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  • "Das Künstlerprekariat sitzt in der Falle"

  • ERICH Heeder
    ERICH Heeder "Das Künstlerprekariat sitzt in der Falle"
    Thema: >Das Künstlerprekariat sitzt in der Falle<
    KUNST-LEBEN.COM >Wir kuratieren uns zu Tode: Chris Dercon über das Elend der Projektemacher, die Ghettos der Kreativen- und über die Frage, ob wir eine Revolution brauchen
    Auszüge aus einem Interview mit Chris Dercon in monopol

    Kreativ sind wir alle: Sind Künstler, die ihre Ideen ohne existenzielle Absicherung zu Markte tragen, heute Rollenmodelle? In einer Gesellschaft ohne feste Löhne, mit einem Heer freier Dienstleister?
    Exakt. Man nennt sie Enthusiasten: eine Armee sogenannter kreativer Dienstleister. Man spricht von creative industries, aber das ist nur ein Trick, um das ökonomische Modell der kostenlosen Arbeit salonfähig zu machen. Man will Enthusiasten erzeugen, ihren Input nutzen, ohne Löhne zu zahlen. Im Mai feierte die Tate Modern zehnjährigen Geburtstag - ein gigantisches Fest mit etwa 90000 Besuchern. Das Projekt heißt "No Soul For Sale". Dutzende von unabhängigen Projektemachern stellen sich vor. Sie haben nichts zu verkaufen, bieten nur ihre Dienste und ihre Ideen an. Oft ist die Hoffnung auf Festanstellung die Motivation für das kostenlose Anbieten der eigenen Dienste. Das nennt sich heute auch Kreativwirt -
    schaft, worunter eine stille Übereinkunft der politischen Parteien von links wie rechts verstanden wird, Selbstausbeutung zu stimulieren. In Frankreich heißen diese Selbstausbeuter les intermittents, woanders digitale Bohemiens - es gibt inzwischen jede Menge theoretischer Schrif -
    ten über sie, von Maurizio Lazzaratos Essay "Immaterielle Arbeit" über Luc Boltanskis "Leben als Projekt", Brian Holmes' "The Flexible Perso -
    nality", außerdem Texte von Matteo Pasquinelli, Paolo Virno, Toni Negri und Tony Judt, kürzlich noch Jan Verwoert, Merijn Oudenampsen oder Lars Bang Larsen. Auf diese Ansätze beziehe ich mich.

    Wird unbezahlte Arbeit zum Standard?
    Ja. Es geht aber nicht nur um Künstler, sondern auch um Kunstvermittler, um Akademiker, Designer, um junge Pseudourbanisten, Fotografen, Heraus -
    geber, Journalisten und ihren Nachwuchs, die free bloggers. Interessanterweise werden Letztere immer jünger. Mit nicht einmal 15 werden Blogger zu Modenschauen eingeladen. Mittlerweile haben wir ein Millionenheer von Enthusiasten, von sieben bis 77 - wie die Zielgruppe der Ravensburger Gesellschaftsspiele -, die nicht wissen, welcher gesellschaftlichen Gruppe sie angehören, für die es keine parteipoli -
    tischen Programme gibt. Diese Gruppe wächst an, und man hofft, dass sie selbst nicht erkennt, wie groß sie ist. Dass sie sich selbst weiter ausbeutet unter dem Schirm von Events, Kongressen, Partys und so weiter.

    Was heißt das im Rückschluss für die Künstler? Müssen die sich andere Formen suchen, wie sie ihre Ideen verwirklichen?
    Das Problem ist, dass die Künstler, um ihre Selbstverwirklichung weiterzutreiben, sich andere Jobs suchen. Damit sie den kreativen Teil ihres Lebens fortsetzen können. Das bedeutet, man lebt von Projekt zu Projekt. Nun werden die Phasen zwischen den Projekten, die Übergänge, immer schmerzhafter. Luc Boltanski nennt das die "Prekarisierung des Privatlebens". Auch das Private kann ein Projekt sein, man denke an Madame Bovary, die um des sozialen Aufstiegs willen ihr Privatleben durchökonomisiert, die Affären werden aber immer kürzer und schmerz -
    voller. Heute werden diese Projektübergänge bereits berechnet, sodass
    man eine Art Kontrolle anbieten kann.

