KunstNet nutzt Cookies. Details.
  • Kunst, Können und andere Kleinigkeiten

  • reteP Kunst, Können und andere Kleinigkeiten
    In dem Thread "Was ist Kunst" stellte ich in einer Antwort die Frage nach dem Können, d.h. nach dem Handwerklichen. Darauf wurde nicht reagiert, vielleicht wurde es überlesen. Ich habe den Teil meiner dortigen Antwort erweitert und mache daraus einen eigenen Thread:

    Was wäre von einem Menschen zu halten, wenn er sich auf die Bühne der Kölner Philharmonie stellte, und dort –noch nie eine Klavierstunde in seinem Leben gehabt habend- auf den Flügel einschlüge und behauptete, er sei ein Klavierspieler von künstlerischem Rang? Vermutlich würde man über ihn lächeln; vermutlich ihm die Psychiatrie empfehlen; sicherlich aber würde ihn keiner ernst nehmen. In der Bildenden Kunst passiert das saisonal im großen Rahmen, wenn wieder einmal ein „Künstler“ gerade „in“ ist, der während seines Akademiestudiums systematisch verlernt hat, was künstlerisches Handwerk ist; und regional passiert das im Internet alleweil!

    Was mir bei vielen Künstlern oft fehlt, ist eine Mindest-Kenntnis der Kunstgeschichte inklusive der Rezeption von Kunst in Museen (Kein Musiker käme auf die Idee, zu sagen, er höre keine Musik, um sich seinen „Stil“ nicht versauen zu lassen, aber genau DAS tun viele „Künstler“!!!).

    Und zum anderen fehlt die Erkenntnis, dass zur Kunst auch das Können gehört. Es ist natürlich dumm, anzunehmen, das "Kunst“ und „Können" identisch sind. Das ist es nicht, denn so eine „Können-Kunst“ wäre tatsächlich leer.

    Aber eine Kunst ohne Können ist einfach nur peinlich. Wobei ich mit Können nicht "Akademie" meine. Ich bin der festen Überzeugung, dass der Mensch Kunst machen KANN, sofern er neben Intuition und Phantasie, die er haben MUSS, auch das Können, sprich: das Handwerkliche vorhanden ist, das in der Regel erarbeitet und "gelernt" werden muß, sei es autodidaktisch, sei es in einem Studium.

    Viele Grüße

    Peter
  • El-Meky
    El-Meky
    hallo Peter,

    du hast es wohl überlesen, aber in dem anderen thread bin ich drauf eingegangen:

    Ist die Entstehung von Kunst an die Ausübung einer Handwerklichen Tätigkeit (und die Beherrschung von Techniken) durch den Künstler gebunden ?

    Die Entstehung von Kunst ist nicht an nix gebunden . Sie entsteht in der Vision . Allerdings sind Handwerkliche Kenntnisse von Vorteil, eine Vision umzusetzen und zu realisieren.
    z.B.du hast eine Vision , eine Idee , eine Skulptur aus Marmor zu machen. . mit einem einzigen Meisselschlag kann der Marmor in tausend Stücke zerspringen, wenn du nichts von diesem Stein und seiner optimalen Bearbeitung weisst/ gelernt hast.




    Ja, ich finde man sollte handwerkliche Fähigkeiten Besitzen.

    weil sich dann Ideen besser und leichter Umsetzen lassen .

    Ich suche ja deshalb einen Lehrmeister auf freundschaftlicher Basis , der in meiner Stadt wohnt und so malt wie TH. Bühler.... *wünsch*lg
    Signatur
  • imihsas
    hi peter, hi heliopo...

    kurze zwischenfrage... was ist dann mit Art Brut... Kunst die zb in psychiatrischen Krankenhäusern entsteht... ?

