Wir nutzen Cookies und zeigen interessenbezogene Anzeigen Details. ablehen
  • Bildbesprechung: Yves Klein - Monochrome

  • Gast, 1 Bildbesprechung: Yves Klein - Monochrome
    ...
  • El-Meky
    El-Meky
    für mich ist es keine Kunst etwas blau oder bunt anzumalen. jeder Maler und Heimwerker kann das.

    Richtig gut kommt dann auch noch ein *minimalistisch konkreter Titel, wie 'QRS 345' *prust*

    ich würde es auch bemalen.
    lg
    Signatur
  • Pierre Menard
  • lisa
    lisa
    Bin nicht sehr informiert über Yves Klein, werde es aber nachholen.

    Klar kann jeder ein Bild blau anmalen, aber war er der erste? Wollte er damit etwas bezwecken, etwa Kunst in Frage stellen?

    Dann ist es Kunst. Nennt mich naiv.
    Signatur
  • Pierre Menard
    Pierre Menard
    https://www.aol.com/yakima67/yk-d.htm hoffe das ist nicht zu wenig akademisch, so wie klein selber. :wink:
    Signatur
  • Gast, 5
    im schirn war ne ausstellung von ihm. die blauen bilder an der weissen wand erzeugen einen hammermässigen kontrast (im gegensatz zu den monochrom schwarzen und roten). er hat auch noch so blaue teile mit blauen schwämmen drauf. berühmt berüchtigt war er wohl eher wegen den nackten frauen die sich mit farbe beschmiert auf die leinwand klatschten.
  • lisa
    lisa
    Aufsehen erregte er u. a. mit Aktionen wie einer sog. "Ausstellung der Leere" (1958), in der die Besucher mit leeren Galeriewänden konfrontiert wurden

    Hört sich auch gut an ...
    Signatur
  • Nanni
    Ich bin grad in Fabulierlaune: Das eigentlich Kunstwerk /heute/ ist dieser Thread. Eingeleitet durch ein erstes Highlight "soweit ich weiss mit Ultramarine". Der geneigte Betrachter stellst sich andächtig den Meister vor wie er im Laden "4 Tuben Ultramarin, bitte" sagt. Gänsehaut! Da das Bild eh "berühmt" ist, wollen wir das mit dem Ultramarin mal nicht näher hinterfragen.
    "Ich finde es schön. Reicht das um als totale Kunst zu gelten?" Oha! Mein Name ist Klein, Yves Klein. Ich betreibe Totalkunst.
    Nun klickt man den Link an, und BUMM! Man ist geflasht von der ganzen Bildpracht! Das sind sicher mindestens 200 x 200 Pixel krass-fettes, äh, Ultramarin. Noch im Schockzustand wird der Betrachter mit einer mentalen Farbfläche schwachstrukturierter Spachtelmasse eingefangen: Yves Klein-Bilder haben keine Struktur(doch), Wäre es von mir, würde ich ausgelacht(ja, denn du wärst ein halbes Jahrhundert zu spät dran), keine Kunst rein akademisch betrachtet(wenn dieser Satz nicht im Nietzschen Sinne erhaben ist, was dann?), Kunst läßt sich im gewissen Rahmen definieren(so weit, so gut), sonst gäbe es keinen Kunstunterricht(aha! macht Sinn!), ich habe seiner Zeit bis zu vier Doppelstunden Kunst pro Woche gehabt(die Doppelstunde als Zeitmaß, ein wahrhaft kühner Wurf! Und dann auch noch "Seiner" Zeit! Wer ist bloß "Er"?)... so geht es weiter. Wie filigran die Technik, wie vertrackt die soziale Internetplastik! Hier kann selbst Don noch was lernen.
    Aber der Künstler legt noch einen drauf! [Enter Heliopo]. Prust! Klein hat aber intuitiv gemalt - das hat mir ein Häschen zugetragen - daher ist sein blaues Bild vollkommen kritikresistent! Aber jeder muß es sich gefälligst angucken *zwinka*

    Eine ältere Dame (*1921) die sich "lisa" nennt betritt den Ring. Hat der Künstlr sie eingefügt, um seinem Werk einen Bezug zur Realität zu verleihen? Fragt "lisa" deshalb nach unwichtigen Details wie "wann ist es entstanden", "was war der Kontext", "wie ist es in das Gesamtwerk einzuordnen"? Der Zuschauer ist geblendet, er kann nur rätseln warum so etwas wichtig sein könnte.

