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  • Ist ein Künstler ein Unternehmer?

  • Frank Koebsch
    Frank Koebsch Ist ein Künstler ein Unternehmer?
    Ist Kunst und Kommerz ein Widerspruch?


    Ich werde die Frage: Ist ein Künstler ein Unternehmer? immer mit ja beantworten. Dieses in mehrfacher Hinsicht….

    * Einmal muss ein Künstler sich mit seinem Inhalten, seinen Motiven, den Darstellungsmöglichkeiten, seinem Handwerk beschäftigen. Er unternimmt etwas und zwar ganz eigenverantwortlich und kreativ.
    * Ein Künstler muss sich damit auseinander setzen, wie finanziere ich meine Kunst und mein Lebensunterhalt. Meine Überzeugung ist, dass er hier auch als selbstständiger Unternehmer handeln muss. Selbstständig – weil jeder Mensch ist in erster Linie für sich selbst verantwortlich. In diesem Sinne unternehmen heißt, sich um Sponsoren, Partner für den Verkauf, Ausstellungen und und .. zu kümmern.
    * Ein Künstler muss sich darum alleine oder arbeitsteilig mit Partnern darum kümmern, dass seine Kunst konsumiert wird. Ein Autor muss Interesse daran haben, dass seine Bücher gelesen werden, ein Maler, dass seine Bilder angeschaut, ein Schauspieler …
    https://frankkoebsch.files.wordpress.com/2010/11/ist-ein-kunster-ein-unternehme.jpg?w=300&h=225
    Es gibt sicher weitere Fassetten eines Künstlers als Unternehmer. Ich hatte in der Vergangenheit schon ein oder zweimal in ähnlicher Weise Beiträge veröffentlicht.
    http://frankkoebsch.wordpress.com/2009/07/12/manchmal-passen-sachen-zusammen/
    http://frankkoebsch.wordpress.com/2009/08/08/palette-4-2009-teil-2-interview-mit-bernhard-vogel/
    Nun habe ich auf einer abendlichen Zugfahrt den Fokus 44 / 10 gelesen. Hier ist ein Interview von Michael Marek mit Cristo zu lesen. Es ist das erste Interview, dass ich nach dem Tot seiner Frau lese und so lautet der Titel des Artikels >>Sie war sehr streitlustig. Das vermisse ich am stärksten<<

    Nach dem ich vor Jahren die Ausstellung in der Kunsthalle Rostock von Jeanne-Claude und Cristo verfolgt habe, schaue ich bei Veröffentlichungen über die beiden noch mehr hin. In diesem Interview fiel mir neben der Verbundenheit von Cristo zu seiner Frau die klare Position von Cristo zu den Fragen:

    * Ist ein Künstler ein Unternehmer?
    * Ist Kunst und Kommerz ein Widerspruch?

    auf. Hier ein drei Zitate von Cristo aus dem Artikel:

    >> Kunst ist ebenfalls ein Geschäft, kein Hobby. Es ist doch töricht, das Geschäftsleben schlecht zu reden, denn Kunst ist wie Business Ausdruck menschlicher Energie. Geschäft gehört zum Leben.<<
    |1| S164

    >> Zum Beispiel kann Kunst nicht existieren ohne konsumiert zu werden. Ich sage immer zu jungen Künstlern: „Verkauft eure Arbeiten so schnell wie möglich!“ Nur so kommt Kunst und Geschäftsleben zusammen.
    << |1| S. 164

    >> Ein Künstler sollte nicht gleich an die Verwertung seines Werkes denken,

    Sie formulieren eine sehr romantische Vorstellung, in der es überhaupt keine Kunst geben kann. Unsere Gesellschaft kann sich den Künstler nur als Außenseiter vorstellen. Aber das ist ein Bild aus Hollywood. <<
    |1| S. 164

    Für mich passt diese Klarheit zu dem Menschen und Künstler Christo. Gleichzeitig passt diese Aussage in mein Weltbild. Wie seht Ihr die Fragen:

