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  • Kunst, Können und andere Kleinigkeiten

  • Gast, 1 Kunst, Können und andere Kleinigkeiten
    In dem Thread "Was ist Kunst" stellte ich in einer Antwort die Frage nach dem Können, d.h. nach dem Handwerklichen. Darauf wurde nicht reagiert, vielleicht wurde es überlesen. Ich habe den Teil meiner dortigen Antwort erweitert und mache daraus einen eigenen Thread:

    Was wäre von einem Menschen zu halten, wenn er sich auf die Bühne der Kölner Philharmonie stellte, und dort –noch nie eine Klavierstunde in seinem Leben gehabt habend- auf den Flügel einschlüge und behauptete, er sei ein Klavierspieler von künstlerischem Rang? Vermutlich würde man über ihn lächeln; vermutlich ihm die Psychiatrie empfehlen; sicherlich aber würde ihn keiner ernst nehmen. In der Bildenden Kunst passiert das saisonal im großen Rahmen, wenn wieder einmal ein „Künstler“ gerade „in“ ist, der während seines Akademiestudiums systematisch verlernt hat, was künstlerisches Handwerk ist; und regional passiert das im Internet alleweil!

    Was mir bei vielen Künstlern oft fehlt, ist eine Mindest-Kenntnis der Kunstgeschichte inklusive der Rezeption von Kunst in Museen (Kein Musiker käme auf die Idee, zu sagen, er höre keine Musik, um sich seinen „Stil“ nicht versauen zu lassen, aber genau DAS tun viele „Künstler“!!!).

    Und zum anderen fehlt die Erkenntnis, dass zur Kunst auch das Können gehört. Es ist natürlich dumm, anzunehmen, das "Kunst“ und „Können" identisch sind. Das ist es nicht, denn so eine „Können-Kunst“ wäre tatsächlich leer.

    Aber eine Kunst ohne Können ist einfach nur peinlich. Wobei ich mit Können nicht "Akademie" meine. Ich bin der festen Überzeugung, dass der Mensch Kunst machen KANN, sofern er neben Intuition und Phantasie, die er haben MUSS, auch das Können, sprich: das Handwerkliche vorhanden ist, das in der Regel erarbeitet und "gelernt" werden muß, sei es autodidaktisch, sei es in einem Studium.

    Viele Grüße

    Peter
  • El-Meky
    El-Meky
    hallo Peter,

    du hast es wohl überlesen, aber in dem anderen thread bin ich drauf eingegangen:

    Ist die Entstehung von Kunst an die Ausübung einer Handwerklichen Tätigkeit (und die Beherrschung von Techniken) durch den Künstler gebunden ?

    Die Entstehung von Kunst ist nicht an nix gebunden . Sie entsteht in der Vision . Allerdings sind Handwerkliche Kenntnisse von Vorteil, eine Vision umzusetzen und zu realisieren.
    z.B.du hast eine Vision , eine Idee , eine Skulptur aus Marmor zu machen. . mit einem einzigen Meisselschlag kann der Marmor in tausend Stücke zerspringen, wenn du nichts von diesem Stein und seiner optimalen Bearbeitung weisst/ gelernt hast.




    Ja, ich finde man sollte handwerkliche Fähigkeiten Besitzen.

    weil sich dann Ideen besser und leichter Umsetzen lassen .

    Ich suche ja deshalb einen Lehrmeister auf freundschaftlicher Basis , der in meiner Stadt wohnt und so malt wie TH. Bühler.... *wünsch*lg
    Signatur
  • Gast, 3
    hi peter, hi heliopo...

    kurze zwischenfrage... was ist dann mit Art Brut... Kunst die zb in psychiatrischen Krankenhäusern entsteht... ?

    Art brut

    "Der Begriff Art brut (unverbildete Kunst) wurde 1945 vom französischen Maler Jean Dubuffet geprägt. Er bezeichnet Werke von Menschen ohne Bildung, die am Rande der Gesellschaft oder in einer psychiatr. Klinik leben. Diese Werke, die nichts mit dem Gebiet der herkömml. Kunst zu tun haben und von reinen Autodidakten stammen, entspringen figurativen Systemen und individuellen Vorstellungswelten, die oft eigentümlich und verwirrend sind. "


    lg
    sashimi
  • Gast, 1
    Hallo, Heliopo,

    ja, das habe ich wirklich überlesen, sorry.

    Wünsche Dir, daß Du Deinen Lehrmeister findest :-)

    Gruss

    Peter
  • Gast, 1
    Hallo, Sashimi,

    wenn psychiatrische Patienten Bilder malen, ist das FÜR MICH Therapie und sehr wichtig und notwendig.

    Wenn aber Künstler wie Jean Dubuffet in dieser Art malen, ist das a bisserl lächerlich, finde ich.

    Schönen Gruss

    Peter
  • Gast, 3
    @ peter,
    das stimmt womöglich, aber tatsache ist doch das art brut eine annerkannte kunstrichtung ist, dh die therapie des malens als autodidaktischen psychisch kranken auch... oder?

    lg
    sashimi
  • Gast, 1
    Liebe Sashimi,

    >das stimmt womöglich, aber tatsache ist doch das art brut eine
    >annerkannte kunstrichtung ist,

    Ja. Aber Beuys ist auch anerkannt, was für mich kein Maßstab ist :-)

    >dh die therapie des malens als autodidaktischen psychisch kranken
    >auch... oder?

    Hm, das verstehe ich nicht ganz. Die Maltherapie von Psychischkranken ist als THERAPIE anerkannt, ja, findet täglich in aberhunderten Kliniken statt. Oder meinst Du das anders?

    Schönen Gruss

    Peter
  • Gast, 3
    hmmmm... schwierig , schwierig...

    beys ist schon ein künstler für mich... mag sein das seine arbeiten nicht unbedingt ein ausdruck von können im handwerklichen sinn darstellt, aber immerhin kann er mit seinen arbeiten menschen erreichen... zu diskussionen anregen.....

    und wo hört die therapie in diesen krankenhäusern auf, und beginnt die kunstform... ?

    und wenn dem alles so ist, dann bin ich schon gar kein künstler... hab weder das handwerk gelernt, noch bin ich gut in kunstgeschichte... weder in der malerei noch in der fotografie...
    was bin ich dann deiner meinung??
  • Gast, 1
    Liebe Sashimi,

    >beys ist schon ein künstler für mich... mag sein das seine arbeiten
    >nicht unbedingt ein ausdruck von können im handwerklichen sinn
    >darstellt, aber immerhin kann er mit seinen arbeiten menschen
    >erreichen... zu diskussionen anregen.....