    Art brut

    "Der Begriff Art brut (unverbildete Kunst) wurde 1945 vom französischen Maler Jean Dubuffet geprägt. Er bezeichnet Werke von Menschen ohne Bildung, die am Rande der Gesellschaft oder in einer psychiatr. Klinik leben. Diese Werke, die nichts mit dem Gebiet der herkömml. Kunst zu tun haben und von reinen Autodidakten stammen, entspringen figurativen Systemen und individuellen Vorstellungswelten, die oft eigentümlich und verwirrend sind. "


    lg
    sashimi
  • Jetzt bei Amazon günstig Kunstbedarf kaufen.- Werbpartner -
  • reteP
    Hallo, Heliopo,

    ja, das habe ich wirklich überlesen, sorry.

    Wünsche Dir, daß Du Deinen Lehrmeister findest :-)

    Gruss

    Peter
  • reteP
    Hallo, Sashimi,

    wenn psychiatrische Patienten Bilder malen, ist das FÜR MICH Therapie und sehr wichtig und notwendig.

    Wenn aber Künstler wie Jean Dubuffet in dieser Art malen, ist das a bisserl lächerlich, finde ich.

    Schönen Gruss

    Peter
  • imihsas
    @ peter,
    das stimmt womöglich, aber tatsache ist doch das art brut eine annerkannte kunstrichtung ist, dh die therapie des malens als autodidaktischen psychisch kranken auch... oder?

    lg
    sashimi
  • reteP
    Liebe Sashimi,

    >das stimmt womöglich, aber tatsache ist doch das art brut eine
    >annerkannte kunstrichtung ist,

    Ja. Aber Beuys ist auch anerkannt, was für mich kein Maßstab ist :-)

    >dh die therapie des malens als autodidaktischen psychisch kranken
    >auch... oder?

    Hm, das verstehe ich nicht ganz. Die Maltherapie von Psychischkranken ist als THERAPIE anerkannt, ja, findet täglich in aberhunderten Kliniken statt. Oder meinst Du das anders?

    Schönen Gruss

    Peter
  • imihsas
    hmmmm... schwierig , schwierig...

    beys ist schon ein künstler für mich... mag sein das seine arbeiten nicht unbedingt ein ausdruck von können im handwerklichen sinn darstellt, aber immerhin kann er mit seinen arbeiten menschen erreichen... zu diskussionen anregen.....

    und wo hört die therapie in diesen krankenhäusern auf, und beginnt die kunstform... ?

    und wenn dem alles so ist, dann bin ich schon gar kein künstler... hab weder das handwerk gelernt, noch bin ich gut in kunstgeschichte... weder in der malerei noch in der fotografie...
    was bin ich dann deiner meinung??
  • reteP
    Liebe Sashimi,

    >beys ist schon ein künstler für mich... mag sein das seine arbeiten
    >nicht unbedingt ein ausdruck von können im handwerklichen sinn
    >darstellt, aber immerhin kann er mit seinen arbeiten menschen
    >erreichen... zu diskussionen anregen.....

    Ja, aber das können viele Menschen durch Worte und Taten auch. Sind das sofort "Künstler"? Ich fasse den Begriff "Künstler" sehr streng. Zumal Beuys anders KONNTE! Man möge es mir glauben oder nicht, aber eines meiner Lieblingsholzbildhauereien ist von Beuys. Ein wunderbarer Jungmännerkopf. Er ist im Museum zu Kleve (Niederrhein) zu sehen. Aber dort sieht man auch einige Geleise von ihm, dekotiert mit einer verrosteten Haltestelle. Und wenn man dann weiß, daß allein die Versicherung dieses Stückes "Weltkunst" ausgereicht hätte, mehrere Bilder hervorragender Jahrhundertkünstler zu kaufen, wird mir übel.

    >und wo hört die therapie in diesen krankenhäusern auf, und
    >beginnt die kunstform... ?

    Warum MUSS diese therapeutische Arbeit denn Kunst sein?

    >und wenn dem alles so ist, dann bin ich schon gar kein künstler...

