KunstNet nutzt Cookies. Details.
  • pop art

  • Pierre Menard
    Pierre Menard pop art
    in der kultur des . 20. jahrhundert gibt es einen bruch, der dadurch gekennzeichnet ist, dass sich das zentrum der kunst von paris nach new york, von europa nach amerika verlagerte. nachdem abstrakter expressionismus die erste wichtige strömung der avantgarde war, die in amerika entstanden ist, wird in den 60er jahren die pop der beherrschende stil.
    man kann darüber diskutieren, ob englische künstler wie richard hamilton vorläufer des pop waren. aber sicher ist, pop ist uramerikanisch im grunde seines wesens. er führt das triviale , den kosum und die warenwelt in die kunst und europa ein. er stürtzt die pathetischen ideale der aufklärung, die in der katastrophe des 2ten weltkieges mündeten, endgültig vom sockel. pop ist das versprechen vom glück und reichtum. über die hochkultur kann er nur lachen und assimiliert sie. pop kann jeder machen, pop verlangt nicht nach
    akademischer ausbildung oder einem umfassenden humanistischen bildungsideal.
    künstlerich vertreter der pop art sind roy lichtenstein, claes oldenburg und andy warhol. jeder kennt sie, die ikonen des starkultes, wie marilyn monroe oder die comic adaptionen von roy lichtenstein.
    warhol räumte ordentlich auf mit dem begriff des klassischen handgemalten gemäldes. statt dessen setzte er auf serielle fertigung, siebdruck oder wie zb bei seinem empire state film auf automatismus( er richtete die kamera aus , startet die aufnahme und legte sich schlafen).
    lichtenstein dagegen malte die mechanischen raster des druckes nach. oder kommentierte die pinselstriche des abstrakten expresionismus ironisch in dem sie auf ein riesenformat aufblies oder sie gar als multiple aus lebkuchen und glasur nachbildete.
    Signatur
  • cobolt
    cobolt
    Was mich beim Durchlesen mal wieder wurmt, ist der Hinweis, dass Leute wie Roy Lichtenstein den Comic adoptiert haben, ohne dass der Comic selbst als Kunstform endlich mal anerkannt wird. Das würde nämlich bedeuten, dass die Quellen der Pop-Art-Kunst wesentlich älter sind. Eigentlich ist die Bildsprache des Comics die gleiche, wie die der alten Ägypter.
    In diesem Zusammenhang vielleicht interessant: Scott McCloud "Comics richtig lesen", Carlsen Verlag.
    Signatur
  • trebeM
    geb ich dir recht, cobold, wenn die comics innovativ, ihr eigenes medium intelligent untersuchend und regeln brechend wären. ist aber nur bei ganz wenigen, meist autorencomics der fall.
    das comics ein image-problem haben stimmt, dass kommt aber AUCH daher, dass im comicsektor ne menge klischee-müll produziert wird sowohl inhaltlich als auch gestalterisch. andersrum ist es natürlich für viele reizlos, ein anspruchsvoll geschriebenes/gestaltetes comic zu entwerfen, wenn es mit so viel vorurteilen zu kämpfen hat.
    aber du hast schon recht: das vorurteil kunstanspruch versus comic verhindert einiges auf dem gebiet. für die meisten ist halt das kultur, was als kultur gilt.
  • Jetzt bei Amazon günstig Kunstbedarf kaufen.- Werbpartner -
  • Pierre Menard
    Pierre Menard
    das ist das manko, das man bei einem solchen text 1. eingrenzen muß(die hier sind alle sehr stark vereinfacht/oberflächlich- eventuell ergibt sich aus der diskussion noch mehr) und 2. spricht du damit das problem der unterscheidung in hochkultur
    und popkultur oder alltagskultur an. gerade die vermischung dieser beiden welten zeichnet ja die postmoderne
    aus, die in den 60 er jahren begann. das von dir angesprochene problem , dass comics selber nur wieder auf eine ältere bildersprache verweisen, ist eine thematik der postmodernen philosophie.
    darin geht es unter anderem um die frage, ob zeichen immer wieder nur auf zeichen verweisen und ob im sinne der differance das gemeinte zwischen den zeichen und verweisen liegt und sich in unterscheidung und abgrenzung zu den zeichen ergibt.
    Signatur
  • cobolt
    cobolt
    "Dass kommt aber AUCH daher, dass im comicsektor ne menge klischee-müll produziert wird sowohl inhaltlich als auch gestalterisch."

    Rrrrüchtig, aber das gilt auch für den ganzen Rest der Kunst, oder? Oder wer sich als Künstler bezeichnet. Schau Dir die ganzen gemalten Klischees hier im KN an.

    Danke, Hanni, ich werd mich mal da durchlesen ... -klicken. Sehr interessant für mich ... Thanx!
    Signatur
  • trebeM

    ... aber das gilt auch für den ganzen Rest der Kunst, oder?


    klar, keine frage :-)
  • _em_ton_sti_
    in der kultur des . 20. jahrhundert gibt es einen bruch, der dadurch gekennzeichnet ist, dass sich das zentrum der kunst von paris nach new york, von europa nach amerika verlagerte.


