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Zeichnungen, Abstrakt,

EinsZweiDrei

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    Von Tim Weber hochgeladen am 03.05.2017

    „Frau Wick, ich rufe sie an, um ihnen mitzuteilen, dass ich in den vergangenen Wochen mehrfach versucht habe Herrn Schwanz zu kontaktieren. Leider ohne Erfolg. Auch auf meine E-Mail Anfragen reagiert er nicht. Frau Wick, wir benötigen dringend die angeforderten Daten.“

    „Och Herr H, ja wissen se, der Herr Schwanz ist ja immer soo beschäftigt, und hat sich um soo viel zu kümmern. Können se nicht die Daten nehmen, die se schon haben?“

    „Nein Frau Wick, das habe ich aber Herrn Schwanz, und auch ihnen gegenüber, jetzt schon mehrfach dargelegt, dass das so nicht läuft. Für die beauftragte Studie benötige ich die komplette Gehaltshistorie. Und zwar von der gesamten Belegschaft. Anders ist nichts zu machen. Da hilft ein aktueller Datensatz recht wenig. Das wäre reinstes Rätselraten, Frau Wick, und hätte rein gar nichts mit Seriosität zu tun.“

    „Och Herr H, sagen se bloß. Kann man da wirklich nix machen? Ich hab ja schon nach den Daten gesucht. Aber wissen se, Herr H, ich will ja nicht unfair klingen, aber meine Vorgängerin hat das alles wohl nicht so sauber gepflegt, wie das eigentlich so sein sollte. Wissen se, ich kann da rein gar nix mehr finden, in unserem System. Ich hab nur das, was ich ihnen schon geschickt hatte. Die Gehälter der letzten zwei Jahre.“

    „Frau Wick, dann muss halt jemand in den Keller gehen. Irgendwo müssen doch die Personaldaten archiviert sein. Das kann doch nicht sein. Andernfalls müsste ich umso dringender mit Herrn Schwanz sprechen. Unter diesen Umständen kann ich die Kalkulationen nicht durchführen. Das macht so absolut keinen Sinn. Es geht hier doch schließlich um was. Nach meinen Kenntnisstand sitzt der Betriebsrat Herrn Schwanz doch wohl schon im Nacken.“

    „Herr H, ja datt stimmt. Da haben se recht. Nächste Woche haben wir eine Vollversammlung. Datt hat sich ja allet wie ein Lauffeuer verbreitet. Schlimm, schlimm, schlimm. Einer fängt an zu tratschen, aber se wissen ja, wie datt is. Der Betriebsrat macht nun jedenfalls mächtig Wind gegen die Geschäftsführung. Der arme Herr Schwanz, kann ich ihnen da nur sagen. Watt der sich nicht alles anhören muss. Ne, datt hat der Mann ja nun wirklich nicht verdient. Mal ganz ehrlich Herr H, so unter uns, datt konnte doch aber auch keiner ahnen, dass die Überschüsse aus diesen, diesen Dings…. Ach, wie heißt datt noch gleich.“

    „Risiko Versicherungsverträge.“

    „Ja genau, diese Risikosicherungen. Wie soll datt denn jemand ahnen, Herr H, datt diese Risikosicherungen zur Erhöhung der Altersrenten gedacht waren. Ja hören se mal, Herr H, wer soll denn bitte schön auf so watt kommen? Das haben wir doch noch alles dem Vorgänger von Herrn Schwanz zu verdanken. Dem Herrn Werner. Der hat datt doch allet damals noch mit diesen Consultants aus Frankfurt ausbaldowert. Damit haben wir doch nichts mit zu tun gehabt.“

    „Ja Frau Wick, umso mehr ist es jetzt von Dringlichkeit wieder Vertrauen aufzubauen. Das gelingt am ehesten dadurch, dass Herr Schwanz die Karten auf den Tisch legt. Dazu benötige ich aber von ihnen die Daten. Sonst kann ich für sie nichts berechnen, und alles bleibt im Bereich von vagen Statements, welche wieder nur zur Anfeuerung der Gerüchteküche beitragen.“