    Doch!!! Irgendwo (ich glaube bei "Was ist Kunst") habe ich mal versucht zu formulieren, was für mich zur Kunst gehört. Ich versuche es noch mal: Kunst ist für mich der Bildnerische Ausdruck von Imagination, Intuition, Kreativität und Handwerk. All das muß man doch nicht bei irgendeinem Meister gelernt haben! Aber man eignet es sich doch selbst an, wenn man seine Sache ernst nimmt. Du hast doch auch das Fotografieren und das Malen Deiner süß-frechen Püppies nicht sofort gekonnt, sondern sie sind das Ergebnis der Auseinandersetzung mit den Möglichkeiten.


    >was bin ich dann deiner meinung??

    Für mich bist Du eine tolle Künstlerin.

    Schönen Gruss
  • reteP
    Noch etwas, Sashimi,

    es kam und kommt mir keinsfalls darauf an, Richtlinien für das Künstlersein aufzustellen. Da bin ich weder ermächtig noch bin ich dazu fähig. Ich habe nur große Schwierigkeiten damit, wenn jemand einen Kübel Farbe über 3 qm Leinwand gießt, und dann meint, er habe Kunst gemacht. Wer den Film POLLOCK gesehen hat, weiß, wie kunstvoll und schwer so etwas sein kann, aber daß man es KÖNNEN muss... Genauso schwer ist es für mich, einen buttergetränkten Stuhl als Kunst anzuerkennen. Die Putzfrau, die damals Beuys' dreckige Badewanne säuberte und damit einen Kunst-Skandal beschwor, weil sie ein "Kunstwerk" zerstörte, gehört für mich zu den Idolen meiner Kunstauffassung :-)


    Liebe Grüße

    Peter
  • imihsas
    :D

    bussi peter...

    sashimi
  • Sabine Minten
    Sabine Minten
    Leider hab ich schon ein Glas Wein getrunken und - uuups - einene ganz kleinen im Tee und auch nicht viel Zeit :-) Gäste kommen gleich...

    Wollte in diese spannende Diskussion nur schnell diese Story von dem Affen (einen richtigen) reinwerfen, den man seinerzeit (ich weiss nicht wann und wo - hab ich jedenfalls mal gelesen) auf eine Leinwand losgelassen hatte... War das Kunst, was dabei rauskam?

    Vielleicht gehört zum Begriff "Kunst" auch so etwas wie ein Bewusstsein (in Abgrenzung zu Absicht - Definition bleib ich jetzt mal schuldig...).

    OOOhh - es klingelt....
    Signatur
  • eivlyS
    editiert
  • uaetcoc
    hallo peter,
    kunst hat sicherlich etwas mit können zu schaffen. nur was muss man können? für mich ist georg maciunas ein sehr wichtiger künstler, auch wenn er eigentlich nur als theoretiker tätig war und kaum etwas ausführte. hans haake`s kunst zeigt sich eigentlich auch nicht in den wenigen objekten, sondern in den recherche-arbeiten die den werken zu grunde liegen. ich glaueb dass niemand einem adolf wölfli sein können absprechen will, auch wenn es "nur" art-brut ist und er wirklich sein leben in der puk verbrachte. wiederum ist es dann ebenso lächerlich, dass jeder der nun in einer klinik malt sofort zum künstler erklärt wird. irgendetwas MUSS der künstler doch können?!!! für mich wird dann jemand zum künstler, wenn er dazu steht. dies meine ich so:

    (und nun kommt eine aussage, wo ich sehr viele böse reaktionen ernten werde)

    es geht mir nicht in den kopf, dass ein riesiger teil der künstler sich hinter ihren werken verstecken, die sätze wie "ich will nicht betteln gehen" oder so, kann ich echt nicht mehr hören. wenn man etwas vollbringt, ein kunstwerk, macht man etwas, dass die welt "eigentlich" nicht braucht. man nimmt sich nun die arroganz, diese werk der menschheit zeigen zu wollen - also ist man doch der meinung ICH BIN GUT! verdammt, dann soll man auch dazu stehen - dann ist man nach meiner meinung ein künstler, der ebenso kritisiert werden darf. wer an die öffentlichkeit geht, zeigt (verkauft) sein können, irgend ein können. wenn es bei beuys eventuell auch nur war, dass sein können darin bestand sich verkaufen zu können.

