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  • Urheberrecht bei Druckgraphik von einer Vorlage

  • Paco
    Paco Urheberrecht bei Druckgraphik von einer Vorlage
    Wenn ich ein Foto nehme, an dem ich nicht die Urheberrechte habe, dieses 1:1 auf einen Druckstock übertrage, dürfte das doch nicht als eigenständiges Kunstwerk gelten, sondern die Urheberrechte des Fotografen verletzen, oder?
    Wahrscheinlich kommt da auch wieder die Schöpfungshöhe ins Spiel: Sobald ich die Vorlage etwas bearbeite, dürfte die Kunstfreiheit gegenüber dem Urheberrecht größeres Gewicht haben.
    Weiß jemand, ob es dazu Urteile gab oder wie der Punkt, an dem das Urheberrecht gegenüber der Kunstfreiheit die Oberhand bekommt, definiert ist?
    Obwohl, ich glaube, dass das so eine Grauzone ist wie in der Musik mit der Integration von Loops und plagiierten Melodien (s. Blurred Lines etc.) und sich dann ggf. irgendwann ein Anwalt zu Wort meldet, um das zu klären ...

    Kann mir BITTE diesmal jemand helfen? - ihr habt schließlich was gutzumachen. Eure Hilfe bei meinem Original-Tusche-Brandgemälde von Franz Marc war gelinde gesagt ziemlich Scheiße ...

    Paco
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  • Flush
  • Paco
    Paco Urheberrecht und Originalitätsbegriff
    Danke, Annette, für die Links, aber bleiben wir doch mal konkret (da du ja auch Graphiken machst, dürften diese Punkte auch für dich von Interesse sein):
    Fall 1: Ich nehme ein Foto von Seite 1 der BILD-Zeitung von Angela Merkel mit Macron händchenhaltend, übertrage es in toto per Pauspapier (manuell) oder per Fotoätzung (fotochemisch) auf einen Druckstock und gebe es als Original-Graphik aus.
    Fall 2: Ich beschneide das Foto derart, dass nur noch das Gesicht von Merkel übrigbleibt, mache daraus einen farbigen Siebdruck à la Warhol mit eigener Farbgebung (unabhängig vom Original).
    Müsste ich in beiden Fällen den Fotografen gemäß § 23 UrhG um Erlaubnis bitten (und ihm vielleicht sogar für die Nutzung was zahlen)?
    Zu § 3 des UrhG: Schützenswert ist (wenn man die doppelte Negation entwirrt), eine "wesentliche Bearbeitung" des ursprünglichen Kunstwerks. Es wird aber nirgendwo aufgeführt, was wesentlich bedeutet, oder? Und merkwürdigerweise bezieht sich dieser Passus auch nur auf die Musik. Sind Graphiken und Erzeugnisse der bildenden Kunst anders geregelt?
    Wäre es schon eine "wesentliche Bearbeitung", ein Foto wie in Fall 1 in die Sprache der Druckgraphik zu übertragen, wäre also ein Druck von der Platte per se (durch die Drucktechnik für sich genommen) eine wesentliche Bearbeitung gegenüber einem Foto?

    Und zum Originalitätsbegriff: Kann man die Graphik in Fall 1 überhaupt als Original-Graphik bezeichnen? Die Def. von Karl Graak lautet (Quelle: Wikipedia): „Bei einer Druckgrafik handelt es sich dann um ein Original, wenn sie die einzig verbindliche Realisierung einer auf die angewandte Technik gerichteten künstlerischen Konzeption ist, wenn das Werk also nicht noch einmal in einer anderen Technik existieren kann.“ Demgemäß dürfte sie ja nicht als Original-Graphik gelten, weil es schon in der künstlerischen Technik Fotografie existiert, zumindest in Fall 1.
    Das gleiche Problem habe ich z.B. auch mit den vielen fotorealistischen s/w-Graphiken von Ph. H. etc., auch bei einigen Graphiken hier auf der Plattform, wo man auf einen Blick eine Foto-Vorlage ausmachen kann und die eben nicht Warhol-mäßig oder anderweitig überarbeitet wurden, sondern genauso wie ein s/w-Foto aussehen.