    Zum Schluß wird der geneigte Rezipient völlig überraschend mit einem Moment der irrationalität konfrontiert. Ein "ypsilon" (<- was will er uns damit sagen?!) hat das Bild tatsächlich GESEHEN, also in "echt" wenn ihr versteht was ich meine. Warum? War ihm der Link nicht genug? Heißt es nicht soziale INTERNETplastik?

    Ich biete Drucke dieses Threads in verschiedenen Qualitäten an. Kaufanfragen bitte per PM.
  • Pierre Menard
    Pierre Menard
    limitierte drucke oder endlos?
    Signatur
  • lisa
    lisa
    Da scheint ja eine ganze Fieber-Epidemie ausgebrochen zu sein :)
    Signatur
  • siku
    Nicht nur schrille Töne, auch aneinandergereihte Buchstaben können der Seele wehtun.
    Die meisten der Kommentare dieses Threads (von Ausnahmen abgesehen) sind einfach daaa – neben.
    Gegen Mitternachtsunterhaltung ist ja nichts einzuwenden, aber denkt doch bitte auch an die nachfolgenden Tages-Leser oder: Lesen verboten??
    Ob wohl noch weitere kunsthistorisch anerkannte Künstler hier im ICE-Verfahren vorgestellt werden?

    Ein kleiner Lesetipp für die Fans der Moderne:
    „Kunst/Theorie im 20. Jahrhundert Band I und II“. (insgesamt 1450 Seiten), hrsg. von Charles Harrison und Paul Wood. Auch als günstige Studienausgabe zu erwerben. Yves Klein, Band 2 S.991 (Gastvortrag an der Sorbonne 1959)
  • Gast, 5
    Lieber XP

    ypsilon ist weiblich ;)
    ansonsten applaus, bitte weiter fabulieren!
  • Nanni
    Oh sorry. Kenne mich hier nicht mehr so gut aus :)
  • El-Meky
    El-Meky
    also,

    ich war erst neulich in einem Fünf Sterne Restaurant vom berühmten *maître de cuisine.
    Es gab dort in der Speisenkarte nur 'Gelben Safran-Reis'.

    Der erste Gast rief : " Der Reis muss ja vorzüglich schmecken, denn er ist von einem Koch mit grossen Namen zubereitet worden!"
    Die meissten Gäste stocherten auf ihrem Teller im gelben Reis herum.
    "Was waren wohl seine Beweggründe, nur eine Beilage anzubieten?",
    fragt eine nette Dame ihren Tischnachbarn.
    Der Mann neben ihr schien sehr patent, denn er holte unter seinem grauen Jakett eine dicke Schwarte hevor.
    Er stand auf , klopfte mit seiner Gabel an den Tellerrand und rief :
    "Liebe Gäste, so beruhigen sie sich doch bitte.
    In meiner Hand halte ich einige Zeugnisse, inclusive hochkarätiger Referenzen!"

    Er schaute sehr wichtig drein, wärend die Gäste so langsam unruhig wurden, weil sie hungrig waren.

    "Ich bitte Sie, meine Damen, meine Herren.
    Lesen sie !"

    Eine junge Dame stand auf, ging zum Garderobenständer, um ihren Mantel zu holen und sagte :
    "Verstehen diesen Text auch mein Magen, meine Zunge und meine Augen?"



    lg

    PS : Gruss an XP
    Signatur
  • Pierre Menard
    Pierre Menard
    ich finde, wir nähern uns wieder dem lieblingsthema: geht "es" um mehr als abbilden? hat "es" was mit denken zu tun? ist "es" nur deko? ist "es" mehr als deko? will "es" neu denkimpulse geben? will "es" neue sichtweisen vermitteln? will "es" dinge hinterfragen?
    ist "es" seelenstriptease und sonst nix?
    an dieser stelle nur schon mal vorsorglich der aufruf an alle: bleibt ruhig, beherrscht euch ein wenig, dann brauch auch keiner genervt zu gehen. ;-)

