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Luda, Violett, Schwarz, Bunt, Orange, Gelb

Luda13BildViolett

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    …Herr Unfried wurde krank und wir hatten zwei Wochen zusammen mit der Anglerklasse Unterricht. Es ist zu uns durchgesickert das die Parallelklasse was vorbereitet hatte, wir sollten was erleben. Über dreißig Anglerkinder saßen brav und ordentlich auf ihren Plätzen als der Angler zu uns raus kam uns bedeutete Aufstellung zu nehmen und wir so zu zweit nebeneinander formiert ins Klassenzimmer einliefen. Wir sollten uns der Reihe nach einen Platz mit ihnen teilen was zu einem irren Gerangel um ein Stück Stuhl führte. Herr Angler, kaum größer als wir, weißhaarig, die Wangen eingefallen mit einer runden Stahlbrille auf der Nase, der weiße Lehrerkittel fast auf seinen schwarz gewienerten Schuhspitzen endend erhob flüsternd die Stimme. In seiner Klasse war absolute Stille, nur wir feixten noch aber auch nicht mehr lange. Es entstand eine bedrohliche Lautlosigkeit, man hätte eine Stecknadel fallen hören. Er erhob die Arme und da wir nicht wussten was dies zu bedeuten hatte erhoben wir uns mit Verzögerung und standen stramm, riefen im Chor einem Kanon gleich „guten Morgen Herr Lehrer Angler!” Immer noch stillstehend harrten wir der Dinge die da kommen würden. Wir ahnten das jetzt das Morgenlied welches wir nebenan täglich hörten an der Reihe war. Er nahm seine Geige aus dem Kasten, legte sie ans Kinn in der anderen Hand den Geigenbogen, wollte los spielen, “Pling” der Bogen war gerissen, er hüpfte entrüstet auf und ab was lächerlich aussah doch keiner seiner Schüler lachte. Es brach aus ihm raus, er explodierte und brüllte fürchterlich. Da war selbst uns klar dass jemand die Membran angeritzt hatte. Er wollte das der Schuldige sich freiwillig meldet, Stille. Rotangelaufen sah er sehr böse aus. Wir standen ängstlich immer noch ganz aufrecht als er sich das nächst beste Mädchen am Genick schnappte, hochhob und schrie, “dann werde ich dich stellvertretend bestrafen,” sie im Unverstand prügelte um sie dann vor der Tür an den Kleiderhaken mit dem Kragen ihrer Bluse aufzuhängen wo sie bis zum Läuten verharrte. Als die Stunde zu Ende war sprang keiner auf um in die Pause zu eilen, geordnet gingen wir raus und sahen das Mädchen leblos am Haken. Der Angler kalkweiß geworden schüttelte sie, doch sie blieb wie ein nasser Sack hängen. Er nahm sie runter, legte sie auf den Boden, ordnete an das der Klassensprecher Hilfe holen solle, entließ uns für den Tag und ging nach Hause. Wir starrten wie gebannt auf sie herunter, sie schien nicht mehr zu atmen. Einer von uns sagte, jemand muss den Herrn Greul, den Konrektor holen, der Rektor Herr Angler war ja weg. Herr Greul rief sofort einen Krankenwagen und sie wurde abtransportiert. Sie war nur bewusstlos, dennoch lange Zeit im Krankenhaus. Herr Angler war am nächsten Tag wieder der alte, erklärte uns das er sie besuchen würde, alles wieder in Ordnung käme. Für uns Schüler war der Vorfall nicht erledigt wir hofften das die Eltern eine Anzeige machten und damit den Lehrern endlich klar würde das die Prügelstrafe an Schulen verboten war. Doch da konnten wir lange warten, wenn was passierte waren die Eltern entweder der Meinung dass wir selber schuld waren, oder sie hatten Angst vor der Autorität. In diesem Fall hieß es das der Angler mit einem Korb Süßigkeiten sie besuchte und den Eltern ein Kuvert überreichte. Das Mädchen kam zurück um am gleichen Tisch, vorne rechts vorm Angler Platz zu nehmen.

TitelLuda 19
Material, Technikaquarell/tusche
Format 70x50
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