    Ein schönes Bild dazu von Mark Tansey:

    🔗
    Mark Tansey, Triumph of the New York School, 1984
  • repsaJ_E
    Bravo Herr Cobold!
    Und ein Bravo Frau Hanni die Ihren Kulturauftrag sehr ernst nimmt! Frau Hanni Sie sollten eine öffentliche Sendeanstalt sein!
  • cobolt
    cobolt
    "Kritiker werfen der Popkultur Oberflächlichkeit, Effekthascherei und mangelnde Substanz vor."
    Das wundert mich nicht. Selbstdarstellung und -profilierung ist eine verbreitete Verhaltensweise und wer von denen gibt schon zu, dass er vom Comic nichts weiß. Für die ist alles "Donald Duck", was von der Straße kommt. Hier geht es auch um Einflussbereiche verschiedener gesellschaftlicher Schichten und die üblichen Alpha-Männchen-Posen.
    Signatur
  • repsaJ_E
    Nichts gegen Donald Duck!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!
  • Pierre Menard
    Pierre Menard
    tansey ist schon geil. gehört ja nicht unbedingt hierhin, obwohl ev. in zusammenhang mit cobolds posting dann doch, aber ich finde ja das hier auch sehr geil:

    🔗

    "triumph over mastery II"
    ikonoklastisches überollen von michelangelo`s jüngsten gericht.
    Signatur
  • cobolt
    cobolt
    Cooles Bild :o))))

    "Nichts gegen Donald Duck!!"
    Natürlich nicht!

    Eine meiner Lieblingsgeschichten ist aus den 70igern, als (natürlich) Kater Karlo versucht mit Hilfe des Fernsehens (sic!) Entenhausen zu manipulieren mit Hilfe zwischengeschalteter Einzelbilder von Funny-Chips-Tüten. Alle rennen wie blöd los (sogar Micky) und hauen sich den Bauch voll mit dem Sch...

    Das war lange, bevor ich den ersten Pressebericht zu diesem realen Thema gelesen habe. Wenn Comics reale Themen aufgreifen, stempelt man die Inhalte gerne als haltlos und reine (Sci-Fi)Effekthascherei ab. Das ist nichts anderes als eine rhetorische Finte, damit über bestimmte Hintergründe nicht ernsthaft nachgedacht wird. Dafür werden dann wieder die Klischees bemüht, Man kann auch sagen: Interessenverbände, Politik und Wirtschaft kanzeln einen kritischen (künstlerischen) Inhalt ab und bedienen sich dafür natürlich im Schubladendenken von Gesellschaften. Da hat es der Comic schwer, besonders wenn seine Protagonisten so aussehen wie Micky Maus.
    Signatur
  • ratzekatze
    ratzekatze
    cobolt schrieb:"Die haben seherische Fähigkeiten, die Zeichner dort. "
    jenauuu - ist heute doch auch noch so, gerade im comic wird wieder viel kritisches transportiert
    Signatur
  • Pierre Menard
    Pierre Menard
    im zusamenhang mit donald duck, pop und kunst ist unbedingt dieser schmale band zu empfehlen:

    http://images-eu.amazon.com/images/P/398066595X.03.LZZZZZZZ.jpg

    liest sich durchaus vergnüglich.sowie wie wohl auch dieser kleine band:

    http://www.mediumbooks.de/mediumshop/cover/3-9806659-6-8.jpg
    Signatur
  • cobolt
    cobolt
    Cool, gleich notiert. :o)))
    Signatur
  • Pierre Menard
    Pierre Menard
    und für die freunde der psycoanalyse wäre ev. dieses werk interessant:

    🔗
    paßt aber ev. besser in surrealismus thread?
    Signatur
  • Pierre Menard
    Pierre Menard
    übrigens, ich selber sammel auch die reihe: 🔗
    ist meiner meinung nach ne empfehlenswerte reihe und als fanboy von kunst und Comic eigentlich ein muß.
    Signatur
  • Sigi
    Sigi
    ,,Triumph over mastery" bildet in meinen Augen eine dadaistische Handlung ab, die mir gefällt... nicht etwa, weil ich Michelangelo nicht mag. Man betrachte nur den riesigen Menschenpulk im Louvre vor der Mona Lisa. Warhol hat recht: Thirty are better than one! Er wird leider viel zu oberflächlich betrachtet. Seine eigentliche Botschaft wird häufig nicht erkannt. Leider ist es so, dass sich viele Menschen ein Bild des elektrischen Stuhls übers Sofa hängen würden, wenn die Farbe denn zum Sofa und den Vorhängen passt (frei nach Warhol). Mir möge niemand mehr mit der Frage kommen: wer war hohl? Warhol und Beuys standen sich nicht nur menschlich sehr nahe.

    Lichtenstein hat seine Comic-Vorlagen übrigens nicht nur einfach ,,adoptiert" - das ist ein Klassiker! - er hat sie unter formalen und inhaltlichen Aspekten häufig gezielt überarbeitet. Seine Brush-strokes halte ich übrigens für das Genialste und Witzigste, das er hervorgebracht hat.

    Sigi
  • Seite 1 von 1 [ 18 Beiträge ]

  • Anmelden um auf das Thema zu antworten oder eine Frage zu stellen.

Ähnliche Themen