    zu grundlegenden problematik nochmal. die story mit dem koch ist ja ganz nett, aber trifft es nicht. moderne bzw postmoderne kunst hat zu einem großen teil etwas mit intellektueler auseindersetzung zu tun. wenn man sich auf diese sache einlassen will, reicht es nicht zu sagen, mir war danach, fett in eine ecke zu gießen und anschließend da drauf zu onanieren und das ghanze noch auf video aufzunehmen um es dann auf einem roboter bestehend aus Tv monitoren im centre george pompidour abzuspielen. sonden man muß nach möglichkeit sich selber hinterfragen, und ev. auch mal dinge, sehweisen hinter und befragen. das muß nicht immer wer weiß wie kritisch sein und kann alles mögliche zum thema haben und beinhalten. aber nur einfach ein bißchen farbe auf ne leinwand zu malen weil einen gerade die muse küßt reicht nicht. nicht mehr, wenn es denn je gereicht hat.
    "Es" hat mit geistiger auseinadersetzung zu tun. klar, nicht jeder hat lust die schwarte , die siku genannt hat, zu lesen. vielen reicht es, wenn sie müde vom job oder dem haushalt sind, sich ein schönes, dekoratives bild anzuschauen und darin entspannung zufinden. schmückendes beiwerk eben. aber ob dieses beiwerk "es" ausmacht? im idealfalle muß man die bedingungen, das sein/materielle rahmen soweit ändern, dass die muse da ist, sich an einem geistesleben zu beteiligen. im ganz idealen fall wird es dann sowas wie ein freies geistesleben geben. (i hope you like jamming to....) das ist sicherlich utopisch und nicht unter den gegebnen umständen realistisch oder realisbar, aber das ist doch etwas worum bei"ES" auch gehen kann.

    so. weiterhin viel spaß und frohes werklen wüschst der don.
    Signatur
  • Gast, 5
    @ don

    meinst du deine aussage trifft auch auf Duchamps ready-mades zu?
  • Pierre Menard
    Pierre Menard
    meinste , das nur intuitiv arbeiten nicht reicht? sondern, dass ein intellektueller prozess dazu gehört?

    dann ich würde sagen,dass gerade marcel duchamp hat viel nachgedacht. ich besitze die sehr schöne CD"the creative act" sozusagen duchamp über duchamp und kunst usw in eigenen worten und eigener stimme. der hört man, dass der gute mensch, sehr viel nachgedacht hat. er redet auch über gewisse readymades.
    Signatur
  • Gast, 5
    meiner meinung nach ist rein intuitives arbeiten als erwachsener eh fast unmöglich (auch wenn ich jetzt haue krieg) da immer irgendwelche einflüsse mehr oder weniger bewusst zum tragen kommen. mir ging es eher um duchamps aussage über seine ready-mades das sie zu kunst werden sobald er sie zu kunst deklariert (wo wir eigentlich wieder bei der huhn/ei frage angelangt sind). hört sich interessant an deine cd.
  • lisa
    lisa
    letzten Endes kann man doch sowieso nie sagen, ob jemand nachgedacht hat, oder ob er nur so getan hat, als hätte er nachgedacht.
    Kunsthistorisch anerkannt oder nicht. Niemand kann in anderer Leute Köpfe hineinsehen.
    Signatur
  • Gast, 5
    letzten Endes kann man doch sowieso nie sagen, ob jemand nachgedacht hat, oder ob er nur so getan hat, als hätte er nachgedacht

    klasse statement.
  • Pierre Menard
    Pierre Menard
    ich finde schon, dass es zu einem gewissen grade ausreicht, sachen kraft seines willens zu kunst zu erklären. nur sollte man nach möglichkeit dabei von will-kürlichkeit absehen. soll heißen, man muß an sich schon begründen können, warum etwas so ist und nicht anders.
    als beispiel mal art brut, dubuffet weiß wovon er spricht, somit schafft er einen überbau und "erhebt" die werke der psychisch behinderten(korrekt so?) zu kunst. diese alleine wissen aber im prinzip nicht was sie tun und handeln "intuitiv", triebgesteuert.
    das reicht imho nicht aus.
    wobei aber wohl eine menge intuitive kraft bei einem werk reinspielen kann. aber ich denke, wenn duchamp sagt, es ist kunst weil er das so will, setzt das voraus, das er nachgedacht hat, warum er will dass das kunst ist. oder so ähnlich. das heißt, ich gehe davon aus, das setzen von rädern, pinkelbecken und flaschenhaltern in den galerie kontex schon reflektiert war und nicht einfach, da hab ich jetzt mal lust zu, bin eh ein von gott gesalbter und deshalb ist das jetzt mal kunst.

