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  • Ist Kunst nur subjektiv oder der Zeit verpflichtet?

  • nroK Ist Kunst nur subjektiv oder der Zeit verpflichtet?
    Ist Kunst ein völlig freier Bereich, unabhängig von den Strömungen der Zeit? Oder ist Kunst eine Verpflichtung, der Zeit zu geben, was der Zeit ist? Mit anderen Worten, kann ein Maler, der sich in einem älteren Stil ausdrückt, dennoch Künstler sein?
    Ich habe diese Frage in einem anderen Künstlerforum verneint, bin aber auf heftige Kritik gestoßen. Der Tenor war, daß doch alles subjektiv sei. ich glaube das nicht!
  • Ulf Spuhl
    Ulf Spuhl
    Hallo,

    natürlich ist die schöpferische Kraft zunächst völlig frei und unabhängig sich zu entfalten. Jedoch der Künstler lebt weder im luftleeren Raum noch auf dem Elfenbeinturm, er lebt mitten unter den Menschen in der Gemeinschaft. Er sieht die aktuelle Situation, die anstehenden zu lösenden Probleme und wo es am nötigsten ist zu reagieren. Kann er sich da längst vergangenen Themen zuwenden weil sie im vielleicht Spaß bereiten anstatt die aktuellen Dinge der Zeit zu behandeln um somit eine Vision in die Zukunft zu ermöglichen?
    Es ist ein schlechter Künstler der die Augen vor den Fragen der Zeit verschließt um sich eventuell schöngeistig verflossenen Dingen zuzuwenden.

    Bin absolut der Meinung, dass der Beruf und die Aufgabe des Künstlers darin besteht die Gegenwart zu beleuchten und Probleme sichtbar zu machen um so eventuelle Veränderungen für die Zukunft zu finden und sich nicht nur in schöngeistigen, blumigen Kreationen zu verlieren, sondern ganz klar Position zum Zeitgeschehen zu formulieren.

    Finde das sehr logisch, wozu einen konservativen ewig gestrigen Künstler, um die Entwicklung aufzuhalten, sich nichts verändern zu lassen und ewig in der Stagnation zu verharren?

    gruß fluuu
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  • Robert Wolter
    Robert Wolter
    Wie sollte Kunst denn "unsubjektiv" sein?
    Signatur
  • zrehtsnuk
    grundsätzlich ist authentische kunst (ich meine kunst, keine deko) frei - frei, sich für das eine oder andere zu entscheiden.
    frei, nach dem "wahren" zu forschen und zu experimentieren.
    auch malen im "alten stil" kann durchaus darunter fallen.

    was die umgebende gesellschft (oder der kunstmarkt) dann schließlich zur kunst erhebt, steht aber auf einem anderen blatt geschrieben.
  • ebraf
    "Butterecke" und Ihre/seine Putzfrau...;-)
  • zrehtsnuk
    "Butterecke" und Ihre/seine Putzfrau...;-)



    ahah - da habe ich nun eine aussage, über die ich die nächsten 25 jahre gut nachdenken kann!
    ;-)
  • tsaG
    Kunst ist nichts und niemandem verpflichtet. Kunst kommt aus dem Inneren, eher aus dem Kleinhirn. Alles andere ist kopfgesteuertes Handwerk. Künstler ist der, dem es gelingt, seine innere Sicht so umzusetzen, daß sie verständlich wird. Helfen kann ihm nur Kritik und zwar weniger die verkopfte Kritik der gelehrten Kritiker, als die der Unbestallten.
    Zwar wollen die oft Fotorealismus, aber wirklich gute "echte" Kunst kann sie auch ansprechen und ihnen zu einer Horizonterweiterung verhelfen. Was nicht heißt, daß sie unbedingt echte Kunst im Wohnzimmer wollen. Das zeugt sogar von etwas Geschmack, denn meistens ist dieses so beschaffen, das Kunst dort fehl am Platze wäre. Erlernen kann man allenfalls den handwerklichen Anteil der Kunst. Den Anteil, der aus dem Bauch heraus kommt, kann man nicht einmal steuern.
    Man braucht über das Thema nicht groß zu schwadronieren. Das ist ebenfalls verkopft und bringt niemanden der Kunst näher.
  • siku
    Kunst ist nichts und niemandem verpflichtet. Kunst kommt aus dem Inneren, eher aus dem Kleinhirn. Alles andere ist kopfgesteuertes Handwerk. Künstler ist der, dem es gelingt, seine innere Sicht so umzusetzen, daß sie verständlich wird. Helfen kann ihm nur Kritik und zwar weniger die verkopfte Kritik der gelehrten Kritiker, als die der Unbestallten.
    [...]
    Erlernen kann man allenfalls den handwerklichen Anteil der Kunst. Den Anteil, der aus dem Bauch heraus kommt, kann man nicht einmal steuern.
    Man braucht über das Thema nicht groß zu schwadronieren. Das ist ebenfalls verkopft und bringt niemanden der Kunst näher.