    Ja, aber das können viele Menschen durch Worte und Taten auch. Sind das sofort "Künstler"? Ich fasse den Begriff "Künstler" sehr streng. Zumal Beuys anders KONNTE! Man möge es mir glauben oder nicht, aber eines meiner Lieblingsholzbildhauereien ist von Beuys. Ein wunderbarer Jungmännerkopf. Er ist im Museum zu Kleve (Niederrhein) zu sehen. Aber dort sieht man auch einige Geleise von ihm, dekotiert mit einer verrosteten Haltestelle. Und wenn man dann weiß, daß allein die Versicherung dieses Stückes "Weltkunst" ausgereicht hätte, mehrere Bilder hervorragender Jahrhundertkünstler zu kaufen, wird mir übel.

    >und wo hört die therapie in diesen krankenhäusern auf, und
    >beginnt die kunstform... ?

    Warum MUSS diese therapeutische Arbeit denn Kunst sein?

    >und wenn dem alles so ist, dann bin ich schon gar kein künstler...

    Doch!!! Irgendwo (ich glaube bei "Was ist Kunst") habe ich mal versucht zu formulieren, was für mich zur Kunst gehört. Ich versuche es noch mal: Kunst ist für mich der Bildnerische Ausdruck von Imagination, Intuition, Kreativität und Handwerk. All das muß man doch nicht bei irgendeinem Meister gelernt haben! Aber man eignet es sich doch selbst an, wenn man seine Sache ernst nimmt. Du hast doch auch das Fotografieren und das Malen Deiner süß-frechen Püppies nicht sofort gekonnt, sondern sie sind das Ergebnis der Auseinandersetzung mit den Möglichkeiten.


    >was bin ich dann deiner meinung??

    Für mich bist Du eine tolle Künstlerin.

    Schönen Gruss
  • Gast, 1
    Noch etwas, Sashimi,

    es kam und kommt mir keinsfalls darauf an, Richtlinien für das Künstlersein aufzustellen. Da bin ich weder ermächtig noch bin ich dazu fähig. Ich habe nur große Schwierigkeiten damit, wenn jemand einen Kübel Farbe über 3 qm Leinwand gießt, und dann meint, er habe Kunst gemacht. Wer den Film POLLOCK gesehen hat, weiß, wie kunstvoll und schwer so etwas sein kann, aber daß man es KÖNNEN muss... Genauso schwer ist es für mich, einen buttergetränkten Stuhl als Kunst anzuerkennen. Die Putzfrau, die damals Beuys' dreckige Badewanne säuberte und damit einen Kunst-Skandal beschwor, weil sie ein "Kunstwerk" zerstörte, gehört für mich zu den Idolen meiner Kunstauffassung :-)


    Liebe Grüße

    Peter
  • Gast, 3
    :D

    bussi peter...

    sashimi
  • Sabine Minten
    Sabine Minten
    Leider hab ich schon ein Glas Wein getrunken und - uuups - einene ganz kleinen im Tee und auch nicht viel Zeit :-) Gäste kommen gleich...

    Wollte in diese spannende Diskussion nur schnell diese Story von dem Affen (einen richtigen) reinwerfen, den man seinerzeit (ich weiss nicht wann und wo - hab ich jedenfalls mal gelesen) auf eine Leinwand losgelassen hatte... War das Kunst, was dabei rauskam?

    Vielleicht gehört zum Begriff "Kunst" auch so etwas wie ein Bewusstsein (in Abgrenzung zu Absicht - Definition bleib ich jetzt mal schuldig...).

    OOOhh - es klingelt....
    Signatur
  • Gast, 5
    editiert
  • Gast, 6
    hallo peter,
    kunst hat sicherlich etwas mit können zu schaffen. nur was muss man können? für mich ist georg maciunas ein sehr wichtiger künstler, auch wenn er eigentlich nur als theoretiker tätig war und kaum etwas ausführte. hans haake`s kunst zeigt sich eigentlich auch nicht in den wenigen objekten, sondern in den recherche-arbeiten die den werken zu grunde liegen. ich glaueb dass niemand einem adolf wölfli sein können absprechen will, auch wenn es "nur" art-brut ist und er wirklich sein leben in der puk verbrachte. wiederum ist es dann ebenso lächerlich, dass jeder der nun in einer klinik malt sofort zum künstler erklärt wird. irgendetwas MUSS der künstler doch können?!!! für mich wird dann jemand zum künstler, wenn er dazu steht. dies meine ich so:

    (und nun kommt eine aussage, wo ich sehr viele böse reaktionen ernten werde)

    es geht mir nicht in den kopf, dass ein riesiger teil der künstler sich hinter ihren werken verstecken, die sätze wie "ich will nicht betteln gehen" oder so, kann ich echt nicht mehr hören. wenn man etwas vollbringt, ein kunstwerk, macht man etwas, dass die welt "eigentlich" nicht braucht. man nimmt sich nun die arroganz, diese werk der menschheit zeigen zu wollen - also ist man doch der meinung ICH BIN GUT! verdammt, dann soll man auch dazu stehen - dann ist man nach meiner meinung ein künstler, der ebenso kritisiert werden darf. wer an die öffentlichkeit geht, zeigt (verkauft) sein können, irgend ein können. wenn es bei beuys eventuell auch nur war, dass sein können darin bestand sich verkaufen zu können.

    mit dem klassischen können - pinsel in der hand und farbe aufs papier - hat dies schon lange nichts mehr zu tun. das einzige ist einfach, diese objekte sind vergleichbar, wie in der schule. hier stimmt die perspektive, hier nicht - bäääääh - durchgefallen. vermutlich malt aus diesem grunde auch beinahe niemand mehr naturalistisch - oder? "wirkliches" künstlerisches können, im sinne von cenino cennini, ist out, einfach nicht mehr in mode, vermutlich weil es für die künstler zu "gefährlich" ist, sich diesem druck auszusetzen. also sucht man sein können auf einer anderen seite.

    war an einer ausstellung eines künstlers der echten schrott fabriziert, nennt es auch art-brut (geniales label, ist die kunstrichtung mit einem riesigen marktpotenzial - für alle die noch schnell umsteigen wollen) und verkauft wie irre. vor vier jahren wusste er nicht was ein pinsel ist. jetzt ist er auf den titeln von kunstzeitschriften. na eben, er ist anlageberater - er verkauft sich - er ist ein künstler.

    kunst hat gar nichts mehr mit künstlerischem können zu tun, dies sieht man ja aber auch problemlos 90% der kunstwerke an - ein absolutes eigentor.

