KunstNet nutzt Cookies. Details.
  • Lasurmalerei mit jeweils Nass in Nassen Schichten - kann man so vorgehen?

  • bbrev
    bbrev Lasurmalerei mit jeweils Nass in Nassen Schichten - kann man so vorgehen?
    Hi,
    zur Zeit versuche ich mir im Verhältnis zu meinen bisherigen Erfahrungen mit der Malerei ein komplexeres Verständnis der Ölmalerei zu erschließen. Ich hoffe Lasur/Schichtenmalerei erlernen zu können. Nach ersten Versuchen und einiger Recherche/Lektüre einer Dörner Ausgabe (von 1944) habe ich langsam den Eindruck zwar einen gewissen sehr begrenzten Überblick zu bekommen, wie ich arbeiten möchte, dennoch wächst damit auch die Anzahl der Fragen die sich mir stellen.

    Daher möchte ich einmal meine Vorstellung einer Arbeitsweise möglichst konkret formulieren, einschließlich Angaben zu bestimmten Malmitteln, denn als Anfänger erscheint mir die Arbeit mit fertigen Malmitteln sympathischer als das Experimentieren mit Harzen und Ölen. Die folgende Ausführung meiner Arbeitsweise sollte daher niemand als einen Leitfaden verstehen, sondern ich stelle sie hier mit der Hoffnung vor, einige Hinweise auf ungünstige Aspekte meiner Vorgehensweise oder Verbesserungsvorschläge zu bekommen. Daher konzentriere ich mich vor allem auch auf die Darstellung der mir etwas unklaren Aspekte und Arbeitsschritte, das Anfertigen von Skizzen oder das austesten von Lasurüberlagerungen vor der Realisierung des richtigen Bildes klammere ich aus, ich bin mir bewusst, dass viele Schritte auch anders ausgeführt werden können, jedoch versuche ich wie gesagt für mich einen möglichst konkreten und daher auch in bestimmter weise festgelegten Weg zu finden.

    (Das Malmittel 2 von dem ich schreibe besteht aus Cyclohexanonharz, Acrylharz, Testbenzin und Sonnenblumenöl, ich weiß nicht ob ich hier den Hersteller nennen darf)






    Vorzeichnung

    -Tuschestift, evtl andere Vorzeinungsmedien, eine dünne weiße Acrylimprimitur macht es mir leichter die Vorzeichnung zu fixieren, (direkt eine farbige Acrylimprimitur gelingt mir immer nur sehr ungleichmäßig, sodass ich dabei manchmal stellenweise fast die Vorzeichnung verloren habe), dann folgt transparent eine Einfärbung des Malgrundes in Öl, ohne dass die Vorzeichnung verloren geht, diese Schicht kann schnelltrocknend ausgeführt werden, sie muss für die weitere Arbeit durchgetrocknet sein (muss ich auch nach einer solchen Öleinfärbung des Malgrundes einen Zwischenfirnis legen?)




    Untermalung/Untertuschung

    -Höhere Menge Terpentin, um einen mageren und für die Vorzeichnung evtl transparenten Farbauftrag zu erreichen (oder Malmittel1 (keine Trocknungsbeeinflussung, nur steigerung der Magerheit)/Malmittel 3 (Trocknungsbeschleunigend aber sparsm zu gebrauchen da glanzsteigernd))

    -Monochom die Tonwerte herausarbeiten, die Untertuschung dient als Landkarte für folgende Farbschichten, evtl. können Präzesierungen der malerischen Details in den folgenden Schichten über die Inhalte der Untertuschung hinausgehen/abweichen, wichtig hierbei die Farben der Untertuschung sorgfältig auszuwählen (Tendenzen verschiedener Farbe bzgl. durchwachsen oberer Schichten beachten (zB. Umbra ist daher nur bedingt geeignet – eine zur Untermalung/Schichtenmalerei geeignete Umbra-Mischung erhält man aus Ocker, gebrannter Sienna und Elfenbeinschwarz))




    Erste Schicht

    -um hier einen mageren Farbauftrag dennoch trocknungsverzögernd für eine hier bereits erwünschte Nass in Nass Malerei zu realisieren arbeite ich mit einer Mischung aus Terpentin und Malmittel 2 (wie dosiere ich Malmittel 2, muss man das verdünnen oder ist das direkt zur puren Verwendung geeignet?)

    -Die erste Schicht kann deckend sein, soweit nicht die Untertuschung und somit evtl. auch die Vorzeichnung hindurchscheinen sollen

    -die gesamte Schicht möchte ich Nass in Nass in bestenfalls einer (langen) Sitzung durcharbeiten, korrekturen und präzesierungen, können bei noch feuchter oder (oberflächen-)trockener Farbe später durchgeführt werden, wenn erst mit zeitlichem Abstand Fehler bemerkt werden (bei solchen Korrekturen auf getrockneter Schicht sollte(?) das Malmittel bereits etwas weniger Terpentin und somit mehr Malmittel 2 enthalten, um nach der Regel Fett auf Mager vorzugehen, die Gefahr von unregelmäßigem Glanz/Wirkung besteht(?))

