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  • Was reimt ihr so?

  • Paco
    Paco Was reimt ihr so?
    Hier ist die Akademie für Reimerei, Heimstatt für alle Schüttel- und sonstigen Reimer.
    Ich denke, dass das ein guter Kompromiss wäre, da man als Nicht-Reimer diesen Thread nicht verfolgen muss und insofern dann auch nicht von den Versen angesprungen wird.
  • Paco
    Paco Ich mach mal den Anfang ...
    Rainer Maria Rilke: Ich fürchte mich so vor der Menschen Wort (1899)

    Ich fürchte mich so vor der Menschen Wort.
    Sie sprechen alles so deutlich aus:
    Und dieses heißt Hund und jenes heißt Haus,
    und hier ist Beginn und das Ende ist dort.

    Mich bangt auch ihr Sinn, ihr Spiel mit dem Spott,
    sie wissen alles, was wird und war;
    kein Berg ist ihnen mehr wunderbar;
    ihr Garten und Gut grenzt grade an Gott.

    Ich will immer warnen und wehren: Bleibt fern.
    Die Dinge singen hör ich so gern.
    Ihr rührt sie an: sie sind starr und stumm.
    Ihr bringt mir alle die Dinge um.
  • Vaga
    Vaga Ich bleib' mal kurz bei Rainer Maria Rilke und einem meiner Lieblingsgedichte von ihm:
    Rainer Maria Rilke: Alles ist eins

    Einmal, am Rande des Hains,
    stehn wir einsam beisammen
    und sind festlich, wie Flammen
    fühlen: Alles ist Eins.

    Halten uns fest umfasst;
    werden im lauschenden Lande
    durch die weichen Gewande
    wachsen wie Ast an Ast.

    Wiegt ein erwachender Hauch
    die Dolden des Oleanders:
    sieh, wir sind nicht mehr anders,
    und wir wiegen uns auch.

    Meine Seele spürt,
    dass wir am Tore tasten.
    Und sie fragt dich im Rasten:
    Hast Du mich hergeführt?

    Und du lächelst darauf
    so herrlich und heiter
    und: bald wandern wir weiter:
    Tore gehn auf..

    Und wir sind nichtmehr zag,
    unser Weg wird kein Weh sein,
    wird eine lange Allee sein
    aus dem vergangenen Tag.


    Aus: Dir zur Feier (1897/98)
  • Guru
    Guru
    Uluru
    Guru
    Guru log
    war nie da
  • Paco
    Paco
    Wie sieht das urheberrechtlich aus: Gedichte kann man hier problemlos zitieren, wenn der Autor schon 70 Jahre tot ist, oder?
    Ich werd mal nach und nach hier ein paar expressionistische anfügen - ich finde, dass die immer noch sehr gut in unsere Zeit passen - das bekannteste zuerst:

    Jakob van Hoddis: Weltende (1911)

    Dem Bürger fliegt vom spitzen Kopf der Hut,
    In allen Lüften hallt es wie Geschrei.
    Dachdecker stürzen ab und gehn entzwei
    Und an den Küsten – liest man – steigt die Flut.

    Der Sturm ist da, die wilden Meere hupfen
    An Land, um dicke Dämme zu zerdrücken.
    Die meisten Menschen haben einen Schnupfen.
    Die Eisenbahnen fallen von den Brücken.
  • Vaga
    Vaga Selbst gereimt (oder ungereimt), ist halb gewonnen - zumindest was die Urheberrechte anbetrifft.
    Monika Brandenstein (Vaga): Nachempfinden (Dez. 2020)

    Zurückgedacht berührt das viele Ungesagte
    so auch die Mutter mal zu fragen
    was sie fühlt und Vater an schweren Tagen
    Bilder aus dem Kopf zu jagen
    die er in sich trug