    hoffe, dass hat jetzt noch ein wenig zu verwirrung beigetragen.
    Signatur
  • Gast, 5
    die verwirrung ist immens.
    glaube auch nicht das dies die einstellung von duchamp war, sondern das er schon gezielt alltägliche gegenstände gewählt hat, bei denen es sehr unwahrscheinlich ist, dass sie jemals als kunstobjekt betrachtet worden wären. mein punkt ist, das duchamp aufgrund seines rufes die möglickeit hatte dies zu verwirklichen (deswegen die huhn/ei analogie).
    zu art brut muss ich mich erst mal informieren.
  • Pierre Menard
    Pierre Menard
    damit sprichst du natürlich nen grundlegendes problem an. nämlich das "whois". wenn, sagen wir mal, ypsilon befindet werk A ist aus den gründen B und C kunst, wird das anders aufgenommen, als wenn g. richter oder s. polke das behaupten? ich denke ja.
    man kann natürlich sagen, das ist scheiße, weil nicht das werk, die idee im vordergrund stehen, sondern die "marke/das label", andererseits, ist es natürlich so, dass sich die heren richter und polke eine gewisse kreditwürdihkeit erarbeitet haben. da ist man natürlcih schneller mal geneigt, über vermeitliche spleens oder flausen nachzudenken. war beim herrn duchmap bestimmt auch so. der hatte ja schon was vorgelegt, zB das:


    🔗 http://www.abcgallery.com/D/duchamp/duchamp2a.jpg
    Signatur
  • Pierre Menard
    Pierre Menard
    wirft natürlich wieder frage auf, muß man die regekn beherrschen, um sie zu mißachten? oder reicht es einfach sie nicht zu befolgen? noch ein kleiner duchamp, 1902:


    🔗 http://www.abcgallery.com/D/duchamp/duchamp8.JPG

    ev. sollten wir mal duchamp thread aufmachen?
    Signatur
  • Nanni
    Jungs, die Sache geht zu sehr in Richtung "akademischer Überbau". Bei vielen Werken geht es aber um "Argumente", die eher malerischer Natur sind. Genaugenommen geht es um Geschmacksbildung, die viel Seh-Erfahrung braucht. Anders gesagt, die meisten guten Werke sollten intuitiv erfassbar sein. Also ich steh selten in einer Ausstellung und denke nach. Das ist imho Wasser auf die Mühlen derjenigen, die des Kaisers neue Kleider ins Feld führen.
  • Gast, 5
    ja, don mach ma.
    @XP
    genau hier liegt aber auch ein problem.
    oder marketingtechnisch, wen will man mit was ansprechen oder erreichen.
  • Nanni
    Ich lehne Dons Argumente gar nicht ab, ich ergänze eigentlich nur. Man kann sich viel denken, aber dennoch SChrott produzieren und umgekehrt.
  • Gast, 5
    @XP
    ist intuitive erfassbarkeit für dich vorraussetzung für ein gutes werk?
  • Nanni
    Nein, aber die meisten Sachen (fast alle) die ich mag erschließen sich mir ohne daß ich überlegen muss. Ich muß mich auf neues einlassen, aber viel Gehirnschmalz braucht man eigentlich nicht dazu. Das gilt (für mich) auch für Concept. Ich guck mir das an, was hat der gemacht, wie stellt er die Zeichen seines Tuns ins Museum und dann funktioniert es oder nicht.
  • Gast, 8
    das erinnert mich an einen musiker, der eine neue musikrichtung erklärte: monomusik...diese besteht nur aus einem ton.....
  • pue
    Ich bin Musiker und habe lange nach dem Ton gesucht :-) in echt.

