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Erlkönig, Rotradigel, Prototyp, Plastik

ErlkönigrotradigelPrototyp

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    Von A-Hatter hochgeladen im Album vor 2013 am 21.06.2013

    An einem schönen Sonntagnachmittag ging ich spazieren. Kaum von zu Hause weg, auf einem Feldweg, sah ich vor mir eine kleine dünne Rauchfahne aufsteigen. Als ich nachschaute, was denn da vor sich hin kokelte entfuhr mir ein „Oh-scheiße-das-glaubt-mir-keiner“-Schrei. Im Graben lag etwas, das in etwa so aussah wie ein Rollschuh für Fakire. Ich muss eine Weile ziemlich perplex am Wegesrand gestanden haben, bevor der Fakirrollschuh mich mit einem "Oi, Oi, Oi, tut das weh" in die Wirklichkeit zurückholte.
    "Kann ich helfen?" fragte ich, noch bevor die Absurdität der Situation mir klar werden konnte.
    "Das wäre sehr freundlich." meinte der sprechende Fakirrollschuh. "Hätten Sie vielleicht ein wenig Schmierfett für mein Achsenlager hinten rechts?"
    Ich meinte Achsenfett würde bestimmt irgendwo bei mir in der Garage rumliegen.
    "Fein!" sagte der Rollschuh. "Könnten Sie mich bis zu Ihrer Garage abschleppen? Bin zur Zeit nicht so gut zu Rad."
    Hab ihn mir dann so gepackt, ohne die hintere rechte Radachse zu berühren und machte mich auf den Weg zurück nach Hause. Dort angekommen setzte ich meinen Gast erstmal auf dem Gartentisch ab.
    "Vielen Dank" näselte das Rollschuhwesen.
    Erst jetzt bemerkte ich, dass ich den armen Kerl die ganze Zeit an seiner Nase herum getragen hatte und entschuldigte mich bei ihm. Nun betrachtete ich das Wesen das erste Mal genauer.So konnte ich feststellen, dass der Fakirrollschuh in Wirklichkeit ein Igel auf Rädern war. Ein Igel mit Rädern war mir noch nie untergekommen. Schnell hab ich das Schmierfett geholt, meinen Patienten versorgt und ihm eine Dose Katzenfutter aufgemacht, die wir noch seit letztem Sommer im Kühlschrank hatten, da wir zu dieser Zeit einmal auf den Hund unserer Nachbarn aufpassen sollten. Dankbar und mit viel Igelgeschmatze vertilgte mein Gast das Katzenfutter. Als er aufgefressen hatte, schaute ich ihn so von der Seite an und sagte ihm dann, dass ich Igel wie ihn noch nie gesehen hätte. Der Igel leckte sich die letzten Reste Katzenfutter von der langen Nase und erwiderte, dass das ganz normal wäre, Igel seiner Art wären für gewöhnlich viel zu schnell um vom menschlichen Auge erfasst werden zu können.
    "Na, ja, sooo viele von uns gibt es ja auch gar nicht." fügte er nach einer Weile hinzu. "Ich gehöre der Spezies der blitzeschnellen Rotradigel an, genau genommen bin ich ein Prototyp, ein Erlkönig von Muttern Natur, sozusagen."
    "Da schau her!" sagte ich mehr zu mir selber. "Das Mutter Natur das Rad neu erfindet, wer hätte das gedacht."
    "Es gibt da noch einige ältere Versuchsmodelle, aber na ja." sprach der Igel und rümpfte dabei abfällig seine lange Nase. "Also ich habe da ne ganze Menge Extras mehr, zum Beispiel, GPS, Navi und automatische Spracherkennung."
    'Also letzteres erklärt so einiges', ging es mir durch den Kopf, sagte aber: "Ihre Räder sehen so aus wie die an meinem alten Skateboard, das ich irgendwo vor Jahren verbaduselt habe und ihre Stacheln sehen so aus wie die Holzdübel die ich vor zwei Wochen verzweifelt gesucht habe."
    "Skateboardräder .... Holzdübelstacheln!?" empörte sich der Igel. Daraufhin verfiel er in eine stolze, flammende aber etwas selbstgefällige Rede zu Ruhm und Ehren des einzigen Rotradigels der Welt.
    Hier nur eine gekürzte Version:
    "Bei der Übertragung der Kraft meiner Hochleistungsräder auf die Straße stoße ich Rotradigel in neue Dimensionen der Fahrdynamik vor. Die Voraussetzung dafür ist ein Fahrwerk, das meinen außergewöhnlichen Leistungen gewachsen ist. Konzeptionell ist mein Fahrwerk mit dem des Z4 Versuchsradigels identisch, es wurde jedoch spezifisch abgestimmt, wobei die positiven Einflüsse der sehr verwindungssteifen und biegefesten geschlossenen Karosserie berücksichtigt wurden. Im Ergebnis bin ich das Zusammenspiel zwischen Igel und Fahrwerk, das Muttern Natur nur selten ähnlich perfekt gelingt."
    "So, so," unterbrach ich ihn nach einer Weile. "Wollen sie sich nicht ein wenig die Räder verfahren, sozusagen?"
    "Prima Idee" erwiderte der Rotradigel. Also setzte ich ihn auf den Rasen. Der Igel sauste los und zeigte alles was er an Fahrkünsten so drauf hatte.
    Auf allen vier Rädern kräschte er durch die Kurven, dann auf dreien, auf zweien, auf einem und schließlich auf keinem. Dabei hatte es ihn dann erwischt und er landete mit seiner langen Nase im Faulhaufen.
    Kurz darauf entschuldigte sich der Rotradigel bei mir und meinte er müsse jetzt los und für Mutter Natur noch ein paar Testkilometer runterreißen. Gesagt getan, zack war er wech. Keine Ahnung wohin, der Kerl war einfach zu schnell.

TitelDer Erlkönig
Material, TechnikHolzscheidt, Dübel, Skateboard / Säge, Leim, Schrauben
Jahr, Ort2009 / NRW
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