KunstNet nutzt Cookies. Details.
Zeichnung, Trichter, Inneres, Wirken, Mittelpunkt, Tiefe

neuvorstellungenZeichnungTrichterInneres

  • Von armin paul hochgeladen

    Bei den „Zentren ohne Titel“ entwickelt er mit Linien expressive Netze, deren Knotenpunkte mit einem Fluchtpunkt verbunden werden; die daraus resultierenden Flächen schattiert er mit Graphit so aus, dass ein abstraktes räumliches Wesen entsteht.

    Die heute entstandenen Zentren von Armin Paul sind zurückzuführen auf seine in der Kindheit begonnenen akribischen technischen Bleistiftzeichnungen. Sie waren auch das grundlegende Konzept seiner ersten Ausstellung im Künstleratelier auf der Rosa-Luxemburg Str. 3 in Berlin. Als Künstler und gleichzeitig Organisator bezeichnete Armin Paul diese Vernissage für sich als eine Art Lebenstest. „Ich habe sie mit all meinen Finessen organisiert und präsentiert und all die Leute eingeladen, die mir etwas bedeuten.“
    Armin Pauls Zentren sollen in erster Linie wirken. „Ich bin kein Prediger, kein Heiler, keiner, der die ultimative Lösung hat. Zeichen sollen sie sein, eine Art meditatives Moment. Die Fixierung auf den Punkt soll für den Betrachter ein hypnotisches Moment inne haben“, so der Künstler. Die Linien bei Armin Paul sind etwas chaotisch angeordnet. „Manchmal wie im Sinne Hundertwassers mit seinen Spiralen und um die Zentren herum wird eine Art Installation gebaut“, erklärt Armin, „die diese hervorheben, um ihnen einen gebührenden Platz zu geben.“ Dabei unterstützt besonderes Licht die optische Wahrnehmung der Zentren. In den Zentren selbst sollen Tiefen zum Ausdruck kommen. Dargestellte Tiefen, um zum Mittelpunkt des Bildes hin zu führen. „Wie ein Trichter soll es wirken und jeder, der sich in den Trichter, in das Bild hineinfallen lässt, wird zum Inneren gelangen, vielleicht auch zu seinem eigenen Innern.“

    Zentren ohne Titel – Zeichnungen von Armin Paul
    jeder schritt ist der erste in den blauen dunst
    weiß nicht was die zukunft bringt
    weiß nur gestern überdauert uns
    Freundeskreis „Erste Schritte“

    Nulla dies sine linea – kein Tag ohne eine Linie, man könnte auch sagen kein Tag ohne eine sinnhafte Tat. Diese Devise wird in den Zeichnungen Armin Pauls zum Programm. Ausgangspunkt von Zentren ohne Titel ist immer die Linie. Sie wird entweder in einem Zug oder mehrmals ansetzend regelrecht über das Blatt gejagt, so dass ein sehr dynamisches, rhythmisches, sich teilweise immer wieder überschneidendes Grundmuster entsteht. Dieses ist geprägt von einem Wechselspiel aus geschmeidigen Rundungen und spontanen, richtungsweisenden, spitz zulaufenden Kanten. Diese durch die Linie entwickelten Netzwerke werden im Folgenden von einem meist im Mittelpunkt des Blattes befindlichen Fluchtpunkt dominiert. Die entstandenen Zwischenräume werden wie fremdbestimmt in Ausrichtung auf diesen Fluchtpunkt in verschiedenen Graustufen, zum Fluchtpunkt hin dunkler werdend, mit Graphit schattiert. Dadurch entsteht eine Räumlichkeit, die zuweilen explosionsartig an die Oberfläche drängt, sich aber auch introvertiert zu verstecken sucht. Das Auge findet in jeder Zeichnung seinen Rhythmus, indem es sich vom Mittelpunkt aus an die Oberfläche des Gebildes, das heißt den Linien- und Blattrand reißen lässt. Von dort aus ist der einzige Weg ein sich durch das Gewirr aus Freiräumen – und in jedem einzelnen ist der Blick des Betrachters gefangen – windender, zurück zum Mittelpunkt. Eine sogartige Endlosschleife setzt ein. Das Auge des Betrachters wird nicht zum geschmeidigen Wandern, sondern ruckartigen Springen aufgefordert. Die Schnelligkeit mit der man sich binnen Sekunden auf eine Zeichnung eingelassen hat, wird ebenso schnell auf eine stockende Ruhe, in der man teilweise den Überblick verliert heruntergebrochen. Umso stärker kommt die Bedeutung der Linie zum Tragen. Obwohl nicht immer klar und definitiv, sondern oftmals sogar verwirrend unruhig und verknotet, ist sie der einzige Anhaltspunkt – fähig, das Auge an einen anderen Ort zu tragen, die Bruchstücke zu verbinden. Diese sich nicht festlegende Rhetorik gibt dem Betrachter Raum für sich selbst. Raum - das bedeutet in den Zeichnungen Armin Pauls Zeit; Zeit, die es braucht, um eine Linie zu setzen, einen Weg zu gehen, Sinn zu formen, bei sich zu sein. Linie und Fragment sind unmittelbar miteinander verbunden. So sind Zentren ohne Titel als Mittelpunkte zu verstehen, welche durch die Suche, das Aufspüren, eine ständige Neubestimmung geformt werden. Sie bleiben manchmal namenlos, unbetitelt oder erklingen wie ein leiser Widerhall von Erinnerungen. In ihrer zyklischen Anordnung setzen sie eine Reihe von Assoziationen frei: offen, geschlossen, zerwühlt, gediegen – wie die Stadt, eine Rose, das Meer, das eigene Leben.

    Nadine Helm im April 2005



TitelZentrum ohne Titel nummer 5079
Material, Technikgraphit auf300 g papier
Format 80 cm x 100 cm
Jahr, Ort2005
Preis 300 Anfrage stellen
Tags
Kategorien
Info2346 4
  • 4 Kommentare Melde Dich an, um einen Kommentar zu schreiben.
  • leuklaK
    Ganz schön verworren, diese Zeichnung, aber interessant, lgK
  • BFnaitsabeS
    Durchaus interessant finde ich, wie du deine Zeichnung in der Beschreibung dieser Zeichnung dann weiterspinnst. Sprachlich nicht immer ganz überzeugend - zum Beispiel das "sich teilweise immer wieder überschneidende Grundmuster" (ein Muster kann sich nicht überschneiden, es ist entweder da oder nicht, was sich überschneidet, sind einzelne Formen) - ist der Ansatz jedoch zu loben. Dass nicht jeder in diesem - bereits mit recht einfachen Formulierungen oft auf Kriegsfuß stehenden - Kunstformum etwas damit anfangen kann, sollte dich nicht weiter aufhalten.
  • Annemarie Siber
    Annemarie Siber
    wie ich bereits sagte - manchmal sind Deine Kommentare grandiose, viruose Punktlandungen!!
  • rep
    das ist gut. jeder sollte sich, wenn´s geht, gleich mit einer passenden rezension, hier anmelden. auch lobes-symphonien sind angenehm. das beeindruckt sehr und schafft raum. :)))