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  • Kreativität, Genie, Wahnsinn, Gehirn, Forschung

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    peilfrei Kreativität, Genie, Wahnsinn, Gehirn, Forschung
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    "Thinking outside the box might be facilitated by having a somewhat less intact box."
    Dieses Zitat (Dr. Fredrik Ullén vom Stockholm Brain Institut) gehört doch umgehend auf Kaffeetassen gedruckt und vermerchandised.

    Künstler sind bekloppt und das ist gut so.
    Was alle schon immer gewusst haben, beweist jetzt auch die Forschung. Oder versucht die Forschung zu beweisen.
    Wie auch immer: Die Hirnchemie von Kreativen zeigt Ähnlichkeiten zu der von Schizophrenen und Merkmale wie Kreatvität stehen im Zusammenhang mit Intelligenz, Selbstmordrate und psychopathologischen Auffälligkeiten. Interessant...

    ...dachte ich letztens, als ich mit diversen Gratiszeitungen aus dem Uniflur im Zug saß. Der Leitartikel des "Psycho-Path" drehte sich um "Kreative Köpfe ...und ihre Störungen".
    Dabei war ich besonders scharf drauf zu erfahren, wie Kreativität als Begriff in der Forschung behandelt wird. Wenn man sie messen will, muss man sie nämlich irgendwie dingfest machen. Und wer will das schon wirklich.

    Zeitung Psycho-Path: Wie definiert die psychologische Forschung den Begriff Kreativität? Werden verschiedene Formen der Kreativität unterschieden, z.B. für Sinnesmodalitäten spezifische?

    Dr. Andreas Fink: In der Psychologie wird Kreativität sehr häufig als Fähigkeit definiert, etwas Originelles, Ungewöhnliches oder Neuartiges zu produzieren. Gleichzeitig wird aber auch betont, dass ein kreatives Produkt oder eine kreative Idee innerhalb eines bestimmten sozialen oder gesellschaftlichen Bezugrahmens auch brauchbar, wertvoll und realisierbar sein muss. Kreativität wird in der einschlägigen psychologischen Forschungsliteratur in der Regel als domänenspezifisches Phänomen gesehen, daher lassen sich auch sehr viele unterschiedliche "Formen" der Kreativität differenzieren (zeichnerisch, bildnerisch, verbal, musikalisch etc.).


    Psycho-Path: Welche Operationalisierungen hat die Forschung für das Konstrukt der Kreativität gefunden? [Soll heißen: an welchem Kriterium wird Kreativität festgemacht.]

    Fink: Methoden zur Erfassung des kreativen Denkens sind sehr vielfältig. Neben Selbst- und Fremdbeurteilungsmethoden (kreative Produkte oder Ideen werden im Hinblick auf ihre Kreativität bewertet), persönlichkeitsorientierten Zugängen (auf Basis der Ausprägung bestimmter, mit der Kreativität in Beziehung stehender Persönlichkeitsfaktoren wie z.B. Offenheit, Ambiguitätstoleranz (Tolerieren von Mehrdeutigkeiten), Risikofreudigkeit oder Nonkonformismus wird indirekt auf das Ausmaß der Kreativität einer Person geschlossen) sind hier vor allem divergente Denktests zu nennen. Das Prinzip solcher Tests besteht darin, dass zu vorgegebenen verbalen Problemstellungen (z.B. "Ein Leuchten in der Dunkelheit" oder "Was würde passieren, wenn plötzlich eine Eiszeit hereinbrechen würde") möglichst viele, unterschiedliche und originelle Antworten generiert werden müssen, die dann zumeist im Hinblick auf Ideenflüssigkeit (d.h. Anzahl der produzierten Ideen), Flexibilität (d.h. Unterschiedlichkeit der Ideen) und im Hinblick auf die Ideenoriginalität (d.h. Neuheit, Ungewöhnlichkeit der Idee) ausgewertet werden.
    Kritisch muss hier allerdings festgehalten werden, dass die vorhandenen Möglichkeiten zur Erfassung der Kreativität sehr begrenzt sind. Durch den Einbezug unterschiedlicher Beobachtungs- bzw. Datenerhebungsquellen sollte sich allerdings ein stimmiges Bild über zumindest einige bedeutsame Facetten der Kreativität konstruieren lassen.


    Es wird also wieder alles zerstückelt und in Teilkonstrukte zerlegt.
    An diesem Punkt entscheidet sich aber WAS gemessen, beforscht und berechnet werden soll. Ne derartige Festlegung führt nunmal zu derartigen Ergebnissen. Weil die Aufstellung "Risikobereitschaft + Flexibilität + usw. = Kreativität" so vielleicht nicht ganz stimmt. Man braucht aber etwas, mit dem gerechnet werden kann und deshalb nimmt man solche Aufstellungen zunächst einfach an und korreliert das Konstrukt mit - allem möglichen ->

    Psycho-Path: Gibt es Hinweise auf Zusammenhänge zwischen Kreativität und unangepasstem, vielleicht sogar krankem Verhalten? Und gibt es Ergebnisse, ob Kreativität zu krankem Verhalten führt oder möglicherweise Kranke in Abhängigkeit von der psychischen Erkrankung kreativer sind?