    „Ja Herr H, datt habe ich ja auch verstanden. Ich bin ja auch schon im Keller gewesen, glauben se mir. Aber wissen se, Herr H, seit dem Umzug steht unten im Archiv allet voll mit Kartons. Die reinste Rumpelkammer. Da blickt doch keine Menschenseele mehr durch, Herr H. Datt haben we auch noch allet meiner Vorgängerin zu verdanken. Wissen se, die von dem Werner. Datt war eine, datt sach ich ihnen, Herr Ha. Die stand mit dem Werner aber mal ganz enge, wenn se verstehen watt ich meine. Da könnte ich ihnen ein paar Geschichten zu erzählen, Herr H. Aber sie haben die ja selbst noch kennengelernt, watt datt für ein Frauenzimmer war. Darüber redet man in der Belegschaft übrigens noch heute, datt kann ich ihnen sagen, Herr H. Datt würden se mir nicht so ohne weiteres glauben, Herr H, watt damals nach Feierabend hier manchmal so vor sich ging. Und wissen se, Herr H, datt sind ja nun schon allet olle Kamelle von gestern. Aber neulich erst….“

    „Danke Frau Wick. Danke für die detaillierten Schilderungen ihres innerbetrieblichen Klimas. Das sollten wir festhalten, das mit der Verjährung. Womit ich wieder beim Thema wäre, denn der Rentenanspruch der Mitarbeiter gegenüber der Firma verjährt nicht. Spätestens bei neuen Rentnern haben sie den Salat, wenn es ihnen nämlich nicht möglich sein sollte, den Rentenanspruch der Höhe nach zu ermitteln, womit ich auch schon wieder bei der Frage nach den Daten angelangt bin. Sie sehen, wir drehen uns da im Kreise.“

    „Ja aber Herr H, ich kann doch nicht die ganze Zeit über vom Office fernbleiben. Die Kunden rufen mich doch ständig an. Den ganzen Tag über, kann ich ihnen aber mal sagen, Herr H. Wie datt übrigens meine Vorgängerin allet bewerkstelligt haben will, nun ja, ich weiß et nicht so genau. Das Früchtchen hat man ja auch öfter beim Werner im Büro gesehen, als hier im Office am Computer. Und dann hat die et doch tatsächlich auch noch fertig gebracht…….“

    „Frau Wick, entschuldigen sie, wenn ich nochmals unterbreche. Könnten sie mich bitte mit Herrn Schwanz verbinden?“

    „Och Herr H, watt haben se denn jetzt auf einmal. Sagen se bloß, datt datt mit den Daten wirklich so kriegsentscheidend ist. Kann man da denn rein gar nix mehr machen?“

    „In den Keller gehen, Frau Wick. Und in Aktenkartons wühlen. Auch auf die Gefahr hin, dass dabei ein Fingernagel abricht.“

    „Ja Herr H, da sagen se aber mal watt. Glauben se mal ja nicht, ich wäre mir für so watt zu schade. Meine Vorgängerin allerdings, datt wollt ich ihnen ja grad noch sagen…...“

    „Frau Wick.“

    „Versteh schon, Herr H. Tschuldigung. Sie haben ja sicherlich auch watt besseres zu tun. Herr Schwanz hat übrigens vollet Vertrauen in sie. Sie sind der Spezialist, hat er mir ganz genauso gesagt. Wortwörtlich. Mehrmals sogar. Und der arme Mann is ja auch immer sooo beschäftigt. Weiß ja manchmal gar nicht mehr, wo ihm der Kopf steht. Und ständig auf Achse, ständig außer Hause. Heute auch schon wieder, Herr H. Ich erwarte ihn erst nächste Woche zurück. Muss sich ja immer um soo viele Dinge gleichzeitig kümmern. Der arme Herr Schwanz, kann ich ihnen da nur sagen. Haben se in ihrem System denn nicht die historischen Gehälter, Herr H? Sie betreuen unsere Firma doch schon länger, gelle?“

    „Nein, Frau Wick. Die haben wir nicht. Wir haben nur die Gehälter der letzten vier Jahre. Das ist aber viel zu wenig für eine Modellrechnung. Allenfalls ein Tropfen auf den heißen Stein, wenn überhaupt. Wir benötigen einen längeren Horizont. Zumal ich darüber hinaus für die Korrektheit dieser Datensätze in keiner Weise meine Hand ins Feuer legen würde. Da hatte ich auch schon mit ihrer Vorgängerin so meine liebe Mühe und Not.“

    „Sehen se, Herr H! Sach ich ihnen doch. Die hat hier allet im Chaos hinterlassen. Datt war eine, Herr H, sach ich ihnen. Ein Früchtchen sondergleichen, datt glauben se gar nicht, Herr H. Wenn der Werner mit ihr mal wieder auf Geschäftsreise ging, wie jetzt der Herr Schwantz mit mir demnächst, wissen se, watt ich dann für die Hotelsuite buchen durfte? Datt glauben se nicht, watt da an Rechnungen anfielen. Und datt Beste, Herr H, datt sollte ich ihnen ja eigentlich gar nicht erzählen, aber wo wir hier jetzt soviel Ärger haben….“

