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Schwein, Alt, Wieso, Malerei, Abstrakt

SchweineAltwieso

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    Von Tim Weber hochgeladen am 08.02.2017

    Ein Mann stand abends an der Ampel einer stark befahrenen Straße und wartete schon eine Weile auf die nächste Grünphase, als anstelle vorbeirauschender Autos eine Demo Transsexueller an ihm vorbeizog. Auf Regenbogenplakaten forderten die zum Weibe gewordenen Männer separate Unterkünfte für Ihresgleichen unter den asylbeantragenden Emigranten. Belegt auf der Brust skandierend, mit erhellendem Mezzo-Sopran, schallten ihre Sprechchöre harmonisch abgestimmt zu ihrem stöckelnden Verkehre ins Laue der Sommernacht:

    „Ein Schuss, ein Tor, Transen stöckeln ihren Schwestern mal was vor.“

    Ein weiterer Slogan lautete:

    „Transen blasen zum Abpfiff. Wer das andere Ufer verneint, der ist ein rechter Gender Feind.“

    Direkt dahinter, im Anschluss der konformen Transparade, eine afrikanische Combo. Mit befreiten Performanceschritten und ethnisch durchmischtem Taktgefühl, sprang ein gutes Dutzend freizügig bekleideter Hellhautfrauen um die schwarzen Afrotrommler herum. Hinter ihrer willentlich zur Schau gestellten, zappeligen Darbietung, die ansatzweise an epileptische Zuckungen erinnerte, ließ sich die Vorhut eines kollektiven Störanfalles vermuten, wie er etwa hervorgerufen wird durch übermäßigen Konsum giftiger Chemie, und dessen durchschlagende Wirkung sich als neuronale Verneblung innerhalb der Großhirnrinde bemerkbar macht. Ja, das gepriesene anders sein. Man kennt das. Aber nein, rhythmische Bewegung sollte ihren Leibern nicht innewohnen. Dennoch machten sie sich zum Hampelmann.

    Am Schluss des Zuges dann, vom mentalem Schlepptau der am Aufmerksamkeitssyndrom leidenden Hedonisten mitgezogen - der Zusammenhang stand hier wohl hinter dem Zusammenhalt – eine Gruppe Aktivisten gegen die Pelztierlobby. Warum auch immer die sich dem Zug angeschlossen haben mochte, es war nicht auszumachen, zumindest die blankgezogenen Brüste einiger Teilnehmerinnen wirkten in der Schnellanalyse nicht ganz unpassend.

    Plötzlich ein Stopp in der Mitte des Zuges. Eine Trommel von vorne hatte sich in eine Transe von hinten verkeilt. Der Verkehr stand in Warteposition, die Autos am Ende des Zuges hupten durchgängig, man las den Ärger in den Gesichtern der Krawatten tragenden Männern hinter den Windschutzscheiben ab. Angeschnallt und zur Bewegungslosigkeit genötigt, blockierten blankziehende Pelztieraktivistinnen ihren Feierabendverkehr.

    Was dem Mann beim Anblick just durch den Kopf schoss, war dieses: Samstagabend, 19 Uhr, 30 Minuten und 26 Sekunden. Alkohol, Kokain und Sexpartys im deutschen Fernsehballett. Hier ist Berlin mit der deutschen Hitparade im Zett-dee-Eff!

    Darüber hätte er beinahe die Frau von links nicht kommen sehen, die sich fast schon hinterrücks an ihn herangeschlichen hatte. In zerlumpten Rock und wohlbeleibt, und mit einer Leidensmine, die selbst noch Mutter Theresa ihre Würde genommen hätte, zupfte sie so stark an seinem T-Shirt Ärmel, dass der Mann entgeistert zusammenzuckte.

    „Biete, Biete, Biete. Habe viele kleine Kinder. Biete, biete, biete.“

    Er schaffte es kaum mehr sie los zu werden. Wie eine Klette bat sie ihn.

    „Biete, Biete, Biete. Habe viele Kinder. Biete, biete, biete.“

    Höflichkeit hilft hier nichts, im Gegenteil. Nicht bei den Profis, den Strauchdieben der Barmherzigkeit. Man könnte es auch einen Leierkasten abspielen lassen.

    „Biete, Biete, Biete. Habe viele, viele Kinder.“

    In der Hierarchie des Durchsetzungswillens einer vehement vorgetragenen Bitte stehen diese Leute nun wahrlich ganz oben. Erst als er sie aggressiv anging, zeigte sie ihm die kalte Schulter. Ging weiter, ließ ihn links liegen, schlenzte den Bürgersteig runter auf ihrem Weg der ständigen Bitte und Kindesmehrung. Bis zur älteren Frau weiter unten, die in ihren Händen knallig bunte Magazine hielt, die vom Untergang der Welt kündigten. Biete, Biete, Biete…., nein, die Prophetin des Untergangs sollte von ihrer gesegneten Fruchtbarkeit verschont bleiben.

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