    * Ist ein Künstler ein Unternehmer?
    * Ist Kunst und Kommerz ein Widerspruch?

    |1| Fokus, 44 / 10 , 30. Oktober 2010, S. 162 ff.; >>Sie war sehr streitlustig. Das vermisse ich am stärksten<<; Interview von Michael Marek mit Cristo

    
  • iztaT
    Hallo,
    toll! Diese Fragen sind töricht. Toll!
  • reniek
    Hallo Frank, ich sehe die Frage, ob Kunst und Kommerz zusammengehen als eklatanten Widerspruch an. Nach meiner eigenen Erfahrung ist es nicht möglich, sich gleichzeitig in seiner Kunst weiterzuentwickeln und nebenher noch die (Eigen)-Vermarktung zu betreiben, weswegen es ja auch die Vertretung in Interessenverbänden und – als wichtigstes – die Galerienvertretungen gibt. Ein ernsthafter Künstler setzt sich zwangsläufig mit seinem Schaffen auseinander, er entwickelt sich, er zweifelt an sich, er schafft und/oder zerstört. Er ist darauf angewiesen, dass Sammler, Sponsoren, Galeristen, Marketingexperten sich um die Vermarktung sorgen, ihm den Rücken freihalten. Dass dies nicht immer und für jeden Künstler möglich ist, mag ja stimmen, jedoch verändert dieses Selbst-Vermarkten-Müssen die Kunst und degradiert sie zur beliebigen Gefälligkeitskunst und zur Stagnation. Nur mal als Beispiel: Ich bin als Künstler ganz besessen von der Umsetzung einer Idee, da kann ich nicht mich noch damit auseinandersetzen, wie ich diese vermarkte, denn es ist für die Umsetzung der Vision oder der Idee völlig unerheblich – wievielen Menschen sie gefallen mag oder nicht. Diese Entwicklung trage ich nur allein mit mir aus. Aber eventuell habe ich Dich mit Deiner Fragestellung auch falsch verstanden.
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  • Grauton
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  • Gris 030
    Gris 030
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    gegen:
    denken, beobachten, ausprobieren, skizzieren, malen, verstören, zerstören, diskutieren.

    ich entscheide mich eindeutig fürs zweitere.
    Signatur
  • essapeT_ailuJ
    Allroundgenies gibt´s in meinen Augen nicht, außerdem fehlt die Zeit dafür.

    Ein Künstler ist ein Künstler und keine Marketingspezialist...

    Beste Grüße
  • reniek
    @ grins2: genau das habe ich gemeint.
  • Grauton
    Grauton
    .
  • reniek
    Sag mal, was ist denn mit dir los, Grauton??? Ich habe doch auch einen roten Punkt und führe mich nicht so auf, von mir hast Du den jedenfalls nicht bekommen. Außerdem völlig egal, welche Schwachmaten rote Punkte geben, würde ich gar nicht mehr draufschauen.

    mfg
  • iztaT
    Hallo,
    toll! Ich schließe mich grins2 und keiner an.
    Die Fragen sind allerdings so gestellt, dass eine genaue Antwort schwer fällt(deshalb töricht). Sie fällt schwer, da der Begriff Künstler viel zu umfassend ist, als dass ein standardisierendes Ja oder Nein zur Beantwortung taugen würde. Künstler sind auch Zauberer, Kabarettisten, Akrobaten, Rockmusiker, Schlagersänger, Dichter usw. Dort gibt es bestimmt eine ganze Menge Selbstvermarkter, Familienbetriebe usw. Wobei ich mal so aus dem Bauchgefühl heraus sage, dass die Erfolgreicheren auch ihre Agenten, Manager usw. haben.
    Besser wären die Fragen, wenn sie, auf Frank mal bezogen, besser spezifiziert zum Beispiel so gestellt würden:
    'Sind Aquarellisten Unternehmer?" und
    "Ist Aquarell malen und Kommerz ein Widerspruch?"
    Ich glaube, da würden sich die Meinungen und Befindlichkeiten auch ziemlich weit auseinander bewegen, könnten aber genauer untersucht bzw. beschrieben/begründet werden.