    Wo ist siku eigentlich? Die hat mich schon bei der fachkundigen Einordnung meines Original-Tusche-Brandgemäldes am langen Arm verhungern lassen ...
  • siku
    @Paco

    Wo ist siku eigentlich? Die hat mich schon bei der fachkundigen Einordnung meines Original-Tusche-Brandgemäldes am langen Arm verhungern lassen ...


    ach wo, ich habe dich nicht "hängen lassen", ich hatte dir doch Rot gegönnt. Hast du die Tuschzeicnung nach Fertigstellung in Flammen aufgehen lassen?

    wie bist du denn drauf? :-)
    Deine Fragen hast du mit Fall 1 und 2 doch schon selbst beantwortet.
    Zu dem Originalitätsbegriff: mich erinnern deine gut gemachten Linolschnitte an 1912 so kurz vor dem ersten Weltkrieg. Wenn dir die Vorlage nicht nachzuweisen ist, dann wird es wohl ein künstlerischer Anteil von dir sein - also Original. Ich denke mal Mondrian wird dich nicht wegen Verletzung des Urheberrechts verklagen, falls ihr euch eines Tages in einer anderen Phäre treffen solltet.

    Wäre doch auch mal ein Thema wert: "kennt jemand von euch die Vorlage von der ich (der Künstler) abgemalt habe?" - oder so ähnlich
  • Paco
    Paco
    Na, siku, geht doch. Dass man bei dir immer erst Druck machen muss ...

    Meinst du mit "Tuschzeichnung" mein Franz Marc-Tusche-Brandgemälde? Warum sollte ich das verbrennen? Will davon ja noch in Urlaub fahren ...
    Hat übrigens einiges an Mühe gekostet, die Anfrage ungefähr im KN-Stil erscheinen zu lassen: Mehrere Fotos im Halbdunkel (Licht dazu runterdimmen) schießen, davon das unschärfste nehmen, das Bild nur zu etwa 2/3 im Bild belassen (dabei nicht frontal aufnehmen, sondern schräg) und mind. 1/3 die Umgebung, dann unbedingt eine I-Dötzchen-Schriftprobe und schließlich die Sprache: Halb anbiedernd-kumpelhaft, halb naiv, halb unverschämt-fordernd.
    Aber wem sag ich das: Ist ja hier nur Perlen vor die Säue ...

    Themawechsel:
    Also siehst du das ähnlich wie ich, dass eine Graphik vom Merkel-Foto, wie im 1. Fall beschrieben, nicht das Prädikat Original-Graphik verdient hätte?
    Meine Fragen dazu zielten nicht auf meine eigenen Sachen, sondern auf Fälle wie dem genannten, dass jemand ein Merkel-Foto aus einer Zeitung nimmt und in die Graphik überträgt.
    Aufhänger war für mich ein Anleitung zu Druckgraphiken, wo der Autor, ein englischer Künstler, genauso vorging, indem er Graphiken in fast allen traditionellen Techniken rein reproduktiv auf die versch. Druckformen übertrug: Fotolithographie, Fotoradierung, Fotosiebdruck.
    Und was sagst du zur Druckgraphik dieser ganzen fotorealistischen Graphiker wie Ph. H.? Die haben großes Renommee und große Ausstellungen, wo ich mich trotzdem frage, was der Eigenwert der Graphiken gegenüber der Foto-Vorlage sein soll.

    Will hoffen, dass du dich diesmal nicht wieder etliche Male bitten lässt ...
  • Paco
    Paco Der Klügere gibt nach
    Also gut, ich gebe mich geschlagen:
    Hättest du ... würdest, ich mein, könntest du ... liebenswürdigerweise und so ...
    Reicht das? Ist ja echt nervig mit dir ...
  • siku
    @ paco "Reicht das? Ist ja echt nervig mit dir ..."

    diese Aussage reiche ich an dich zurück. Wenn du Antworten erwartest, warum lässt du den Antwortbutton nicht zu?
    Also die Grafiken des von dir genannten Künstlers finde ich gut. "Fotorealistisch" sind die nur oberflächlich betrachtet. Überhaupt: Eine Druckgrafik von einem Foto hat nie die gleiche Aussage wie das Originalfoto, das liegt schon allein an der Technik.
    Wozu braucht man heute noch "Reproduktionsgrafik", die zeitgemäße Vervielfältigung ist das Foto. Reproduktionsgrafik war zu Zeiten von Rubens sinnvoll, als es noch keine Fotografie gab.