    .......so genug. hoffe nicht gerade alle verärgert zu haben und möchte dazu noch sagen. dies ist nur ein statement, nicht meine unverrückbare meinung, überall gibt es facetten und nuancen. was am ende an einem werk zählt, ist dessen qualität, somit wäre es vermutlich zu begrüssen, wenn in der "klassischen" malerei das können nicht ganz vergessen ginge.

    gruss, cocteau
  • Gast, 6
    ......nachtrag. ich male nicht. WEILL ICH ES NICHT KANN, UND MEINE SACHEN SCHROTT SIND, ich bin KEIN KUENSTLER.
  • Gast, 1
    Hallo, Sylvie,

    schön, daß Du erzählst, wie Du zur Malerei kamst.

    >Seither bin ich der Malerei verfallen, habe angefangen das Sehen
    >zu lernen, Biografien über Maler verschlungen, Museen und
    >Galerien besucht, viel ausprobiert und festgestellt, dass ich auf
    >dem richtigen Weg bin.

    Ich denke, daß es nur so geht: Schauen, Lernen, Tun. Egal ob mit oder ohne Studium. Studium ist nicht so wichtig, sondern Lernen und Machen. Meiner Meinung nach.

    Herzliche Grüsse

    Peter
  • Gast, 1
    Hallo, Cocteau,

    so wie ich Deinen Post verstanden habe, ist für Dich dasjenige Kunst, das sich als Kunst verkaufen läßt. Nun, unter DIESER Bedingung (die ich nicht teile), sind Deine Aussagen sicherlich richtig.

    Ich habe aber noch die eine oder andere Frage:

    >es geht mir nicht in den kopf, dass ein riesiger teil der künstler
    >sich hinter ihren werken verstecken,

    Wer tut das denn?

    >die sätze wie "ich will nicht betteln gehen" oder so, kann ich echt
    >nicht mehr hören.

    Hat das hier jemand gesagt? Ich kann mich wirklich nicht erinnern. Betteln gehe ich zwar auch nicht, aber ich fände es durchaus toll, mal die Chance zu kriegen, in einer größeren Galerie auszustellen.

    >wenn man etwas vollbringt, ein kunstwerk, macht man etwas,
    >dass die welt "eigentlich" nicht braucht.

    Stimmt.

    > man nimmt sich nun die arroganz, diese werk der menschheit
    > zeigen zu wollen -

    Stimmt.

    >also ist man doch der meinung ICH BIN GUT!

    Stimmt.

    > verdammt, dann soll man auch dazu stehen -

    Ja, klar doch. Aber wer von uns "Aktiven" tut das denn nicht?

    > dann ist man nach meiner meinung ein künstler, der ebenso
    > kritisiert werden darf.

    Ich denke, daß hier schon kritisiert wird.

    > wer an die öffentlichkeit geht, zeigt (verkauft) sein können,
    > irgend ein können.

    Klar. Auch Nicht-Können. Aber muß das dann gleich "Kunst" genannt werden?

    > wenn es bei beuys eventuell auch nur war, dass sein können
    >darin bestand sich verkaufen zu können.

    Zu Beuys äußere ich mich nicht mehr.

    >mit dem klassischen können - pinsel in der hand und farbe aufs
    >papier - hat dies schon lange nichts mehr zu tun.

    FÜR MICH SCHON!!! FÜR M_E_I_N_E Kunst ist DAS der Maßstab.

    >das einzige ist einfach, diese objekte sind vergleichbar, wie in
    >der schule. hier stimmt die perspektive, hier nicht - bäääääh -
    >durchgefallen. vermutlich malt aus diesem grunde auch beinahe
    >niemand mehr naturalistisch - oder?

    Ich kann beides, bevorzuge nur halt das Nichtgegenständliche. Ich antworte übrigens nur für mich, weil Du MICH angesprochen hast.

    > "wirkliches" künstlerisches können, im sinne von cenino cennini,
    > ist out, einfach nicht mehr in mode,

    Mein Gott, Cocteau, wenn ich darauf bauen würde, was MODE ist, würde ich es sein lassen, Kunst zu machen. "Meine" Kunst ist altmodisch hoch zehn. Macht mich das zum Nicht-Künstler? Nicht-In-Seiender (d.h. out zu sein) ist für mich erträglich. Mich nach einer MODE zu richten, unerträglich.

    > vermutlich weil es für die künstler zu "gefährlich" ist, sich diesem
    > druck auszusetzen.

    Das ist eine Unterstellung. Warum soll ich mich einem Mode-Druck aussetzen, den ich von Herzen ablehne.

    > also sucht man sein können auf einer anderen seite.

    ???

    > war an einer ausstellung eines künstlers der echten schrott
    > fabriziert, nennt es auch art-brut (geniales label, ist die
    > kunstrichtung mit einem riesigen marktpotenzial - für alle die
    > noch schnell umsteigen wollen)

    Marktpotenziale interessieren mich nicht. Ich bin in der GLÜCKLICHEN Lage, ohne einen wirtschaftlichen Seitenblick meine Kunst machen zu können.

    >kunst hat gar nichts mehr mit künstlerischem können zu tun, dies
    > sieht man ja aber auch problemlos 90% der kunstwerke an - ein
    > absolutes eigentor.

    Dann gehöre ich (hoffentlich) zu den 10% Unbelehrbaren ;-)

    Verärgert hast Du mich keineswegs! Durch solche Postings weiß ich, daß MEIN Weg für MICH der richtige ist! Ganz scbön arrogant, gell? ;-)