    mit dem klassischen können - pinsel in der hand und farbe aufs papier - hat dies schon lange nichts mehr zu tun. das einzige ist einfach, diese objekte sind vergleichbar, wie in der schule. hier stimmt die perspektive, hier nicht - bäääääh - durchgefallen. vermutlich malt aus diesem grunde auch beinahe niemand mehr naturalistisch - oder? "wirkliches" künstlerisches können, im sinne von cenino cennini, ist out, einfach nicht mehr in mode, vermutlich weil es für die künstler zu "gefährlich" ist, sich diesem druck auszusetzen. also sucht man sein können auf einer anderen seite.

    war an einer ausstellung eines künstlers der echten schrott fabriziert, nennt es auch art-brut (geniales label, ist die kunstrichtung mit einem riesigen marktpotenzial - für alle die noch schnell umsteigen wollen) und verkauft wie irre. vor vier jahren wusste er nicht was ein pinsel ist. jetzt ist er auf den titeln von kunstzeitschriften. na eben, er ist anlageberater - er verkauft sich - er ist ein künstler.

    kunst hat gar nichts mehr mit künstlerischem können zu tun, dies sieht man ja aber auch problemlos 90% der kunstwerke an - ein absolutes eigentor.

    .......so genug. hoffe nicht gerade alle verärgert zu haben und möchte dazu noch sagen. dies ist nur ein statement, nicht meine unverrückbare meinung, überall gibt es facetten und nuancen. was am ende an einem werk zählt, ist dessen qualität, somit wäre es vermutlich zu begrüssen, wenn in der "klassischen" malerei das können nicht ganz vergessen ginge.

    gruss, cocteau
  • uaetcoc
    ......nachtrag. ich male nicht. WEILL ICH ES NICHT KANN, UND MEINE SACHEN SCHROTT SIND, ich bin KEIN KUENSTLER.
  • reteP
    Hallo, Sylvie,

    schön, daß Du erzählst, wie Du zur Malerei kamst.

    >Seither bin ich der Malerei verfallen, habe angefangen das Sehen
    >zu lernen, Biografien über Maler verschlungen, Museen und
    >Galerien besucht, viel ausprobiert und festgestellt, dass ich auf
    >dem richtigen Weg bin.

    Ich denke, daß es nur so geht: Schauen, Lernen, Tun. Egal ob mit oder ohne Studium. Studium ist nicht so wichtig, sondern Lernen und Machen. Meiner Meinung nach.

    Herzliche Grüsse

    Peter
  • reteP
    Hallo, Cocteau,

    so wie ich Deinen Post verstanden habe, ist für Dich dasjenige Kunst, das sich als Kunst verkaufen läßt. Nun, unter DIESER Bedingung (die ich nicht teile), sind Deine Aussagen sicherlich richtig.

    Ich habe aber noch die eine oder andere Frage:

    >es geht mir nicht in den kopf, dass ein riesiger teil der künstler
    >sich hinter ihren werken verstecken,

    Wer tut das denn?

    >die sätze wie "ich will nicht betteln gehen" oder so, kann ich echt
    >nicht mehr hören.

    Hat das hier jemand gesagt? Ich kann mich wirklich nicht erinnern. Betteln gehe ich zwar auch nicht, aber ich fände es durchaus toll, mal die Chance zu kriegen, in einer größeren Galerie auszustellen.

    >wenn man etwas vollbringt, ein kunstwerk, macht man etwas,
    >dass die welt "eigentlich" nicht braucht.

    Stimmt.

    > man nimmt sich nun die arroganz, diese werk der menschheit
    > zeigen zu wollen -

    Stimmt.

    >also ist man doch der meinung ICH BIN GUT!

    Stimmt.

    > verdammt, dann soll man auch dazu stehen -

    Ja, klar doch. Aber wer von uns "Aktiven" tut das denn nicht?

    > dann ist man nach meiner meinung ein künstler, der ebenso
    > kritisiert werden darf.

