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Portrait, Malerei,

LeonardoLisaMonaPorträt

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    Von Felix Cyano hochgeladen

    Versuch einer Rekonstruktion.
    Beim Studium von Gemälden alter Meister oder anderer Gemälde, die für solche gehalten werden, blieb ich an der Mona Lisa hängen.
    Mona ist ein Klassiker in der Fehlinterpretation von Karton-Vorlagen für spolvero (pouncing).
    Die linke Wange der ausgestellten Louvre-Mona geht so weit in die Breite, dass Bilderkennungsprogramme Wladimir Putin als „signifikant ähnlich“ einstufen. So ein Kinn haben sonst nur Männer. Anders interpretiert, das Gesicht ist in der rechten Hälfte als Halbprofil und in der linken Hälfte fast frontal dargestellt. Das wäre praktisch die Vorwegnahme von Picasso.
    Wie auch immer. Leonardo hatte – wenn man dies mit anderen (ihm zugeschriebenen) Werken vergleicht – im Kinn- und Kieferbereich eigentlich keine Darstellungsprobleme. Aber darauf will ich hier nicht näher eingehen.
    Mein Bild ist der Versuch einer Rekonstruktion, wie Leonardo seine Mona wahrscheinlich gemalt hat. Ich habe mich intensiv mit den von Leonardo beschriebenen Ölmaltechniken auseinandergesetzt. Ich habe versucht, die typisch melancholische Harmonie der Gesichter aus den Gemälden Leonardos anzudeuten. Und mir ging es darum, Leonardos oberstes Ziel, die räumliche Sicht in das Gemälde, zu reproduzieren. Schließlich und letztendlich sollte auch Vasari in seiner Beschreibung des Gemäldes berücksichtigt werden. Besonders dankbar bin ich dem Louvre für das Buch „Im Herzen der Mona Lisa – Dekodierung eines Meisterwerks“. Auf der Basis ihrer Pigmentanalyse des Gemäldes habe ich die zeitgenössischen Farben wieder aufleben lassen können. Die Louvre-Mona ist leider hoffnungslos vergilbt. Aber nur ein lasierter azurener Blauverlauf lässt die in warmen Farben gehaltene Figur räumlich hervortreten. Die räumliche Aufteilung wird außerdem durch die Säulchen links und rechts am Bildrand unterstützt – auch ein Element, das bei der ausgestellten Louvre-Mona fast vollständig fehlt. (Das kann auch nicht irgendwann abgeschnitten worden sein. Das Pappelholz-Brett ist nach klassischer Methode (Gesso Sottile) flüssig in einen Rahmen vergossen worden. Die Gußränder sind jedoch erhalten. Daher… Kurioser Weise stehen im Louvre Archiv andere zeitgenössische Mona-Gemälde, mit Säulchen.)
    Entscheidend war mir jedoch, das Gesicht der armen Mona zu korrigieren. Das Lasieren der Schichten fand nach den Anweisungen aus den „Notebooks“ Leonardos statt. Dies erzeugt eine unglaubliche Oberfläche. Sie ist eigentlich nicht vorhanden – wie bei Samt oder Perlmut. Die auf dem Foto möglicherweise sichtbaren tonalen Abstufungen sind auf dem Gemälde zarte lasierende Verläufe, in die hin und wieder ganz spezielle Pigmente „aufgehaucht“ wurden. Die Farben auf dem Foto sind ein Kompromiss zwischen dem Azzurro des Himmels und der Fleischtönen des Gesichtes.

    Auf jeden Fall ist das Louvre-Original nicht die Mona Lisa, die Leonardo da Vinci für die dritte Frau von Francesco del Gioconde malte. Es könnte als ein verunglücktes Spätwerk, als Neuinszenierung des Originals entstanden sein. Wahrscheinlicher jedoch ist, dass dieses Gemälde von Giovanni Antonio Boltraffio gemalt wurde.

TitelMona Lisa del Giocondo
Material, TechnikÖl und Tempera auf Pappelholz (Gesso sottile),
Format 79 x 54 cm
Jahr, Ort2007 Berlin
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Info6366 13 1 2.7 von 6 - 3 Stimmen
  • 13 Kommentare Melde Dich an, um einen Kommentar zu schreiben.
  • Rene
    Rene
    über die entstehung deiner mona lisa würd ich gern mehr wissen...gern per pn..

    was mir gerad einfällt...munkelt man nicht, dass leonardo seine eigenen gesichtszüge in monalisa verewigt hat???

    neugierigerweise: wie hast den himmel gemacht... nur blau oder mit anderen farben drüber lasiert? seh ich hier nicht so gut...

    meld dich gern..


    lg rene
  • Susimaus
    Susimaus
    Wunderbar!!!!