    -Die erste Schicht muss Oberflächentrocken werden, muss in der endgültigen Form bereits der endgültigen Form des Bildes entsprechen

    -Haltet ihr es für möglich wie beschrieben bereits für die unterste (ja möglichst magerste) Schicht Trocknungsverzögerer für ein Nass in Nass – Malen einzusetzen, wenn ich vor der nächsten Schicht immer die Oberflächentrocknung abwarte? Gefährdet das die Regel Fett auf Mager/die Trockenreihnfolge untere-obere Schicht(-Rissbildung/“Einsinken“ der oberen Farbe)?




    Zweite /Weitere Schicht(en)/Lasuren

    -die oberflächentrockene Schicht 1 erhält einen Zwischenfirnissüberzug, welcher an/durchtrocknet (Feuchte ich damit das Bild an, um sofort quasi Nass in Nass weiterzuarbeiten (hebe ich dadurch nicht die glanzhomogenisierende Wirkung des Firnisses auf?) oder muss ich die Trocknung des Firnisses abwarten? Wie werden hierbei Alkohol und Synthetische Zwischenfirnisse unterschiedlich verwendet?)

    -nun muss in allen weiteren Schichten der Terpentinanteil gesenkt werden, der Malmittel 2 Anteil wird erhöht/bzw es wird überhaupt weniger Malmittel verwendet und die Tubenfarbe zunehmend weniger verdünnt, aufgrund der gewünschten Lasurwirkung ist ein gewisser Anteil Malmittel aber notwendig, als Verfettungsmittel (wegen Fett auf Mager) kann dem Malmittel eine zunehmend erhöhte minimale Gabe Standöl hinzugefügt werden






    Wie oben beschrieben hoffe ich von euch Hinweise zu bekommen, ob solch eine Vorgehensweise denkbar wäre, und an welchen stellen sie weniger optimal sein könnte, vielen dank und liebe grüße wland.
  • Vincents_Ohr
    Vincents_Ohr
    MARGIT!!! Du wirst gebraucht! :)
    Signatur
  • Nadelmaler
    Nadelmaler
    Puh, eine umfassende Anfrage! Momentan hört sich die Fülle der möglichen Schritte sehr akademisch an, bei Doerner wird alles beschrieben was man bei einem bestimmten Schritt für Möglichkeiten hat- nicht alle Möglichkeiten wird man in der Praxis nuzen.

    1.Vorzeichnung
    Dass die Vorzeichnung Dein erster Schritt ist, sagt mir daß Du fertig grundierte Leinwand benutzt. Das ist normalerweise völlig in Ordnung, aber es widerspricht Deinem Ansinnen, Dich technisch auf die altmeisterlichen Spuren zu begeben. Sei´s drum, wie man die Grundierung macht ist an anderer Stelle hier im Forum ausführlich beschrieben worden.
    Bei einer Übung, in der Du die Möglichkeiten und Wirkungen von Lasurmalerei voll ausnutzen kannst, wurde ich aber zu einem starren und glatt polierbaren Bildträger raten: Holz, Metall, was Du möchtest.

    Also zur Vorzeichnung: Ob Tuschestift oder was auch immer, alle Medien haben ihre Vor- und Nachteile. Ich mache die Vorzeichnung direkt mit dem Pinsel in Öl und bei feinen Details und schwierigen perspektivischen Konstruktionen mit Bleistift. Da der Bleistift in die nächste Schicht durchdringt, was bei mehrschichtiger opaker Malerei kein Problem ist, bei Lasuren dagegen schon, muss man hier darauf verzichten. Du willst ja, daß möglichst viel Licht vom Bildgrund leuchtet (Tiefenlicht), darum müssen leider ALLE Vorzeichnungen im Lauf der Arbeit verschwinden!
    Es bleibt m.E. nur der Kohlestift, oder das Ritzen in den Kreidegrund.

    2.Zwischenfirnis: Entfällt, da nichts fixiert werden soll! Wir sind je jetzt bei Lasurmalerei, und die Vorzeichnung muss wie oben gesagt verschwinden.

    3.Untermalung

    Richtig, hier noch etwas mehr Terpentin oder Malmittel zu verwenden. Die Farbe der Untermalung MUSS nicht dem späteren Farbwert entsprechen. Du kannst zum Beispiel wie Leonardo ein blaugrün als Inkarnat einsetzen, um dem späteren Hautton ein fahles "adeliges" Aussehen zu geben. Und später Schwarze Flächen werden noch schwärzer, wenn sie mit Blau untermalt wurden. Aber richtig ist, daß jetzt monochrom die Flächen angelegt werden.

