KunstNet nutzt Cookies. Details.
  • Prenzlmaler | Das Haus in der Kopenhagener | Glosse

  • relamlznerP Prenzlmaler | Das Haus in der Kopenhagener | Glosse
    Wie eine Visitenkarte mir 1997 Aufträge verschaffte.

    Am Bahnhof Schönhauser Allee prankten an der denkmalgeschützten Mauer, die einige Zeit später einem Konsumtempel zum Opfer fiel, meine Stadtlandschaften. Aus einer nicht mehr nachvollziehbaren Idee heraus, hatte ich ein Haus in der Kopenhagener Straße in Acryl auf Leinwand gemalt, vielleicht interessierte mich damals die gemalte Fassadenwerbung am besagten Gebäude. Ein Mann in den mittleren Jahren blieb begeistert vor dem Gemälde stehn, zog ein dickes Bündel Scheine aus der Tasche und kaufte das Bild. Er bedankte sich höflich und gab mir eine Visitenkarte, die lange Zeit keine Beachtung von mir erfuhr. Erst als ich aus einer Laune heraus das Kärtchen studierte, begann ich mich für den Inhaber der Firma "Drei Herzen" zu interessieren.

    So blieb nicht aus, einen Grund zu finden, die Herzenstätte mal von innen zu betrachten, schließlich wollte ich nur mal sehn, wo mein Bild sich aufhielt. Noch nie wurde ich als Maler mit einer nicht zu übertreffenden Freundlichkeit von einer hübschen Russin empfangen, die mich in einen "Salon" führte und unverzüglich mir ein Glas Sekt anbot.

    Die Russin setzte sich zu mir und stieß mit mir an. Das war mir nicht unangenehm, da ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht wusste, zum ersten Mal in meinem Leben in einem Liebesdom zu sein! Als sie näher an mich rückte, wurde es irgendwie eng in meiner Hose.

    Der Firmeninhaber betrat den Raum, und als er mich erkannte, sagte er zu meinem russischen Engelchen: "Der Sekt geht auf Kosten des Hauses !" Sofort war Platz in der Hose.

    Ich folgte ihm in einen kleineren Raum, der offenbar die Kommandozentrale des Unternehmens war. Über einem Computer hing mein Bild. Ein türkischer Drei-Zentner-Mann wurde aufgeklärt, dass ich der Urheber des Bildes sei. Seine Miene schwankte zwischen "Veilchen im Winter" und "Unfall auf dem Devil's highway – Route 666".

    Eine junge Deutsche, ihres Anscheins um die 26 Jahre, lieferte Herkules einige Scheine ab, der sofort kontrollierte, ob es sich um "Blüten" handele. Nach einem für sie befreienden Kopfnicken, setzte sie sich zu mir, knallte sich eine Kippe zwischen die Zähne und fragte mich: "Steigst du hier ein ?"

    Noch bevor ich antworten konnte, obgleich ich nicht wusste, was sie eigentlich meinte, klärte sie der Chef auf. Interessiert schaute sie mir in die Augen und ich in ihren BH. "Ich brauche noch ein Tatoo auf meiner Brust, kannst du mir einen Entwurf machen ?" Die Möglichkeit eines Entwurfes schloss ich nicht aus, da die Tatoofläche mir interessant genug erschien.

    Sie ging und eine andere kam. Ziemlich jung war sie. "Willste was trinken ?" Ich bestellte eine Cola. Sie teilte mir mit, die Cousine von Maria zu sein und Interesse an einem Bild habe. "Es soll jedoch eine Überraschung sein", sagte sie mir ganz leise. "Wie viel muss man da löten ?" Ich sagte ihr einen Preis, worauf sie schmunzelnd sagte: "Die eine Hälfte bekommst du in bar und die andere Hälfte entscheiden wir operativ. Einverstanden?" Ich nickte, obwohl ich nicht genau wusste, was sie mit "operativ" meinte.

    Bald verabschiedete ich mich, nicht genau wissend, ob ich nun Einzug in bessere Kreise gefunden hatte.


    Eine Glosse von Prenzlmaler,


    P.S.:
    Das einstige Etablissiment gibt es nicht mehr.
  • Seite 1 von 1 [ 1 Beitrag ]

  • Anmelden um auf das Thema zu antworten oder eine Frage zu stellen.

Ähnliche Themen