    Liebe Grüße

    Peter
  • Gast, 6
    hallo peter, absolut super. es geht mir auch nicht darum jemanden zu verärgern oder anzugreiffen, was mir ja zum glück auch nicht gelungen ist. :D
    leider verstecken sich extrem viele (sehr gute) künstler irgendwie ein bischen. ist wirklich schade. ich beschäftige mich seit 15 jahren jeden tag mit kunst, aber nicht einmal der kunstbetrieb konnte mir die private freude an dieser nehmen - irgendwie auch unverbesslich. :oops:
    mit dem punkt "verkaufen" meine ich nicht einfach den "deal" geld für kunst, vielmehr (unser "haufen" in der schweiz nennt dies einfach so, eventuell etwas zu lokal geprägt), dass jemand der bilder malt nicht automatisch auch ein künstler ist - im sinne wie es die menschheit heute auffasst. irgendwie muss ein "verkauf" statt finden, eine kleine grenze überschritten werden. wo diese genau liegt kann ich auch nicht aufzeichnen oder genau definieren. der künstler gibt irgend wie so etwas in das werk ein, dass es eben vom bild zum kunstwerk macht,....... ach so schwer zu beschreiben, du weisst sicherlich was ich meine.
    fand deinen vergleich mit den musikern absolut erstkalssig, auch wenn dan irgendwelche kompositionen von john cage vorgetragen werden, sind es sicherlich könner die dies präsentieren. bei der bildenden kunst nimmt es einfach manchmal komische formen an, bin aber der ABSOLUT sicheren überzeugung, dass es jedem werk anzusehen ist, was dahinter steckt. so dieses ding mit der nachhaltigkeit........ :idea:
    es ist das phänomen, was man an einem originalen werk immer wieder entdecken kann. an einem plakat sieht man sich einmal satt, auch wenn ein toller druck ein erstklassiges werk wieder gibt. ein kleines original verändert sich mit meiner tagesform und allen einflüssen der welt. und immer ist ein aspekt des künstlers in diesem werk verwurzelt. ich glaube auch, dass man (salopp) jeder "modernen monochromen schmiererei" irgendwie ansieht, wie sich der künstler damit auseinandersetzte und was er "kann".
    können hat sicherlich nichts mit ausbildung zu schaffen, das kann von überall kommen. ich bin einfach der meinung, das der markt, und da meine ich wirklich einfach den kunstmarkt, sich ihre künstler her züchtet. der mit art-brut ist leider kein witz, ist wirklich einfach in mode, dies geht soweit, dass man nun beginnt von verstorbenen leuten bilder in diese kunstsparte zu "deklarieren" und somit dem markt vortrieb zu geben. seit man dem grossen teil der menschheit erklärt hat, dass kunst für sie eh nicht zu verstehen sei, haben sie sich abgewendet und nehmen die erste konfrontation nur noch durch die medien war. um einen künstler *gross" zu machen braucht es heute leider nicht mehr eine masse die etwas "wirklich" gut findet, sondern zwei galeristen, einen agenten und irgendwelche journalisten. bingo - dies reich. :cry: wenn du in bern (als 10% künstler :lol: !!!) eine galerie betritst und ihnen deine arbeiten vorlegst, wird die antwort sein, "sehr gut, sehr schön, passt aber leider bei uns nicht ins konzept". das können ist so sekundär geworden, wenn das konzept stimmt (was heute leider einfach gerade marketing heisst) "schreiben" wir die kunst schon gut.
    ich finde deine meinung weder daneben noch antiquiert, sondern wirklich eine ganz wichtige grundlage für die kunst. wäre es generell so, wäre das "level" im generellen wieder um welten besser.
    durch die doktrin, dass kunst "geschmackssache" sei, hat man dem grossen teil der menschheit den boden endzogen sich konkret zu äussern, da sagt man doch lieber "... ich kenne mich damit nicht so aus". der rest wird dann von "fachleuten" intellektuel zerredet, pro fremdwort einen punkt :!:
    leider machen viele künstler bei diesen spielchen mit, indem dass sie sich verstecken, sich den moden anpassen oder wirklich ohne effektiven "hintergrund" arbeiten. es war für mich shokierend, als ein professor an einer kunstakademie mir vorrechnete, dass er für dieses riesenbild drei minuten benötigte und es nun für XXXX-tausend verkaufte und somit mit der hochrechnung auf einen stundenlohn von so+so komme. um was geht es nun dann eigentlich wirklich.......

    somit möchte ich meinen vortrag mit einem (für mich) sehr wichtigen erlebniss schliessen. ich war gerade in den kunst-sumpf eingetaucht und stand mit meiner freundin in düsseldorf in der kunsthalle vor einem bild. sie fragte mich, was ich davon halte und ich fing an das werk zu analysieren und ihr dies zu erläutern.... als ich fertig war, fragte ich sie dann, was sie meine. sie schaute mich an und sagte "mir gefällt es einfach".

    mein gott, ich mochte diese frau!

    in der hoffnung, dass wieder zeiten kommen, wo können und qualität wieder gefragt ist, wünsche ich dir alles gut. gruss, cocteau
  • Gast, 1
    Dem, was Du schreibst, lieber Cocteau, ist kaum noch etwas hinzuzufügen, da ich dem Ganzen inhaltlich zustimmen kann.

    Außer vielleicht: Daß ich mich freue, jemanden aus der Schweiz hier zu treffen. Ich bin zwar kein Schweizer, aber zwei liebe Menschen in der Schweiz sind mir sehr ans Herz gewachsen... :-)

    Und dann noch: Schön, daß Du die Düsseldorfer Kunsthalle kennst. Ja, es gibt dort viel zu analysieren. Aber auch viel zu lieben :-)

    Sei lieb gegrüßt

    Peter
  • siku
    Hallo, liebe Mitdiskutanten,
    ich möchte mich in die doch schon etwas umfangreichere Diskussion einschalten, weil Ihr schon so viel Vorarbeit geleistet habt und ich mich gern mit "Kunst" auseinandersetze.
    Was hat Beuys mit "Art brut" gemeinsam? Jean Dubuffet hat den Begriff zwar geprägt als Kunst Geisteskranker, kKnder und von intellektueller Vorbildung unbeeinflusster. Er begann zwar als Autodidakt, war aber selbst kein "naiver" Künstler, sondern hat sich mit intellektuellen Kunstströmungen seiner Zeit aktiv auseinander gesetzt - und dabei ist die Fantasie in seinem Werk nicht! auf der Strecke geblieben. Besonders seine aus Naturmaterialien hergestellten Kleinplastiken sind für mich "Kleinode" in der Kunst. Falls Ihr sie nicht kennt - anschauen ist sehr empfehlenswert.
    Beuys kann man ls langweilig bezeichnen -oder auch nicht. Seine handwerklichen Fähigkeiten waren, wie an seinen grafischen Blättern unschwer zu erkennen ist, seinem Ruf als herausragender Künstler angemessen. Beuys hat den "erweiterten Kunstbegriff" verfolgt und im öffentlichen Bewußtsein etabliert. Entscheidend bei ihm ist der Prozess - die Transformation von einem Zustand in einen anderen. Beuys hat im Gegensatz zur Art brut das Wort als Bestandteil mit in sein Werk einbezogen. Für ihn wendet sich die Kunst an den Geist. Er arbeitet mit Mythen und Theorien, die Kunstschaffenden der Art brut wohl eher mit dem Herzen.
    Auch Ed Reinhardt ist ein theorienaher Künstler, studierte er doch zuerst Kunstgeschicht. Reinhardt hat die äußere Wahrnehmungsfähigkeit seiner Bilder bei den "Black Paintings" auf das Äußerste reduziert und damit zur Monochromie getrieben.
    Da sich in diesem Forum einige der Kunstschaffenden als Autodidakt und als Künstler sehen, kommt doch eigentlich die Frage nach dem eigenen Standpunkt und Anspruch auf. Den kunstinteressierten potentiellen Käufer interessiert das oft gar nicht so sehr. Wenn er das Bild gern ansehen mag und der Preis erschwinglich ist, kauft er es vielleicht. Den Kunsthändler interessiert es oftmals noch weniger, er will "Geschäfte machen". Das Motiv, welches sich am schnellsten umsetzen lässt ist begehrt.
    Die Frage ob z. B. ein Gemälde Kunst für die Ewigkeit ist, wird doch erst bei hohen Geldbeträgen relevant. Sammler gibt es im Bereich der "kleinen Kunst" ebenso wie in der "großen Kunst". Nur wird die "kleine Kunst" nie im kunstmuseum hängen, wenn der etablierte Kunstbetrieb (Kustoden, Kunsthistoriker) sie nicht annimmt. Jeder - Betrachter, Künstler - kann sich fragen, welchen Anspruch er an "sein Kunstwerk" stellt: einen dekorativen und charismatischen oder einen im Sinne der Anforderungen professioneller Kunstästhetik.
    Beste Grüße siku
  • Gast, 8
    Liebe Künstler und Kunstfreunde!