    Übrigens bin ich kein Grafikkenner. Frag mal nett bei Xylo an, das ist die kompetentere Adresse.
    Mein Spezialgebiet sind die Pinselquäler.
    bleib locker!

    P.S. zu deinem Beispiel prominentes Gesicht, wenn ein Grafiker als Motiv Fotos bestimmter Personen (z.B. Prominente) verwendet und vermarktet, dann braucht er m.E. deren Einwilligung. und die des Fotografen.
  • Gurus
    Gurus
    oh gott xylo soll er auch noch fragen. dann frag lieber garnicht
  • Gurus
    Gurus
    na ist doch war: deren klugscheißerei + humorlosigkeit + arroganz ist schon ne explosive mischung. also ich könnt so nicht
  • Paco
    Paco
    Antwortbutton zulassen? Ganz ehrlich: Ich hab überhaupt keine Ahnung, wie das geht, ebenso wie Schieben oder rote Punkte vergeben. Ich weiß weder, wie man das macht, noch wozu das alles gut sein soll - ist mir ehrlich gesagt auch egal. Habe sowieso nicht vor, hier regelmäßig zu posten.

    Deine Einschätzungen sind für mich - vorab vielen Dank für deine Mühen! - schwer einzuordnen und tlw. widersprüchlich: Du sagst, dass du die Graphiken des Künstlers Ph. H. gut finden würdest und seine Arbeit nur oberflächlich fotorealistisch sei. Was ist sie denn darüberhinaus? Weihe mich gernde in die Tiefen der Bildaussage ein ...
    Beispielsweise die Graphik mit dem fotorealistischen Gewirr von Computer-Kabeln. Sieht für mich 100%ig wie ein kontrastärmeres s/w-Foto aus und die tieferliegende Aussage? "Ich komm mit meiner Graphik fast an das Foto ran", oder was noch? Was mehr als das Ursprungsfoto kann dir die Graphik in diesem Fall vermitteln?

    Dann sagst du, dass eine fototechnisch erzeugte Graphik qua Technik schon einen Eigenwert besäße, später aber, dass man dafür die Einwilligung des Fotografen bräuchte, was ja darauf hindeutet, dass der Eigenwert der Graphik derart niedrig ist, dass sie die Rechte des Fotografen verletzt und stellst schließlich den Sinn (wie ich auch) von Reproduktionsgraphik in Frage, was ja hieße, dass solche Graphiken keinen Eigenwert besäßen ...

    Dass du meine kleinen augenzwinkernden Frotzeleien so ernst genommen hast, tut mir übrigens wirklich leid. Ich dachte, es wäre klar, wie es gemeint war ...
  • siku
    @Paco


    Dann sagst du, dass eine fototechnisch erzeugte Graphik qua Technik schon einen Eigenwert besäße, später aber, dass man dafür die Einwilligung des Fotografen bräuchte, was ja darauf hindeutet, dass der Eigenwert der Graphik derart niedrig ist, dass sie die Rechte des Fotografen verletzt und stellst schließlich den Sinn (wie ich auch) von Reproduktionsgraphik in Frage, was ja hieße, dass solche Graphiken keinen Eigenwert besäßen ...
    jetzt wirst du ungenau! Erst lesen dann antworten.

    Dass du meine kleinen augenzwinkernden Frotzeleien so ernst genommen hast, tut mir übrigens wirklich leid. Ich dachte, es wäre klar, wie es gemeint war ...


    Jaja, selbst "frotzeln", aber die Ironie anderer nicht verstehen können ;-) .
    Tschüß


  • Paco
    Paco Hat was vom klassichen Pudding-an-die-Wand-nageln
    siku, nimm es mir nicht übel, aber deine Beiträge finde ich wenig hilfreich:
    Du wirfst immer einige unkonkrete, bisweilen wohlklingende Formulierungen in den Raum (oft ohne Bezug auf die zur Diskussion stehenden Punkte) und windest dich dann raus, wenn man daraufhin eine Konkretisierung von dir haben möchte. So bleibt der Eindruck, dass das einfach nur Nebelkerzen von dir sind.
    Und das mit der Ironie finde ich ehrlich gesagt auch erstaunlich: Als Kunsthistorikerin sollte man doch einigermaßen ironiefähig sein, allein um die ganze Postmoderne verstehen zu können - aber ist ja auch nicht mein Problem ...
    Trotzdem dank ich dir für deine Rückmeldungen.
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  • Flush
    Flush
    @siku
    @ paco "Reicht das? Ist ja echt nervig mit dir ..."
    P.S. zu deinem Beispiel prominentes Gesicht, wenn ein Grafiker als Motiv Fotos bestimmter Personen (z.B. Prominente) verwendet und vermarktet, dann braucht er m.E. deren Einwilligung. und die des Fotografen.


