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  • Kunst als Provokation?

  • Erwin Moser
    Erwin Moser Kunst als Provokation?
    Mich interessiert was ihr über diese Art von Kunst denkt.

    In der Kestnergesellschaft in Hannover ließ der international gefragte Künstler Santiago Serra zwei weiße Räume mit rund 120 Tonnen Schlamm und Erde füllen. Die Besucher können darin herumstapfen und ihre Spuren dann in leeren Räumen auf einem hellen Teppich hinterlassen. Sierras neues Projekt "Haus im Schlamm", das bis zum 10. April zu sehen ist, soll an die Entstehung des Maschsees erinnern. Der Freizeitsee mitten in Hannover wurde unter den Nationalsozialisten in den 1930er Jahren von 1650 Arbeitslosen für einen Hungerlohn ausgehoben.
    https://kurier.at/kultur/890013.php
  • El-Meky
    El-Meky
    hallo winu,
    hört sich sehr spannend und sympatisch an, was dieser kreative Mensch für Projekte erdenkt, schafft, den Menschen direkt mit einbezieht,
    in eine Welt, die unangenehm ist erinnert zu werden und so sehr wichtig ist immer und immerwieder aufzuzeigen, wo der Mensch eventuell nicht klug und weise und sozial handelt.

    er ist ein Künstler für mich . und es wert, gesponsort zu werden um sich auszuleben.
    danke für den Link. :o)


    liebe Grüsse heliopo
    Signatur
  • Pierre Menard
    Pierre Menard
    na ganz nett, wenn auch formell nicht ganz mein ding. aber die aktion an sich ist geil und auch was da sonst noch so beschrieben wird. "schöne" sachen. aber das beste ist doch wohl das hier:
    Überlegungen, Arbeitslose als Ein-Euro-Jobber für das Ausbringen des Schlamms einzusetzen, schlugen wegen Vorgaben der Bundesagentur für Arbeit fehl
    wär ne schöne parelle gewesen. muß in letzter zeit sowieso oft an autobahnen oder reichsarbeitsdienst denken.

    *EDIT*
    das hier paßt ganz gut: 🔗
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  • Sabine Bergmann
    Sabine Bergmann
    wohl war... wohl war ...
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  • chairs
    Ist die Frage ernsthaft gemeint?

    "Was ist Kunst?" ISBN @ amazon oder libri !
  • siku
    Im Historischem Museum in Hannover werden Doku-Fotos der NS-Zeit ausgestellt, darunter auch Aufnahmen der Maschsee-Arbeiter: folgerichtig müsste der „Schlamm“ auch dort gezeigt werden. Leider kommt er aber nicht aus diesem See, sondern aus Bad Nenndorf, einem nahe gelegenen Kurort. Nach der Ausstellung freut sich dann der Leiter der Herrenhäuser Gärten auf die (kostenlose) Düngeladung für seine Flora.
    Wer in dem Schlamm herumwatet, muss sich wahrscheinlich lange abmühen, bis er auf den Gedanken verfällt, weshalb der Schlick eigentlich dort ist. Eher wird wohl ein Verlangen nach wohligen Moorspackungen aufkommen. (Ob das Pressefoto mit der hübschen jungen Besucherin, die die Szene auffällig dekoriert, auch darauf hinweisen soll?)
    Wie es denn heutzutage so ist: Event muss sein (fürs
    Geschäft, für die Kunst). Das bedeutet ganz doll riesig, tief, viel, schrill, weit, mehr und nächstens noch viel mehr.
    Schöne Beispiele: 20 Schrottautos übereinander als Plastik im öffentlichen Raum, Tonnen von Zeitungspapier auf dem Markusplatz in Venedig, etliche Matratzen füllen Riesenhalle auf der documenta, Spanplatten lagern in barocken Sälen usw. Alles „Kunst“ mit der bemerkenswerten Aussage der „Künstler“ (die übrigens selber kaum Hand anlegen): was ich dazu zu sagen habe, sollt/ müsst ihr glauben.
    Passend vielleicht noch Hildchen Knefs flotter Song: „Aber schön war es doch“.... (im Schlamm?).
    Man stelle sich vor: LKW-Fahrer, die sonst mit Kies und Erde ganztägig unterwegs sind, müssen eben mal in die Innenstadt von Hannover und ihre Schlammladungen ins ehrwürdige Gebäude der Kestner Gesellschaft kippen. Ob die die Welt noch verstehen?
  • dieterbruhns
    dieterbruhns
    PROVOKATION in der KUNST