    Wie ist die Lage der Kreativwirtschaft in Berlin?
    Sie wird als Lösung aller Probleme angeboten. Und das ist gefährlich. Es entstehen Kreativghettos, in denen die Erfolgreichen mit dem Prekariat zusammenleben. Berlin wurde zum nationalen oder internationalen Hoffnungsgebiet ausgerufen. Vielleicht überlegen sich ja viele Museen, nach Abu Dhabi jetzt in diesem Entwicklungsgebiet Franchise-Museen zu gründen - den Louvre an der Spree sozusagen. Berlin ist das ultimative Bild für die creative industries. Hier droht auch kein Aufstand, denn es leben keine Banker und reichen Leute hier, die man attackieren könnte. Die sind nur am Wochenende da, zu Besuch, wenn sie Homo ludens spielen wollen. Kultur wird nicht mehr als gesellschaftlicher Gegenentwurf eingesetzt, weil die Kultur sich nicht mehr auseinandersetzt mit einer traditionellen Form von Potenzialität: Unsicherheit, Angst und so weiter, das sind keine Themen mehr. Stattdessen bedeutet Kultur: mitmachen. Der Wowereit-Slogan "Arm, aber sexy" könnte schnell zu einem "Arm, aber noch am Leben" führen: In Berlin wird der Homo ludens, das künstlerische Prekariat, früher oder später in seiner eigenen Stadt in der Falle sitzen wie in einem Militärkessel - man wird weder hinein- noch hinauskönnen. Das heißt, man kann sich finanziell nicht an andere städtische Umgebungen und Lebensstandards anpassen, die sich von den eigenen unterscheiden. Wir werden Zeugen einer Ausdehnung des wirtschaftlichen Bereichs in den kreativen, die synchron mit dem "Creative City"-Diskurs der Politiker und Stadtentwickler verläuft.

    Sie haben Mitte April in einem Vortrag für die Evangelische Akademie Tutzing für das Kulturprekariat das Bild der Zombies oder Vampire gewählt. Warum?
    Der Zombie oder der Untote ist nicht in erster Linie eine Verkörperung des Bösen, sondern ein Leidender, der seine Opfer mit einer bizarren Beharrlichkeit verfolgt, gefärbt von einer Art unendlicher Traurigkeit. Die melancholischen Toten kehren zurück, weil sie nicht richtig begraben wurden. Wenn ich an Geister oder Zombies denke, denke ich an ältere, erfolglose kreative Individuen wie Schriftsteller, DJs, Webdesigner oder Innenarchitekten. Ihre Rückkehr - die Rückkehr der Toten - belegt, dass sie nicht ihren Platz in der Tradition finden können. Bezeichnend ist, dass die Beliebtheit von Zombiefilmen in jüngerer Zeit durch die von Vampirfilmen ersetzt wurde: Nach den Zombies, den Sammlern unbezahlter, symbolischer Schuld, kommen jetzt die Vampire, die die Ideen von Unsterblichkeit und ewiger Jugend transportieren. Man sieht das an der grassierenden Vampirmode unter Teenies. Vampire sind die jungen Blogger und Kreativen. Sie erinnern uns an unsere Angst vor dem Älterwerden und den Preis, den wir für diese ewige Jugend und Unsterblichkeit zahlen müssen. Übrigens sind ja Zombie- und Vampirfilme selbst unter prekären Bedingungen entstanden: Es sind meist Billigprodukte, B- oder C-Filme...man findet sie auf YouTube. Meine Kinder lieben sie. Die spielen das ganze Jahr Halloween.

