KunstNet nutzt Cookies. Details.
  • n märchen 07

  • inoT n märchen 07
    Es waren einmal zwei Kinder, ein Mädchen und ein Junge.
    Beide wuchsen an verschiedenen Orten unter verschiedenen Bedingungen auf, aber sie waren einander sehr ähnlich. Sie liebten alle Jahreszeiten und waren offen für jeden Zauber der Natur. Wenn der Morgen kam, waren sie hellwach und durstig nach allem was der Tag für sie bereithalten würde.
    Tiere und Pflanzen verbündeten sich mit ihnen, die Erde schenkte ihnen ihren Duft und ihre Kühle an heißen Sommertagen, die Steine wärmten ihre Hände bei Kälte und selbst Regen, Schnee und Wind waren ihre Freunde. Sie träumten sich in die Wolken, vorm Einschlafen saßen sie am Fenster und sprachen mit den Sternen.
    Auch waren beide von vielen Büchern umgeben, deren Bilder und Geschichten sie aufsaugten wie Löschpapier.
    Draußen umgab sie die Musik des Kosmos und von den Menschen lernten sie viele Lieder. So wuchsen die Beiden zu starken, gesunden Menschen heran, die das Leben erfüllte und sie umarmten es.
    Als die Zeit gekommen war, nahmen sie Abschied und machten sich auf den Weg an neue Orte. Ihre Neugier ließ sie weit herumkommen, oft gingen sie beschwerliche Wege, aber sie waren so reich an Liebe das sie allen Gewalten trotzen konnten.
    Sie wurden niemands Knecht und niemands Herr und die Freiheit die sie in sich trugen veränderte die Menschen, denen sie begegneten.
    Nun war es so, das es im Land eine Gruppe Zauberer gab, die ungeheuer mächtig waren und denen alles daran lag ihre Macht zu mehren. Eigentlich konnten sie garnicht wirklich zaubern, aber sie arbeiteten zusammen und so war es ihnen gelungen viele Trugbilder zu erschaffen, welche die Menschen fesselten und gefügig machten. Von Tag zu Tag gingen ihnen mehr Menschen ins Netz.
    Natürlich entging es ihnen nicht, das es einige gab, die nicht zu fangen waren und das lag daran das diese reich waren- auch ohne Besitz entbehrten sie nichts. Das Gefährliche an jenen war, das sie dabei waren den faulen Zauber zu enttarnen, weil sie selbst die Menschen verzauberten und stärkten durch das Glück das mit ihnen war.
    Die falschen Zauberer hielten lange Rat. Schließlich kamen sie zu dem Schluß, das der einzige Weg darin bestünde, die Freien am Leben zu hindern. Sie mußten etwas schaffen, was deren Geist besetzen würde. Es wurde das trügerischste aller Trugbilder.
    So kam es, das der Junge, genau wie das Mädchen, eine Kugel im Gras fand. Sie hatte die Größe eines Fußballs und als der Junge sie berührte, öffnete sich in ihr die Welt. Er sah alle Bücher die er kannte in ihr, Bilder, Tiere, Orte und Menschen. Alles was er je gesehen hatte, fand er in ihr wieder und immer Neues. Er konnte sich nicht satt sehen und auch das Mädchen hatte das Gefühl die ganze Welt in den Händen zu halten.
    Beide beschlossen sich ein Zimmer zu nehmen um die Kugel in Ruhe studieren zu können. Der Zufall führte sie in dasselbe Haus, so saßen sie Rücken an Rücken durch eine Wand getrennt vor ihren Kugeln, erfuhren scheinbar alles und hatten doch keine Ahnung voneinander. Da beide sehr wissensdurstig waren, kamen sie kaum von den Kugeln los und das sollte noch schlimmer werden. Anfangs öffneten sie noch hin und wieder das Fenster um hinauszusehen, aber dann überließen sie sich mehr und mehr dem Bann und bald taten sie kaum noch einen Schritt.
    Es war sogar möglich mit den Menschen in den Kugeln Texte auszutauschen. Das taten sie natürlich und so merkten sie nicht, das sie einsam wurden. Sie schrieben anderen über ihre Gedanken und Gefühle, aber je öfter sie sich wiederholten, desto mehr verschwand alles und irgendwann schrieben sie nur noch aus ihrer Erinnerung.
    Die Jahre vergingen, die Kugeln aber spuckten unermüdlich immer neue Bilder, Geschichten und Menschen. Mit der Zeit vergaßen der Junge und das Mädchen, das jedes Lachen einen anderen Klang hat, jeder Mensch einen anderen Duft. Sie waren lange nicht vom Wind gestreichelt worden, hatten lange kein lebendes Wesen mehr berührt, ihre Sinne verkümmerten und sie verloren ihre Freiheit. Sie merkten nicht, das aus ihrer Fülle Leere geworden war.
    Einmal trafen sie in ihren Kugeln aufeinander, doch zu diesem Zeitpunkt fühlten sie sich schon nicht mehr, sie waren so zerstreut das sie sich nichts sagen konnten.
    Es wäre alles ganz hoffnungslos gewesen, wenn die Natur sich damit abgefunden hätte, die Beiden verloren zu haben. Aber das tat sie nicht, eines Tages jagte sie mit aller Wucht einen Blitz in jede Kugel, worauf es sofort zu brennen begann und
    da begegneten sich die Beiden das erste Mal. Keuchend standen sie und schauten zu wie die Flammen das Haus auffraßen. Dann ließen sie sich in die Wiese fallen und sahen in den Himmel, der einfach nur blau war. Sie rochen Feuer und Gras.
    Nach Stunden nahmen sie sich an den Händen, fingen an zu weinen und begriffen, daß alles, was sie in den letzten Jahren gesehen hatten, nichts war und das selbst der kleinste Ort der Welt nicht in eine Kugel passt.
  • Mausopardia
    Mausopardia
    oh...wie schön! ...ich halte die kugel in beiden händen...lausche hinein und lege sie sanft wieder ab! mit einem lächeln ...aber auch dem wissen...das da hinter mir...der wind ein herrlich lüftlein...wenn zur zeit auch nass und kalt...um mein näslein bläst! *schnauf* ;-)
  • Seite 1 von 1 [ 2 Beiträge ]

  • Anmelden um auf das Thema zu antworten oder eine Frage zu stellen.

Ähnliche Themen