    „Frau Wick, lässt sich das irgendwie abkürzen?“

    „Na schön Herr H, aber glauben se mir, datt war nen richtiges Flittchen. Herr H, Vorschlag zur Güte. Wie wäre es damit? Können se mir nicht die, die se da bei sich haben, mir ma zuschicken. Ich meine die Daten. Ich pflege die dann in unser System ein, und mach anschließend noch einen Excel Export davon. Sowatt kann nämlich unser System neuerdings. Den Export schicke ich ihnen dann umgehend per Mail zurück, mit dem Herrn Schwanz auf cc. Dann können se ja noch so nen Abgleich mit ihren Daten und unserem Excel Sheet machen. So watt machen se doch, gelle? Dann sind wir auf der sicheren Seite.“

    „Frau Wick!“

    „Och Herr H.“

    „Nein, Frau Wick.“

    „Och Herr H, jetzt sein se doch nicht so. Herr Haaahhh.“

    „O.K., Frau Wick. Sei‘s drum. Machen wir et so.“

    „Danke sehr Herr H. Damit haben se mir und Herrn Schanz mal wieder den Tag gerettet. Mal wieder so richtig schön aus der Patsche geholfen. Watt wären wir nur ohne sie.“

    „Bitte sehr, Frau Wick.“

    „Schönen Tach dann noch Herr H. Und schönet Wochenende auch für sie. Ich geh jetzt erst mal frischen Kaffee kochen für den Herrn Schwanz.“

    Was glaubst du wohl, was ich nach dem Telefonat gemacht habe? Wie du dir denken kannst, war ich angefressen, um nicht zu sagen stinksauer. Ich nahm mir also ein Blatt Papier und schmierte schnell ein paar grobe Abschätzungen darauf. Warum auch nicht? Genauigkeit ist in diesem Metier vom Grunde her so oder so eine Farce. Das wissen nur nicht allzu viele. Und wenn der Schwanz und seine Wick Schlampe die Frechheit besitzen ja immer „sooo“ beschäftigt zu sein, dass nicht mal Zeit für die Gehaltsdaten und Beitragszahlungen der Mitarbeiter bleibt, dann kriegen sie halt einen Report mit den Zahlen von meinem Schmierzettel, den das Sekretariat natürlich noch zuvor hübsch aufmotzten darf, bevor er mit Siegel und Stempel rausgeht. So ein aufgemotzter Report versteht es immer eindrucksvoll auszuschauen, ganz gleich welche Zahlen darin auftauchen. Und das Gute daran, was aber keiner weiß und auch nicht wissen darf, ich habe für ihre Erstellung grad mal 10 Minuten benötigt. Immerhin noch kürzer, und zwar wesentlich kürzer, als dieses leidige hin und her telefonieren. Wozu hatten die uns noch gleich beauftragt? Zum Hinterhertelefonieren? Die Rechnung schneit dann mit ca. einer Woche Zeitverzögerung bei Madame Wick ein. Ich sage jetzt einfach mal, so Pi mal Daumen geschätzt, in Höhe von 5.000 Euro. Ja, das müsste in Ordnung gehen. Für kostspielige Suiten Buchungen auf Geschäftsreisen ist schließlich auch genügend Geld vorhanden. Was man so hört.

    Damit wäre die Sache ja eigentlich erledigt gewesen, aber dann trat Fräulein K an meinen Tisch, bzw. genauer, meinte an meinen Tisch treten zu müssen. Sie musste wohl das Telefonat von ihrem Zimmer aus - was meinem direkt gegenüberlag - dank der offenen Türen Politik verfolgt haben und versuchte mich nun in förmlicher Haltung auf meinen rüden Umgangston hinzuweisen. Währenddessen stand sie mir die ganze Zeit vor der Nase, ich musste mich also dahingehend konzentrieren nicht zu uninteressiert, gar abfällig zu wirken. Ich gebe es zu, ich wollte mich auf sie auch nicht weiter einlassen. Aber du weist ja sicherlich noch aus eigener Erfahrung, man kann sich derlei Situation nicht einfach herausnehmen, z.B. dadurch, dass man einfach aufsteht, das Zimmer verlässt und ohne ein Wort zu sagen geht. Letztlich läuft sowas ja immer darauf hinaus, die vorgeheuchelte Höflichkeit seines Gegenübers einfach zu kopieren. Aber ich sage dir, und bitte glaube mir diesbezüglich, hinter ihrer Korrektheit lag etwas Verdorbenes. Sie war eine von denen, die eine gewisse Kariere im überschaubaren Rahmen machten, weil sie fleißig sind, sich loyal geben und vielleicht genauso von Bedeutung, sich hin und wieder gerne in den Arsch ficken lassen. Letzteres wusste ich von einem rechtschaffenden Kollegen. Der erzählte mir, wie der Abteilungsleiter es ihr vertrauensvoll besorgte. Dieser Kollege war es auch, der meinen Sinn für die Thematik Abgrundtiefe im Konkurrenzgebaren domestizierter Bürohyänen schärfte. Ihm wurde allerdings nachgesagt, dass er am anderen Ufer schippern solle, was wahrscheinlich üble Nachrede und wohl alleine auf die Weichheit in seiner Stimme zurückzuführen war, denn mir diente er immer als äußerst verlässliche Quelle. Jedenfalls, seitdem ich das vom Chef und Fräulein K wusste, von ihrer wechselseitigen Analvorliebe, konnte ich mich mit dem Anblick der beiden nicht mehr recht anfreunden. Du weißt ja, wie ich auf so etwas immer schon reagiert habe und immer noch reagiere. Ich muss allerdings zugeben, in diesem Falle nervte es mich in einem ganz besonderen Maße.