    Wird sich das Prekariat noch ausbreiten?
    Es kann natürlich nicht so weitergehen. Der niederländische Avantgardekünstler Constant Nieuwenhuys war 1957 Mitbegründer der internationalen situationistischen Bewegung und schrieb mit Guy Debord ein Traktat über den unitären Urbanismus. 1959 rief er ein visionäres Architekturprojekt ins Leben, eine utopische Stadt namens "New Babylon": eine explizite Metapher für die "Creative City". "Entgegen der Meinung der Funktionalisten befindet sich Kultur dort, wo Nützlichkeit endet", schrieb Constant. Der Homo ludens, der spielende Mensch, war ein Gestalter seiner eigenen "spielerischen Stadt". Heute ist dieser positive Hedonismus umgeschlagen; aus dem Homo ludens ist entweder ein Homo faber oder ein Homo precarius geworden. Man wurschtelt sich durch und tut so, als wäre man so frei wie der Homo ludens.

    In der Avantgarde waren noch Utopien möglich, es entstanden Gegenentwürfe. Wenn es jetzt eine große Mitmachkultur gibt, wo bleibt das Andere der Kunst?
    Die Kunst im sogenannten öffentlichen Raum wird jetzt zu einer Kunst des Öffentlichen. Ästhetische Kompetenz übersetzt sich in Handlungs- und Kommunikationsstrategien. Es gibt in der bildenden Kunst zurzeit immer mehr coffee breaks, immer mehr Gespräche, Symposien, Kongresse. Und man redet über Handlungs- und Kommunikationsstrategien: Jeder will ein Kurator sein, möglichst sein eigener Kurator. Ich kuratiere meine Freizeit. Die ersten Kuratoren waren im 16. Jahrhundert die Mönche, die die Reliquien in der Kirche zählten. Sie zündeten für die Priester die Kerzen an. Heute haben wir Kuratoren als Manager und Pseudokreativwirtschaftsspezialisten...

    ...die für die immateriell Arbeitenden Kerzen anzünden?
    Ja, deshalb halte ich Michael Sailstorfers Aktion "Pulheim gräbt" für eine der treffendsten Aktionen der vergangenen Jahre: Er kuratierte ein Glücksversprechen. Er vergrub Goldbarren und ließ die Leute nach ihrem eigenen Glück graben. Die Grabenden sind Künstler in spe mit geringer Aussicht auf Erfolg. Ein großer Unterschied zu den Happenings etwa eines Allan Kaprow. Da gibt es noch die Idee des Homo ludens: Wir machen alle etwas zusammen; Partizipation als Selbstermächtigung, Emanzipation. Bei Sailstorfer gibt es nur ein Versprechen, es geht nicht um Emanzipation, sondern um die Frage, wo ist das Ding, das 1000 Euro wert ist. Und was kann man mit 1000 Euro machen? Das ist noch nicht einmal ein BMW-Reifen.

    Heute ist jeder sein eigener Kurator - aber auch Lebenskünstler, vielmehr: Überlebenskünstler?
    Natürlich. So wie jedermann bloggt. Jedermann ist Journalist geworden, jedermann ist auch Webdesigner. Das home office ist das perfekte Bild der Gegenwart. Man kreiert seine eigene Pornografie, seine eigene Kunst, sein eigenes Web, man designt sein eigenes Haus, aber niemand verdient etwas. Es geht um Überlebensstrategien, die geknüpft sind an Virtuositätskonzepte. Lauter verarmte Intellektuelle.

    Kommt das alles nicht einem Staat entgegen, der damit beschäftigt ist, den Euro zu retten und sich über Generationen zu verschulden, und auf der anderen Seite Sozialleistungen kürzt?
    Absolut. Die Selbstausbeutung findet nicht statt innerhalb eines Produktionsprozesses, sondern über Kooperation. Das größte Problem ist die Disponibilität der Leute. Man ist disponibel, man stellt sich zur Verfügung. Wer das kontrollieren kann durch ein parteipolitisches Programm oder durch ein ökonomisches Modell, hat die Macht. Ich warne vor einer Revolution oder einem Kinderkreuzzug à la "Mad Max". Was passiert, wenn sich diese Tausenden von Selbstausbeutern und Enthusiasten, die an ihrer Disponibilität leiden, an den 24 Stunden pro Tag im home office, in ein ökonomisches Modell eingepasst werden? Man muss auch mal lernen, Nein zu sagen, die Disponibilität infrage zu stellen. Nein zu kostenlosen Katalogtexten, obwohl hundert andere es machen. Oder Schlaf als eine Art Subversion-Ruth Noacks geplante Ausstellung "Sleeping with a vengeance, dreaming of a life" behandelt genau dieses Thema. Irgendwo muss man anfangen, wenn man kein Zombie werden will. Warum fallen eigentlich alle vom Stuhl, wenn man das sagt?