    Lug war bei uns nicht an der Tagesordnung
    aber das Immerfort an Worten
    die auf der Zunge blieben

    manchmal verriet ein Lied dem Kind
    was Mutter dachte oder ein leises Summen
    das über ihre Lippen kam
    kein Wort sollte ein andres nach sich ziehen
    das schwerer wog als das davor

    in vielen Winternächten gab es Sturm ums Haus
    und meine Angst
    er könne durch die Fenster nach innen dringen

    einmal schlug fast ein Zweig der alten Linde
    vor meinem Zimmer
    eine Scheibe ein und als ich weinte
    fehlte mir ein Trost
    den ich auch sprachlos hätte fühlen können.
  • Paco
    Paco
    @Vaga Schönes Gedicht. Kann man sich gut vorstellen, wie Klein-Vaga mit großen Augen im kleinen Bettchen sitzt und lauscht und lauscht ...
  • Paco
    Paco
    Paul Boldt: Der Turmsteiger (1914)

    Er fühlte plötzlich, daß es nach ihm griff,
    — Die Erde war es und der Himmel oben,
    An dem die Dohlen hingen und die Winde hoben —
    Und fühlte, wie es ihn nun auch umpfiff.

    Ihn schauderte. Er sah das Meer, er sah ein Schiff,
    Das gelbe Wellen schaukelten und schoben
    Und sah die Wellen, Wellen — Wellen woben
    An seinem unvollendeten Begriff.

    Ein Wasserspeier sprang ihn an und bellte.
    Er zitterte und faßte die Fiale,
    Die knarrend brach; — versteinert aber schnellte

    Ein Teufel Witze auf die Kathedrale; —
    Er hörte hin — ein höllisches Finale:
    Er stürzte, fiel! Sein Schrei trieb hoch und gellte.

    Erinnert mich ein bisschen an das Gemälde von Conrad Felixmüller, Der Tod des Dichters Walter Rheiner (1925), auf dem sich der schwer drogenabhängige Dichter aus dem Fenster des Hochhauses stürzt:
    https://i.pinimg.com/originals/39/84/ed/3984ed2920b2dc1314b8291b95d9f27d.jpg
  • Guru
    Guru
    3 weisse Tauben

    Guru guru guru
    guru guru guru
    guru guru guru guru guru
    Guru guru guru
    guru guru guru
    guru guru guru

    Drei weiße Tauben auf unserem Dach.
    Drei weiße Tauben, die halten mich wach.
    Drei weiße Tauben, die machen Guru.
    Drei weiße Tauben, die scheißen mich zu.

    Guru guru guru
    guru guru guru
    guru guru guru

    Drei weiße Tauben, auf unserem Dach.
    Drei weiße Tauben, die machen mich schwach.
    Drei weiße Tauben und ein Gewehr.
    Drei weiße Tauben, die scheißen nie mehr.

    Guru guru guru
    guru guru guru
    guru guru guru

    Guru guru, guru guru
    Guru guru, guru guru
    Drei weiße Tauben,
    die mussten dran glauben.
    Guru guru, guru guru
    Guru guru, guru guru
    Und über allen
    Dächern ist Ruh.

    Guru guru guru
    Guru guru guru
    Guru guru guru guru guru
    Guru guru guru
    Guru guru guru
    guru guru guru

    Drei weiße Tauben, sie flogen so hoch.
    Drei weiße Tauben, jetzt hab'n sie ein Loch.
    Drei weiße Tauben, sie liegen im Grab.
    Es wird keiner glauben, sie geh'n mir nicht ab.

    Guru guru guru
    guru guru guru
    guru guru guru

    Guru guru, guru guru
    Guru guru, guru guru
    Drei weiße Tauben,
    die mussten dran glauben.
    Guru guru, guru guru
    Guru guru, guru guru
    Und über allen
    Dächern ist Ruh.

    Guru guru, guru guru
    guru guru, guru guru
    Drei weiße Tauben,
    die mussten dran glauben.
    Guru guru, guru guru
    Guru guru, guru guru
    Und über allen
    Dächern ist Ruh.