    Für mich als Autodidakt und Hobby-Enkaustikerin ist jeder Gedanke, jede Diskussion und jede Meinung von höchstem Interesse. Ich lerne auch sehr viel aus Ihren Diskussionen. Jetzt möchte ich meine Wissenslücke füllen:

    Der letzte Satz in der Äußerung von Siku:

    "Jeder - Betrachter, Künstler - kann sich fragen, welchen Anspruch er an "sein Kunstwerk" stellt: einen dekorativen und charismatischen oder einen im Sinne der Anforderungen professioneller Kunstästhetik. "

    Ist das als eine Gegenüberstellung zu verstehen - die dekorative Kunst - eine Qualität, ein Anspruch, und eine ganz "andere"- Ästhetik der professionellen Kunst? Sollte eigentlich nicht beides professionell im Sinne des Handwerks sein und erfüllen denn nicht beide die Funktion der Dekoration? Neben der Tatsache, dass sie auch beide Quellen für das Philosophieren sein können?

    Sind Sie der Meinung, dass die äußerlich "dekorative" Malerei keinen tieferen Inhalt haben könnte? Oder deren Autoren niedrigere Maßstäbe der Ästhetik setzen?

    Ich spreche z.T. auch aus eigener Erfahrung und Beobachtung. In manchen Galerien ist fast eine Wand der Ablehnung der dekorativen Malerei von Seiten komischerweise eben "professioneller" Künstler zu spüren, eine deutliche Abwertung sogar öfters...

    Da würde mich Ihre Meinung auch sehr interessieren (es hat mich auch eine Portion der Überwindung gekostet, diese Frage hier zu stellen...). Wenn es Ihnen nicht schwer fällt und Sie Zeit haben, schauen Sie bitte auch in meine HP rein (sie ist beabsichtigt spartanisch gestaltet, ohne eine einzige fremde Grafik im Design, um Platz und "neutralen" Hintergrund für meine Bilder zu halten). Mich interessiert Ihre Sicht darauf.

    Ich danke im Voraus!

    🔗

    Grüße aus der Lausitz!
    Vera Sattler
  • Gast, 8
    Liebe Künstler und Kunstfreunde!

    Für mich als Autodidakt und Hobby-Enkaustikerin ist jeder Gedanke, jede Diskussion und jede Meinung von höchstem Interesse. Ich lerne auch sehr viel aus Ihren Diskussionen. Jetzt möchte ich meine Wissenslücke füllen:

    Der letzte Satz in der Äußerung von Siku:

    "Jeder - Betrachter, Künstler - kann sich fragen, welchen Anspruch er an "sein Kunstwerk" stellt: einen dekorativen und charismatischen oder einen im Sinne der Anforderungen professioneller Kunstästhetik. "

    Ist das als eine Gegenüberstellung zu verstehen - die dekorative Kunst - eine Qualität, ein Anspruch, und eine ganz "andere"- Ästhetik der professionellen Kunst? Sollte eigentlich nicht beides professionell im Sinne des Handwerks sein und erfüllen denn nicht beide die Funktion der Dekoration? Neben der Tatsache, dass sie auch beide Quellen für das Philosophieren sein können?

    Sind Sie der Meinung, dass die äußerlich "dekorative" Malerei keinen tieferen Inhalt haben könnte? Oder deren Autoren niedrigere Maßstäbe der Ästhetik setzen?

    Ich spreche z.T. auch aus eigener Erfahrung und Beobachtung. In manchen Galerien ist fast eine Wand der Ablehnung der dekorativen Malerei von Seiten komischerweise eben "professioneller" Künstler zu spüren, eine deutliche Abwertung sogar öfters...

    Da würde mich Ihre Meinung auch sehr interessieren (es hat mich auch eine Portion der Überwindung gekostet, diese Frage hier zu stellen...). Wenn es Ihnen nicht schwer fällt und Sie Zeit haben, schauen Sie bitte auch in meine HP rein (sie ist beabsichtigt spartanisch gestaltet, ohne eine einzige fremde Grafik im Design, um Platz und "neutralen" Hintergrund für meine Bilder zu halten). Mich interessiert Ihre Sicht darauf.

    Ich danke im Voraus!

    🔗

    Grüße aus der Lausitz!
    Vera Sattler
  • Sabine Minten
    Sabine Minten
    Hi alle zusammen,

    das Thema ist heavy stuff - man könnte endlos darüber debattieren, diskutieren und sich dran reiben.

    Vor 2 Jahren habe ich mal einen "Anfänger-Basiskurs Malen" gemacht. Eine der ersten Botschaften des Kurses war: 90 Prozent ist Technik und höchsten 10 Prozent beruhen auf Talent bzw. Kreativität. Das hat mich dann doch sehr beeindruckt - dachte ich doch bis dahin naiverweise, es sei grad umgekehrt...

    Bedauerlicherweise bin ich bis heute in dieser Frage der Relation von Technik und Talent auch nicht sehr viel weitergekommen.

    Zur Fragestellung, wann Kunst denn nun Kunst ist, habe ich seitdem jedoch einige amüsante Beobachtungen gemacht:

    1. Kunst ist dann Kunst, wenn sie als solche deklariert wird.
    Was man dazu braucht, ist ein präzises Gespür für Trends und Zielgruppenbedürfnisse und die Fähigkeit, das ganze mediengerecht aufzubereiten (Das ist übrigens auch ne Kunst...).

    Trend ist z. B. die Maxime "Ich bin (irgendwie) anders als die anderen". Individualität ist eine äusserst begehrte Eigenschaft - fast schon eine Tugend. Absurderweise sogar eine, mit der industriell massengefertigte Labels vermarktet werden. Die Deklarierung der persönlichen Einzigartigkeit stärkt das Ego ungemein und trifft allgemein auf Bewunderung und Bestärkung.

    Die Vielfalt der für die begehrte Unterscheidbarkeit als Massstab herangezogenenen Eigenschaften ist mittlerweile kaum zu überbieten. Da ist für jeden was dabei! Ob das nun ein Daniel Küblböck oder ein bildender Künstler ist...