    Anfänglich kam mir sein Auftreten ihr gegenüber nicht weiter verdächtig vor. In der Haltung des Vorgesetzten immer bedacht und besonnen abwägend, galt seine Aufmerksamkeit erst in zweiter Instance der Dame. Glaubte ich zumindest. Vielleicht war ich auch lediglich zu engstirnig, eingezwängt in all meiner Wahrnehmung, stand zu sehr unter dem Einfluss des beruflichen Stellungsspieles und meiner Geringschätzung für diesen Mann. Und zwar nicht nur was den Mann als Mann anging, sondern ebenso auch die Ausfüllung von Führungskraft in Gestalt dieser inkompetenten Person. Lass mich dir hiervon kurz schildern, von seiner Inkompetenz, damit du dir ein Bild machen kannst. Vom Erscheinungsbild her, muss ich ihn dir ja nicht beschreiben, denn du hast diesen Lackaffen ja schon hautnah erleben dürfen. Jedoch nur in einer rein privaten Situation, wenn sich die Umstände euers zufälligen über den Weg Laufens so beschreiben lassen. Im beruflichen Kontext allerdings, das lass dir gesagt sein, schob er den Sachverhalt des „Nu“ – und du weißt, was ich damit zum Ausdruck bringen will - immer weit, weit von sich. Ins irgendwo entfernt Gelegene. Ins sphärisch Sterile vielleicht. Ha! Ja, das trifft es wohl. Dort kann man nämlich streichen, man kann hinzudichten, ja man kann sich dort im schaurigsten Schwachsinn seines selbst gesponnenen, fiktionalen Sandgetriebes einzuzementieren gedenken. Ganz nach Gutdünken, ganz nach der eigenen Fasson. Im Sinne von beglaubigter Bekundung durch meine Person, die getreue Wiedergabe des atmosphärischen Fluidums Namens wieder und wieder durchlebte Erinnerung: Alles - und ich verwende an dieser Stelle ganz bewusst das Wort Alles -, was seine worauf auch immer sich berufende „Befähigung“ der Firma bisher bescherte, soweit es einem Einzelnen überhaupt möglich sein kann dies vollkommen neutral zu beglaubigen, war allenfalls Fortune auf dem Spielfeld von wankelmütigen Possen und seine angeborene Gabe Dinge auszusitzen, um mittels dieser geschmacksarmen Beigabe des Lebens bei Verwerfungen niemals ins Fadenkreuz derjenigen Kräfte zu geraten, welche seine Weisungsbefugnisse noch überstiegen. Fortune und Sitzfleisch also anstelle von Führungskunst setzt bei ihm zuallererst die Marker. Mit der scharfen Klinge eines Skalpells chirurgisch freigelegt und fein säuberlich seziert, handelte es sich allerdings bei allem was von ihm rüberkam, doch letztlich nur um haltloses Gequatsche im Kostüme der geschäftlichen Pose, einer biederen Possenreiterei, die bis weil in groteske Verbalkommunikation überging. All seine strategischen Ankündigungen vor der versammelten Abteilung waren grad mal von der überschaubaren Tiefe und flüchtigen Dichte, um sich im Zweifelsfall schnell eine Brücke von der Willkür seines versuchsweise mal linken, dann mal wieder rechten Gedankengutes hinüber zu schlagen zu den ordnenden Kräften, welche einen von links nach rechts geschriebenen Redentext zumindest dem Hören nach zum Ausgangspunkt zurückfinden lässt, beileibe dann aber nicht mehr. Kurz, von Kopf bis Fuß ein Lackaffe, der zu jedem geschäftlichen Anlass die passende Grimasse ziehen konnte, darauf fußte seine Eignung zur Führungskraft. Doch auch die geübteste Verstellungskunst verliert Teile ihrer Glaubwürdigkeit bei steigendem Puls.