    „Kunst ist nichts und niemandem verpflichtet“

    Da will ich mal den Versuch starten und mit dem „schönen Märchen“ von „jeder ein Künstler“ aufzuräumen ;-).
    „Kunst“ in Trennung zum Handwerk hat sich bereits in der Renaissance herausgebildet – und zwar deshalb, weil die damaligen Künstler sich mit ihren Traktaten in Annäherung an die Naturwissenschaften selbst einen Weg zur geistigen Elite bahnten. Von diesem Ansehen der „verkopften“ Vorfahren vor 600 Jahren profitieren all diejenigen, die Kunst machen oder zu machen glauben noch heute.

    Zudem kann sich auch der heutige Hobbykünstler darüber freuen, dass um 1800 (also bereits vor 200 Jahren) den damaligen Künstlern die bis dahin festen Auftraggeber weggefallen sind. Als Resultat daraus haben sich die Künstler den damaligen Geistesströmungen der Philosophie und Theologie angeschlossen und auf dieser Basis den Weg zur „individuellen Kunst“ beschritten. Sie passten ihren künstlerischen Ausdruck also >verkopft< den geistigen Strömungen ihrer Zeit an und schufen so Kunststile, welche heutige „Kreative“ bedenkenlos vereinnahmen, bedienen sich einer vielfältigen, rückwärtsgewandten Formensprache – und stecken sich dann ihre „künstlerische Freiheit“ mit großem Getöse an den eigenen Hut. Wo wäre diese „künstlerische Freiheit“ und vor allem die künstlerische Anerkennung ohne >verkopfte Künstler wie Kandinsky, Marc oder Theoretiker wie Clement Greenberg wohl heute?

    Kunst als Selbsttherapie mag für den einen oder anderen zeitgenössischen Kreativen zum Nutzen sein, der „Kunst“ sind solche künstlerischen Individualisten schnuppe. Kunst ist eine soziale Erscheinung, sie fußt auf tradierten >geistigen< Wurzeln, entwickelt sich ständig >zeitgemäß< weiter. Wer das nicht erkennen kann, hat – egal, wie schön er auch pinselt – kein Zugang zur Kunst, kann somit auch kein Künstler sein. Ein Merkmal zeitgenössischer Kunst ist ein interdisziplinäres Arbeiten in unterschiedlichen wissenschaftlichen Bereichen - also >verkopft<.
  • tsaG
    Und was sagt mir dieses Traktat?
    Der eine aus dem Bauch heraus, der andere aus dem Kopf. Der eine Anarchist, der andere Scholastiker.
  • siku
    Und was sagt mir dieses Traktat?


    wieso ein Traktat? ;-)
  • siku
    Da Du´s lieber verkopft zu haben scheinst

    http://www.uni-essen.de/literaturwissenschaft-aktiv/Vorlesungen/washeisst/traktat.htm - 6k -