    Chris Dercon, geboren 1958 im belgischen Lier, ist Direktor des Hauses der Kunst in München und ab dem Frühjahr 2011 neuer Chef der Londoner Tate Gallery of Modern Art. ... mehr


    [b]Weiterführende Literatur:

    * Maurizio Lazzarato "Immaterielle Arbeit". In: Negri, Antonio, Maurizio Lazzarato, Paolo Virno, und Thomas Atzert "Umherschweifende Produzenten: immaterielle Arbeit und Subversion", Berlin 1998, ID-Verlag, S. 39-52; hier im Internet
    * Luc Boltanski "Leben als Projekt. Prekarität in der schönen neuen Netzwerkwelt", im Online-Magazin der Zeitschrift "Polar"
    * Brian Holmes "The Flexible Personality. For a New Cultural Critique", 2001, im Online-Magazin "Transform" <

    Quelle: http://www.monopol-magazin.de/artikel/20101584/-chris-dercon-kuenstlerprekariat.html
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  • eknim
    Was ist mit den 1 Euro Jobbern, den ewigen Praktikanten, den Leiharbeitern usw. in der Wirtschaft?
  • ERICH Heeder
    ERICH Heeder Was ist mit den 1 Euro Jobbern
    Was soll mit den 1 Euro - Jobbern sein?? Für micht gibt es dieses Wort gar nicht!! Ich bin gegen soziale politische Ausbeutung!!
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  • eknim
    Na ja, mach die Augen auf, dann siehst Du, dass es diese Ausbeutung gibt und sie wird im obigen Pamphlet nicht angesprochen.
    Weil es keine Künstler sind?

    Und schrei hier nicht so rum. Es ist gerade Kaffeezeit. :)
  • Vincents_Ohr
    Vincents_Ohr
    Soziale Ausbeutung gibt es überall und immer häufiger.
    Das in dem zitierten Artikel über Künstler gesprochen wird sollte einem in einem Kunstportal nicht wundern.

    P.S.
    Danke für diesen wichtigen Artikel, Erich
    Signatur
  • ERICH Heeder
    ERICH Heeder
    [quote="p236122"]Na ja, mach die Augen auf, dann siehst Du, dass es diese Ausbeutung gibt und sie wird im obigen Pamphlet nicht angesprochen.
    Weil es keine Künstler sind?

    Wo her willst du wissen, wer Künstler-In ist, und wer nicht??
    Wer bestimmt das denn, wo Kunst anfängt, und wo sie auf hört??
    Ich habe mein ganzes Leben lang die Augen auf!! Nur wer sich
    ausbeuten läßt, da gibt es auch Ausbeuter!! Ich bin einer, der
    sich nicht ausbeuten läßt!!
    Signatur
  • Vincents_Ohr
    Vincents_Ohr
    hmmm...
    Ich würde das auch gerne so resolut sagen können. Leider hat man nicht immer die Wahl.
    Signatur
  • eknim
    Genau Erich, wer sich ausbeuten lässt, ist selber daran schuld.
  • ERICH Heeder
    ERICH Heeder
    [quote="p236127"]hmmm...
    Ich würde das auch gerne so resolut sagen können. Leider hat man nicht immer die Wahl.