    Ja, mir hätte schon was auffallen können, vielleicht unbedingt sogar müssen. Aber erst im Nachhinein verstand ich den Zusammenhang richtig. Stell dir nur mal vor, sie, Fräulein K, unsere fleißige Arbeitsbiene, hatte sich ein kleines Fähnchen mit Firmenlogo auf ihren Schreibtisch gestellt. Was sie damit zum Ausdruck bringen wollte, fragst du dich? Nur zu. Ihre geistige Haltung vielleicht? Ha! Ja, das käme durchaus hin. Ich sag dir, das war nur eines von im Laufe der Zeit sich kontinuierlich anhäufenden Indizien, die ich erst mit etwas Abstand richtig zu durchschauen imstande bin. Denn du musst wissen, zigmal konnte ich den Abteilungsleiter dabei beobachten, wie er in Fräulein K‘s Zimmer an dem Fähnchen rumfummelte, währenddessen er vorgab sich sachlich mit ihr zu unterhalten. Allerdings ohne, dass mir etwas eigenartig vorkommen sollte. Aber jetzt? Ja natürlich, nur eine sachliche Unterhaltung, schon klar. Worüber denn? Worüber hätte man sich mit ihr denn schon sachlich unterhalten wollen? Man fand in ihr doch überhaupt kein ernstzunehmendes Gegenüber. Nicht mal im Entferntesten wäre es Fräulein K auch nur in den Sinn gekommen sich auf eine fachliche Auseinandersetzung mit Vorgesetzten einzulassen. Einerseits, weil sie viel zu wenig Sachverstand besaß, um sich thematisch als erstzunehmender Akteur in den Vordergrund zu spielen. Andererseits, und auf dieses Andersartige an ihr kommt es mir vor allem an, weil ihre Züge bei näherem Hinschauen viel mehr Anzeichen eines verborgenen Triebes aufwiesen, als ihr fadenscheinig bloß als bieder zu kennzeichnende Auftreten auf einen ersten, flüchtigen Blick vermuten ließ. Eine unkeusche, verdorbene Lust im Erscheinungsbild der grauen Büro Maus, die ihrer im Zaum gehaltenen, expressive Libido ein geschäftliches Gebaren vorstellte, und mit berechnendem Kalkül warten konnte. Ja, das war Fräulein K.

    Alles an ihr war dabei so akkurat aufgeräumt und durchorganisiert, dass man mangels an erkennbaren Alternativen es fast schon als Zeichen aufkeimender, anarchistischer Tendenzen deuteten wollte, wenn sie in ihrem Zimmer während der Arbeit ihren seidenbestrumpften Fuß ihres übergeschlagenen Beines mit ihrem Pump spielen ließ. Sie gab sich im Büro so angepasst, dass ihre Spitzentanger Slips, die sich dezent durch ihre Stoffhosen abzeichneten, in den Augen des männlichen Betrachters die größtmögliche Provokation darstellte. Und zwar genau gerade wegen dieses Kontrastes zwischen ihrer konformen Aufgeräumtheit, die beinahe schon etwas Verklemmtes an sich hatte, und dieser brodelnden Triebhaftigkeit unter ihren Kleidungsstücken. Wenn man gewollt hätte, hätte man Fräulein K‘s Schreibtisch mit der Zunge ablecken können, ohne dass auch nur ein einziges Staubkorn im Speichel nachweisbar gewesen wäre. Aber das verstehst du womöglich mal wieder nicht. Oder bessere gesagt, willst es nicht verstehen. Diese Facette eines lauernden Abgrundes hinter der erotischen Provokation. Da du ja sooo ganz anders bist, um nicht zu sagen total anders. Du willst immer blindlinks deinen Gefühlen vertrauen, und meinst dabei geradeheraus und ungezwungen zu sein. Geradeheraus und ungezwungen. Gerade du. Ja, gerade du. Du mit deinen ständigen Vorbehalten, die für mich nichts anderes sind als Sticheleien. Das moralische Recht liegt zwar nicht auf Seiten des sich am lautstärksten Artikulierenden, da hast du schon recht, aber ebenso wenig auf der Seite desjenigen, bzw. derjenigen mit dem schärfsten Hintern. Dein Julian, oder wie immer dein Neuer jetzt heißen mag, ich hab’s vergessen, wird sich auch noch umschauen, wirst schon sehen. Irgendwann wird er sich nämlich fragen, was für einen spirituellen Zarachel er sich da ans Bein gebunden hat. Spätestens dann nämlich, wenn ihm im Spätherbst deiner Jugend dein gebetsmühlenartiges Herunterklappern von ganz weltlichen Mantras die Stimmung verschlägt. Und warum sollte ich in diesem Punkt unglaubwürdiger sein als alle anderen, wie du immer behauptest? Etwa wegen meines kleinen Gebrechens? Ich sage nur frei heraus was ich denke, habe ich immer schon getan.

