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  • Leni Riefenstahl ...

  • amrri Leni Riefenstahl ...
    Gruss in die Runde ...

    nun, die werteste Leni Riefenstahl ist heute 100 geworden ...

    Eine Frau, die sich bis heute beharrlich geweigert hat Ihr Werk aus der Zeit des 3. Reiches aus politischer Sicht zu betrachten, die es nicht gereut hat, was Sie geschaffen hat - was ihr stets wieder vorgeworfen wird ...

    Was mich interessiert ist eure Ansicht zu dieser Thematik ...

    ir:ma
  • flow_thgin
    Ohne Zweifel sind ihr große Arbeiten gelungen, aber man kann eben diese Werke nicht ohne den geschichtlichen Hintergrund bewerten. Sie ist den bequemen Weg gangen, den viele Künstler im Dritten Reichen beschritten hatten und arangierte sich mit den Machthabern. Und dabei ist es nicht eben so, dass die Nazis ihre Werke mißbraucht hätten, vielmehr gaben sie ja meist die Aufträge dazu. Noch heute leugnet sie, aber ein Opfer ist sie wahrhaftig nicht. Sie ist im übrigen gerade verklagt worden, denn in ihren Filmen spielten hin und wieder Zwangsarbeiter als Komparsen mit und sie behauptete allen Ernstes, dass von diesen niemand zu Schaden gekommen wäre und alle überlebt hätten. Vollkommene Blindheit den Tatsachen gegenüber.
    Es gibt wohl viele Gründe, die wir heute aus unserer Sicht nicht mehr nachvollziehen können, warum sich ein Künstler entschließt, mit den Nazis zu paktieren. Bei ihr ging es nicht ums Überleben der Familie wie z. B. bei Theo Lingen. Vielleicht war ihr künstlerischer Egoismus so groß und sie bekam ja an Filmmaterial, was sie brauchte.

    So ausdrucksstarke Bilder und doch blind

    Mag sein, dass es mir wegen meiner eigenen Familiengeschichte nicht gelingt, die Bilder aus diesem Kontext herauszunehmen und neutral zu betrachten.
  • amrri
    Gruss ...

    meinst Du, nur Du kannst es nicht aus dem Kontext nehmen? ...

    Meine Frage wäre - ist es Kunst, wenn man sich nur eine Gunst erkauft? ... wenn man sich arrangiert? ... wo bleibt die Wahrhaftigkeit, wenn man sich der herrschenden Macht fügt ...


    ir:ma

    P.S. bin jetzt erstmal unterwegs für ein paar Tage, würde mich aber freuen bei der Rückkehr noch die ein oder andere Meinung dazu vorzufinden, um dann näher darauf einzugehen ...
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  • osoS
    .... das gibt aber eine sehr einseitige Diskussion. Ich kann dieses Lebenswerk auch nicht losgelöst von der Historie sehen. Fairerweise: Die Arbeiten sind gut und jedem Künstler sei auch eine gewisse Entrücktheit zugesprochen.

    Mir kommt es so vor, als wenn es verschiedene geistige Wege gibt, die einzuschlagen nahezu zwangsläufig zu bestimmten Ansichten führen. Diese Ansichten spiegeln sich in Lenis Arbeiten. Das kann ich akzeptieren.

    ...aber nicht teilen, weil mich die Arbeiten weder anrühren noch mir gefallen.

    Im Prinzip halte ich das ganze für ein ethisches Problem. Zweifellos lehne ich den nationalsozialismus ab und ich lehne auch die von ihm geförderte Art des Idealismus ab. Aber dennoch wage ich nicht zu erwarten, dass jemand eine andere Meinung hat und sich nicht vom gegenteil überzeugen läßt.

    Mein Beispiel dazu ist Ezra Pound, ganz sicher einer der genialsten Dichter des letzten Jahrhunderts (so man seine Arbeiten noch versteht...). Auch er landete bei der verfolgung seines Wunsches nach Schönheit und dem Ideal dazu  bei der Förderung des italienischen Faschismus... FREIWILLIG...

    Dafür haben ihn die Amis nach Kriegsgewinn in einen Käfig gesteckt und dann bis an sein Lebensende in der Psychatrie versteckt. Der Lebensweg trübt die Message der Gesänge und wenn ich mich darin vertiefe, sorge ich mich um Ansteckung... aber gelingt es mir sie unbefangen zu lesen: Genial

    Politik versaut Kunst.

    Soso
  • nomeaL
    Es ist wohl unmöglich Kunst aus seinem historischen Zusammenhang zu reissen... und erst recht scheint es mir unmöglich sich in eine Zeit zurückzuversetzen die wir zum großen Teil nicht erlebt haben und nur noch als eine vergangene Welt wahrnehmen. Absolut entrückt und ausserhalb unserer Vorstellungskraft, weil wir es nicht erlebt haben. Hinterher ist man eben immer schlauer.
    Ich will um Himmelswillen nicht verteidigen, dass soviele Menschen blindlings einem solchem Tyrannen hinterhergelaufen sind... aber wenn man sich auch nur annähernd versucht sich in eine solche politische Situation zu versetzen mit der langsamen Übernahme der Braunen... wer kann da wirklich absolut von sich behaupten das wahre Werk dahinter zu sehen. Klar, jetzt sagen natürlich alle: " Ich hätte das sofort erkannt, ich hätte sofort bei der Weißen Rose oder den vielen anderen meuternden Gruppen mitgemacht. Ich wäre aufgestanden und hätte protestiert, ich hätte sofort erkannt wohin der Weg führt... blabla."
    Die Menschen sind heute nicht anders wie damals. Der Vorteil ist nur für uns das wir jetzt die Chance haben aus unseren Fehlern zu lernen. Diese Chance hatten die Leute unter Hitler nicht.
    Es ist fraglich ob man die Riefenstahl einfach pauschal verurteilen sollte, wenn man bedenkt das doch Tausende des deutschen Volkes genau wie sie denken und gehandelt und die Augen verschlossen haben. Sie hat nur den Nachteil so berühmt wegen ihrer herausragenden Kunst zu sein. Und deswegen wird sie als Person mit "Vorbild"-Funktion besonders verurteilt.
    Man steckt in einem wunderbaren, achso menschlichem Zwiespalt, der so alt ist wie die Welt. Es gibt eben nicht schwarz und weiß, sondern auch eine Unmenge an Graustufen. Soll ich hassen oder lieben, einerseits ja, andererseits nein. Wer traut sich denn da den ersten Stein zu werfen?
    Innerlich wird man an solchen Vorwürfen eh kaputt gehen, auch wenn Außenstehende davon nichts mitbekommen und ihren Hass einfacherweise nur auf ein paar auserwählte Personen projezieren brauchen um ihre eigene Welt nicht gefährden, weil alles davon ablenkt. Sowas geht doch an keinem Menschen vorbei, besonders nicht, wenn man mittels seines Lebenswerks immer nur das Schöne aus allem Schlechtem hervorholen will, aber permanent mit dem Gegenteil konfrontiert wird.
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