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  • Ästhetisches Verstehen

  • JoernBudesheim
    JoernBudesheim
    [Könnten wir Frieden schließen? ;-)

    Gute Idee.
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  • JoernBudesheim
    JoernBudesheim
    [...] sie werden beurteilen können, ob das Objekt sie emotional fesselt, die theoretische Betrachtung kommt erst später ...

    Woher weißt du das? Ich meine, das ist - so generell gesagt - einfach ganz falsch und durch keine Erfahrung belegt. Gerade bei besagtem Pissoir (und vermutlich bei Millionen anderen Arbeiten) starten viele Leute mit einer theoretischen Betrachtung und ziemlich oft ist das auch bereits das Ende. Sie sagen und denken schlicht so was wie: "Das soll Kunst sein? (Es ist keine!) Das kann ich auch! (Kunst ist, wenn jemand Kunststückchen drauf hat)" Das ist nichts anderes als eine theoretische Betrachtung! Ein emotionaler Kontakt, geschweige denn eine Fesselung findet nicht statt. Da sind die theoretischen Betrachtungen davor. Solche und andere theoretischen Betrachtungen sind dann wie Mauern, die man erst mal wenigsten etwas porös machen muss, damit diese durch die Mauer überhaupt auf die Arbeit schauen können und sie nur ein wenig in der Lage sind, sich den Arbeiten emotional zu "stellen".*

    Nehmen wir ein anderes Beispiel: Van Gogh. Da ist vielleicht der erste theoretische Befund: "Was für ein Geschmiere!" Zumindest war das so, bevor wir einen ca.hundertjährigen Lernzyklus durchlaufen haben (und diese Bilder massenweise zu Postern wurden ...)

    Zudem ist deine Trennung und Reihenfolge - zuerst Emotionen / dann theoretische Betrachtung - bei Lichte besehen kaum mehr als ein Vorurteil. Sorry. Die Dinge liegen vielfältiger - oft ganz und gar anders: Unsere Gedanken können Emotionen erst hervorrufen. Gedanken und Emotionen können im Streit liegen. Sie können aber auch im Team arbeiten, miteinander verwoben sein. Emotionen können Gedanken in Schwung bringen, aber auch Lahm legen ... Emotionen verbinden Gedanken mit der Welt, Gedanken ordnen Emotionen. Gedanken verfeinern Emotionen. Emotionen können natürlich selbst einen rationalen Charakter haben, genau so wie sie auch ganz irrational sein können ... und vieles andere mehr.

    Ich glaube solchen Vorstellungen (erst Gefühl oder Bauch, dann Denken oder Kognition oder Theorie oder Kopf) rühren von einem einseitigen Menschenbild, so als sei unser Denken ein Art Add-on, welches eigentlich nicht wirklich mit uns verbunden ist, bloß aufgesetzt und uns immer noch irgendwie fremd ist ...)

    ------------------

    Jenes berühmte "je ne sais quoi" - "Ich weiß nicht, was soll es bedeuten." Was ist das? Keineswegs bloß ein Gefühl. Wenn ein Kunstwerk unsere Art die Dinge zu sehen, berührt (ggf.sogar ändert), dann ist stets alles mit im (und auf dem) Spiel: Denken, Fühlen, Phantasie ...


    * Manchmal sind die Leute: empört. Auch hier ist es schwer, fein säuberlich zwischen (ethischem!) Gefühl und Verstand zu trennen.
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  • JoernBudesheim
    JoernBudesheim
    Wir haben hier mehr oder weniger den Begriff der ästhetischen Erfahrung mit dem Begriff Kunst verknüpft: darin werden allerlei Unübersichtlichkeiten beherbergt.


    Richtig. Das ist in diesem Thread genau so geschehen. Dass das (die Verknüpfung) nicht so gemeint ist, darauf ist zwar hingewiesen worden und es wurde auch besprochen... es ist aber später wieder "untergegangen" :-)

    Das ist leider ein internet-spezifisches Problem. Man versucht auf Seite 2 Begriffe* für den Verlauf des Threads (wenigsten einigermaßen) zu klären - die Quereinsteiger kennen diese Textpassage aber nicht und nutzen den Begriff einfach anders. So kommt es dann zwangsläufig zu Konfusionen :-)

    Es folgt, dass man andauernd vor dem Problem steht, dass die User zwar identische Zeichenfolgen nutzen, sie aber je mit ganz anderen Bedeutungen versehen :-)

    Im Prinzip müsste man alles etwas systematisieren. Dann könnte es jedoch leicht einen ungewollten Seminartouch bekommen, was dann viele wieder abschreckt ...