    4.Erste Schicht

    Achtung: fertige Malmittel-Mischungen sind für den konsumorientierten Maler gedacht. Sie sind fertig und Du brauchst sie nicht weiter mischen. Das ist bequem, aber nicht altmeisterlich. Da Du transluzide Farbschichten erreichen möchtest, wirst Du Harze in die Ölfarbe mischen. Und da fett auf mager gilt, nimmst Du in den unteren Schichten mehr Harze als später. Welches Harz du wählst, hängt vom Bildträger ab.
    Da Du spätere Korrekturen angesprochen hast: Da würde ich aus dem Mischungsverhältnis keine Wissenschaft machen: rechne die Korrektur und die erste Schciht als EINE Schicht und nimm dieselbe Mischung nochmal.

    -Trocknungsverzögerer für die unterste Schicht: Nein, die trocknet von Natur aus schneller, da sie ja gemagert ist.

    5:Weitere Schichten/Lasuren

    - die Frage nach einem Zwischenfirnissüberzug verstehe ich nicht- wer hat davon gesprochen? Von Doerners Maltheorie ist das doch nicht, oder? Ich glaube, hier gehen verschiedene Malweisen durcheinander. Stell einfach den Firnis beiseite, bis das Bild fertig ist.

    - in allen weiteren Schichten wird der Anteil an Nicht-Öl-Stoffen gesenkt. Wobei Du Lösungsmittel in der Rechnung ausklammerst, weil sie verduften. Also weniger Malmittel/Harzzusätze, mehr Tubenfarbe bzw Tube+ Ölzusätze.
  • Jetzt bei Amazon günstig Kunstbedarf kaufen.- Werbpartner -
  • leirA
    Hallo bbrev,
    zunächst mal Kompliment, dass Du Dich mit Max Doerner und nicht mit den Laienbüchern, die so bei Boesner und Co ausliegen, beschäftigst. Ausgabe 1944 für Ölmalerei ist neu genug, ganz klar. Trotzdem brauchst Du die Angaben im Doerner längst nicht so streng einzuhalten. Man malt heute etwas anders, wenngleich alles richtig ist, was bei Doerner steht.
    Zunächst mal: Ob Du den gesamten Bildgrund noch mit Leinöl einstreichst, würde ich davon abhängig machen, ob dieser saugend oder schon "fett" mit Leimen grundiert ist. Ganz vorab auch die Frage, ob Du überhaupt zum Schluss eine gleichmäßig glänzende Oberfläche haben willst. Mich z.B. stört das!
    Das Malmittel mit Sonnenblumenöl, von dem Du hier redest, ist trocknungsverzögernd. Ich würde nicht schon in der ersten Schicht nass- in Nass malen, auf keinen Fall mit Sonnenblumenöl. Die Gesamtrocknungszeit betrüge dann wahrscheinlich weit über 1 Jahr. Dasselbe mit Zwischenfirnissen. Damit wäre ich in den unteren Malschichten vorsichtig. Wenn mit Kunstharzen gearbeitet wird, reißt die Farbe zwar nicht so schnell, wie z.B. mit Dammar oder Mastix ( auch wenn Du schon unten fett arbeitest), aber alles bekommt hinterher einen unangenehmen speckigen Glanz.
    Wenn Du mit Malmittel auf einen homogen getrockneten Ölfilm gehst, veränderst Du wieder die Farbwirkung. Falls die Farbe nicht gut durchgetrocknet ist, löst Du untere Schichten sogar wieder an.
    Mein Tipp: Benutze gar kein Malmittel der Industrie, vielleicht bis auf das mit Sonnenblumenöl.
    Ich würde schwach saugenden Malgrund benutzen, dann mit Wasserfarben arbeiten (Acryl) oder mit Terpentinersatz verdünnte Ölfarben.
    Dann eine Schicht nass in Nass malen, trocknen lassen und danach auf Schönheit arbeiten, d.h.Lasuren ziehen. Hierzu brauchst Du eingedicktes Leinöl. Genau genommen benötigst du eigentlich nur Leinöl für alle Schichten. Du trägst es gemäß der Regel mager nach fett unterschiedlich stark auf.
    Noch was: Wichtiger als Bindemittel sind Pigmente. Da lohnt es sich die Produkte der Farbindustrie mal genauer anzusehen.
    Wie und was malst Du denn überhaupt? Welche Formate? Das ist auch entscheidend bei der Wahl der Malweise.
    Der von Doerner beschriebene Aufbau eignet sich am besten für einen großen üppigen Blumenstrauß, in dem es von farbigen Reflexen nur so wimmelt. Da macht sich dann auch die Harzölfarbe gut, die in diesem Lehrbuch an vielen Stellen erwähnt wird.
  • Seite 1 von 1 [ 4 Beiträge ]

  • Anmelden um auf das Thema zu antworten oder eine Frage zu stellen.

Ähnliche Themen