    Fink: Kreativität ist definiert als die Fähigkeit, etwas Neues, Ungewöhnliches oder Einzigartiges zu produzieren. Das impliziert, dass hierbei Eigenschaften wie z.B. Risikofreudigkeit, Abenteuerlust oder auch Nonkonformismus von Vorteil sein müssten – was angesichts einschlägiger empirischer Befunde auch tatsächlich der Fall zu sein scheint. Das Generieren origineller, neuartiger Ideen setzt somit auch voraus, dass der Betroffene den Mut oder die Bereitschaft aufbringt, konventionelle, herkömmliche Strukturen und Muster aufzubrechen und gegen den Strom zu schwimmen.

    Dass Kreativität eventuell mit unangepasstem oder sogar krankem Verhalten in Beziehung stehen könnte, wird in der einschlägigen Kreativitäts- bzw. Begabungsforschung schon länger im Kontext der Genie- und Wahnsinn-Debatte thematisiert. Diese wurde (und wird) gespeist durch zahlreiche Beispiele von herausragend kreativen/begabten Persönlichkeiten, die an geistigen Erkrankungen leiden/litten. Einige Autoren behaupten dazu sogar, dass die Erkrankung im Sinne einer ausgleichenden Gerechtigkeit der Preis für die hohe Begabung sei. Tatsächlich sind die empirischen Befunde zu dieser Thematik sehr widersprüchlich. Auch wenn in einigen Studien ein möglicher Zusammenhang zwischen Kreativität und psychopathologischen Symptomen aufgezeigt werden kann (der damit erklärt wird , dass kreative Menschen und geistig erkrankte Menschen bestimmte kognitive Stile gemeinsam haben, etwa reduzierte latente Hemmung, herabgesetzte kognitive Hemmung, flache, defokussierte Ausrichtung der Aufmerksamkeit), so muss hier mit Nachdruck festgehalten werden, dass allfällige Zusammenhänge nur korrelativer Natur sind, und dass somit keinerlei Aussagen über Ursache und Wirkung getroffen werden können.


    Wer von Euch verspürt das Gefühl, mit flacher, defokussierter Aufmerksamkeit gesegnet zu sein? Ich bin 100%ig dabei, denn das hört sich viel leichter/unaufwändiger an als Kreativsein.

    Psycho-Path: Korreliert Kreativität mit Persönlichkeitseigenschaften und lässt sich Kreativität über diese Persönlichkeitseigenschaften auch trainieren und so verbessern?

    Fink: Ja, Kreativität korreliert vor allem mit "Offenheit für Erfahrungen", mit "Ich-Stärke" oder mit Merkmalen wie z.B. Abenteuerlust, Risikofreudigkeit oder Nonkonformismus. An und für sich handelt es sich dabei um überdauernde Persönlichkeitsmerkmale, die zeitlich sehr stabil sind und sich durch kurze Interventionen vermutlich kaum beeinflussen lassen. Aber die Idee ist sehr gut! Tatsächlich könnte dieses Prinzip im Kontext der Kreativitätsförderung aber durch die Vermittlung kreativitätsförderlicher Heuristiken, Strategien oder Einstellungs- und Motivationsvariablen realisiert werden.


    Psycho-Path: Kann die Wissenschaft diese Befunde erklären?

    Fink: Die Wissenschaft versucht hier mehr oder weniger gute Erklärungsansätze anzubieten, deren umfassende empirische Validierung großteils noch ausständig ist.


    Heißt: Sie arbeiten noch dran. Ich bin zumindest gespannt : )



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    [Die Zeitung Psycho-Path ist kostenlos an mehreren Unis erhältlich. Ich habe auch freundlich bei der Zeitung um Erlaubnis gefragt:)]
    Signatur
  • rekirtnezxE
    So viele Wörter!Ich habe nicht einmal den"Artikel"gelesen..sorry
    Wer sagt dass Künstler sind bekloppt??
    Das habe ich gelesen:)

    Du arbeitest für das System.
    Lass das System dich nicht manipulieren und konzentriere dich auf die guten Dinge des Lebens.Mache mehr Dinge mit deiner Familie und arbeitet wenig.

    Gruß
  • heinrich
    Wenn Dali von oben
    auf sein Leben und Schaffen
    hinblicken konnte...
    Hatte er bestimmt gesagt...

    O WAJA...WAS FUR EIN TROTTEL ICH WAR...:-)
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  • Doktor Unbequem
    interessanter Artikel!...
  • omrelap
    Ich habe mir heute Nachmittag kurz alle Artikel aus dem ersten Link durchgelesen. Ich bin etwas enttäuscht, dass dieses Wissen nun im Jahre 2012 in einer (Fach?)Zeitschrift gebracht wird. Diese Erkenntnisse hätten Nichtpsychologen bereits vor 25 Jahren nebenbei beim Kaffeetrinken erzählt.