    Na klar hat jeder die Wahl, die Wahl sich zu honorieren zu lassen, was man selbst wert ist!!
    "Vincent"
    Signatur
  • ERICH Heeder
    ERICH Heeder Überall kann Kunst statt finden!!
    Kunst kann überall statt finden,
    Frau - Mann muß es nur wollen!!

    Kunst ist der Ausdruck - seiner selbst!!

    "Vincent"
    Signatur
  • eknim
    Auua...
  • Vincents_Ohr
    Vincents_Ohr


    Na klar hat jeder die Wahl, die Wahl sich zu honorieren zu lassen, was man selbst wert ist!!


    Klar, wenn man nicht auf das Kunsteinkommen angewiesen ist.
    Also zahlen andere für diese Freiheit oder ich kann nicht als Vollzeitkünstler arbeiten.
    Signatur
  • laGnoraA
    Die Selbstausbeutung findet nicht statt innerhalb eines Produktionsprozesses, sondern über Kooperation. Das größte Problem ist die Disponibilität der Leute. Man ist disponibel, man stellt sich zur Verfügung. Wer das kontrollieren kann durch ein parteipolitisches Programm oder durch ein ökonomisches Modell, hat die Macht. Ich warne vor einer Revolution oder einem Kinderkreuzzug à la "Mad Max". Was passiert, wenn sich diese Tausenden von Selbstausbeutern und Enthusiasten, die an ihrer Disponibilität leiden, an den 24 Stunden pro Tag im home office, in ein ökonomisches Modell eingepasst werden? Man muss auch mal lernen, Nein zu sagen, die Disponibilität infrage zu stellen. Nein zu kostenlosen Katalogtexten, obwohl hundert andere es machen. Oder Schlaf als eine Art Subversion-Ruth Noacks geplante Ausstellung "Sleeping with a vengeance, dreaming of a life" behandelt genau dieses Thema. Irgendwo muss man anfangen, wenn man kein Zombie werden will. Warum fallen eigentlich alle vom Stuhl, wenn man das sagt?


    Dieser Beitrag beinhaltet eine typisch soziologische Sichtweise. Befasst sich zunächst mit der Frage, was alles als Arbeit zu bezeichnen ist, geht dann stillschweigend dazu über, dass Bloggen und jede andere kreative Tätigkeit als Arbeit bezeichnet werden kann und behandelt dann en passant die fehlende Entlohnung dieser Arbeit, bzw. fordert indirekt dazu auf, diese Form der "Selbstausbeutung" nicht mehr zu liefern.

    Man fällt vom Stuhl wegen dieser "stillschweigenden" Bewertungen unterschiedlicher Freizeittätigkeiten als Arbeit und der indirekten Verknüpfung einer Entlohnungsforderung, die in Form einer Verweigerungsaufforderung "daherkommt".
    Das alles wirkt ein bisschen wie die Aufforderung, man solle nicht mehr ins Kino gehen, weil man für diese Art der kulturellen Betätigung sowieso nicht adäquat entlohnt wird. - Sozusagen eine von Unverschämtheit geprägter Anstoß zur Diskussion. Ich denke, dass solche gedankliche Ansätze als ulkig zu betrachten sind, mir kommt es sogar so vor, als philosophierten da Menschen, die seit Jahrzehnten in einem universitären Seitengebäude von Staatsknete lebten, ganz "frei vor sich hin", also ganz und gar losgekoppelt von sich erdender selbstkritischer Sichtweise.

