im Fluß ist.
    Die Logik in Mathematik/Physik ist auch beeindruckend aber einmal erkannt, bleibt es immer gültig, ist nicht so spontan und wechselhaft.
    So lässt das Abstrakte Freiräume für die eigenen Vorstellungen und Phantasien, wärend das Gegenständliche klar definiert und vorgegeben ist.
    Ganz grob gesagt, das Abstrakte für die Gefühls- und Stimmungswelt und das Gegenständliche für den rationalen Sachverstand. Das lässt sich natürlich auch mischen und verbinden.

    gruß fluuu

    PS: Ein Zitat wird in die Tags [ quote]zitat[ /quote] eingebunden (ohne Leerzeichen).
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