    Und was ich eher dümmlich fand: Das Rätselraten um die Nützlichkeit der künstlerischen Begabung/verbunden mit dem Hang zur psychopathologischen Veranlagung. Man glaubt also allen Ernstes diese Veranlagung hätte sich evolutionär nicht so verbreitet, wäre da nicht eine ihnen unbekannte und geheimnisvolle Seite, die anscheinend Vorteile im Wettlauf der Gene usw. bringt. Soso.
    Welche geheimnisvollen Vorteile könnte wohl ein künstlerisch Begabter gegenüber Anderen haben?
    Vielleicht sollte man da mal eine Frau fragen, die nicht bloß mit ihrem Hintern denkt. Was ist attraktiver? Ein zuverlässiger Einfaltspinsel mit breitgessenem Po oder ein Mann mit Ideen der risikoreich lebt?
    Für Psychologen anscheinend ein großes Problem. Die meisten von denen zählen ja auch zu den Einfaltspinseln.
  • froT
    In Hinblick auf wie Kreativität entstehen könnte, da sollten doch eher Neurowissenschaftler ran. Erforscht ist da noch nicht viel und das Thema ist extrem komplex
  • heinrich
    Fur Psychologen sind Kunstler zuerst die Patienten.
    So werden sie auch beurteilt
    oder Diagnose gestellt...

    Am besten sind aber die Familienangehorige...
    Nach ihren Reaktion siehst du als Kunstler
    ob du noch mit deiner Umgebung zurecht kommst...
    oder nicht mehr...

    Lebst du alleine
    dann lebst du mit deiner Muse gefahrlich...
    Das ist dann keine Kunst mehr
    sondern Selbszerstorung...
    Signatur
  • coconing
    Mich wundert es nur,das man noch keine Politiker untersucht hat.Da findet man doch viel eher ein Psychophatisches Verhalten.Und könnte sich doch viel eher
    erklären,warum es so viel nutzloses gibt,was keiner braucht.Dann könnte man bei den Wahlen,doch viel eher Entscheiden,und eine richtige Wahl treffen.
  • heinrich
    Man konnte zwischen Politiker und Kunstler
    Parallele ziehen...
    Und die Politiker sind selten alleine
    und sie haben ihre Partei
    oder Berater
    die sie zurechtweisen...

    Als Psychologe ware ich schon lagst verzweifelt...:-)
    Was mich noch hier interessiert
    ist Lernpsychologie, Kognition...

    Sonst habe ich keine Interesse
    an Psychoanalyse...:-)
    Signatur
  • Das Der
    Das Der
    "psychopathologische symptome" sind antworten der psyche auf seelische krisen, unverarbeitete verletzungen und traumata etc. insofern ist es nicht weiter verwunderlich, dass eine "kranke" persönlichkeit eher dazu tendiert, nach unkonventionellen verarbeitungs-strategien (die dann als ausdruck von kreativität gedeutet werden können) zu suchen und solche zu entwickeln, als "gesunde" persönlichkeiten.
  • heinrich
    Darum interessiern uns mehr die Werke
    als die Individuen
    die dahinter stehen...

    Und wenn dabei einer oder anderer zugrunde geht...
    Selbst schuld, hat halt seine Lektion nicht gelernt...
    Signatur
  • Doktor Unbequem
    Was ist attraktiver? Ein zuverlässiger Einfaltspinsel mit breitgessenem Po oder ein Mann mit Ideen der risikoreich lebt?


    Den meisten Frauen ist mW Sicherheit und Überschaubarkeit das Wichtigste.
    Die geringere Anzahl bevorzugt langfristige Abenteu(r)er, die sie nicht gut kontrollieren können.*
    Absolut pauschal gesagt, denn jede Lebensweise hat ja unterschiedlich anteilig vorprogrammierte und freie Aspekte.
    "Natürlich" ist dies bei jeder Frau anders ("individuell") ausgestaltet,
    die (Willens-) Ausrichtungen können auch durchaus wechseln.
    Es wird ja eh "erstmal" viel ausprobiert...

    *Aber ich denke, Du wolltest auf das Gegenteil hinaus?!

    Das Beste ist/wäre natürlich Abenteuer UND (relative) Sicherheit + Kontrollierbarkeit zugleich.
    Signatur
  • siku kluge Männer
    .


    was wäre die Sonne ohne den Flug der Schwalben

    .
  • Doktor Unbequem
    sicherlich eine schwalbenflugfreie Sonne...

    aber

    vll auch eine sommer(be)frei(t)e Sonne?

    also mir wird das fast zu viel o so fisch...
  • oirasoR_otnaS
    Bescheuert...
    Nur sinnvoll für diejenigen,die kleinlichen sind.
  • Das Der
    Das Der
    Bescheuert...
    Nur sinnvoll für diejenigen,die kleinlichen sind.
    toller kommentar!
  • Das Der
    Das Der
    und, was willst du von mir, herr absurd-real?
  • absurd-real
    und, was willst du von mir, herr absurd-real?
    Wer redet denn mit dir?!
    Signatur
  • Das Der
    Das Der
    ach? du nicht? gut!
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