    Zu Yves Klein: auch er hat diese Verbindung benutzt. Vor Publikum malten sich nackte Frauen unter seinen Regieanweisungen mit Yves-Klein-Blau an und setzen, lehnten, wälzten sich auf Papierbahnen an Boden und Wand. Dazu spielte ein Streichorchester eine "symphonie monotone": 20 Minuten lang ein anhaltender Ton, dann 20 Minuten Stille. Heraus kamen abstrakte Bilder, die aber doch an klassische Aktmalerei erinnern - eine Ambivalenz zwischen Abstraktion und Figürlichkeit, indem sie Lebensspuren sichtbar machen und dokumentieren.

    http://www.the-exit.net/plaza/yves-klein/HF_sections/content/anthropometrie_campagne_shunk_4_1960_mail.jpg

    Ich möchte den Blickwinkel ein wenig vom genialen Künstler selbst hin zur Gesellschaft richten. Letztendlich entscheidet nicht der Künstler, was Kunst ist, sondern wir. Es sind verschiedene Mechanismen, die ineinander greifen und bewirken, dass am Ende ein Bild, Objekt oder Gedanke 'berühmt' wird. All diese Kunstwerke stehen in einem sozialen historischen Zusammenhang. Die Kunstwerke stehen sozusagen für eine gesellschaftliche Entwicklung und sind damit wichtige Markierungen in unserer Geschichte. Natürlich gibt es neben Duchamp und Klein immer andere, die genauso gut für ihre Zeit hätten stehen könnten. Wer der glückliche(?) Künstler ist, der gerade den Durchbruch schafft, das entscheidet der Kunstbetrieb, Protektion, Geld, Glück, Können und und und. (Dies ist eine andere Diskussion, die immer geführt werden sollte und gerade auch Thema von Duchamp und seinen Kollegen war. Schwierig, die Themen auseinander zu halten. Gerade dieser doofe Hutständer will uns ja dazu zwingen, das Thema in der gesamten Komplexität zu denken.)

    Nicht der Künstler schafft die Kunstrichtung, sondern der allgemeine Zeitgeist. Und Yves Klein passt so gut wie Marcel Duchamp in seine Zeit.

    Yves Klein mochte die Linie nicht. Für ihn konkretisierte sie unseren "état de mortels", unsere Sterblichkeit. Die Farbe hielt er hingegen für natürlich und menschlich. Sie allein fülle den Raum aus, während die Linie ihn nur durchquere. Klein hat rosafarbene, goldene, blaue Bilder geschaffen. Doch es war das Blau, das er für die reinste Farbe hielt. Auf der Suche nach dem perfekten Blau entwickelte er zusammen mit einer Handvoll Chemikern das patentierte International-Klein-Blue (IKB), ein dunkles Stahl-Ultramarinblau. Die hypnotisierende Masse an Blau sollte den Betrachter das Bild nicht mehr sehen, sondern "wahrnehmen" lassen, sein Gefühl ansprechen, nicht seinen Verstand. Es geht im um Entmalerialisierung der Materie: E= m*c²

    Und das ist (ein) Thema der (ok, ok, (weil vermögend,) belesenen, intellektuellen) Gesellschaft des 20. Jahrhunderts.

    http://www.the-exit.net/plaza/yves-klein/HF_sections/content/anthropologie_ant_078_1960_mail.jpg


    witzig: nach dem Urheberrecht fehlt Kleins Bilder die Schöpfungsqualität, so dass er sie nicht hat schützen können. Yves Klein hat daher die Zusammensetzung seiner Farbe als Gebrauchsmuster schützen lassen, so dass die Zusammensetzung seines Blaus geschützt ist und auf die von Yves Klein gefertigte Weise nicht nachgeahmt werden darf.

    traurig: die Abbildung einer Reproduktion eine Yves-Klein-Bildes, wie oben geschehen, ist blanker Unsinn, da das Werk in diesem Medium nicht vermittelbar ist. Die monochromen Bilder entziehen sich meines Erachtens der Reproduktion allgemein, was natürlich in engsten Sinne auf alle Kunstwerke zutrifft. Bei monochromen Bildern wird es offfen sichtlich.
  • trance-x
    trance-x
    ich wiederum glaubte im ersten bewusstlosen moment, dass der browser den link nicht richtig laden konnte:)

    ps: sicherlich ein indiz dafuer, dass zeitgeist bei der interpretation ein wichtige rolle spielt ...



    pue ...
    Auf der Suche nach dem perfekten Blau entwickelte er zusammen mit einer Handvoll Chemikern das patentierte International-Klein-Blue (IKB), ein dunkles Stahl-Ultramarinblau.