    Text: Thomas Spitzer, EAV
  • Paco
    Paco
    @Guru O.K. Guru, du scheinst keine Gedichte zu mögen - is jetzt spätestens nach deinem zweiten Beitrag überdeutlich geworden. Man MUSS sich hier auch nicht einbringen.
  • Guru
    Guru
    @Paco
    habe vor einigen Jährchen (handschriftlich in vordigitaler Zeit) etliches gedichtet, finde das Material leider nicht mehr.
  • Paco
    Paco
    @Guru Oha, dann hab ich das wohl falsch interpretiert. Ich meinte, aus diesen Guru-guru-guru-Zeilen eine gewissen Aggressivität rauszuhören. Dann nehm ich alles züruck ...
  • Guru
    Guru
    ...hab den "Texter" noch hinzugefügt ;-)
  • Vaga
    Vaga
    @Guru
    3 weisse Tauben

    Guru guru guru
    guru guru guru
    guru guru guru guru guru
    Guru guru guru
    guru guru guru
    guru guru guru

    Drei weiße Tauben auf unserem Dach.
    Drei weiße Tauben, die halten mich wach.
    Drei weiße Tauben, die machen Guru.
    Drei weiße Tauben, die scheißen mich zu.

    Guru guru guru
    guru guru guru
    guru guru guru

    Drei weiße Tauben, auf unserem Dach.
    Drei weiße Tauben, die machen mich schwach.
    Drei weiße Tauben und ein Gewehr.
    Drei weiße Tauben, die scheißen nie mehr.

    Guru guru guru
    guru guru guru
    guru guru guru

    Guru guru, guru guru
    Guru guru, guru guru
    Drei weiße Tauben,
    die mussten dran glauben.
    Guru guru, guru guru
    Guru guru, guru guru
    Und über allen
    Dächern ist Ruh.

    Guru guru guru
    Guru guru guru
    Guru guru guru guru guru
    Guru guru guru
    Guru guru guru
    guru guru guru

    Drei weiße Tauben, sie flogen so hoch.
    Drei weiße Tauben, jetzt hab'n sie ein Loch.
    Drei weiße Tauben, sie liegen im Grab.
    Es wird keiner glauben, sie geh'n mir nicht ab.

    Guru guru guru
    guru guru guru
    guru guru guru

    Guru guru, guru guru
    Guru guru, guru guru
    Drei weiße Tauben,
    die mussten dran glauben.
    Guru guru, guru guru
    Guru guru, guru guru
    Und über allen
    Dächern ist Ruh.

    Guru guru, guru guru
    guru guru, guru guru
    Drei weiße Tauben,
    die mussten dran glauben.
    Guru guru, guru guru
    Guru guru, guru guru
    Und über allen
    Dächern ist Ruh.

    Text: Thomas Spitzer, EAV


    @Guru Wenn du das alles selbst (ab-)getippt bzw. nicht aus dem Netz kopiert und hier reingesetzt hast: Alle Achtung ;-). Da jedoch in deinem Thread-Titel die Tauben 'weiss' sind und nicht 'weiß' (wie im Textfluss), tendiere ich stark zu der Annahme, dass sich dein Fleiß in Grenzen hielt ;-).
    Btw.: Wähltest du deinen Usernamen nach diesem Songtext der EAV?
  • Guru
    Guru
    Nachts nur ein Stern über mir

    Wo wird nun des Liebenden
    erste Holde sein?
    Unter Birken im Frieden?
    Hinter Büschen im Hain?

    Wird er nun bald auf einer Wiese
    eingeengt, mit vollem Glück geniesen?
    Wann wird er endlich diese
    in seine Arme kräftgen schließen?

    Immerhin wird er umworben,
    Eintagsfliegen, dort wie hier
    diese sind nun bald gestorben -
    nachts nur ein Stern über mir.
  • Vaga
    Vaga
    Monika Brandenstein: Ein Klang. (Aug. 2009)

    Wir stimmen das Glas
    auf dich auf mich
    so dicht so dicht
    dass eins zerbricht

    zerspringen seh ich
    das Glas zu Scherben
    und dich und mich
    so dicht so dicht

    denk ich: ist sterben
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