    * Zudem nutzen unterschiedliche Autoren den Begriff unterschiedlich.
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  • heinrich
    - wenn du bei der betrachtung dem kunstwerk ein modell der wirklichkeit unterlegst näherst du dich meiner meinung nach der theoretischen betrachtung



    Stimmt nicht. Man kann die Betrachtung des Kunstwerkes nicht
    in die theoretische und ästhetische unterteilen.

    - wenn dich das kunstwerk gefangen nimmt, erschlägt oder so, in dir gefühle erzeugt, die von textuell nicht auszudrückenden ordnungen des kunstwerkes angeregt werden...


    BOAAAAHHH...! Boah-Boah-Boah!!!!!

    Offensichtlich läuft die ästhetische Erfahrung
    bei jedem einzelnen unterschiedlich ab... :-D
    Signatur
  • reklawpeels
    nicht nur die ästhetische erfahrung, unsere gesamte wahrnehmung muss nicht zwangsläufig die gleiche sein. ein kriminologe könnte dir ein lied davon singen bzw. geschichten erzählen, wo ein zeuge behauptete, das fluchtauto war grün und ein anderer, dass es rot war. beide würden dasselbe auto meinen und wären felsenfest davon überzeugt, weil sie es ja mit eigenen augen gesehen haben. (beide wären natürlich nicht farbenblind, so das dieser erklärungsversuch von vornerein hinfällig wäre) aber hier gleiten wir in den bereich der wahrnehmungspsychologie ab, deswegen zurück zum thema, würde ich sagen.
  • heinrich
    Zurück zum Thema bedeutet:

    Ich mache
    MEINE ästhetische Erfahrungen MEINER Art,

    und du machst deine.
    Und es hat mit Selbstverständigung zu tun.

    Und ich kann meine ästhetische Erfahrungen machen
    mit allem was ICH will,
    was MIR passt...
    und das nicht unbedingt nur mit Kunstobjekten...
    Signatur
  • abue
    - wenn du bei der betrachtung dem kunstwerk ein modell der wirklichkeit unterlegst näherst du dich meiner meinung nach der theoretischen betrachtung



    Stimmt nicht. Man kann die Betrachtung des Kunstwerkes nicht
    in die theoretische und ästhetische unterteilen.


    - erstens war von theoretischer betrachtung und von ästhetischer erfahrung, nicht betrachtung, die rede

    - zweitens ist das eine unbewiesene behauptung...ich behaupte man kann sehr wohl, es ist sogar unabdingbar...





    BOAAAAHHH...! Boah-Boah-Boah!!!!!

    Offensichtlich läuft die ästhetische Erfahrung
    bei jedem einzelnen unterschiedlich ab... :-D


    - weiß ich nicht, könnte aber sein, da unterschiedliche sozialisationen sind. ist aber nicht so wichtig...
  • abue
    ...
    Nehmen wir ein anderes Beispiel: Van Gogh. Da ist vielleicht der erste theoretische Befund: "Was für ein Geschmiere!" Zumindest war das so, bevor wir einen ca.hundertjährigen Lernzyklus durchlaufen haben (und diese Bilder massenweise zu Postern wurden ...)



    - das beweist gerade das gegenteil, zuerst war die ästhetische erfahrung da, bei vanGogh, dann die theorie für die die hundert jahre lernen mussten...wobei das mit den hundert jahre lernen überhaupt nicht verallgemeinert werden kann, denn die die einer ästhetischen erfahrung zugänglich waren, die dem ausdruck van goghs in form und farbe das entsprechende sensorium beistellen konnten, erkannten den ästhetischen gehalt der bilder schon viel früher...
  • reklawpeels
    manche erkennen ihn bis heute nicht, ich habe mal einen bwl studenten, der nach dem besuch einer van gogh ausstellung meinte, er könne genauso gut malen, gefragt, ob er denn wisse, was ein komplementärkontrast ist, er zuckte nur mit den schultern.
  • JoernBudesheim
    JoernBudesheim
    Hi Euba,

