KunstNet nutzt Cookies. Details.
  • Magritte-inspirierte Schriften

  • GwenVanJules
    GwenVanJules Magritte-inspirierte Schriften
    So kombiniert man die Künste :)
    Ich habe im Frühjahr an einem Projekt teilgenommen, in dem wir zu Bildern von René Magritte Texte verfasst haben. Hier mein Lieblingsergebnis:
    (unter 🔗 mit Bild zu sehen:))

    DER THERAPEUT

    Mein Herz ist ein Käfig und er ist offen.
    Ich brauche keinen Kopf.
    Mein Kopf hat mich zu oft dazu gebracht, dass ich ins Wasser gehen wollte und gegangen bin. Leider bin ich zurückgekommen. Zum Glück bin ich zurückgekommen. Zum Glück habe ich meinen Kopf im Wasser gelassen;
    jetzt möchte ich auch nicht mehr hineingehen.
    In meinem Herzen wohnen Vögel. Sie können kommen und gehen, wann immer sie möchten oder wann es an der Zeit ist.
    In meinem Herzen wohnen Vögel und sie sind schön.
    Deswegen trage ich mein Herz offen, damit jeder es sehen kann. Und wenn in jemand anderem auch schöne Vögel leben, dann tauschen wir sie.
    Viele Vögel sind schon gestorben, wie man eben so stirbt, man stirbt eben, aber ich bewahre sie auf, ich trage sie mit mir, ich möchte sie nicht gehen lassen.
    Manchmal bringt ein entflogener Vogel oder ein neuer etwas schlechtes in mein Herz, dann ziehe ich den Vorhang zu.
    Dann kann das Schlechte nicht entweichen und nichts neues kann hinzukommen, dann muss ich ihn öffnen. Dann hoffe ich, dass der Vogel das schlechte nicht nimmt und in ein anderes Herz trägt.
    Manchmal sind viele Vögel da.
    Sie beschweren mein Herz, weil sie so schön sind und gehen oder weil sie so schlecht sind und bleiben.
    Dann stütze ich mich ab und warte darauf, dass mein Herz weiterschlägt oder aufhört.
    Manchmal sind alle Vögel entflogen.
    Ich weiß nicht, wie sich das anfühlt, fühlt sich das an? Vielleicht, vielleicht nicht; irgendwie erfahre ich es immer.
    In der Nacht bin ich besonders froh, keinen Kopf zu haben. Bei jedem Strudel in meinem Kopf sehnte ich mich früher danach, ihn in den Strudel des Meeres zu werfen.
    Irgendwie kam er mir abhanden, ich kann mich nicht daran erinnern. Ich weiß, dass es schön war.
    Ich bleibe am Wasser, in dem er liegt, warum nicht. An dem Ort zu bleiben, an dem man den Gegenspieler auf ewig entwaffnete, beruhigt.
    Mein Herz ist ein Käfig und er ist offen.
  • Seite 1 von 1 [ 1 Beitrag ]

  • Anmelden um auf das Thema zu antworten oder eine Frage zu stellen.

Ähnliche Themen