    So wie ich §23 UrhG verstehe nicht unbedingt, wie immer aber ein Gesetz mit Einschränkung. Es kann dann durchaus möglich sein, dass nur die Einwilligung des Fotografen benötigt wird.

  • Flush
    Flush Sorry Bildungslücke...
    @Paco ...aber Karl Graak sagt mir nichts und das Einzige, was ich über ihn in den weiten finden konnte, war, dass er etwas mit Spielkarten und Poesiealben zu tun hatte.Seine Aussage finde ich auch etwas eng gefast, insbesondere die Aussage, wenn das Werk nicht noch einmal in einer anderen Technik existieren kann, wenn man das auf heutige Möglichkeiten betrachtet, wären viele Kunstwerke keine Originale, man könnte z. B. ein Kunstwerk in ein Foto umzusetzen oder heute evtl. sogar mit einem 3D Printer ausdrucken, daher gehe ich lieber mit dieser Beschreibung einer original Grafik(🔗 ):"
    Künstlerische Druckgraphik zeichnet sich durch ihre aus dem Gestaltungswillen eines Künstlers gewonnene Originalität aus. Im strengen Sinne ist eine Arbeit dann eine Originalgraphik, wenn sie "vom Künstler selbst entworfen und ausgeführt wurde. Dazu gehören Entwurf und Anfertigung [der Druckplatte], die Überwachung des Drucks (meist Handabzug) und die Signierung." (Klein S. 131)
    Der Begriff "Originalgraphik" bezieht sich, wie man sieht, auf eine grundlegende Eigenschaft des Kunstwerkes: die des Echten, Originären. Ein Künstler hat das Kunstwerk "eigenhändig von der Idee bis zur fertigen Realisierung geschaffen, es entstammt also (lat. origo = Ursprung, Herkunft) nur ihm; es ist nicht Kopie, nicht Plagiat, kann aber sehr wohl Replik, d.h. eigenhändige Wiederholung sein. Nicht das Einzigartige also, nicht die Zahl, sondern die Authentizität entscheidet." (Koschatzky S. 25)
    Sinn und Wert eines druckgraphischen Originalwerkes liegen dennoch außerhalb der Möglichkeit seiner Vervielfältigung. Ein Künstler kann sich für die Herstellung einer Originalgraphik entscheiden, wenn er die Gestaltung eines Bildes mit einem bestimmten Druckverfahren untrennbar verbunden sieht. In diesem Falle ist "die Darstellung für eben dieses Druckverfahren geplant, in dem entsprechenden Material gearbeitet und wird erst im Druck voll sichtbar. Eine solche Graphik würde auch sinnvoll sein, wenn die Möglichkeit der Vervielfältigung nach dem ersten Abzug nicht bestünde." (Zitat von Erich Brauer bei Koschatzky S. 36) Ganz innerhalb dieser Definition liegen sogenannte Monotypien, die nur in Auflage von einem einzigen Exemplar gedruckt werden."

    Was bedeutet das in Bezug auf fotorealistische Drucke, für mich heißt dies, eine original Grafik kann durchaus von einem Foto stammen, solange das Foto vom Künstler selbst stammt. Es würde für mich dann zur eigenen Idee bzw. Entwurf gehören. Dies ist für mich aber auch die Fragestellung beim Fotorealismus allgemein, kopiere ich das Werk eines anderen oder ist es mein eigenes. Aufgrund der heutigen Gesetzeslage kann ich mir denken, dass ein Warhol durchaus Probleme mit dem UrhG bekommen könnte, dies beruht allerdings nur auf meiner eigenen Einschätzung bin keine Fachanwältin,da Fotos ja per se urheberrechtlich geschützt sind.