    das kann durchaus sein. Es geht mir aber um etwas ganz anderes. Wer sich auf so eine generelle Aussage, wie Nepomuk einlässt (erst dies dann das), der wird mit ein paar Gegenbeispielen einfach widerlegt. So wie jemand der sagt, dass alle Schwäne weiß sind, widerlegt ist, wenn der erste schwarze Schwan auftaucht. (Die Behauptung war ja immer erst X, dann Y. Ich habe keineswegs zeigen wollen, dass umgekehrt gilt: IMMER erst Y dann X. Sondern ich wollte zeigen, dass es viele Beispiele für die Y-X-Reihenfolge gibt, aber nicht, dass es keine andere Möglichkeiten gibt, sonst wäre meine darauf folgend Aufzählung für die Verschiedenen Arten des Zusammenspiels oder manchmal auch Gegeneinander von X und Y ja ganz witzlos gewesen.)

    Meine ganzen Beispiele gingen ja doch in eine ganz andere Richtung, nämlich zu zeigen wie vielfältig das Beziehungsgeflecht von "Gefühl" (als pars pro toto Ausdruck) und "Verstand" (ebenso) sein können. Und van Gogh (oder sonstiges "Geschmiere") ist eben ein Beispiel (wenn auch anders als vermutlich erwünscht) was oft in die andere Richtung geht.

    Ich habe bereits einige Führungen auf dem Buckel. Und da geht meine Bemühung am Anfang immer dahin, die theoretischen Mauer etwas durchlässig zu machen ...
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  • kumopeN
    hm, so gesehen müssten wir uns ja schon längst im zustand der barbarei befinden...denn über die ikonologie vieler kunstwerke die erst vor 500-600 jahren entstanden, können wir nur spekulieren, ganz zu schweigen über die bedeutung, die die venus von willendorf oder der löwenmensch von hohlenstein-stadel für unsere vorfahren hatten...
    ebenfalls gute nacht :)

    - tatsächlich ist es kaum möglich, zu rekonstruieren wie unsere Vorfahren zeitgenössische Werke rezipiert haben (außer durch Dokumentation, und die fehlt ja meistens und in jedem Fall bei schriftlosen Kulturen), da Kognitionen in erster Linie über die Sprache entstehen, diese nicht unmittelbar beobachtbar sind, und es viele Sprachen gibt und gegeben hat, die kulturell verschieden und, die sich über die Zeit hinweg gewandelt haben ...
    - da ich kein Kunsthistoriker bin, kann ich über die Ikonologie nichts sagen :)
  • kumopeN
    Wer sich auf so eine generelle Aussage, wie Nepomuk einlässt (erst dies dann das), der wird mit ein paar Gegenbeispielen einfach widerlegt.

    - ich habe keine generelle Aussage gemacht, Du hast sie selbst verallgemeinert, indem Du sie aus dem Kontext herausgelöst hast, in dem sie ursprünglich gestanden hatte ...
  • JoernBudesheim
    JoernBudesheim
    - unsere Nachfahren, unabhängig ihres Vorwissens, werden die Fähigkeit besitzen, besondere ästhetische Empfindungen bei der Betrachtung eines Objektes zu haben ...
    - sie werden beurteilen können, ob das Objekt sie emotional fesselt, die theoretische Betrachtung kommt erst später ...
    - vielleicht werden sie aber auch im Zustand der Barberei ein Kunstobjekt (z. B. Duchamps Fontäne) jedoch schlicht als Gebrauchsgegenstand verwenden ;), gute Nacht :)


    - ich habe keine generelle Aussage gemacht, Du hast sie selbst verallgemeinert, indem Du sie aus dem Kontext herausgelöst hast, in dem sie ursprünglich gestanden hatte ...


    Ich kann nicht sehen, dass der fehlende Kontext (den ich hier mal nachtrage) etwas ändert. Aber wenn du die Meinung, die ich kritisiert habe, gar nicht vertrittst, dann lassen wir es einfach auf sich beruhen :-)
    Signatur
  • JoernBudesheim
    JoernBudesheim
    - unsere Nachfahren, unabhängig ihres Vorwissens, werden die Fähigkeit besitzen, besondere ästhetische Empfindungen bei der Betrachtung eines Objektes zu haben ...

    Wenn damit gemeint ist, dass es zu unserer natürlichen Ausstattung gehört, Dinge schön oder hässlich finden, dann stimme ich dir zu. (ich weiß nicht, ob es Gegenbeispiele von Kulturen gibt, die so etwas gar nicht kennen - ich kann es mir nur schwer vorstellen.) Aber was heißt "unabhängig ihres Vorwissens"? Das bleibt unklar, finde ich. (Und dein Gesamtbeitrag, als der verständnisleitende Kontext hat mir eben die Interpretation nahe gelegt, die ich kritisiert habe)

    - sie werden beurteilen können, ob das Objekt sie emotional fesselt, die theoretische Betrachtung kommt erst später ...