    für mich stellt sich auch die frage nach den zielgruppen der provokation.
    otto normalbürger hakt die geschichte sicher im vorübergehen ab:
    kunst verstehen ja nicht mal fachleute und künstler haben schon immer verrückte
    sachen gemacht...
    kein problem damit!
    kunstinteressierte, das kunstpublikum im allgemeinen und gelegenheitsliebhaber sind geschockt,
    stell ich mir vor, weil kein augenschmaus geboten wird, kein positives erlebnis
    für sie zu erkennen ist und der ekel bekämpft werden muss.
    einige werden in der lage sein,
    auch die grenzen ihrer anschauungsweise zu überwinden...
    mit problemen behaftet!
    schließlich (in diesem grob eingestellten betrachtungsfilter) die kleine gruppe der
    kulturschaffenden. so unterschiedliche wege sie gehen mögen, ist ihnen gemein,
    dass sie menschliche ausdrucksweisen pflegen, weiterentwickeln und grenzen sprengen,
    um ein lebendiges bild der zeit, ihrer tendenzen, ihrer probleme zu zeichnen.
    für sie kann eine provokation nur eine art schub bedeuten.
    sie befragen ihre stellung innerhalb eines kulturzirkus:
    welche grenzen hab ich mir möglicherweise selbst,
    oder haben andere mir auferlegt, die in zukunft infrage stehen,
    verrückt werden müssen?
    wo stehe ich mit meiner künstlerischen ausdrucksweise im zeitgeschehen der kunst?
    was lese ich für herausforderungen im thema der provokation?...
    problemorientiert!
    ich denke, eine weitere differenzierung dieser betrachtung kann dazu beitragen, sich selbst in diesem
    schwierigen thema besser zu bestimmen...
    lg dieter ;-)
    Signatur
  • siku
    Zum Beitrag von dieterbruhns:
    Provokation war und bleibt unter anderem stets das Anliegen Kunstschaffender. Das geht durch alle Jahrhunderte. Man sollte aber unterscheiden zwischen begründeter und unbegründeter Provokation. Sollten wir einer „Großtat“ huldigen, der eine eher fragwürdige Idee zugrunde liegt? Mit Bergen von Schlamm macht man es sich da sehr leicht. Seltsamerweise wird in diesen müden Kunstzeiten immer wieder zum „Holzhammer“ gegriffen: das Laute und Prahlerische muss ran, mit Meditativem und eher leiseren Stimmen kann man nicht mehr „berühmt“ werden. Womit kann man Menschen heutzutage eigentlich noch schocken, mit Tsunami und Irak vielleicht, keinesfalls aber mit einem Schlammhaufen. Das wirkt – mit Verlaub – einfach nur spekulativ und macht eine Menge Wirbel. Eine gewisse Ästhetik ist dem Ganzen allerdings nicht abzusprechen, aber die Ideologie dahinter ist ein echtes Leichtgewicht, das bleibt im Sensationellen hängen. Von Betroffenheit, die angesichts der damaligen Ereignisse und heutiger Aufarbeitung (in diesem Falle) aufkommen sollte: keine Spur.
  • Erwin Moser
    Erwin Moser
    Danke Euch für alle eure Kommentare zu meiner Frage.
    @chairs Natürlich ist meine Frage ernst gemeint!
    Es freut mich dass ihr Eure Meinungen zu einem sehr kontroversen Thema hier darlegt.
    Provokation in Kunst?
    In diesem Fall bin ich sehr skeptisch.
    Die Worte von siku haben mich bis jetzt am meisten überzeugt.
    Eine relativ billige Idee kann mit viel Aufwand realisiert werden, wenn ein Künstler ein gewisses Renomé hat und Sponsoren findet..
    LG Winu
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