    Aber dieses Miststück überließ alles dem Heimlichen. Beließ es bei Andeutungen. Den Beobachtungen folgte die Phantasie, die sich unweigerlich einstellen musste, wenn sie sich beispielsweise in der Firmencafeteria nach einem heruntergefallenen Groschen bückte. Da blieb es dann nämlich nicht nur mehr bei der Andeutung. Die schwarze Spitze hatte man nun direkt vor sich. Ich nehme an, dass sie darüber genau im Bilde war. Natürlich war sie das, was rede ich hier. Was denn bitte sonst? Sogar gut vorstellbar, dass sie zuhause vor dem Wandspiegel getestet hatte wie weit sie sich zu bücken hatte. Sie wusste also, dass die Blicke von hinten sie verstohlen taxierten. Sie wusste klipp und klar um die Wirkung ihres dezent Angedeuteten. Wie man sich langsam einfühlt, langsam zu begehren beginnt. Die Konturen ihres String Tanga Slips vermochte man nicht zu kritisieren. Wie auch? Und dennoch sah man sie ständig, hatte sie ständig vor Augen und im Sinn. Man wusste, dass sie es wusste. Und obschon man wusste, dass sie es wusste, waren einem die Hände gebunden. Was wollte man denn tun? Es war ja alles im Soll. Spielte sich alles in einem Rahmen ab, dass es bei Nachhaken für Fräulein K ein leichtes gewesen wäre, den kritischen Blick auf den Beobachter zurückzuwerfen.

    Gleiches galt übrigens für ihr Gesicht. Sie war immer penibel geschminkt. Bis in die allerletzte Pore hinein. Doch es ließ sich nur unschwer erahnen, ja manchmal glaubte man es glattweg durchschimmern zu sehen, was sein würde, wenn ihr die Schminke mit lustvoller Schweißperle das Gesicht runterlief. Die pure Obsession käme zum Vorschein. Ein einziges, langgezogenes Puoohhhh. Dazu noch die relativ dicken Brillengläser, die ihren Augen eine Aufdringlichkeit verliehen, als könnten sie geschickt brillierend zwischen zwei Welten hin und her manövrieren, oder aber deren beider Dasein in Form eines Spieles zwischen Innen und Außen, zwischen Betrachter und Betrachtetem, durch ihren halbdurchlässigen Spiegel zwischen sich und den Zuschauer projektieren.

    Der Chef, ja, der Chef. Der stand schon unzählige Male seitlich hinter ihrem Rücken. Während sie von ihrem Bürosessel aus etwas in den Rechner tippte, führt der Lackaffe meist eine Hand ans Kinn und übte sich in der Haltung des intellektuell Stimulierten. Wollte wohl etwas ungeschickt mit dieser Geste davon ablenken, was seinem Körper die hintergründige Stimulanz verschaffte. Ein im Ganzen abscheulich anzuschauendes Gebärden der beiden, sage ich dir, welches oftmals vorkam, und mir anfänglich immer mehr Rätsel war, als Ausdruck gekonnter Teamarbeit. Später dann beugte er sich im Laufe ihrer Sitzungen immer weiter nach vorne. Behielt dabei stets seine rechte Hand auf ihrer Stuhllehne, während man gemeinsam in den Rechner stierte. Und wie sie da auf dem Stuhl saß, ho, ho! Das hättest du sehen müssen. Mit einerseits so überspannt durchgedrücktem Kreuz, andererseits mit solcher Fixierung auf den Bildschirm, dass beides zusammen nicht passen wollte, bzw. auch hier wieder, die größtmögliche Provokation für den männlichen Betrachter darstellte. Beinahe schon glaubte man es zu erahnen, bzw. zu erfühlen, wie in einem unbemerkten Moment seine Hand längs dieses vollkommen durchgestreckten Rückens glitt. Sich unten angekommen einen erzwungenen Spalt zwischen Stoffhose und Haut verschaffte, und dann diese zwei unsäglich wohlgeformten Rundungen zu fassen bekam. Sie ließ sich dabei jedoch nichts anmerken, natürlich nicht. Schaute durch ihre dicken Brillengläser hindurch weiter nur konzentriert auf den Bildschirm ihres Rechners, dabei fast schon wie in Meditation versunken, so als sei rein gar nichts geschehen, überspannte aber gleichzeitig ihr Kreuz noch ein Stückchen mehr, während sich sein Handrücken zusammen mit dem Tangaslip zwischen ihre prallen Backen drückte und dann heftig zu reiben und kneten begann.