    Du hast den fehlenden Kontext in meinem Beitrag moniert. Hier müsste ich dir das Kompliment zurück geben :-) Der Kon-text, das ist der Text, der gewissermaßen mitläuft und etwas in einen theoretischen Zusammenhang packt. Sind wir im Kon-Text Kunsthalle (oder noch genereller: Kunst) dann blicken wir anders auf die dargebotenen Dinge als im Kon-Text Wirtschaft (um ein Beispiel zu geben). Das ist ja sicher eine der Pointen der Duchampschen Ready-Mades. Erst der Kontext macht etwas zu etwas. Im Kontext Kaufhaus ist der Flaschentrockner ein Produkt, das zum Verkauf steht, in der Kunsthalle ist der physikalisch identische Gegenstand mittlerweile eine Ikone der Moderne, irgendwo im Keller ist es ein Flaschentrockner. Stets ist der Kontext, der den theoretischen und praktischen Rahmen bereit stellt, entscheidend. Kontexte sind natürlich nichts überzeitliches. Das ist ja der Witz deines Beispieles. Aber du trennst hier nicht sauber. Der Kontext, der den Flaschentrockner (oder das Pissoir oder das Einrad oder ...) zu "Ikonen der Moderne" macht, kann natürlich vergessen werden und verloren gehen (wir werden es kaum erleben).

    Einige unserer uns wohlvertrauten Kontexte können für unsere Nachfahren schwer verständlich werden. Aber ich kann nicht sehen, warum daraus das hier folgen sollte: "sie werden beurteilen können, ob das Objekt sie emotional fesselt, die theoretische Betrachtung kommt erst später " Die "theoretische Betrachtung"*, die aus dem Pissoir ein Meisterwerk macht, kommt bei unseren Nachfahren natürlich - wenn überhaupt - erst später, aber in irgendeinem theoretischen Rahmen werden auch sie dieses Fundstück betrachten und das nicht später, sondern von vornherein.

    Diese bestimmte theoretische Betrachtung kommt ggf. später aber nicht theoretische Betrachtung überhaupt - es ist wichtig, diese Unterscheidung festzuhalten!

    Dinge in (viele verschiedene) theoretische Zusammenhänge stellen zu können (ja zu müssen!), das ist ebenso natürlich, wie sie schön finden zu können. Keins kommt "vor" dem anderen, insbesondere wenn mit "vor" hier so etwas wie "Vorrang" gemeint ist. Wenn hingegen "vor" nach "vorher" (also zeitlich) klingen soll, dann ist ebenso denkbar, dass das Schönfinden "nachher" kommt, nämlich nach der theoretischen Betrachtung, die bestimmtes "Schönfinden" oft erst ermöglicht. Viel häufiger werden wir nicht von einer sauberen Trennung (die ein vorher und nachher erst möglich machen) sondern von einem (stets in Bewegung seiendem) Ineinander ausgehen müssen ... (Nach dem logischen vor frage ich jetzt mal nicht :-)