    Wieso sollte man denn kurzweilige Betätigungen am PC oder vor der Staffelei als Arbeit bezeichnen? Wieso das beknackte Klimpern von Bloggern auf ihren Tastaturen?
    Das alles ist natürlich eine lustige Konsequenz linksalternativer Weltbilder. ich stimme sogar insoweit zu, dass eine Politik, die solche Phänomene für sich kanalisieren und nutzen könnte, die Macht hätte. Das ist intelligent reflektiert!
    Ansonsten haben Blogger und nahezu alle Kunstschaffende Glück, dass sie nicht in der Dritten Welt leben. Dort würden sie ausnahmslos zu denen zählen, die Müllkippen durchwühlen müssen. Aber Bloggen ist genaugenommen ja auch nichts anderes.
    Man ist wirklich ausgebeutet, sitzt am PC in der warmen Stube, trinkt Kaffee und kommuniziert via PC mit plöden KN Usern.
    Ich sollte mir das besser bezahlen lassen, stimmt schon!
  • inorekcam das künstlerprekariat
    bin auch nicht mit allem oben Geschriebenen einverstanden, aber nachdem ich das hier gelesen habe - ich glaube, DIR geht´s zu gut !!!
  • ybaG-lraeP
    Heute ist jeder sein eigener Kurator - aber auch Lebenskünstler, vielmehr: Überlebenskünstler?
    Natürlich. So wie jedermann bloggt. Jedermann ist Journalist geworden, jedermann ist auch Webdesigner. Das home office ist das perfekte Bild der Gegenwart. Man kreiert seine eigene Pornografie, seine eigene Kunst, sein eigenes Web, man designt sein eigenes Haus, aber niemand verdient etwas. Es geht um Überlebensstrategien, die geknüpft sind an Virtuositätskonzepte. Lauter verarmte Intellektuelle.

    Kommt das alles nicht einem Staat entgegen, der damit beschäftigt ist, den Euro zu retten und sich über Generationen zu verschulden, und auf der anderen Seite Sozialleistungen kürzt?
    Absolut. Die Selbstausbeutung findet nicht statt innerhalb eines Produktionsprozesses, sondern über Kooperation.


    hm, nein.
    Ich schätze, derjenige, der den Artikel geschrieben hat, hat keinerlei finanzielle Probleme und auch keine Ahnung von Armut. Vituosität im Überleben, ja, aber von Designen des eigenen Hauses kann ja wohl bei armen Menschen nicht die Rede sein.

    Da hat jemand nicht weit nachgedacht.
  • siku
    "Kunst kann überall stattfinden, Frau - Mann muss nur wollen"

    Kunst mutiert durch das "Jedermannprinzip" wie die Tulpe oder die Kartoffel zum sinkenden Kulturgut. Und auf dem Bodensatz angekommen versuchen einige Aufrechte, vom Boden wieder abzuheben - begleitet von dem niederdrückenden Argument "wird sind alle gleich - jeder kann ein Künstler sein.
    Natürlich gibt es Abgrenzungen, diejenigen Künstler, die Kunst studiert haben bewegen sich in einem anderen Kosmos als diejenigen, die sich autodidaktisch entwickelten. Kunst kann überall stattfinden, nur müssen die Künstler darauf achten, dass man dann ihre Kunstwerke überhaupt als solche wahrnimmt. Wodurch wird den das Künstlerprekariat überhaupt produziert? - Durch die Masse und die immer wieder hervorgeholten Statements für eine von Regeln befreite Kunst. Wo sollen die Gegenentwürfe herkommen, wenn es kein Dagegen gibt?
    Folglich gibt es keine Gegenentwürfe, sondern Klanwirtschaft, wer "reingewunken" wird ist drin, alle anderen sind draußen. Dazu gab es mal einen Altkanzlerspruch. Im Kunstbereich wird um Pfründe gekämpft wie in anderen Wirtschaftsbereichen, nur sind die Künstler so unehrlich oder hintertrieben, dass sie die künstlerische Freiheit wie eine Trophäe vor sich hertragen, hinter den Kulissen aber um Aufmerksamkeit kämpfen. Das Künstler ihre Kunst nicht zur Vermarktung machen ist reine Heuchelei - bei Sponsoren betteln gehen, ist eigentlich noch schlimmer, es ist "die Haut zu Markte tragen".

    "Wird unbezahlte Arbeit Standard"?
    Diesem Prinzip folgen auch Künstler, indem sie dreist versuchen ihre Arbeiten gegen (Werbe-)Texte über ihr Werk zu tauschen. Da sollen die "Artikelschreiber" den ganzen Krempel zu Hause lagern, oder sollen die doch sehen wie sie die Arbeiten in klingende Münze umsetzen.
    Da ist nicht mal der Inhalt wichtig, den lesen sowieso nur wenige, sondern der fett gedrucke akademische Grad des Schreibers und dessen Position im Etablissement. Natürlich handelt der "Künstler" in rein ideeller Absicht - Künstler sind ja nicht marktorientiert.

