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  • Silberstiftgrundierung (Malgründe)

  • Mo Häusler
    Mo Häusler Silberstiftgrundierung (Malgründe)
    Ich arbeite hin und wieder gerne mit Silberstift und probiere seit einiger Zeit auch mit den passenden Gründen herum.

    Welche Gründe kennt ihr?

    In einem anderen Forum habe ich diese Frage nach den Silberstiftgrundierungen bereits gestellt (vor etlichen Wochen schon... das nenn ich Funkstille *g*), nun sehe ich aber, dass meine Frage wohl hier wesentlich prickelnder untergebracht ist...

    Da schreibfaul, erlaube ich mir einige Passagen einfach hierher zu übernehmen...

    Ich schreib mal meine Rezepte hier rein, vielleicht animiert euch das ja auch zu Experimenten... *g*

    Silberstift braucht ja rauhe Untergründe, damit das Silber sich abreiben kann. Also suchte ich nach "griffigem" Material. Ich verwendete als Untergrund festeres Papier, glattes Aquarellpapier zB.

    Gessogrund (der stinknormale Guardi Gessogrund von Boesner), mit Wasser verdünnt und zweimal überkreuz aufgetragen, ergab einen herrlichen Grund, der die Linien recht dunkel stehen liess. Der Grund neigt nur dazu, etwas körnig zu bleiben, die Pinselstriche des Gesso waren noch etwas sichtbar (wie Holzmaserung),die Linien wirken dadurch manchmal fleckig. Vor allem in flächigeren Übergängen kam es dadurch zu fallweise störenden Ballungen von Silberabrieb.
    Leicht angeschliffene Gründe bzw noch weiter verdünntes Gesso, dünn aufgetragen, brachten da etwas "Erleichterung". Das Gesso splittert nicht, ich konnte ziemlich werken, ehe ich an einer Stelle bis zum Papier durchkam.

    Gouachegrund:
    Da Leimtempera bzw Gouache samtigmatte Oberflächen schafft, war das mein zweiter Ansatz. Gouache aus der Tube mit Wasser gut verdünnt und zweimal ungeschliffen aufgetragen, war ein sehr brauchbarer Grund mit recht gutem Abrieb. Die Linien blieben allerdings weicher, nicht so expressiv dunkel. Gouache bindet nicht ganz so fest ab wie Gesso, also war Vorsicht geboten bei der Stärke des Druck während der Arbeit. Den Grund dicker aufzutragen war keine gute Idee, je dicker die Aufträge, desto spröder der Grund.
    Die fertigen Blätter wirken insgesamt zarter, feinlinearer.

    Dispersionsgrund:
    Schlicht und ergreifend Wandfarbe für Außen! Mit Wasser verdünnt und überkreuz zweimal aufgetragen - nur nicht zu dicke Schichten legen, sonst bricht der Grund eventuell - das war ein feiner Grund. Hält viel Zeichendruck aus, die Linien bleiben zwar in der Schwärze hinter Gesso zurück, stehen aber nichtsdestotrotz sehr fein auf dem Papier.

    Verworfene Ansätze:

    Marmormehl oder Bergkreide in Kleister verrührt:
    Das gab zwar einen griffigen rauhen Grund, der Silberabrieb blieb aber verwischbar.
    Die anderen Gründe lassen zu, mit dem Radierer Linien zurückzunehmen (festere Linien bleiben sichtbar, der Radierer glättet auch den Grund - die korrigierten Linien schwärzen dann nicht mehr so). Doch dass eine Linie sich tatsächlich wolkig abreiben lässt wie ein weicher Bleistift, fand ich erstaunlich. Und störend *g*

    Ich denke, der Kleister bindet die festen Bestandteile nicht fest genug. So ist es dann möglich, die silberbehafteten Partikel der Kreide bzw des Marmors aus dem Verbund zu lösen.
    Ich werde hier noch einen Versuch mit Hautleim wagen, da wird der Grund sicher härter, und ich könnte mir vorstellen, dass die Reste der Vorleimung für meine Leinwände da ganz gute Weiterverwendung finden *g*