    * Nur mal am Rande: 'theorein' (von dem Theorie abstammt) heißt ursprünglich beobachten, betrachten, [an]schauen.
    Signatur
  • kumopeN
    - ich möchte mich in den Zustand der Wahrnehmung versetzen, in dem sich auf unserer Netzhaut jene "Teilchen" legen, die gewissermaßen dort ihre Spuren hinterlassen ...
    - niemand kann diese Prozesse beobachten, aber da ich von der strukturalistischen Annahme ausgehe, der menschliche Geist sei universal, d. h. die Prozesse laufen bei jedem Menschen prinzipiell gleich ab, kann ich mir grundsätzlich ebenfalls wie JoernB kaum vorstellen, dass es kulturelle Unterschiede gebe in der Funktionsweise der Wahrnehmung, und somit der Speicherung bestimmter Formen, die ästhetischen Prinzipien entsprechen ...
    - da ich ferner von einer engen Verknüpfung emotionaler Regungen und der beschriebenen verstandesmäßigen Abläufe ausgehe, kann sich die zeitliche Verschiebung zwischen ästhetischer Wahrnehmung und theoretischer Betrachtung kaum beschreiben lassen ...
    - eben diese Tatsache, dass wir über Unsichtbares diskutieren, aber nicht in der Lage sind es sichtbar werden zu lassen, macht die Diskussion so schwierig ...
    - vielleicht wäre es doch interessant in diesem Zusammenhang über sogenannte Trugbilder zu sprechen, um auf sleepwalkers Beispiel der unterschiedlichen Farbwahrnehmung zurückzukommen (wobei Farben fast zu große Kategorien bilden, sicher gibt es noch andere Beispiele wo "feinere" Unterscheidungsmerkmale eine Rolle spielen), aber vielleicht geht das auch zu weit in den Bereich der Erinnerung und führte vom Thema weg?
  • reklawpeels hm, interessant voran so manche leute glauben
    nein, nein ich will hier nichts widerlegen, ich will nur eine kleine geschichte erzählen, die sich vor ein paar jahrhunderten in china zugetragen haben sollte.
    damals hat der chinesische kaiser eine delegation europäischer diplomaten empfangen, wie damals nicht unüblich, wurden als geschenke unter anderem auch herrscherbildnisse ausgetauscht. (mann wollte ja schließlich wissen wie jeweils der andere aussah.) die europäer haben ein schönes kaiserbildnis, im typisch chinesischen stil bekommen. als nun der kaiser sein gastgeschenk auspackte blickte er erschrocken die europäer an, zeige entsetzt mit dem finger auf den gemalten könig und fragte sie, warum denn die hälfte des königlichen gesichts schwarz wäre, und ob der könig nicht eine schlimme krankheit hätte. das portrait war nämlich in bester caravaggesker manier gemalt, und über die linke gesichtshälfte lag ein tiefer schwarzer schatten. trotz aller erklärungen und beschwichtigungen seitens der botschafterdelegation, glaube ich nicht das der chinesische kaiser jemals positive ästhetische erfahrungen mit dem bildnis seines europäischen "kollegen" machen konnte.
  • kumopeN
    Wer sich auf so eine generelle Aussage, wie Nepomuk einlässt (erst dies dann das), der wird mit ein paar Gegenbeispielen einfach widerlegt.

    nein, nein ich will hier nichts widerlegen

    Ts .. ts ..
    Ihr mit eurem Widerlegenwollen-müssen, ist das zwanghaft? Oder eine Berufskrankheit (ich arbeite als Autodidakt). @sleepwalker, wenn Du aufmerksamer gelesen hättest, hättest Du bemerkt, dass es um die Funktionsweise der Wahrnehmung geht, und nicht um die Wahrnehmung, die selbstverständlich kulturell unterschiedlich ist. Es kann schon sein, das ich mir einen weniger pädagogischen Diskussionsverlauf gewünscht hätte lieber @JoernB. Ich war lange genug in der Schule und auf der Uni, das muss ich mir in einem Internetforum nicht mehr antun, "vorgeführt" zu werden. Also werde ich mich aus der Diskussion zurückziehen, und bitte noch fairerweise mich nicht mehr zu zitieren. Nichts für ungut :)
  • JoernBudesheim
    JoernBudesheim
    als nun der kaiser sein gastgeschenk auspackte blickte er erschrocken die europäer an, zeige entsetzt mit dem finger auf den gemalten könig und fragte sie, warum denn die hälfte des königlichen gesichts schwarz wäre, und ob der könig nicht eine schlimme krankheit hätte. das portrait war nämlich in bester caravaggesker manier gemalt, und über die linke gesichtshälfte lag ein tiefer schwarzer schatten. trotz aller erklärungen und beschwichtigungen seitens der botschafterdelegation, glaube ich nicht das der chinesische kaiser jemals positive ästhetische erfahrungen mit dem bildnis seines europäischen "kollegen" machen konnte.
    Sei ehrlich, das "jemals" hast du hinein geschmuggelt?! :-)

    Seit Jahrzehnten diskutieren (insbesondere [post-]analytische [Sprach-])Philosophen folgendes Szenario: Ein Europäer (Amerikaner, was auch immer) kommt mit einem gänzlich unbekannten kleinen Stamm in Kontakt. Übersetzungsbücher gibt es nicht, Dolmetscher ebenso wenig, keiner versteht ein Wort des Anderen. Kultstatus hat hier das kleine (Kunst-)Wörtchen Gavagai erhalten, welches einer der Fremden (in diesem Gedankenexperiment) immer dann ausspricht, wenn ein Hase vorbeihuscht. Ein gewisser Quine vertritt hier die Ansicht, dass verschiedenste Forschergruppen verschiedenste Übersetzungshandbücher der fremden Sprache, die dennoch alle "richtig" sind, vorlegen würden. Ob Gavagai Hase oder "nicht abgetrenntes Hasenteil" oder "Hasenstadium" (oder was auch immer phantastisches uns dazu einfallen mag) heißt, können wir laut Quine nie endgültig klären. Eine gewisse (Übersetzungs-)Unbestimmheit - so Quine - bleibt stets.