    Je größer die Toleranz gegenüber dem was als Kunst bezeichnet wird ist, umso unüberwindbarer wird die Falle, in welcher das Künstlerprekariat sitzt.



    Wieso sollte man denn kurzweilige Betätigungen am PC oder vor der Staffelei als Arbeit bezeichnen? Wieso das beknackte Klimpern von Bloggern auf ihren Tastaturen?
    Das alles ist natürlich eine lustige Konsequenz linksalternativer Weltbilder. ich stimme sogar insoweit zu, dass eine Politik, die solche Phänomene für sich kanalisieren und nutzen könnte, die Macht hätte. Das ist intelligent reflektiert!
    Ansonsten haben Blogger und nahezu alle Kunstschaffende Glück, dass sie nicht in der Dritten Welt leben. Dort würden sie ausnahmslos zu denen zählen, die Müllkippen durchwühlen müssen. Aber Bloggen ist genaugenommen ja auch nichts anderes.
    Man ist wirklich ausgebeutet, sitzt am PC in der warmen Stube, trinkt Kaffee und kommuniziert via PC mit plöden KN Usern.
    Ich sollte mir das besser bezahlen lassen, stimmt schon!


    Der zitierte Textausschnitt eine schönes Beispiel zu unreflektierten Meinungen. Digikunst a la Fotoshop hat wenig mit Entstehungsprozessen von Kunst zu tun, nur glauben einige, dass das was hier über den Bildschirm flimmert schon Kunst ist.
    Der Pixellei fehlt ganz schlicht die geistige Reflexion. Digikunst braucht nicht auf Müllkippen entsorgt werden, man schaltet den Kasten ab und weg ist der ungespeicherte Kram. Schön AaronGal, dass du hier mal die warme Stube, den Kaffee und den PC benennst, wie es aussieht aus eigener Praxis.
    Jetzt bitte nicht Wut tanzen :-)
  • oidar
    Schön AaronGal, dass du hier mal die warme Stube, den Kaffee und den PC benennst, wie es aussieht aus eigener Praxis.
    Jetzt bitte nicht Wut tanzen :-)

    "wie es aussieht aus eigener Praxis"
    ist ja wohl kaum zu übersehen :)
  • laGnoraA
    Der zitierte Textausschnitt eine schönes Beispiel zu unreflektierten Meinungen. Digikunst a la Fotoshop hat wenig mit Entstehungsprozessen von Kunst zu tun, nur glauben einige, dass das was hier über den Bildschirm flimmert schon Kunst ist.
    Der Pixellei fehlt ganz schlicht die geistige Reflexion. Digikunst braucht nicht auf Müllkippen entsorgt werden, man schaltet den Kasten ab und weg ist der ungespeicherte Kram. Schön AaronGal, dass du hier mal die warme Stube, den Kaffee und den PC benennst, wie es aussieht aus eigener Praxis.
    Jetzt bitte nicht Wut tanzen

    Ich verstehe diesen Beitrag nicht, was bedeutet er?
  • laGnoraA
    Schön AaronGal, dass du hier mal die warme Stube, den Kaffee und den PC benennst, wie es aussieht aus eigener Praxis.
    Jetzt bitte nicht Wut tanzen :-)
    "wie es aussieht aus eigener Praxis"
    ist ja wohl kaum zu übersehen
    Auch dieser Beitrag ist unverständlich. Ist das jetzt verheimlichenswürdiger Umstand, im warmen Zimmer mit Kaffee vorm Lap-Top zu sitzen?
  • oidar

    Ich verstehe diesen Beitrag nicht, was bedeutet er?

    verständlich. :)
    little hinweis: bezieht sich möglicherweise auf den begriff selbst-reflection
    :)
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