    ... ich berichte

    Übrigens: Wer diese Technik versuchen möchte - irgendein Stück 925-Sterlingsilber (ich verwurste manchmal alte Schmuckstücke *g*) genügt schon, um Linien zu ziehen. Klassisch ist ein Stück 0,5 mm oder 1,0 mm echter Silberdraht (nicht der Basteldraht mit Kupferkern... ein Juwelier hilft, die haben manchmal Reststückchen in ihrer Werkstatt!), eingespannt in einen Druckbleistift. Der dünne Draht macht ganz scharfe Linien, gut für sehr exaktes Arbeiten. Mir ist für die meisten Belange der 1 mm - Draht lieber, der lässt heftigeres Arbeiten zu, ohne sich zu verbiegen. Brauche ich zwischendurch scharfe Linien, so "spitze" ich den Draht mit Schleifpapier.
    Natürlich gibt es im Handel auch fertige Silberstifte, deren Dicke auch wesentlich über meinen Angaben liegen... as you like it *g*

    *neugier*
    karana
  • camo
    camo
    Ein Bekannter hat mir mal den Tip gegeben, das Marmormehl mit Primer anzurühren. Habs noch nicht ausprobiert, aber vielleicht gibt der Primer dem Mehl mehr Halt als der Kleister...
    Signatur
  • Mo Häusler
    Mo Häusler
    Oh, Primer - ja, das klingt gut! Der bindet tatsächlich heftig...
    Is´ notiert! *g*

    danke
    karana
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  • Jürgen Stieler
    Jürgen Stieler
    Weißes Pigment (Titanweiß) mit farbigem Pigment tönen, ergibt schöne Gründe. Wehlte schreibt, man solle keine Erdfarben nehmen, habe ich trotzdem gemacht und nix nachteiliges festgestellt. Binden mit Acrylbinder für einen zeitgemäßen Grund.
    Weißes Pigment, evtl abgetönt, dazu weiße Knochenasche, (empfiehlt Cennini), Verhältnis Pigment zu Asche etwa 3:1, mit Leimwasser aus klassischer Rezeptur (plus ein Vollei auf 1 Liter Leimwasser) zur Streichfähigkeit anrühren. Mindestens vier Schichten, bis auf die letzte (oder die letzten 2) werden die Schichten glatt geschliffen. Mit alten Pigmenten und auf altem Papier steht einer meisterhaften Altmeisterfälschung (und dem anschließenden Gerichtsgang) nichts mehr im Wege (die heutigen Analysemethoden entlarven gnadenlos jeden Fälschungsversuch!)
    Zum Silberstift selbst hatte ich hier schon mal geschrieben (ging um Vorzeicnungen)
    Liebe Grüße - Johnny
  • Mo Häusler
    Mo Häusler
    *smile* danke dir, Johnny!
    Yep, die Knochenasche (aus weiss geglühten Hühnerknochen) ist mir im Netz schon mal untergekommen...

    merci
    karana
  • gahi
    Hab mir auch vor kurzem bei boesner einen Silberstift zugelegt (nur 8,35...und noch ne Staffelei gewonnen bei der Gelegenheit) und mich auch über mögliche Grundierungen informiert.
    Das Silber aus dem Stift reagiert mit Schwefel zu Silbbersulfit, so dass die eher blassen Linien im Laufe der Zeit nachdunkeln. Also braucht man in der Grundierung schwefelhaltige Substanzen.
    Es wurde auf das Pigment Lithophone hingewiesen, dass sich z.B. auch im Chinaweiss meines Aquarellkastens fand. Ich habe es nur dünn beschichtet, aber es hat trotzdem ziemlich gut funktioniert.
    Ausserdem war der Hinweis auf Gips - hab ich aber noch nicht ausprobiert.

    Ich hab die Erfahrung gemacht, dass der Untergrund nicht zu rauh sein darf - im Gegenteil. Bisher hat es auf dem glatt poliertem Papier von Kalendern am besten funktioniert...
    Das Experimentieren lohnt sich in jedem Fall...
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