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Luda, Schwarz, Violett, Mischtechnik, Bunt, Orange

Luda10SchwarzViolett

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    …Ich öffne die Wohnungstür. Das Treppenhaus ist nackt. Graue Stufen. Metallgeländer. Roter Handlauf. Mietskaserne. Ich laufe langsam, Stockwerk für Stockwerk an Türen vorbei, hinter Jeder eine andere Welt ist. Gegenüber, die Familie Saubermann Vater, Mutter, Kind. Dritte Etage rechts Nettovitsch, die Frau überdimensional dick und immer nett. Der Mann ist klein, fast nicht vorhanden, Alkoholiker, starker Raucher hat Tuberkulose ist ständig am Husten. Zwei Söhne, ein interessanter der fast nie da ist, der andere ebenfalls Alkoholiker streitet ständig mit seinem Vater. Einmal geht sogar die Balkontüre zu Bruch. Links unter uns Spanneroviak. Die Frau zurückgezogen, ängstlich. Tochter Petra, zwei Jahre jünger als ich. Der Sohn Peter wird mit mir eingeschult und von seinem Vater geschlagen. Der Vater ist eklig. Zweite Etage rechts, Masseks, Katastrophenfamilie. Viele kleine Kinder die alle mit Coca Cola ernährt werden. Ständig Krach, Alkohol, Schläge. Bertram, der älteste muss auf seine Geschwister aufpassen. Manchmal werden alle Kinder rausgeschmissen und sitzen dann weinend im Treppenhaus. Daneben wohnen Rehbeins. Ein älteres Ehepaar, ganz liebe Leute. Sie kümmern sich aus Mitleid um die Massekskinder, sie leiden mit. Erdgeschoss rechts, Himmelhölls. Gutaussehendes Paar, arbeiten beide. Der Sohn Michael ist mein Freund. Links Intriganzos, Mutter eine Hexe. Tochter geht arbeiten und muss ein Kind direkt nach der Geburt abgeben, weil die Mutter nicht bereit ist noch einen Bastard aufzuziehen. Enkeltochter, Dora, jünger als ich mag keiner. Die letzten Stufen. Stehe vor der blauen Haustüre. Die Türe die ins Freie führt. Unentschlossen, muss weiter hinab. Acht Stufen in die Hölle. Es riecht nach Keller und Staub. Die rechte Tür steht wie immer auf. Dort gibt es keine Geheimnisse. Ich möchte mich unter der Treppe wo die Kinderwagen stehen verkriechen, wie ich es manchmal mache um mich zu verstecken. Öffne die schwere Metalltüre, die immer verschlossen sein muss wenn mein Vater unten ist. Links der Trockenraum den kaum jemand benutzt, glaube wegen uns. Gleich rechts unser Keller. Die Brettertüre ist nun mit dicken Teppichen schall- und blickdicht gemacht. Rechts ein alter Schrank voller Geheimnisse, immer verschlossen. Mir hat Vati das Schlüsselversteck gezeigt, ich darf ihn öffnen. Drin befinden sich Sachen die Vati auf der Arbeit mitgenommen hat. Regencapes aus Plastik und so was, Schätze eben. Auch Decken für unsere Spiele sind im Schrank. An der nächsten Wand die Werkbank, darüber ein Regal. Vati hat die Deckel von Marmeladengläsern unten ans Regal geschraubt, sodass er Schrauben, Nägel und Sonstiges sichtbar aufbewahren kann, sehr praktisch. Auch ein Autoradio an einer Batterie angeschlossen gibt es für mich. Manchmal setzt er mich auf die Werkbank und füttert mich mit Schokolade. Er steckt sich ein Stück in den Mund und ich darf davon abbeißen. Links davon ein Regal für Eingewecktes. In der Ecke eine Kartoffelhorde. Daneben an die Wand gelehnt, eine alte Dreiermatratze. Daraus können wir ein Lager bauen. Links weiter ein Werkzeugschrank, abgeschlossen. Ein Schrank mit Schnäpsen, abgeschlossen. Stapelweise alte Zeitungen in denen manchmal Ratten wohnen. Durch unseren Keller laufen die Heizungsrohre, er ist also das ganze Jahr nutzbar. Der Keller wurde zum festen Bestandteil meines Lebens, ich gewöhnte mich daran.

TitelLuda 7
Material, Technikaquarell/tusche
Format 70x50
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