    Im Grunde ist dieses Szenario dem chinesischen Kaiserszenario nicht unähnlich. Und auch die Idee, unsere Kunstwerke entfernten Nachkommen vor zusetzen gleicht dem etwas; wobei hier ein wichtiger Punkt fehlt: Der Austausch!

    Und das ist der Punkt, auf den ich hinaus will. In den ersten Momenten war der Kaiser entsetzt. Im zweiten Moment auch ... aber was heißt das? Eine uns fremde Sprache verstehen wir ja auch nicht aus dem Stand. Dazu braucht es eben Zeit. Warum sollte der chinesische Kaiser nicht das schaffen, was wir hier auch geschafft haben, Bilder à la Caravaggio richtig zu lesen? Nicht aus dem Stand, nicht von heute auf morgen, aber mit etwas Einfühlungsvermügen, Geduld und gutem Willen sollte es durchaus möglich sein.


    Das ist kein Versuch, die kulturellen Unterschiede zu leugnen. Sondern ein Versuch zumindest zu fragen, ob solche Grenzen etwas prinzipiell unüberwindbares haben müssen? Und zudem, was solche (sehr schönen) Beispiele wie die vom Kaiser und den europäischen Gesandten eigentlich sagen? Denn die Folgerungen daraus kennen eben sehr unterschiedlich sein.

    Die Beispiele (Kaiser und co.) zeigen, dass vieles, was wir [insbesondere im Alltag] oft für ganz und gar "natürlich" halten, eben viel "kultürliches" hat. Sie zeigen aber nicht, dass die Unterschiede nicht überbrückt werden könnten.
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  • JoernBudesheim
    JoernBudesheim
    Wer sich auf so eine generelle Aussage, wie Nepomuk einlässt (erst dies dann das), der wird mit ein paar Gegenbeispielen einfach widerlegt.

    nein, nein ich will hier nichts widerlegen [von mir hervorgehoben]

    Ts .. ts ..
    Ihr mit eurem Widerlegenwollen-müssen, ist das zwanghaft?

    Warum sollte das etwas "zwanghaftes" haben, zumal SleepWalker ja gerade schreibt, er wolle NICHTS widerlegen. Das Wörtchen widerlegen, so wie ich es oben verwendet habe, ist ganz harmlos. Um den Kontext noch mal zu geben: Mein Beispiel war "Alle Schwäne sind weiß." Beim Auftauchen des ersten schwarzen Schwans wird das eben widerlegt. Ich kann hier nicht sehen, wieso du dich davon (anscheinend) angegriffen fühlst. Das ist doch wirklich völlig harmlos.

    @JoernB. Ich war lange genug in der Schule und auf der Uni, das muss ich mir in einem Internetforum nicht mehr antun, "vorgeführt" zu werden. Also werde ich mich aus der Diskussion zurückziehen, und bitte noch fairerweise mich nicht mehr zu zitieren. Nichts für ungut :)

    Ich weiß nicht, warum du glaubst, jemand wollte dich vorführen. Du hast bestimmte Positionen vertreten. Und ich bin eben (in manchem) anderer Ansicht und hab das dargelegt - warum sollte das ein Vorführen sein?
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  • JoernBudesheim
    JoernBudesheim
    Seit Jahrzehnten diskutieren (insbesondere [post-]analytische [Sprach-])Philosophen folgendes Szenario: Ein Europäer (Amerikaner, was auch immer) kommt mit einem gänzlich unbekannten kleinen Stamm in Kontakt. Übersetzungsbücher gibt es nicht, Dolmetscher ebenso wenig, keiner versteht ein Wort des Anderen. ...

    Das passt insofern in diesen Thread als es bei diesem Gedankenexperiment eben auch um "Verstehen" geht.

    »… it is understanding that gives life to meaning, not the other way around. « (Davidson)
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