    Tolle Grüße
    Tatzi
  • siku
    Ist Kunst und Kommerz ein Widerspruch?


    Ich werde die Frage: Ist ein Künstler ein Unternehmer? immer mit ja beantworten. Dieses in mehrfacher Hinsicht….

    In diesem Interview fiel mir neben der Verbundenheit von Cristo zu seiner Frau die klare Position von Cristo zu den Fragen:

    * Ist ein Künstler ein Unternehmer?
    * Ist Kunst und Kommerz ein Widerspruch?

    auf. Hier ein drei Zitate von Cristo aus dem Artikel:
    ...


    Christo hat recht, nur deshalb muss ein Künstler nicht als Unternehmer bezeichnet werden. Ein Künstler ist Freiberufler.
    Kunst und deren Vermarktung stehen nicht im Widerspruch zueinander,aber der Begriff "Kommerz" ist negativ besetzt, er wird ja allgemein dahingehend verstanden, dass nicht der Gegenstand, sondern der Verkauf des selbigen im Vordergrund steht.

    Ich glaube allerdings weniger, dass Künstler so in ihrer Arbeit aufgehen, dass sie sich nicht mehr um den Verkauf kümmern können und es auch nicht wollen - dieser "in-sich-reine-Künstler", der von der Außenwelt nur wenig wahrnimmt, weil er sich ja auf seine Kunst konzentriert, ist eher eine romantische Verklärung.

    Künstler müssen ihre Arbeiten in der Regel durch Vermarkter vertreiben, weil ein Direktverkauf schwierig ist. Das liegt u.a. daran, dass die Leute lieber in Galerien kaufen, weil der Gedanke unausrottbar zu sein scheint, dass Kunst die man in einer Galerie kauft, etablierter und wertvoller sein muss als Kunst, die man beim Künstler direkt kaufen kann - Kunstangebote in Feriengebieten unterliegen da einem Ausnahmeverständis der Käufer. Außerdem gibt es so etwas wie Schwellenangst: eine Galerie ist ein offizieller Verkaufsort, geht man in ein Atelier eines Künstlers, bedeutet das auch irgendwie, man tritt in seine Privatsphäre ein - und so weit geht die Liebe des Käufers zum Künstler nun doch nicht.

    PS: welche Du...bratzen verteilen hier eigentlich die roten Punkte? Eines der schwachsinnigsten Einrichtungen hier, ist das Bewertungssystem der Beiträge.
  • iztaT
    Hallo,
    toll! Tolles blabla Siku. Toll!
  • efwe
    efwe
    ...
    * Ist ein Künstler ein Unternehmer?
    * Ist Kunst und Kommerz ein Widerspruch?
    ...

    


    1) ja
    2) ja
    Signatur
  • Frank Koebsch
    Frank Koebsch Ich habe 6 rote Punkte für diesen Beitrag bekommen.
    Ich lese 7mal "toll" in den Kommentaren - das ist fast so etwas wie nonverbale Kommunikation - Oder ??? Nur erschließt sich mir nicht der Zweck.

    Bei allen anderen möchte ich mich für die Beiträge bedanken.

    Nun klar, wenn man es sich aussuchen kann, macht man das, was einem Spaß macht, wo man sich beweisen kann ... da bin ich komplett bei "grins2".
    Ich habe aber auch die Erfahrung gemacht, dass es richtig Spaß machen, kann eine eine Ausstellung zu orgnisieren http://jazzmalerei.wordpress.com/ für sich und andere und für das Thema Jazz. Hier ist man als Künstler autentischer, als jeder andere - so finde ich den Beitrag von "Grauton" passend.