    vielen Dank für den Link, aber damit entfernst du dich meilenweit vom Thema Kunst und landest in der Peripherie. Hast du Germanistik studiert?
    Ich meinte mit >Tractate< Schriften zur Kunst, z. B.: die Commentarii (speziell den dritten) von Lorenzo Ghiberty und von Alberti De Pictura und De re aedificatoria.
    Aber zur Diskussion brauchen wir ja nicht unbedingt auf den Anfängen der "Kunst" als Wissenschaft rumreiten, ich nannte doch auch noch Kandinsky, Marc und Greenberg, die für die heutige "künstlerische Subjektivität" wie sie so gerne vertreten wird, nicht gerade unbedeutende Vorarbeit geleistet haben.
  • anisaPiriS
  • tsaG
    Och, weißt Du, Siku, erst nach Deiner Frage habe ich den erstbesten Link zu "Traktat" aufgeschlagen, gelesen und zur Erklärung dessen, was ich meinte, passend empfunden. Verkrampft Euch doch nicht so, sucht in Euch selbst. Wozu soll man sich ein fest umgrenztes Areal abstecken und dessen Grenzen nicht überschreiten? Und dann meinen, wenn man das nicht täte, könne dabei nichts herauskommen?
    Wenn Ihr Muße habt, seht Euch mal unter Acrylmalerei im Thread "Ideennachhilfe gesucht" das C.D.Friedrich-Zitat an, das martinico reingestellt hat (zählen ja offensichtlich nur Namhafte). Mir hat das sehr gefallen.
    Sicherlich, in manchem "Bauch" ist nichts drinne. Da kommt dann auch nichts raus. Andere spüren da aber doch was und versuchen, es auszudrücken. Und ich glaube, das gelingt am besten, wenn man zwar an sich arbeitet, sich jedoch einen Dreck um Lehrmeinungen schert.
    lg jerryhill
  • nehcnneamrreH
    Kunst ist nichts und niemandem verpflichtet. Kunst kommt aus dem Inneren, eher aus dem Kleinhirn. Alles andere ist kopfgesteuertes Handwerk. Künstler ist der, dem es gelingt, seine innere Sicht so umzusetzen, daß sie verständlich wird. Helfen kann ihm nur Kritik und zwar weniger die verkopfte Kritik der gelehrten Kritiker, als die der Unbestallten.
    Zwar wollen die oft Fotorealismus, aber wirklich gute "echte" Kunst kann sie auch ansprechen und ihnen zu einer Horizonterweiterung verhelfen. Was nicht heißt, daß sie unbedingt echte Kunst im Wohnzimmer wollen. Das zeugt sogar von etwas Geschmack, denn meistens ist dieses so beschaffen, das Kunst dort fehl am Platze wäre. Erlernen kann man allenfalls den handwerklichen Anteil der Kunst. Den Anteil, der aus dem Bauch heraus kommt, kann man nicht einmal steuern.
    Man braucht über das Thema nicht groß zu schwadronieren. Das ist ebenfalls verkopft und bringt niemanden der Kunst näher.


    aus diesem wirren schwachsinn spross eine echte stilblüte!
    schön giessen, damit sie noch generationen nach dir erfreuen kann :)))

    ps: ich durfte lange nicht mehr sowas abgrundtief dämliches lesen - ich bin angenehm erschüttert. danke! :))))


    pss. noch n tipp fürn stammtisch. jerrymaus: da det reflexxxionsvermögen nich für die kunscht ausreicht, versuchs doch mit themen wie z.b. der onanie ...
    ... kommt aus dem Inneren, eher aus dem Kleinhirn. Alles andere ist kopfgesteuertes Handwerk.

    oder der verdauung:

    Sicherlich, in manchem "Bauch" ist nichts drinne. Da kommt dann auch nichts raus. Andere spüren da aber doch was und versuchen, es auszudrücken.


    viel spass! :)))
  • kritiker
    Hallo Jerry, vorausgeschickt, daß ich deine Beiträge hier sehr nützlich finde und wirklich gerne lese, möchte ich an dieser Stelle doch einmal Kritik üben. Oder vielleicht drückst du auch nur unvollkommen aus, was du meinst.
    Was soll das "sich einen Dreck um Lehrmeinungen scheren" denn bringen ? Auch Siku meint bestimmt nicht, daß ein Künstler sich mit dem Malhandbuch eines Theoretikers vor die Leinwand setzen soll. Selbstverständlich muß ein Künstler sich um die Lehrmeinungen anderer kümmern ! Ein Physiker muß ja auch erst das Ohm'sche Gesetz gelernt haben. - Was du wohl meinst, ist, daß die Lehrmeinungen den Künstler nicht beeinflussen sollen. Er muß geistig frei sein, da wären wir uns wohl alle einig.