    Und ob du es nun glauben magst oder nicht. Bald schon sollte sich sein geschäftlicher Durchblick und sein physiologisches Einfühlvermögen für ihn bezahlt machen. Er sollte die Ernte einfahren. Sie machte nie ein Aufsehen darum. Wie bei jeder Sache. Das war es ja gerade, er war einfach da, ihr spezieller Reiz. Und kurze Zeit später schon der Firmenlaptop. Sie bekam ihn ausgehändigt um in Homeoffice arbeiten zu können. So zumindest die offizielle Version. Ab und an gönnte sie sich den dann auch, wahrscheinlich der Libido wegen. Denn auffällig sollte doch sein, dass diese speziellen, freien Tage sich oftmals, ach was sage ich, beinahe ausschließlich mit denen des Abteilungsleiters überschnitten. Und was glaubst du, was daraufhin passierte? He? Was glaubst du? Ja was wohl? Ich sag es dir, sie wurde befördert. Ganz richtig, man höre und staune, unser Fräulein K, dieses dumme Weibsbild, wurde befördert und sollte nun tatsächlich meine direkte Vorgesetzte sein. Diese hinterfotzige Schlange, in dessen Arsch der Abteilungsleiter fortan sein Gesicht vergrub. Und zwar ganz, ganz tief vergrub, nachdem er zuvor den Tanga Slip beiseite geschoben hatte. Obwohl dieses Puoohhhh Luder von rein gar nichts eine Ahnung hatte, ich es bis dato immer war, der ihr alles erklären musste, glaubte sie sich nun in ihrer neuen Rolle als Chefin tatsächlich in meine Arbeit einmischen zu müssen. Kannst du dir das vorstellen? Ich wusste ja, dass sie keinen blassen Schimmer hatte. Und wusste darüber hinaus, dass sie wusste, dass ich es wusste. Ja und wie ich das wusste. An dieser Stelle darfst du jetzt lachen. Denn so etwas nenne ich dann mal einen ökonomisch, organischen Wachstumsprozess. Und zwar einen Wahrhaftigen in Abhängigkeit des Geschäftstriebes. Ein schillerndes Merkmal für den einschlägigen Zusammenhang zwischen der Entstehung von Sonnenstudios und Fitnessfilialen vielerorts einerseits, der stetig steigenden Zahl von karriereorientierten Frauen vom Lande andererseits - denn daher kam sie ursprünglich, vom Lande - und die zunehmende Produktivitätssteigerung von String Tangas auf den Fuitsy Inseln für die distinguierte Dame von Welt, die sich offenkundig zu Höherem berufen fühlt.

    Und nun stand diese mondän gewordene Schlampe, diese zur Schlange mutierte Hure, überkandidelt mal wieder vor mir, und war von dem Glauben beseelt mich rügen zu müssen. Was seitdem sie Chefin war, wie gesagt schon öfter vorgekommen sein sollte. Und für was? Für meinen Umgangston, mein nicht ganz lupenreines, geschäftliches Benehmen? Ha, da lässt es sich doch nur drüber lachen. Der politisch, korrekte Benimmstil innerhalb der Firma, ha! Und was ist mit ihrem? Aber nein, da befand man sich ja auf der sicheren Seite. Denn in den Arsch ficken geht schließlich immer. Deswegen kam sie ja auch nicht zu mir. Sondern wegen meines ungehobelten Tones. Besser gesagt für meinen Kommunikationsstil mit einem Weibsbild Namens Wick, einer blond toupierten Bürostute, die unter einem Engpass an einer Schnittstelle wahrscheinlich den Saum ihres Rockes mutmaßte, und ihrem Chef Namens Schwanz, für den dicke Bretter bohren schon das Ausfindig machen von ein paar Leitzordnern in einem gottverlassenen Abstellraum bedeutet? Darauf wollte sie mich nun hinweisen?