    Das erspart viel mühsamen Umweg über das Erlangen künstlerischer Qualität und die damit verbundene lästige Auseinandersetzung, wenn man seinen "Werken" eben einen trendgerechten und - in der Königsdisziplin - zudem wohldosiert schockierenden Hintergrund verpasst.
    Signatur
  • Gast, 1
    Hallo, Vera,

    >Ist das als eine Gegenüberstellung zu verstehen - die dekorative
    >Kunst - eine Qualität, ein Anspruch, und eine ganz
    >"andere"
    - Ästhetik der professionellen Kunst?

    Ich weiß nicht, wie Siku das gemeint hat, aber für mich gibt es diesen Unterscheidung durchaus, AAAABER: Dekoratives "muß" nicht Kunst sein, und Kunst "darf" ruhig dekorativ sein. Ich kann diese Grenze einfach nicht objektiv setzen. Die Bilder von Josef Albers z.B. sind großartige Kunst UND dekorativ. Die Bilder von Raimund Girke sind selten dekorativ, aber immer große und bedeutende Kunst. Meiner Meinung nach!

    >Sollte eigentlich nicht beides professionell im Sinne des
    >Handwerks sein und erfüllen denn nicht beide die Funktion der
    >Dekoration?

    Meistens ja.

    > Neben der Tatsache, dass sie auch beide Quellen für das
    > Philosophieren sein können?

    Ja, sehe ich auch so. Ich bin auch stets dafür, die Grenze zwischen Kunst und Kunsthandwerk nicht allzu streng zu ziehen.

    >Sind Sie der Meinung, dass die äußerlich "dekorative" Malerei
    >keinen tieferen Inhalt haben könnte?

    Nein, dieser Meinung bin ich nicht.

    >Oder deren Autoren niedrigere Maßstäbe der Ästhetik setzen?

    Nein.

    >Ich spreche z.T. auch aus eigener Erfahrung und Beobachtung.
    >In manchen Galerien ist fast eine Wand der Ablehnung der
    >dekorativen Malerei von Seiten komischerweise eben
    >"professioneller" Künstler zu spüren, eine deutliche Abwertung
    >sogar öfters...

    Wohingegen ein Müllhaufen durchaus in jedem mittelgroßen Museum zu finden ist, meistens horrend versichert ;-)

    Schönen Gruss

    Peter
  • Gast, 1
    Hallo, Vera,

    ich habe mir Deine Website lange und ausführlich angesehen und bin begeistert! Die Sorbischen Eier sind wunderschön, und auch die Enkaustik ist faszinierend. Vieles, sehr vieles davon würde ich "Kunst" nennen, und zugleich großartiges "Kunsthandwerk". Besseres kann man zu einem Kunstwerk meiner Meinung nach nicht sagen, da Können und Intuition hier zusammenkommen.

    Ein Besuch dieser Seite ist wirklich lohnenswert!

    Viele Grüße

    Peter
  • Dana
    Dana
    Hallo Allen zusammen,
    was ist Kunst ?
    Ich glaube, dass man darüber unendlich diskutieren kann.
    Darüber gibt es so viele Theoriene wie Menschen auf der Erde. Für jeden einzehlnen bedeutet Kunst etwas anderes und ich fiende es gut so.
    Der Begriff Kunst wurde vom Menschen erfunden,weil der Mensch immer dazu drängt alles zu benennen, katalogisieren, und dadurch für sich selber eine Klarheit zu schaffen.
    Ich meine, dass die Kunst etwas ist, was man nicht in eine Schublade stecken kann . Sie ist überall in uns und auser uns, und ihre Grenzen sind so verschwommen, dass keiner sich 100%-tig sicher sein kann,ob es noch die Kunst ist oder nicht mehr.
    Unbd das ist auch gut so.
    Dana
    Signatur
  • El-Meky
    El-Meky
    hallo Dana,
    schön einfach erklärt und auf den Punkt gebracht. :!:
    liebe Grüsse
    Signatur
  • Gast, 1
    Hallo, Dana,



    Ich meine, dass die Kunst etwas ist, was man nicht in eine Schublade stecken kann . Sie ist überall in uns und auser uns, und ihre Grenzen sind so verschwommen, dass keiner sich 100%-tig sicher sein kann,ob es noch die Kunst ist oder nicht mehr.
    Unbd das ist auch gut so.
    Dana


    Ohne Frage kann man nie sicher sein, ob etwas Kunst ist. Aber ob Kunst überall in und außer uns ist, das ist ja fast schon eine religiöse Frage ;-) Und selbst wenn das so wäre: Ist dann jeder, der GLAUBT (!), an diesem "Alles" zu zapfen, ein Künstler und das, was er tut Kunst?

    Überall in und um uns herum ist Musik (Schallwellen). Ist jeder, der sein "Im Frühtau zu Berge" im Badezimmer schmettert ein Musiker?

    Wir nicht, wenn ALLES Kunst ist, der Begriff "Kunst" völlig leer?

    Schönen Gruss

    Peter
  • Gast, 8
    Hallo, Peter! Hallo, alle!

    Ich danke für den Mut, den Sie mir machen und werde nach wie vor diese Diskussion mir großem Interesse weiter verfolgen.

    Tatsächlich – das ist so ein komplexer Begriff, die Kunst! Und da das etwas sehr Subjektives ist - für beide Seiten (Künstler, Schöpfer und Genießer, Betrachter), hat ja jeder SEINE Sicht der Dinge, SEINE Maßstäbe, die er anlegt, SEINE Kriterien, nach denen er das Werk als Kunst einstuft oder auch nicht...

    Und es ist auch gut so. Sonst würden wir nicht „schön“, „einmalig“, „meisterhaft“ zu den uns zusagenden Werken sagen, sondern „richtig“, korrekt“, „entsprechend der Norm und den Regeln“...

    Bloß gut, dass Kunst so ein reicher, gefächerter Komplex ist. Und gerade die unterschiedlichen Sichten von uns allen bereichern uns, weil der Blickwinkel immer weiter wird, man entdeckt immer etwas Neues. Es muss einem auch nicht alles gefallen, aber es bereichert mit Sicherheit, auch wenn die Empfindung eines Werkes negativ ist, man lernt dazu, man geht weiter...

    Denn auch das größte Talent braucht neben seiner Imagination, Vision und Inspiration auch etwas Wissen (Kunst, Geschichte, Kulturen...) und Können (Techniken, Physik der Stoffe und Materialien, handwerkliche Fertigkeiten, ganz normaler Fleiß, Ausdauer, Geduld...), um das Talent für die anderen sichtbar zu machen, zu materialisieren.