    Zur Bedeutung von "geistig frei" erlaube ich mir eine Abschweifung: Durch diesen Thread zieht sich (wie durch die ganze europäische Geistesgeschichte) die Spaltung zwischen Vernunft und Gefühl, die nie definitiv überwunden wurde.
    Das Mittelalter übte sich einerseits in scholastischer Askese, andererseits in sadistischer Perversion. Die nüchterne Aufklärung bewirkte die instinktive Reaktion der Romantik. Zwischendurch aber kam es immer wieder zu kurzen Epochen, wo einige besonders starke Menschen wie in der Renaissance der angesprochene Tausendsassa Alberti und Leonardo da Vinci oder in der Klassik der Tausendsassa Goethe, in irgendeiner Form diesen Zwiespalt überwanden und damit das schufen, wovon wir heute immer noch profitieren.

    Der Reinheit und Freiheit der Gefühle alleine die Zukunft der Kunst anzuvertrauen, scheint mir etwas gewagt. Selbst die Romantiker waren am Ende so frei nicht. Warum malten alle diese "Freien" denn plötzlich allesamt Mythen-, Traumwelten, Sonnenuntergänge usw.?

    Da ist ein weiterer unüberwindlicher Zwiespalt der Geistesgeschichte: ob der Mensch frei ist oder nicht. Ich gehöre zu denen, die nicht an die Freiheit glauben. Man muß sich nur ein bißchen mit Psychologie auskennen, um zu sehen, daß wir gerade in der Instinktivität Knechte sind.
    (Du siehst das an demjenigen, der sich hier am wildesten, vorgeblich "freiesten" gebärt und dabei immer wieder eine unverkennbare Knechtschaft von seiner analerotischen Fixierung beweist. Irgendwo in dieser Ecke endet alle Anarchie...).

    Alles Instinktive muß immer wieder reflektiert werden, sonst droht ewige Regression ins Altbekannte. Nur durch die Überwindung des Zwiespalts zwischen Vernunft und Instinkt wird eine bleibende, "klassische" Identität geschaffen, auf die zukünftige Generationen bauen können.

    k.
  • nodiorc
    kunst ist was wirkt
    es gibt hier viel müll
    aber es ist interessant zu sehen was die leute so machen, und denken es wäre kunst
    bei einigen gibt es keinen zeitbezug
    auch keine richtung
    wenn ich etwas malen müsste, was dem zeitgeschmack entspricht
    ist deutschland pleite ?
    sterben jeden tag wirklich 5 tierarten aus ?
    ist fernsehen sinnvoll ?
    werde ich als einheimischer von den neuen mitbürgern verstanden ?
    es ist schade, dass es wenige gibt die über ihren tellerrand schauen
    oder überhaupt den teller sehen.
    kunst ist was gefällt
    wahre kunst ist haltbar, und zeigt den menschen, dass man sich mühe gegeben hat, etwas zu schaffen was in der zeit für die ewigkeit geschaffen wurde.
    dann wirds auch gesehen
    zeigt mir eure werke
    messt sie an meinen oder an der zeit.
    zeit ist kunst
    und manchmal vergänglich
    croidon
  • mig
    mig
    @jerryhill + @siku
    vereinigt euch - dann KANN kunst entstehen - kein kopf ohne bauch, kein bauch ohne kopf
  • nehcnneamrreH
    @jerryhill + @siku
    vereinigt euch - dann KANN kunst entstehen


    sehr richtig. aber bitte fotografisch dokumentieren und präsentieren. kuhnscht, die nicht gezeigt wird, existiert net.

    gruss, dieter

    ps: wär ne tolle neujahrsansprache, kritiker. wie du das mit dem instinkt und der vernunft ausklamüsert hast - ich seh das dankbare fernsehvolk wild nicken - ja ab da sogar selbstständig denken. auf einmal - schlagartig. nur so lassen sich kriege verhindern. DANKE! :)))
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