    Hallo "Keiner" - danke für Deine Zeilen... Meine Antwort auf Deinem Beitrag:
    Nun ich habe es vielleicht nicht korrekt aus gedrückt. Ich hatte Arbeitsteilung zu gelassen ;-) , “Ein Künstler muss sich darum alleine oder arbeitsteilig mit Partnern darum kümmern, dass seine Kunst konsumiert wird.”

    Mir geht es mehr darum, dass ein Künstler sich bewusst ist, dass er hierfür etwas unternehmen muss, arbeitsteilig oder alleine, dazu gehört evt. auch eine Partnerschaft zu kündigen, wenn der Raum zu eng wird, die Einnahmen nicht stimmen und sich neue Partner zu suchen. Hier muss es eigenverantwortlich, selbstbewusst und selbstständig handeln – Die Freiheit sich nur seine Kunst kümmern zu können, muss sich der Künstler verdienen. Dazu gehört, Wissen, Können, Beharrlichkeit, Fleiß, Glück, Arbeit, Arbeit …
    Hier geht es den Künstlern nicht anders als Menschen anderer Berufsgruppen die Selbstständig arbeiten wollen. Klar zu dem Thema gibt es eine Menge Aspekte die zu beachten sind.

    Hallo "Julia", wenn dieses klappt, Du mit den Ergebnissen zu frieden bist und Du damit leben kannst - ist doch alles in Ordnung. Dieses heißt für mich aber, Du hast etwas unternommen, dass die Variante 2 funktioniert.

    Hallo "Tatzi" - toll ;-) ich weiß zwar nicht, womit ich einen Nerv bei Dir getroffen habe, aber getroffen ganz sicher.

    Danke "Siku" für Deine Zeilen.

    Hallo "efwe", dass verstehe ich nicht. Ein Unternehmer muss doch dafür sorgen, dass seine Produkte verkauft und konsumiert werden. Oder?

    Ich freue mich auf weitere Beiträge und weiter viel Spaß im KN.

    Frank
    Signatur
  • efwe
    efwe
    ...

    Hallo "efwe", dass verstehe ich nicht. Ein Unternehmer muss doch dafür sorgen, dass seine Produkte verkauft und konsumiert werden. Oder?
    ...

    Frank


    klar...
  • iztaT
    Jo, genauso ist es. Genauso, wie Künstler keine Unternehmer im klassischen Sinn sind, so ist der Kunstmarkt kein Markt im klassischen Sinn. Das absurde im Kunstmarkt besteht zum Beispiel darin, dass in der Regel Preise nicht so fallen, wie im realen Markt. Ein Unternehmer würde zum Beispiel, wenn er eine Marktlücke besetzt hat, in diese Lücke sofort Ware pumpen, so viel wie er produzieren kann, er würde mit Preisdumping Konkurrenz ausschalten und eine Monopolstellung anstreben. Ist dieser Markt gesättigt, kommt es sofort zu einem Preisverfall. Dies alles funktioniert im Kunstmarkt nicht oder anders, deshalb gibt es Leute, die sich damit auskennen. Man sollte auf das Geschwafel von Christo im Fokus nicht so viel geben. Von solchen Sachen hat der nämlich keine Ahnung, das ist doch klar, der ist Künstler, und für seine Vermarktung und Projektverwirklichung bezahlt er Leute, die sich damit auskennen, die zum Bleistift auch die Verträge für so ein Interview machen.
  • Gris 030
    Gris 030
    telefonaquise, verhandlungen, event-scouting, verträge verfassen, versicherungen abschließen...
    gegen:
    denken, beobachten, ausprobieren, skizzieren, malen, verstören, zerstören, diskutieren.

    ich entscheide mich eindeutig fürs zweitere.




    hat nich jemand wahnsinnig lust, das erstere für mich zu übernehmen?
    Signatur
  • Grauton
    Grauton
    Original von Frank:
    Hier ist man als Künstler autentischer, als jeder andere - so finde ich den Beitrag von "Grauton" passend.


    Danke!
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