    Ich glaube, in sehr engem Zusammenhang zur Kunst steht auch das Bewusstsein und das Bewusste, das uns zum Schaffen führt, das uns auf den Weg und zu den Bemühungen bringt, das ETWAS zu kreieren, was Emotionen beim Künstler und beim Betrachter weckt...

    Ich weiß, das sind fast Weisheiten, ich wollte sie nur auch mal laut für mich benannt haben:wink: ...

    Gruß aus der Lausitz!
    Vera Sattler
    🔗
  • siku
    Liebe Vera,
    ich will mich um eine Antwort nicht drücken, zufrieden stellen wird Sie mein Text wahrscheinlich auch nicht. Fast jede bildende Kunst ist dekorativ. Ob das ihre vornehmliche Aufgabe ist oder nicht, nur darüber ließe sich streiten. (Die zeitgenössiche stellt sich aber manchmal häufiger in beschreibenden Worten dar als visuell).
    Ich habe die Worte "Anforderung professioneller Kunstästhetik" in dem von Ihnen zitierten Satz gebraucht - und schon gibt es eine Schieflage. Das liegt wohl daran, dass es tatsächlich weitere Anforderungen/ Merkmale als nur "schön" gibt, aber gleichzeitig ein Teil kreativen Schaffens so auch abgewertet werden kann. Tatsache ist, dass wir wohl zu zu ernsten Diskussionen uns sehr schnell zur Trennung von Kunst z. B. Kunst - Kitsch, E-Musik - U-Musik neigen - oder aber dass wir uns auf unseren künstlerischen Genius berufen und uns in einem eigenen, abgesteckten Rahmen aufhalten. Um Ihre Frage nicht ganz offen stehen zu lassen, kann ich einfach nur auf zeitgemäße Diskussionen und Rezessionen verweisen. Da ich nicht weiß, ob ich hier Literatur/ Zeitschriften nennen darf, sei nur auf einige sehr unterschiedliche Künstler wie Gerhard Richter, Katharina Severding, Peter Kogler hingewiesen. Hoffentlich lag es nicht an meinem Kommentar, dass es Sie Überwindung gekostet hat, überhaupt Fragen zu stellen. Kunst wird oft zu ehrfurchtsvoll behandelt, dabei ist sie doch häufig auch als spielerisch/ schöpferisches Element ein Ausdruck von Leichtigkeit und Gelöstheit.
    Ich habe mir Ihre fantasievollen und durchdachten Farb- und Formenkompositionen wie "Tanz der Farben, Mittsommer, Inspiration oder Hoffnung" gerne angesehen.
    Schöne Grüße siku


    Hallo SAM

    wohltuend in ansonsten eher ernster Runde dieses Forums erheitern mich Ihre fröhlichen Ausführungen. Nehmen Sie das alles nur nicht zu sehr auf die leichte Schulter - das ist nicht für alle zum Lachen - Wahrheiten gehen wir doch schnell gern aus dem Weg. Und man weiß ja: wer angibt, hat mehr vom Leben. Dabei sollten wir noch die oft wichtigtuerischen Minen und Auftritte der "Künstler" nicht vergessen zu erwähnen. Aber: Humor ist, wenn man trotzdem lacht.
    Gruß siku
  • Sabine Minten
    Sabine Minten
    Hallo siku,

    dieses Spannungsfeld "schön = dekorativ = keine Kunst" macht mir mitunter auch richtig zu schaffen. Der Begriff "schön" impliziert gerade in der Kunstwelt so viele Eigenschaften, gegen die zu revoltieren lohnt - einerseits...

    "Schön" hat dann den Beigeschmack von "oberflächlich" im Sinne von "Effekthascherei", "sich einem breitem Publikumsgeschmack andienend", "konstruiert" und "spiessig" allemal. "Schön" ist auf Anerkennung aus, deshalb vordergründig und korrumpierbar. Da ist ja auch was dran - häufig...

    Während des Dritten Reiches wurde jene Kunst, die nicht dem herrschenden Menschen- und Schönheitsideal entsprach, als "entartet" verfemt und verfolgt. "Schön" wurde propagandistisch missbraucht und dieser Ruch der Verlogenheit hängt dem Begriff bis heute als Makel an.

    Die Kunst sieht es seitdem als ihre Aufgabe, sich gegen den einlullenden Charakter von Schönheit zu stemmen, sie als trügerisch zu demaskieren und damit einen unbequemen Kontrapunkt zu Konvention und Verlogenheit zu setzen. Zu Recht...

    Das dann natürlich auch vieles lediglich im modisch revolutionär verbrämten Gewand daher kommt und furchtbar wichtig tut, liegt in der Natur des Menschen. Seit "RTL sucht den Superstar" wundert mich ja nun nix mehr an brüllkomischer Selbstüberschätzung. Kommerz und Eitelkeit - eine unwiderstehliche Allianz.

    Die wirklich parodistische Qualität liegt jedoch in der Reaktion des (Kunst-)Publikums und der (Kunst-)Diskussion. Da wird mit todernsten Mienen analysiert und fabuliert, was das Zeug hält. Die Schlacht der Künstler und Kulturdezernenten und der homerische Chor aus dem Off...wer zuerst lacht, hat verloren.

    Bloss: Wenn sich der heimische Stammtisch dann mal wieder einig ist, dass ein schwarzes Rechteck auf rotem Grund nun wirklich nicht zur Kunst zählt, bin ich auf der Stelle bereit, genau dies vehement zu grosser Kunst zu erklären :-)

    Im übrigen denke ich: Wir kriegen die Kunst, die wir verdienen (gilt auch für Politiker, Zeitungen und Fenrnsehsendungen...)
    Signatur
  • klaus etteldorf
    klaus etteldorf
    Hallo zusammen,

    finde es eigentlich Schade, daß hier die "art brut" ein wenig nieder gemacht wurde. Ich bin der Meinung, daß gerade diese Künstler, wie eben alle Expressionisten, sich keinesfalls verstecken.
    Im Gegenteil - sie zeigen ihr Innerstes - für sie muss Kunst nicht zwangsläufig schön sein. Sie laufen bei jeder Veröffentlichung Gefahr sich dem Spott derjenigen auszusetzen, die von Kunst nur eines erwarten, nämlich daß sie schön, dekorativund eindeutig ist.

    Klaus
  • Gast, 6
    hallo klaus,
    glaube nicht, dass hier jemand wirkliches interesse daran hat die art-brut nieder zu machen. es hat sich vermutlich bei vielen (sicherlich bei mir) einfach als beispiel aufgedrängt, genau so wie auch immer beuys den kopf herhalten muss.
    ..... lese sehr viele kunsthistorische abhandlungen, wenn man nicht mehr weiss, wo man grundlagen her holen soll, ist es einfach auch immer duchamp gewesen. :-)
    für mich hätte jeder ander .....-ismus oder jede ......-art, als beispiel funktionieren können.
    gruss, cocteau
  • Gast, 1
    Hallo, Klaus,

    es lag mir fern, l'art brut "niederzumachen". Allerdings habe ich einen anderen Kunstanspruch und ein anderes Kunstverständnis.