    Ich denke, daß hier schon kritisiert wird.

    > wer an die öffentlichkeit geht, zeigt (verkauft) sein können,
    > irgend ein können.

    Klar. Auch Nicht-Können. Aber muß das dann gleich "Kunst" genannt werden?

    > wenn es bei beuys eventuell auch nur war, dass sein können
    >darin bestand sich verkaufen zu können.

    Zu Beuys äußere ich mich nicht mehr.

    >mit dem klassischen können - pinsel in der hand und farbe aufs
    >papier - hat dies schon lange nichts mehr zu tun.

    FÜR MICH SCHON!!! FÜR M_E_I_N_E Kunst ist DAS der Maßstab.

    >das einzige ist einfach, diese objekte sind vergleichbar, wie in
    >der schule. hier stimmt die perspektive, hier nicht - bäääääh -
    >durchgefallen. vermutlich malt aus diesem grunde auch beinahe
    >niemand mehr naturalistisch - oder?

    Ich kann beides, bevorzuge nur halt das Nichtgegenständliche. Ich antworte übrigens nur für mich, weil Du MICH angesprochen hast.

    > "wirkliches" künstlerisches können, im sinne von cenino cennini,
    > ist out, einfach nicht mehr in mode,

    Mein Gott, Cocteau, wenn ich darauf bauen würde, was MODE ist, würde ich es sein lassen, Kunst zu machen. "Meine" Kunst ist altmodisch hoch zehn. Macht mich das zum Nicht-Künstler? Nicht-In-Seiender (d.h. out zu sein) ist für mich erträglich. Mich nach einer MODE zu richten, unerträglich.

    > vermutlich weil es für die künstler zu "gefährlich" ist, sich diesem
    > druck auszusetzen.

    Das ist eine Unterstellung. Warum soll ich mich einem Mode-Druck aussetzen, den ich von Herzen ablehne.

    > also sucht man sein können auf einer anderen seite.

    ???

    > war an einer ausstellung eines künstlers der echten schrott
    > fabriziert, nennt es auch art-brut (geniales label, ist die
    > kunstrichtung mit einem riesigen marktpotenzial - für alle die
    > noch schnell umsteigen wollen)

    Marktpotenziale interessieren mich nicht. Ich bin in der GLÜCKLICHEN Lage, ohne einen wirtschaftlichen Seitenblick meine Kunst machen zu können.

    >kunst hat gar nichts mehr mit künstlerischem können zu tun, dies
    > sieht man ja aber auch problemlos 90% der kunstwerke an - ein
    > absolutes eigentor.

    Dann gehöre ich (hoffentlich) zu den 10% Unbelehrbaren ;-)

    Verärgert hast Du mich keineswegs! Durch solche Postings weiß ich, daß MEIN Weg für MICH der richtige ist! Ganz scbön arrogant, gell? ;-)