    "Mit Hilfe eines Chemiker gelang es ihm, Farbpigment mit einem Fixativ zu verbinden und es somit in Reinform zu verwenden. Als IKB, "International Klein Blue", ließ er dieses neuartige Malmittel patentieren."
    source: 🔗


    Die hypnotisierende Masse an Blau sollte den Betrachter das Bild nicht mehr sehen, sondern "wahrnehmen" lassen, sein Gefühl ansprechen, nicht seinen Verstand. Es geht im um Entmalerialisierung der Materie: E= m*c²

    wurde die wirkung eigentlich auch serioes an menschen getestet? auf jeden wirkt es sicher nicht so, da nicht nur genetisch die farbwahrnehmung etwas unterschiedlich ist ... aber fuer eine signifikante masse?

    http://www.yvesklein.de/images/samothrace.jpg
  • pue
    ...signifikante masse?



    mir ist nicht klar, was du aussagen willst. Meinst du, man sollte Tests durchführen, um die Richtigkeit der Klein'schen Gedanken zu beweisen? Wohin sollten uns solche Beweise führen? Ich habe völlig andere Gedanken als Klein. Seine Gedanken sind nicht allgemeingültig, aber er war für seine Zeit wichtig.
    Das mit seinem Blau find ich persönlich vollkommen unwichtig, aber seine Auseinandersetzung damit ist voller Spannung.
  • siku
    Zitat pue: „Ich möchte den Blickwinkel ein wenig vom genialen Künstler selbst hin zur Gesellschaft richten. Letztendlich entscheidet nicht der Künstler, was Kunst ist, sondern wir. Es sind verschiedene Mechanismen, die ineinander greifen und bewirken, dass am Ende ein Bild, Objekt oder Gedanke 'berühmt' wird."

    Yves Kleins Kunst kann als Beispiel stehen für die hier im Forum schon oft geforderte adäquate Umsetzung einer Idee mit bildnerischen Mitteln; er hat sie meisterhaft geleistet. Der Künstler entscheidet nicht was Kunst ist, aber er beeinflusst die Meinungsbildung durch die Überzeugungskraft seiner Werke. Kleins Versuche die Materie zu überwinden und in den Bereich des Geistigen und Immateriellen vorzudringen entspringen uralten Menschenträumen. Und er war nicht der einzige. Ungefähr zeitgleich haben Mark Rothko (Beispiel: Rothko Chapel, Houston), Barnett Newman u.a. Versuche unternommen, das Transzendente mittels Farbe/ Farbfeldmalerei zu exponieren. Es lag dann beim Rezipienten, dieses Angebot der Künstler anzunehmen.

    Beschäftigt hatte Klein sich mit der Farbe „Blau“ nach eigener Aussage schon als 18-jähriger. „Damals als Jugendlicher im Jahre 1946 signierte ich in einem phantastischen „realistico-maginativen“ Tagtraum die andere Seite des Himmelsgewölbes. An diesem Tag begann ich die Vögel zu hassen, die kreuz und quer am Himmel flogen, denn sie versuchten Löcher in mein schönstes und größtes Werk zu machen.“ (Aussage von 1961)
    Klein hat seine Arbeit mit den Zeichen seiner Zeit verbunden, u. a. mit den ersten Schritten der Weltraumerforschung, dem Sputnik und der ersten Erdumrundung des russischen Kosmonauten Gagarin, der die Erde aus der Ferne als blaue Kugel wahrgenommen hatte. Fernöstliche, zenbuddistische Vorstellungen der Leere, (die von Zero weitergeführt wurden) flossen in seine Arbeiten ein. Klein selbst hat sich als Maler des Raumes bezeichnet. „Sein Blau“ war für ihn ein Synonym für Energie und kosmische Sensibilität. „... Die Seele fühlen ohne zu erklären, ohne Worte, und diese Empfindungen darzustellen ... Das, glaube ich, ist einer der Gründe, die mich zur Monochromie geführt haben!“ Für mich besteht die Kunst der Malerei darin, Freiheit in ihrem Urzustand zu schaffen.“ (Zitat aus Biographie Paul Weber: Yves Klein 1969 Krefeld, S. 67)
    Die Intentionen Kleins, auch wenn sie heutzutage vielleicht nicht gerade „in“ sind, sind für mich doch nachfühlbar. Zu seiner Zeit waren seine Aktionen geradezu revolutionär, heute könnten sie irgendwie brav wirken.
  • trance-x
    trance-x
    pue ...
    mir ist nicht klar, was du aussagen willst. Meinst du, man sollte Tests durchführen, um die Richtigkeit der Klein'schen Gedanken zu beweisen?