    LG
    Susimaus
  • Gast , 8
    ...
  • Felix Cyano
    Felix Cyano
    Hallo Pigeldi,

    der Hintergrund des Bildes spielte für meine Rekonstruktion eine ehr untergeordnete Rolle. Da ging es eher um Farbrekonstruktionen, die Höhe der Horizonte etc.
    Zentral war mir jedoch die Korrektur des Gesichtes. Die Kante der linken Gesichtshälfte bei der Louvre-Mona ist zu breit gemalt. Man könnte das Ergebnis als männlich bezeichnen, ist aber ein Fehler bei der Umsetzung der Punktlinie beim Anlegen der Untermalung. Die linke Gesichtshälfte für sich wirkt daher auch eher wie fast frontal dargestellt. Um beide Perspektiven dennoch miteinander zu harmonisieren wurden verschiedene Tricks angewendet, es dennoch natürlich aussehen zu lassen. So wurde der Scheitel beispielsweise begradigt und Anderes mehr.
  • Pigeldi
    Pigeldi
    Ich habe dein Bild nochmal mit einer "Original" Mona Lisa verglichen und erstaunt festgestellt, dass mir die "Rückwand" vorher noch nie aufgefallen ist. Für mich das Faszinierendste an der Mona Lisa von da Vinci ist jedoch ihre weiblich linke Hälfte und ihre rechte männliche Hälfte. Wenn man das Bild jeweils zur Hälfte abdeckt, dann sind die Landschaften so angelegt, dass die weibliche Hälfte dadurch kleiner wirkt und die rechte größer. Also keinesfalls Unvermögen, sondern gewollt. Aber darüber wirst du ja wahrscheinlich bei deinen Recherchen auch gestolpert sein. An deiner Rekonstruktion und deiner Auseinandersetzung mit der Geschichte des Bildes lässt sich jedoch gut sehen, wieviel man selbst über Maltechniken lernen kann, wenn man sich mit den alten Meistern auseinandersetzt und wie schwierig es ist, sie zu kopieren.
    LG,
    Pigeldi
  • Felix Cyano
    Felix Cyano
    Ach so, noch zu Deiner letzten Frage. Das lässt sich schwer einschätzen, man müsste sich das Bild ja wenigstens erst mal ansehen können. Die uns bekannten Mona-Gemälde sind mit ziemlicher Wahrscheinlichkeit lediglich nach einer Kartonvorlage gemalt worden. Der Karton selbst ist nach meinem Dafürhalten von Leonardo. Dafür gibt es eine viel zu große Ähnlichkeit zwischen Leonardos Johannes, der La Belle Ferronniere und der der Mona.
  • Felix Cyano
    Felix Cyano
    Hallo udomax,


    Du hast Recht, es gibt kaum Werke die nicht über die Jahre das „Gelbfieber“ gepackt hat. Besonders schlecht ist das natürlich für Blautöne. Die verschwinden dann fast vollständig aus dem Bild. Aber, wir sind ja diesen Anblick gewöhnt. Griechische Plastiken würden wir angemalt ja auch als unästhetisch empfinden. Das liegt wohl an einer sehr sublimen Achtung vor dem Alten.
    Bei der Louvre-Mona gehe ich davon aus, dass ähnliche Farben Verwendung fanden wie im Original. Das „Mona-Forschungsteam“ des Louves konnte die Himmelsfarbe nicht identifizieren, da Ultramarin ohne Probenentnahme nicht identifizierbar ist. Per Röntgenfluoreszenzanalyse konnte für das Blau jedoch basisches Kupferkarbonat identifiziert werden, das für Azurit eingesetzt wird. In jedem Fall wird der Himmel in einem leuchtenden Azur gehalten worden sein. Schon wegen des Prestiges ist die Kombination Blattgold und Azur Pflicht.
  • Udo Schnaars
    Udo Schnaars
    "hoffnungslos vergilbt" trifft wohl auf das original zu...der chemische prozess der farben läßt sich wohl kaum aufhalten...und viele experten der gemälderestaurierung sind sich wohl sicher, dass viele gemälde da vinci's und vieler seiner zeitgenossen wesentlich farbintensiver aber gleichzeitig auch farbpigmentmäßig experimentalfreudiger und kurzlebiger angelegt worden sind...

    die frage stellt sich immer wieder:

    war die mona lisa das bedeutendste werk leonardos???
  • Felix Cyano
    Felix Cyano
    Mit entsprechenden Malölen und Lasurfarben lassen sich die Pigmente auf der Maloberfläche mit einem sogenannten Vertreiber beliebig ineinandermischen. Noch besser kommt, tonale Abstufungen in einzelnen Schichten aufzutragen. Dieses Verfahren ist jedoch weitaus langwieriger und Du mußt rechtzeitig wissen, wo die Reise hingehen soll. Dafür kommt es aber dann zu diesem typischen Sfumato.

    Die von Leonardo geforderte Auflösung der Linie ist zugleich auch Garant für die Einmaligkeit einer solchen Komposition aus Farbe, Licht und Tiefe. Linien lassen sich beliebig reproduzieren.
  • Dobberke
    wenn Du versuchst haben solltest, räumlich zu arbeiten, so ist das nicht geglückt - auch Leonardo hatte im Gegensatz zu Buonaroti damit große Probleme...(siehe sixtin.Decke)
  • Angie V.
    Angie V.
    Hallo Felix - da Du ja offensichtlich mit der Materie sehr beschäftigt bist, kannst Du mir eine Frage beanworten: ich habe mal gelesen, dass sie bei der "Dekodierung" der Mona Lisa keinen Pinselstrich feststellen konnten und nicht wissen, wie Leonardo die Farbe aufgetragen hat - ist das wahr oder war das eine "Finte", die ich gelesen habe?
    Danke im Voraus und "meine Hochachtung"....
    LG, Angie
  • Sandra Höser
    Sandra Höser
    Ich finde es gut wie du dich mit dem theoretischen Hintergund des Bildes auseinandergesetzt hast.
    LG. Sandra
  • Rene
    Rene
    meisterlich!!! einfach toll! da steckt viel liebe im detail!

    hut ab!

    lg rene