    Schönen Gruss

    Peter
  • Lars Gellersen
    Lars Gellersen
    Hallo zusammen,

    habe mit Interesse diese Diskussion gelesen und will mal hier in Kürze mein "Credo" zu diesem Thema zum Besten geben:

    Um noch einmal einen Vergleich aus der Musik heranzuziehen: Ich verstehe mich mehr als "Komponist" denn als "Instrumentalist". Und von einem Komponisten (oder auch einem Songwriter) erwartet man ja auch nicht zwingend, daß er perfekt ein Instrument beherrscht; auch der Schriftsteller muß keine gut leserliche Handschrift oder eine perfekte Rechtschreibung und Zeichensetzung zu haben, genausowenig wie ein Regisseur ein grandioser Schauspieler zu sein braucht. Niemand würde bei diesen Leuten bestreiten, daß es sich - bei entsprechenden kreativen Leistungen in ihrem "Fachgebiet" - nicht um Künstler handelt. Mir kommt es so vor, daß allein in der bildenden Kunst die überwiegende Meinung vorherrscht, daß man in allen einzelnen Ausführungsschritten zum Gesamtkunstwerk perfekt oder zumindest sehr gut sein muß, um am Ende tatsächlich als "Küsntler" akzeptiert zu werden. Und dem widerspreche ich, denn für mich ist auch jeder ein Künstler, der auch nur in einem der vielen Schritte zum Gesamtwerk besticht; so gibt es eben Leute mit genialen Bildideen, Menschen mit dem Gespür für tolle Farbkompositionen, Maler mit erstaunlicher technischer Perfektion, wieder andere, die es schaffen, eine gewollte "Aussage" perfekt zu visualisieren usw. usf. - und alle diese Leute würde ich als Künstler bezeichnen. Natürlich ist klar, daß z.B. jemand wie Dalí, der hervorragende Bildideen und technische Perfektion vereint, ein besonders hohes Ansehen als Künstler genießen sollte, es ist immer besser, mehr zu können als weniger, aber alle anderen, die auf ihrem "Einzelgebiet" gut sind, verdienen ebenso den Begriff "Künstler".

    Ich jedenfalls will meine Idee nicht von meinen begrenzten handwerklichen Fähigkeiten abhängig machen, sondern ich suche mir die geeignetesten Mittel und Wege, wie sich die Ideen umsetzen lassen. Dies ist z.B. einer der Gründe, warum ich praktisch ausschließlich digital arbeite, denn so brauche ich meine kreativen Impulse nicht so einzugrenzen; wenn ich irgendetwas nicht malen "kann", dann nehme ich eben eine 3D-Graphik, ein Photo oder sonstetwas dazu, um meine Idee umzusetzen und ich halte das auch für vollkommen "legitim". Ich möchte meine Zeit nicht damit zubringen, mühselig technische Fertigkeiten zu erlernen um dann ein Ergebnis zu erzielen, das ich auf anderem Weg in einem Bruchteil der Zeit hätte erreichen können, denn, wenn man nicht grade eins der ganz wenigen Universalgenies ist, hat man nun mal Stärken und Schwächen und ich finde, man sollte sich im Sinne der Energieaufwendung für die größtmögliche eigene Kreativitätsentfaltung lieber auf seine Stärken besinnen und die Schwächen eher mit Hilfsmitteln umgehen und nur dann zu beseitigen versuchen, wenn es nicht eben auch eine Möglichkeit gibt, diese Schwächen anders und mit weniger Energieaufwand auszubügeln.

    Beste Grüße

    Lars
  • Gast, 1
    Hallo, Lars,

    manche Deiner Beispiele sind wie der Vergleich von Äpfeln mit Birnen ;-)

    Das künstlerische Ergebnis eines Komponisten ist nicht das Instrumentspielen (DAS ist das künstlerische Ergebnis des INSTRUMENTALISTEN), sondern das hörbare Musikstück. Und wenn er SEIN Handwerk (entweder Notenkenntnis und das Notenhintereinandersetzen ;-) und/oder aber die Bedienung eines Synthesizers) nicht beherrscht, ist er ein Laie, meistens sogar ein peinlicher.

    Genauso ist es mit Deinen anderen Beispielen: Ein Schauspieler, der sein Handwerk nicht beherrscht, wird lächerlich.

    Ein Regisseur, der nicht in der Lage ist, seine Ideen einem Team zu vermitteln und dieses Team zu motivieren/inspirieren, wird so gut, wie Schlingensief es ist ;-)

    Vor allem aber (und da kenne ich mich aus): Die Handschrift ist nicht das Handwerk des Schriftstellers, sondern seine Ideen, die in Worte zu fassen SEIN Handwerk ist (also Beherrschung der deutschen Sprache sollte vorausgesetzt werden für einen auf Deutsch schreibenden Schriftsteller). Alles andere wirkt megapeinlich. Herzschmerzgedichte haben das Internet überflutet und z.B. die Lyrik (die echte) an den Rand gedrängt... Solche Küchentischlyrik ist nicht nur peinlich, sondern megapeinlich...

    Und ein Bildender Künstler, der SEIN Handwerk (Maler: Farben, Malgründe; Bildhauer: Material, Werkzeghandhabung; Digitalkünstler: Programme) nicht beherrscht, wird auch mit NOCH so vielen Ideen meistens nicht zum Ziel kommen.

    Schönen Gruss

    Peter
  • siku
    Hallo Sam,
    schöne Grüße :) siku

    Bin gespannt, wie die Diskussion hier weitergeht.
  • siku
    Hallo SAM,
    Entschuldigung für den Tippfehler, siku
  • Gast, 6
    hallo,
    peters ausführungen finde ich absolut spannend, und mehr als nur legitim. was nützen die besten ideen wenn man sie nicht umsetzen kann? heute ist es (leider ?) möglich auf andere hilfsmittel auszuweichen, so endstehen eine absolute flut von werken die im kern nicht (mehr) der eigentlichen künstlerischen idee entsprechen. für diese werke finde ich den begriff "peinlich" wirklich absolut zutreffend.

    eventuell würde hier ein gutes buch etwas an grundlagen bringen........

    gruss, cocteau
  • Gast, 3
    ja aber ist das nicht alles sehr subjektiv... wer stellt die maßstäbe, wer sagt was peinlich ist und was kunst... ich kann nach wie vor keine trennung erkennen....

    HILFEEEEEEEEE


    mags endlich wissen...

    sashimi
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