    heute ist das wohl unnoetig oder sagen wir nen gimmick, weil farben auch in der psychologie ja laengst wissenschaftlich untersucht werden.

    aber ansonsten: na klar, wenn jemand (yves klein) sagt, er haette einen teppich (farbe), auf dem man im zimmer rumschweben kann (wirkung), dann interessiert mich primaer, ob der teppich (farbe) tatsaechlich schweben (wirken) kann und wie das funktioniert (der weg). eher sekundaer, genau genommen quintaer, interessiert mich dagegen, ob der typ (yves klein) schon immer gerne teppiche mochte (geschmack) oder wie er den teppich ins zimmer reingebracht hat (nebenhandlung). mich interessiert auch weniger, ob andere (fans) jetzt auch teppiche (farbe) oder den teppichhaendler (yves klein) moegen und nachspielen wie er den teppich ins zimmer trug (kultur). das ist fuer mich (trance-x) bei der ganzen sache eben nicht das "wesentliche" (hauptgewinn). natuerlich hat jeder so seine herangehensweise an solche themen (schlechter), meine ist eben diese (besser) ... *kichel kichel* :)

    ne, also, ganz ehrlich. wo bleibt deine gesunde neugier? wenn die farbe auf die meisten menschen entsprechend wirkt (hypnose, hirn aus, gefuehl ein), kannst du sie auf die kleidung pinseln und damit coole frauen/maenner aufreissen oder IKB-farbene bzw. monochrome regenjacken verhoekern . aber wirkt sie in wirklichkeit bei den meisten aggressionsfoerdernd, wuerde ich das tunlichst sein lassen. wie sie nun aber wirkt, musst du eben rauskriegen, was eigentlich doch Yves Klein tun wollte, denn wer sich auf die suche nach einer bestimmten farbe und wirkung begibt, wer ja ein interesse an zeitgeistiger philosophie, wissenschaft und technik hat, wird ja wohl kriterien haben, anhand er diese auch bemisst. nur so kommt man ja auch ...

    Wohin sollten uns solche Beweise führen?

    ... zu mehr erkenntnissen. oder nicht?

    ps: dass er durchaus seine zeit inspirierte, stelle ich uebrigens gar nicht in frage. zudem hatten solche aktionen wie das schleudern von nackten frauen ueber leinwaende gerade zu der zeit auch aufklaererische elemente. mich hat nur eben interessiert, was daraus nu geworden ist. uebrigens soll das bild ja in koeln haengen. museum ludwig? ich glaub ich habs sogar schon mal gesehen, aber wieder vergessen. naja, vielleicht kann eine usergemeinschaft an koelner kuenstlern mal vorbeitigern und das testen, obwohl ... vielleicht sehen dann lauter hammer noch mehr naegel?:)
  • pue
    ...zudem hatten solche aktionen wie das schleudern von nackten frauen ueber leinwaende gerade zu der zeit auch aufklaererische elemente. mich hat nur eben interessiert, was daraus nu geworden ist.


    Wenns im Ludwig hängt und solange wir diskutieren, wird ja noch was draus, will meinen, der Prozess des daraus Werdens ist noch im Gange. Was aus den Frauen geworden ist, interessiert mich auch. Aus der Kunst ist viel geworden: ein Zeitdokument, Stein des Anstosses (und das immer noch, wie man liest), Bilder, die mich beeindrucken und animieren und das Wichtigste ist das nicht Beweisbare, das Unmessbare, dass der Kunst Eigene: das, was sie jedem Einzelnen gibt, ein Gut, das jeder für sich definiert. Das ist auch der Grund, warum mich Beweise, stat(ist)ische und messbare Ergebnisse in diesem Zusammenhang nicht interessieren.