    Liebe Grüße

    Peter
  • uaetcoc
    hallo peter, absolut super. es geht mir auch nicht darum jemanden zu verärgern oder anzugreiffen, was mir ja zum glück auch nicht gelungen ist. :D
    leider verstecken sich extrem viele (sehr gute) künstler irgendwie ein bischen. ist wirklich schade. ich beschäftige mich seit 15 jahren jeden tag mit kunst, aber nicht einmal der kunstbetrieb konnte mir die private freude an dieser nehmen - irgendwie auch unverbesslich. :oops:
    mit dem punkt "verkaufen" meine ich nicht einfach den "deal" geld für kunst, vielmehr (unser "haufen" in der schweiz nennt dies einfach so, eventuell etwas zu lokal geprägt), dass jemand der bilder malt nicht automatisch auch ein künstler ist - im sinne wie es die menschheit heute auffasst. irgendwie muss ein "verkauf" statt finden, eine kleine grenze überschritten werden. wo diese genau liegt kann ich auch nicht aufzeichnen oder genau definieren. der künstler gibt irgend wie so etwas in das werk ein, dass es eben vom bild zum kunstwerk macht,....... ach so schwer zu beschreiben, du weisst sicherlich was ich meine.
    fand deinen vergleich mit den musikern absolut erstkalssig, auch wenn dan irgendwelche kompositionen von john cage vorgetragen werden, sind es sicherlich könner die dies präsentieren. bei der bildenden kunst nimmt es einfach manchmal komische formen an, bin aber der ABSOLUT sicheren überzeugung, dass es jedem werk anzusehen ist, was dahinter steckt. so dieses ding mit der nachhaltigkeit........ :idea:
    es ist das phänomen, was man an einem originalen werk immer wieder entdecken kann. an einem plakat sieht man sich einmal satt, auch wenn ein toller druck ein erstklassiges werk wieder gibt. ein kleines original verändert sich mit meiner tagesform und allen einflüssen der welt. und immer ist ein aspekt des künstlers in diesem werk verwurzelt. ich glaube auch, dass man (salopp) jeder "modernen monochromen schmiererei" irgendwie ansieht, wie sich der künstler damit auseinandersetzte und was er "kann".
    können hat sicherlich nichts mit ausbildung zu schaffen, das kann von überall kommen. ich bin einfach der meinung, das der markt, und da meine ich wirklich einfach den kunstmarkt, sich ihre künstler her züchtet. der mit art-brut ist leider kein witz, ist wirklich einfach in mode, dies geht soweit, dass man nun beginnt von verstorbenen leuten bilder in diese kunstsparte zu "deklarieren" und somit dem markt vortrieb zu geben. seit man dem grossen teil der menschheit erklärt hat, dass kunst für sie eh nicht zu verstehen sei, haben sie sich abgewendet und nehmen die erste konfrontation nur noch durch die medien war. um einen künstler *gross" zu machen braucht es heute leider nicht mehr eine masse die etwas "wirklich" gut findet, sondern zwei galeristen, einen agenten und irgendwelche journalisten. bingo - dies reich. :cry: wenn du in bern (als 10% künstler :lol: !!!) eine galerie betritst und ihnen deine arbeiten vorlegst, wird die antwort sein, "sehr gut, sehr schön, passt aber leider bei uns nicht ins konzept". das können ist so sekundär geworden, wenn das konzept stimmt (was heute leider einfach gerade marketing heisst) "schreiben" wir die kunst schon gut.
    ich finde deine meinung weder daneben noch antiquiert, sondern wirklich eine ganz wichtige grundlage für die kunst. wäre es generell so, wäre das "level" im generellen wieder um welten besser.
    durch die doktrin, dass kunst "geschmackssache" sei, hat man dem grossen teil der menschheit den boden endzogen sich konkret zu äussern, da sagt man doch lieber "... ich kenne mich damit nicht so aus". der rest wird dann von "fachleuten" intellektuel zerredet, pro fremdwort einen punkt :!:
    leider machen viele künstler bei diesen spielchen mit, indem dass sie sich verstecken, sich den moden anpassen oder wirklich ohne effektiven "hintergrund" arbeiten. es war für mich shokierend, als ein professor an einer kunstakademie mir vorrechnete, dass er für dieses riesenbild drei minuten benötigte und es nun für XXXX-tausend verkaufte und somit mit der hochrechnung auf einen stundenlohn von so+so komme. um was geht es nun dann eigentlich wirklich.......

    somit möchte ich meinen vortrag mit einem (für mich) sehr wichtigen erlebniss schliessen. ich war gerade in den kunst-sumpf eingetaucht und stand mit meiner freundin in düsseldorf in der kunsthalle vor einem bild. sie fragte mich, was ich davon halte und ich fing an das werk zu analysieren und ihr dies zu erläutern.... als ich fertig war, fragte ich sie dann, was sie meine. sie schaute mich an und sagte "mir gefällt es einfach".

    mein gott, ich mochte diese frau!

    in der hoffnung, dass wieder zeiten kommen, wo können und qualität wieder gefragt ist, wünsche ich dir alles gut. gruss, cocteau
  • reteP
    Dem, was Du schreibst, lieber Cocteau, ist kaum noch etwas hinzuzufügen, da ich dem Ganzen inhaltlich zustimmen kann.