  • Paco
    Paco
    Hallo Annette,

    ist etwas ausführlicher geworden, da mich die Frage selbst z.Z. beschäftigt:

    Die Definition von Graak ist nicht eng gefasst, sondern im Gegenteil rel. weit gegenüber der traditionellen Def., dass ein Künstler von der Idee bis zur fertigen Graphik alles eigenhändig verantwortet haben sollte.
    Ich glaube, dass sich das mit der "anderen Technik" bei Graak auf die alten Formschneider bezieht, die berühmte Gemälde einfach reproduktiv in Kupfer oder Holz nachgestochen haben. In dem Fall ist es ja einsichtig, dass die künstlerische Leistung beim Ölmaler und nicht dem Kupferstecher lag (deshalb ja auch immer die beiden "inv."- und "sculp."-Angaben).
    Das ist für mich vergleichbar mit dem Foto, das einfach auf die Graphik transferiert wird - unabhängig davon, von wem das Foto stammt, ob vom Künstler selbst oder von jemand Anderem. Die Idee des Künstlers ist ja schon in der künstler. Technik des Fotos verwirklicht und dann einfach auf eine andere Technik übertragen worden, ähnlich wie das Gemälde auf dem Stich.
    Ansonsten könnte man die künstlerische Idee des Fotos, sobald dies technisch ginge, gleich noch im 3D-Drucker als Plastik (womöglich gleich in Bronze) ausdrucken. Wahrscheinlich stehen da schon etliche Künstler wie Koons in den Startlöchern.
    Genau das gleiche Problem habe ich übrigens mit dem Fotorealismus in der Malerei, wo sich Künstler die Vorlage mit Diaprojektor auf die Leinwand warfen und möglichst orginalgetreu nachmalten.

    Die von dir zitierte Def. von der Galerie B. bzw. Klein ist auch rel. streng und antiquiert, da viele O-Graphiken in Büchern oft nicht signiert sind. Und die von Koschatzky noch strenger, da auch die handwerklichen Arbeiten (Schnitzen des Druckstocks und Drucken der Graphiken) vom Künstler eigenhändig vorzunehmen wären. Danach wären die Holzschnitte Dürers keine Originale, da von Handwerkern geschnitzt.
    Der Originalitätsbegriff ist heute maximal erweitert, wo Immendorff seine Gemälde von seinen Assistenten (nach seinen Anweisungen) malen ließ, überhaupt Duchamps mit seinem Urinal etc.
    Das einzige, was für mich persönlich zählt, ist die Idee, alles Handwerkliche könnten von mir aus auch Handwerker übernehmen. Aber wenn diese Idee schon im Foto verwirklicht ist, ist für meine Begriffe der Minimalanspruch an ein Original unterschritten.
    Obwohl, wäre es nicht vergleichbar, wenn man eine fertige Zeichnung in der Graphik realisiert, da ja auch hier die Graphik in einer anderen künstler. Technik, der Zeichnung vorliegt? Schwierig ...
    Ich glaube, der entscheidende Unterschied ist, dass man bei der Vorzeichnung schon gemäß der Graphik-Logik arbeitet, während es beim Foto umgekehrt ist, dass man der Graphik die Foto-Logik aufdrängt. Das ist es wohl, was mich daran stört, dass die endgültige Graphik wie ein schlechteres, kontrastarmes s/w-Foto aussieht und die Eigenheiten der Druckgraphik zugunsten einer Foto-Ästhetik aufgegeben werden.

    Ich glaube nicht, dass Warhol heute Schwierigkeiten hätte, da er ja die Fotos im Gegensatz zu vielen anderen Künstlern noch bearbeitet hat mit einer eigenwilligen pop-art-typischen Farbgebung.
    Meine Frage zielte ja auf ein Foto, das 1:1 aus einer Zeitung o.ä. ohne weitere Bearbeitung stumpf auf einen Druckstock (als Fotolithographie, Fotoradierung o.ä.) übertragen wird.
    siku meinte ja, dass alleine die Drucktechnik per se als eigenständige Leistung gegenüber dem Foto zu gelten habe, was ich bestreiten würde - danach hat sie sich m.E. selbst widersprochen und leider ihren Standpunkt nicht weiter begründet, als es spannend hätte werden können.
    Auch ihren Ausspruch ""Fotorealistisch" sind die nur oberflächlich betrachtet." hätte ich gerne noch diskutiert - was sollte es bei diesen fotorealistischen Graphiken noch geben außer den hübschen Foto-Oberfläche? Ja gut, die Aussage des Fotos, aber das war´s dann auch.
    Ehrlich gesagt glaube ich, dass keiner auf dem Kunstmarkt so recht weiß, was an diesen Foto-Graphiken so toll ist und alle sich nur gegenseitig schwammig versichern, dass die eine wahnsinnige Tiefe hätten, die nicht jeder verstehen könne (nur um die angebliche Tiefe dann selbst nicht erklären zu können) ...
    Außerdem habe ich den Verdacht, dass diese Foto-Graphiken so beliebt sind, weil sie auch für Lieschen Müller greifbar sind: Wo der Graphiker ein paar Wochen an dem Druckstock geschnitzt hat, da kommt Kunst noch von Können, und man kann sein Qualitätsurteil direkt über die gute Handwerkskunst (je näher am Foto, je mehr Grautöne, desto besser die Qualität) im Bild nachvolllziehen.