    Was nu daraus geworden ist, läßt sich auch lapidarer erklären: stell dir die Abwesenheit von Kunst [oder Klein (nicht Kleinkunst)] vor und bilde die Differenz zum Jetzt.
  • siku
    Zitat von trance-x: „..., mich hat nur eben interessiert, was daraus nu geworden ist. uebrigens soll das bild ja in koeln haengen. museum ludwig? (...) vielleicht kann eine usergemeinschaft an koelner kuenstlern mal vorbeitigern und testen ...“

    Geniale Idee!! - für einen gemeinsamen Ausflug, - lustiger Gedanke, Klein (wenn auch nur die Wirkung seines Blau) dabei zu testen, – ernsthafte Bemerkung: das ist der falsche Ansatz zum TÜV-Check von Yves Kleins Werk, allerdings eins hat die Idee mit Kleins Aktionen gemeinsam – sie führt ins „Leere“. Kleins Kunst lebt nicht nur von seinem „Blau“, entscheidender bei seinen Anthropometrien (die Lehre der Messung des Körpers) ist die Herstellung der Abdrucke, die Aktion brauchte einen zeremoniellen Kontext. Die Aktionen, bei denen er sein metaphysisches, immaterielles Gedankengut umsetzte sind originell und bestechend. Yves Klein träumte von der Entmaterialisierung des Raumes. Der metaphysische Gedanke, die unmessbare Empfindung des Alls zur Erscheinung zu bringen war nicht neu (es gab seit der Frühromantik zahlreiche Ansätze). Spannend ist, wie fantasievoll Klein sich an die Umsetzung gemacht hat. Dazu gehören neben er „Eroberung der Leere auf der Fläche (blaue monochrome Bilder), die blauen Körperbilder, die Entstehung der Feuerbilder, das „Theater der Leere“: weiße Räume mit leeren Vitrinen, der dargestellte Sprung in den freien Raum. Dazu gehört vielleicht auch die Reise mit einem Exvoto (es glich einem kleinen Modellaltar, in dem sich Spuren seiner Kunst befanden) nach Cascia in Umbrien, um es im Monasterio di Santa Rita weihen zu lassen und zu hinterlegen. Dabei ging es ihm um den Wunsch, dass sich seine Kunst zur vollen Schönheit entfalte, unanfechtbar werde.

    Ich will mich hier nicht besserwisserisch in eure Diskussion einmischen, mich fasziniert einfach Klein als Aktionskünstler und darauf möchte ich hier aufmerksam machen. Eine rasche Überprüfung an „nur einem Bild“ ist wohl ein bisschen spärlich. Nur Fragmente (Bilder, Objekte und Dokumente) führen noch zu Yves Klein, bilden Spuren seiner auf das Immaterielle, Metaphysische verweisenden Aktionen.
    Gruß siku
  • Hardy69
    Hardy69
    Das Ultramarin ist zumindest ein angenehmer Farbton ... und es bestätigt sich wieder: ALLES kann Kunst sein; und wenn nur ein Betrachter es als solches empfindet. "Das ist keine Kunst" wäre leicht gesagt - dann aber bitte auch, wenn es ein Picasso oder van Gogh wäre .... ;-)

    Vielen Dank auch an Pue für die ergänzenden Bildbeispiele vom 4.Mai und die Erläuterungen zum patentierten Farbton. Emotional kontrovers empfunden ist da natürlich wieder die Entstehung dieses Bildes, aber ganz zweifelsfrei ist es ein einmaliges und interessantes Werk !
    Sicherlich kann eine Wiedergabe hier im Internet nicht den Anblick des Originals ersetzen, aber so kann z.B. ich überhaupt etwas von diesem Künstler wahrnehmen. Dieses 2. Bild regt mich auch an, mich näher mit ihm und seinen Werken zu befassen. Leider hatte ich die 2. Themenseite der Beiträge bisher übersehen.
  • Seite 1 von 1 [ 38 Beiträge ]

  • Anmelden um auf das Thema zu antworten oder eine Frage zu stellen.

Ähnliche Themen


Bisher: 528.648 Kunstwerke,  1.975.107 Kommentare,  335.770.632 Bilder-Aufrufe
Stelle eine Frage oder antworte in dieser Diskussion. KunstNet ist eine Online Galerie und ein Diskussionsforum für Kunstinteressierte und Künstler. Kunstwerke kannst du hier präsentieren, kommentieren und dich mit anderen Künstlern austauschen und über Kunst diskutieren.