    Außer vielleicht: Daß ich mich freue, jemanden aus der Schweiz hier zu treffen. Ich bin zwar kein Schweizer, aber zwei liebe Menschen in der Schweiz sind mir sehr ans Herz gewachsen... :-)

    Und dann noch: Schön, daß Du die Düsseldorfer Kunsthalle kennst. Ja, es gibt dort viel zu analysieren. Aber auch viel zu lieben :-)

    Sei lieb gegrüßt

    Peter
  • siku
    Hallo, liebe Mitdiskutanten,
    ich möchte mich in die doch schon etwas umfangreichere Diskussion einschalten, weil Ihr schon so viel Vorarbeit geleistet habt und ich mich gern mit "Kunst" auseinandersetze.
    Was hat Beuys mit "Art brut" gemeinsam? Jean Dubuffet hat den Begriff zwar geprägt als Kunst Geisteskranker, kKnder und von intellektueller Vorbildung unbeeinflusster. Er begann zwar als Autodidakt, war aber selbst kein "naiver" Künstler, sondern hat sich mit intellektuellen Kunstströmungen seiner Zeit aktiv auseinander gesetzt - und dabei ist die Fantasie in seinem Werk nicht! auf der Strecke geblieben. Besonders seine aus Naturmaterialien hergestellten Kleinplastiken sind für mich "Kleinode" in der Kunst. Falls Ihr sie nicht kennt - anschauen ist sehr empfehlenswert.
    Beuys kann man ls langweilig bezeichnen -oder auch nicht. Seine handwerklichen Fähigkeiten waren, wie an seinen grafischen Blättern unschwer zu erkennen ist, seinem Ruf als herausragender Künstler angemessen. Beuys hat den "erweiterten Kunstbegriff" verfolgt und im öffentlichen Bewußtsein etabliert. Entscheidend bei ihm ist der Prozess - die Transformation von einem Zustand in einen anderen. Beuys hat im Gegensatz zur Art brut das Wort als Bestandteil mit in sein Werk einbezogen. Für ihn wendet sich die Kunst an den Geist. Er arbeitet mit Mythen und Theorien, die Kunstschaffenden der Art brut wohl eher mit dem Herzen.
    Auch Ed Reinhardt ist ein theorienaher Künstler, studierte er doch zuerst Kunstgeschicht. Reinhardt hat die äußere Wahrnehmungsfähigkeit seiner Bilder bei den "Black Paintings" auf das Äußerste reduziert und damit zur Monochromie getrieben.
    Da sich in diesem Forum einige der Kunstschaffenden als Autodidakt und als Künstler sehen, kommt doch eigentlich die Frage nach dem eigenen Standpunkt und Anspruch auf. Den kunstinteressierten potentiellen Käufer interessiert das oft gar nicht so sehr. Wenn er das Bild gern ansehen mag und der Preis erschwinglich ist, kauft er es vielleicht. Den Kunsthändler interessiert es oftmals noch weniger, er will "Geschäfte machen". Das Motiv, welches sich am schnellsten umsetzen lässt ist begehrt.
    Die Frage ob z. B. ein Gemälde Kunst für die Ewigkeit ist, wird doch erst bei hohen Geldbeträgen relevant. Sammler gibt es im Bereich der "kleinen Kunst" ebenso wie in der "großen Kunst". Nur wird die "kleine Kunst" nie im kunstmuseum hängen, wenn der etablierte Kunstbetrieb (Kustoden, Kunsthistoriker) sie nicht annimmt. Jeder - Betrachter, Künstler - kann sich fragen, welchen Anspruch er an "sein Kunstwerk" stellt: einen dekorativen und charismatischen oder einen im Sinne der Anforderungen professioneller Kunstästhetik.
    Beste Grüße siku
  • Seite 1 von 5 [ 99 Beiträge ]

  • Anmelden um auf das Thema zu antworten oder eine Frage zu stellen.

Ähnliche Themen