    Ich glaube aber, dass das ein Irrweg ist, genau wie die Formschneider mit irrem Aufwand vergeblich versuchten, den Kupferstich zu imitieren, so ist auch der Versuch, ein Foto nachzuahmen zum Scheitern verurteilt - beides gutes Handwerk, mehr nicht - Punkt und Ende.
  • Flush
    Flush Sorry manche Gedanken lassen sich nicht kurz fassen
    @Paco das wichtige Wort für mich ist; im strengen Sinne, was nicht heißt, dass es ausschließlich so sein muss. Wenn Graak sagt, dass es sich nur um die einzige verbindliche Realisierung handelt nicht übertragbar in eine andere Form so lässt er außer Betracht, dass es häufig schon eine verbindliche Form gibt, insbesondere für den Hochdruck, hier wird häufig eine Zeichnung erstellt, die meist dann auch noch 1 zu 1 auf die Platte kopiert wird, diese Zeichnungen ist oft auch noch koloriert so das vor ab schon ein Bild entstanden ist, nach Graak wäre daher kein Hochdruck ein original Druck, den er existiert schon in einer anderen Technik, wenn aber es darum geht, dass die Zeichnung der Entwurf ist, so kann auch das Foto der Entwurf für die Grafik sein. Ich gehe jetzt noch mal einen Schritt weiter, wenn nichts original ist, was schon in anderer Form vorliegt, so könnte man sagen, das viele Kunstwerke nicht original sind den sie liegen oft als Zeichnung vor und die Zeichnung ist eine Technik der Kunst um es mal provokant zu sagen wir haben eine Zeichnung, die dann z. B. nur noch ausgemalt wird, somit wäre das eigentliche original die Zeichnung oder aber ist die Zeichnung nur die Skizze, dann kann ein Foto, ein PC-Bild etc. aber genauso nur die Skizze für ein Bild sein. Wenn nicht, dann hieße, dass eine Idee dürfte nicht mehr in ein andere Form gefasst werden, sondern müsste sofort z. B. als Gemälde umgesetzt werden.

    Zum erwähnten Bild in s/w kann ich nichts sagen, da ich es nicht kenne. Ich kann versuchen anhand der Druckgrafik von Franz Gertsch zu erklären, warum die Druckgrafik etwas Eigenständiges ist. Gertsch gilt als Fotorealist. Er fotografiert die Landschaft und überträgt sie dann in einen Holzschnitt. Im ersten Eindruck wirkt es wie ein sehr grobkörniges Foto, bei genauerem hinschauen sieht man die Struktur des Holzes und auch das dünne Japanpier gibt dem Bild einen eigenen Charakter. So wirkt die Grafik augenscheinlich, wie ein Foto hat aber dann doch eine eigene künstlerische Sprache aufgrund der Technik und Materialien. Leider geht diese auf Bildern und im Netz verloren.

    Zu Dürrer: Wüste gerne woher die Information Dürrer habe schneiden lassen stammt, da ich habe gelernt, dass Dürrer selbst geschnitten hat, zum mal er erst um 1515 einen professionellen Formschneider in seiner Werkstatt hatte.

