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Philosophie, Malerei, Freiheit, Wandgrafik, Gestaltung, Konzept

KonzeptArtKunstwandgrafik

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    Von Günter hochgeladen

    In den 70 ern habe ich mich intensiv mit Konzept-Kunst beschäftigt. Diese Kunstrichtung ging davon aus, dass Kunst im Kopf stattfindet und alles, was dann auf die Fläche gemalt oder gezeichnet wird, nur noch eine Illustration dessen ist, was im Kopf passiert. Und so haben sich dann viele Künstler darauf beschränkt, nur noch Konzepte für Kunstwerke zu erstellen und deren Realisierung den Käufern zu überlassen. Ich z.B. habe mich mit der philosophischen Frage befasst, wie frei der Maler über eine Fläche verfügen kann. Ob Format, Struktur, Größe oder Farbe ihn in seiner gestalterischen Freiheit beeinflussen oder gar einschränken. Dazu fertigte ich hunderte von losen karierten Blättern aus Rechenheften an, die jeweils 30 x 50 Kästchen umrandeten. Diese Blätter schickte ich dann z.B. an die Gesamthochschule Kassel, wo sie ein befreundeter Dozent an Studenten weiter gab, die dann aus diesen 1500 Kästchen 20 ankreuzen sollten, völlig frei nach Lust und Laune. Ca 60 dieser ausgefüllten Blätter bekam ich aus Kassel zurück. Die dienten mir nun für eine Serie von Entwürfen für relativ großformatige Tafelbilder bzw. Wandgrafiken. Hatte sich ein Käufer solcher Entwürfe (Konzepte) gefunden, so konnte der entscheiden ob er sie realisiert haben wollte oder eben nicht. Für das Herstellen eines Wandbildes hatte ich eine kleine Lackiererei, die relativ preisgünstig arbeitete.
    In den folgenden Jahren kamen mir aber erhebliche Zweifel über Sinn und Zweck dieser Kunstform. Als jemand, der ja die Malerei liebt, stellte sich mir die Frage, ob die Konsequenz von Konzept-Art nicht zwangsläufig ein Ende der Malerei bedeutet? Also machte ich damit ein Ende und male seither ganz bewusst wieder völlig "normal".

TitelKonzept-Art
Material, TechnikKunstharzlack auf grundierter Spanplatte
Format 160 cm x 210 cm
Jahr, Ort 2015 Mudau/ Schloßau, Odenwald
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Info721 5 2 1.5 von 6 - 4 Stimmen
  • 5 Kommentare Melde Dich an, um einen Kommentar zu schreiben.
  • Jens_N_H_Erdmann
    Jens_N_H_Erdmann
    Günther, ich denke alles hat seinen Wert und seine Zeit. Wichtig ist, dass du dich durch diese Kunstform gearbeitet hast und daraus für dich gelernt hast. Das Leben verläuft in Phasen und Abschnitten - warum soll es in der Kunst nicht so sein?

    Mich erinnert diese Kunst zu sehr an technisches Zeichnen und da ich technisches Zeichnen im Studium hatte, fühlt sie sich für mich eher nicht als Kunst, sondern als Technik an. Meine Assoziation ist also ausbildungsbedingt und würde Kunstdenken nicht zulassen.

    Ich mag Linien, aber sie dürfen für mich nicht zu geometrisch werden, sonst ist das Kunstgefühl weg.

    Grüße, Jens
  • Elke Harders
    Elke Harders
    Das ist eine schöne KN-Seite. Nicht wegen deines Frühwerks, Günter, sondern der freimütigen Beschreibung deiner bzw. eurer Auseinandersetzung mit Kunstansichten. Schade, dass realistische Werke herablassend geschätzt werden. Aber Fakt ist: sie hat viele Liebhaber....manche geben es halt nicht zu.
  • Günter
    Günter
    Danke für die ausführlichen Kommentare, gerade bei solcher Kunst nicht selbstverständlich! Interessant, dass Dirk Dautzenberg und Martin Künne ziemlich ähnlich argumentieren. Ja wenn Theorie und Kunst sich treffen wird es immer widersprüchliche Empfindungen geben, geht mir genauso! Diese Bilder, die ich hier eingestellt habe, sind ja schon relativ alt und ich hätte mir das auch ersparen können. Aber ich wurde in den letzten paar Monaten gleich mehrmals darauf angesprochen, dass mein realistisches Malen nicht viel mit Kunst zu tun habe und eher ein Ausdruck mangelnder Kreativität sei. Auch sei solches Malen letztlich nur kopieren. Na ja und das wollte ich so nicht stehen lassen. Stimmt schon, nach der Natur malen ist ja genau genommen Kopieren, nur was ist denn da so schlimm? Die großen Meister haben ihr Können fast ausschließlich übers Kopieren erworben! Und da ja alle Kunst im Kopf stattfindet ist auch alle Kunst Kopie, man malt auch Abstraktes ab eben vom imaginären Bild im Kopf, gelle! Und eines muss auch gesagt werden, ein realistisches Werk kann mit der Realität verglichen werden, dieser Kritik ist ein abstraktes Werk nicht ausgesetzt. Es ist nicht so, dass abstrakte Kunst mehr Kunst oder bessere Kunst ist, ganz und gar nicht! Viele sog. Künstler malen nur deshalb abstrakt, weil sie so einer Kritik nicht wirklich ausgesetzt sind, zu gut deutsch, weil sie nichts können! Ihr mangelndes Können kompensieren sie oft mit läppischen und auffälligem Verhalten. Putzig ist es auch, dass hinter den gleichen Sofas hinter denen früher der röhrende Hirsch gehangen hat, heute ein Kunstdruck von Kandinsky oder Miro hängt und das mit ebenso viel Kunstverständnis der Sofa-Besitzer, gelle!
  • martin-kuenne
    martin-kuenne
    Nun, generell ist es ja kein Makel, wenn man erst eine Erklärung zu einer Kunstgattung braucht, um sie zu verstehen. Weder für denjenigen, der sie erschafft, noch für denjenigen, der sie betrachtet. Dann muß ich mir eben dieses Wissen aneignen. Für problematisch an diesen rein theoretischen Gattungen halte ich es aber, wenn letztendlich auch nur genau dieses Theorie transportiert wird. Ich habe als Betrachter aber erst dann den Wunsch, mich damit auseinander zu setzen, wenn ich irgendetwas an mittransportierten Gefühl bemerken kann. Ist das nicht gegeben, nützt mir auch das theoretische Wissen darum wenig. Das ist bei deinen aktuellen Bildern ja ganz anders.
    Gruß, Martin
  • Dirk Dautzenberg
    Dirk Dautzenberg
    Du schreibst: "In den folgenden Jahren kamen mir aber erhebliche Zweifel über Sinn und Zweck dieser Kunstform. Als jemand, der ja die Malerei liebt, stellte sich mir die Frage, ob die Konsequenz von Konzept-Art nicht zwangsläufig ein Ende der Malerei bedeutet? Also machte ich damit ein Ende und male seither ganz bewusst wieder völlig "normal"."

    Da bin ich aber froh!! Weil ich Deine "normalen" Bilder so liebe! Intellektuelle Spielereien (vor allem die, die ich nicht verstehe, und ich mich fragen muß, ob ich zu blöd dafür bin) liebe ich nicht. LG