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  • ein gruss aus norwegen zum tag der deutschen einheit

  • resseasle ein gruss aus norwegen zum tag der deutschen einheit
    2. Okt 2010 Morgen feiert Deutschland also zum 20. Mal die Wiedervereinigung. Das ist wohl Anlass für ein paar Zeilen an dieser Stelle. Denn ich selbst bin im Osten aufgewachsen und solange ich denken kann wünschte ich mir den Zusammenbruch des Systems. Keine Gelegenheit lies ich aus um meine andere Meinung zu zeigen und bin bis heute stolz darauf immer meinen eigenen Weg gegangen zu sein. Das will ich auch beibehalten. Sicher wäre das ohne Unterstützung an manchen Stellen kaum möglich gewesen. Ein Danke an dieser Stelle.

    Nun, zwanzig Jahre nach dem Mauerfall sind wir alle endlich frei – aber manches ist auch geblieben oder in den letzten Jahren sogar schlimmer geworden. Staatliche Überwachung hat heute technische Möglichkeiten, die man sich wohl bei der Stasi http://de.wikipedia.org/wiki/Stasikaum hätte erträumen können – also bleibt wachsam Freunde. Big Brother ist watching you! Zum Wachrütteln sollte man ab und zu mal beim Chaos Computer Club 🔗 http://www.ccc.de/http://www.ccc.de/reinschauen hier. Staatliche Mächte lassen keine Gelegenheit aus uns weiter zu kontrollieren, als Flieger muss man sich nicht nur praktisch immer wieder prüfen lassen – nein - muss es auch eine „Zuverlässigkeitsprüfung“ sein, die angeblich Terrorverdacht ausschließen soll, neue Ausweise machen mehr Speichermöglichkeiten frei – Chips hier – Chips da - und wer sich skeptisch quer stellt... das habe ich schon mal gesehen.

    Doch zurück zum Herbst 89

    Ich war damals noch in der Lehre und als ich am Morgen das Radio einschaltete, dauerte es etwas bis ich da realisierte was da vorging. Ich war in der glücklichen Lage den RIAS Berlin 🔗 http://www.studio89.de/rias.htmempfangen zu können und gerade in Berlin überschlugen sich ja die Ereignisse. In Oberhof / Thüringen dauerte das ein wenig länger. Dass da was großes im Gange war, war ja in den Wochen und Monaten zuvor schon zusehen. Im Sommer rissen die Flüchtlingsströme nicht ab, die sich in Botschaften flüchteten. An vielen Stellen gab es die regelmäßigen Demonstrationen. Das nun die Grenze tatsächlich offen sein sollte war unglaublich.

    Ich folgte meiner „Morgenroutine“ aber immer mit dem RIAS im Hintergrund und als ich nach dem Frühstück zum Bus ging, war das an der Bushaltestelle natürlich das Thema Nummer 1. Das sollte sich auch den Rest des Tages nicht ändern. Der Weg zur Arbeit war soweit dann wie immer. Im Lehrbetrieb angekommen war an Arbeit nicht zu denken. Überall stand man um Radios versammelt und versuchte zu verstehen was da vorging. Keiner hätte geglaubt, dass in so einem perfekten Überwachungsstaat die Wende fast über Nacht hätte kommen können. So verging der Tag. Später wurde dann doch tatsächlich noch ein bisschen was getan. Im Laufe des Tages kam dann die Meldung, dass jeder sich einen Stempel im Ausweis holen könne zum freien Reisen. Damit war dann klar, dass der erste Weg nach der Arbeit ins Rathaus führte – zum Anstehen in einer Schlange, die bis draußen reichte. Ja und das war mein erster Tag nach dem Mauerfall, mit vielen Nachrichten wie diesen https://www.youtube.com/watch?v=ufMq45DVT2Q&feature=related, die auch den ganzen Abend anhielten.

    Zum Wochenende öffneten auch bei uns die Grenzübergänge nach Bayern und Hessen und ich meine es war dann der Samstag, an dem ich mit meinem Vater das erste mal gen Westen fuhr – d.h. Erstmal standen wir wohl den ganzen Tag im Stau, bis wir wohl gegen Abend bei Coburg das erste mal mit dem eigenen Auto in den Westen fuhren. Das wird man wohl nie vergessen. Im Grunde war es so wie ich es mir vorgestellt hatte – oder besser. Nach einem Tag im Stau fuhren wir nun bis zu einer Tante bei Stuttgart und kamen wohl irgendwann in der Nacht an. Alles wirkt bis heute etwas unglaublich nach. Ich weiß auch, dass ich wohl nicht wieder zurück wollte, denn man wuchs ja mit einem natürlichen Misstrauen auf. Es hätte ja sein können, dass diese Öffnung nur vorübergehend gewesen wäre. Wie sich später herausstellte, war das ja auch die erste Absicht – ein vorübergehendes Ventil dass sich zum Glück nie wieder schließen lies. Ich meine mich zu erinnern, dass wir dann am nächsten Nachmittag wieder zurück fuhren – erstmal jedenfalls. Für mich stand ja schon seit Jahren fest, dass ich nicht bleiben würde – mit und ohne Mauer. Außer dem traute ich der Situation auch so lange noch nicht. Nur widerwillig blieb ich noch bis zum Abschluss meiner Ausbildung dann im Februar. Schließlich hatten wir im Sommer 89 schon beschlossen als gesamte Familie umzuziehen und das war es dann ja auch. Wir zogen in die Nähe von Lübeck, da hier schon immer der groesste Teil unserer Verwandtschaft lebte.

    Mit den Jahren habe ich mich wohl mit der Grundidee Sozialismus versöhnt. Gegen die Idee an sich ist wohl nichts einzuwenden. Damals war ich ja aus Prinzip dagegen. Da Menschen in Machtpostionen wohl aber fast von Natur aus früher oder später korrupt werden, konnte es wohl nicht funktionieren. Das gilt wohl für alle Regierungen – früher oder später denken die doch alle erstmal nur an sich. So konnte ein soziales System wie der Sozialismus wohl nur scheitern.

    Euch allen ein schoenes Wochenende! hoppla - schade dass externe links nicht in einem extra tab geoeffnet werden...
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