    Zu Warhol: Richtig er hat die Vorlage in Farben getaucht aber das eigentliche Motiv z.b.Marilyn Monroe und das dazugehörige Foto ist deutlich erkennbar, so liegt hier nach heutigem Stand des UrhG nur eine Bearbeitung vor.
  • Paco
    Paco Koons und die Hunde
    Ich glaube wie gesagt, dass Graak sich eher auf so krasse Fälle wie mit den Formschneidern von Ölgemälden bezog. Das Problem mit der Originalität bei Vorzeichnungen für Druckstöcke ist ja auch ein alter Hut: Im engeren Sinne wird nur die Zeichnung als Original gewertet und die spätere Graphik als reine Reproduktion der Vorzeichnung. Deshalb wird ja auch in älteren Fachbüchern nahegelegt, direkt auf die Platte zu zeichnen und zum anderen, dass man alle Vorzeichnungen zu dem Druckstock vernichten sollte.
    Aber diese strenge Auslegung kann heutzutage, wo praktisch alles geht, kaum noch aufrechterhalten werden.
    Interessant finde ich dann deine Einschätzung zu den Fotorealisten wie Gertsch: Du hast es als positiv eingestuft, dass dessen Graphik wie ein grobkörniges Foto wirkt und die Maserung zu sehen ist.
    Ich persönlich würde es in diesen Fällen besser finden, wenn die Graphiken noch viel grobkörniger wirken würden und die Maserung noch mehr zu sehen wäre bis zu dem Punkt, an dem es sich deutlich von dem Foto entfernt hat und sich vielleicht in abstraktere, eigenständigere Bereiche vorwagt.
    Stattdessen scheinen mir aber vom Markt die fotorealistischen Graphiken goutiert zu werden, die möglichst nah an das Ursprungsfoto herankommen. Dementsprechend ist für meine Begriffe Chuck Close z.B. weltberühmt geworden, weil seine Gemälde täuschend echt aussehen. Wären sie nicht so perfekt, würde er als schlechterer Künstler angesehen werden.

    Bin zum Urheberrecht im Zusammenhang mit dem Thema Foto-Vorlage und Kunst auf diese Seite von Jeff Koons gestoßen:
    https://cpyrightvisualarts.wordpress.com/2011/12/20/jeff-koons-vs-andrea-blanch/
    Oben die beiden Fotos mit den Hunden sind aus dem Prozess, den Koons verloren, unten mit den Schuhen aus dem Prozess, den er gewonnen hat. Wahrscheinlich hätte ich auch so entschieden, obwohl oben die Hunde auch so typisch Koons-mäßig trivialisiert sind. Und dann hat der der Sicherhalt halber dem Paar auch noch ein paar Blumen ins Haar gesteckt - war wohl zu durchsichtig ...
    Witzig fand ich auch, dass Koons jemanden verklagt hat, der auch so Kitsch-Hunde aus Luftballons erstellt hat. Was wär das: Ein Plagiat eines plagierten Plagiats?
    Bin froh, dass ich kein Jurist bin, der sowas entscheiden müsste ...
  • Flush
    Flush Wen Graak gemeint haben könnte
    @Paco kann ich nicht sagen dazu ist mir der eine Satz zu wenig und wie ich schon sagte weiß und finde ich nichts zur Person.
    Ja das mit der Vorzeichnung/Zeichnung ist schon ein Dilemma. Da stellt sich mir die Frage, wenn Franz Gertsch seine 220x157 cm große Holzplatte in die Walachei tragen und sie dort bearbeiten würde. Der Druck immer noch realistisch, wie ein grobkörniges Foto wäre und seine Maserung eben so ist, wie sie ist. Der einzige Unterschied wäre das der Entwurf die reale Natur wäre und nicht das Foto. Wäre es dann anders oder ist es viel mehr die Frage, wie realistisch darf eine original Grafik sein? Sind die Grafiken von Anselm Kiefer trotz Realismus originärer als die von Gertsch oder die von Frank Auerbach, weil er seine Druckplatte direkt vor dem Model im Atelier bearbeitet hat?
    Ich mache jetzt mal einen Ausflug in die Zeichnung. Tacita Dean arbeitet mit Zeitungsbildern, die sie fotorealistisch sehr groß umsetzt. Die Bildidee stammt in der Tat von jemanden Anderen und es geht hier dann nach meiner Meinung nicht mehr um die Bildidee, sondern eher um eine konzeptionelle in, sofern ist aus meiner Sicht nicht mehr das Endprodukt (Bild) das Originäre, sondern das Konzept dahinter. Ist ja bei Jeff Koons nicht anders. Ja Jurist möchte ich auch nicht sein und entscheiden müssen wobei ich bei dem genannten Beispiel die Entscheidung gut nachvollziehen kann.
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