    So wie sie vor mir stand, sich mir gegenüber gab, auf mich einredete, stellte ich es mir doch gleich mal vor. Ihr Puohhh, ihr Stöhnen. Ich sag dir, vor allem dieses Stöhnen machte mich ganz kirre im Kopf. Ich wusste es ganz genau, ja ich weiß es genau, dass das ihr Klang ist. Ein lang ausgeatmetes Puohhh. Nicht laut, nein, das nicht. Mehr nur ein Hauchen. Die Stimmbänder dabei unterdrückt. Erst füllen sich ihre Mundbacken mit Luft, und dann dieses lang gehauchte Puohhhh.

    Und nun stehst du vor mir, hältst mir einen Vortrag über manierliches Benehmen, dem rechten Umgangston am Arbeitsplatz, glaubst mich damit am Wickel zu haben. Und ich weiß was du heute Abend wieder treiben wirst. Ich weiß es ganz genau. Sehe es dir an, du Luder. Wie steht‘s? Vielleicht sogar gleich hier im Büro? Ich kann es doch an deinem Ton schon hören, dein Puohhhh. Nach Feierabend wahrscheinlich, nehme ich an, wenn wir schon alle weg sind und ihr beiden mal wieder Überstunden macht, was? Mit hastig herunter gelassener Hose. Nur noch im String Tanga, in Nylons und Pumps. Aufnahmebereit auf dem Schreibtisch. Dein blitzblank Geleckter. Ja, der Abteilungsleiter, der gezähmte, zivilisierte Mann und seine Puohhh Frau. Werden wohl nur noch zum Tier auf dem Schreibtisch, gelle? Jetzt verstehe ich das alles erst. Dazu benötigt ihr also den Laptop. Als portable Videostation. Als Anschauungsmaterial für alle Lagen und Stellungen. Ja mein geiles Puohhhh Luder mit dem Arsch der nur für das eine gemacht ist, was schaut ihr zwei euch dazu wohl an? Nach Feierabend. Arabians, Gangbang, Grannys, Milf, Teenager? Worauf steht ihr zwei? Auf einigen dieser Seiten muss man mit der Maus schon ganz schön weit runterscrollen, um ganz bis zum Ende zu gelangen. Die kleine, mollige Französin zum Beispiel. Gar nicht mal schlecht für den Anfang. Zwei Latinos kümmern sich simultan um sie. Oder aber das arabische Paar im Auto auf dem Parkplatz. Er keucht ein hei, hei, fast so wie die Japaner, und ab und zu auch noch ein Gracie auf Italienisch. Sie mit hochgezogenem Pulli, die großen Möpse sind toll. Und züngeln tun sie. Aber irgendetwas hindert dich noch? Bist in Gedanken wohl schon bei der nächsten Nummer? Klickst also weiter. Ah, deutsche Hausmannskost. Ein Rohrverleger schraubt in einer Küche unter der Spüle, und die Dame des Hauses sitzt im Minirock auf der Waschmaschine, schiebt sich dann einen Dildo unten rein. Kann durchaus erregend sein, aber für dich im Augenblick nicht? Klickst also weiter und weiter, von Gestöhne zu Gestöhne, von Orgasmus zu Orgasmus. Mal wird in Brasilien abgespritzt, mal in Indochina, mal auf Kuba, mal in der Schweiz. Weltweite Vernetzung, Globalisierung, so schaut‘s aus. Feinsinniger wird dadurch niemand. Du kannst dich nicht mehr entscheiden auf welchem Kontinent du kommen sollst? Afrika ist dir zu Naturalistisch? Nordamerika schlicht und ergreifend zu gekünstelt? Arabians zieht dich dann also doch an, o.k. Leider zu stümperhaft in der Qualität. Diesmal nur mit dem Handy aufgenommen, was irgendwo auf einer Kommode steht. Im Hintergrund sieht man nur verschwommen zwei sich übereinander wälzende Fleischberge. Gesichter gibt es keine, da man hier anonym bleiben will. Gesichter sind dir aber wichtig? Ohne kannst du nicht? Vielleicht dann doch besser etwas aus dem gemischten Sortiment, was Internationales. Der Menüordner Interracial, weiße Frauen mit Black XL in ihrem Schoß. Wie immer sehr gefühlsecht. Oder vielleicht ein kleines Kammerspiel gefällig? Eines mit einer aufnehme bereiten Frau und einem Pferd? Einem großen, stattlichen Hengst? Mit Scheuklappen vor den Augen und das Gehänge auf Halbmast. Als zusätzliches Requisiten noch eine Art Gynäkologen Stuhl für die Frau und eine umgebaute Halterungsvorrichtung als Steigbügel für den Hengst. Grad aber nicht dein Ding, nein? Zu wenig beherzt? Du bleibst wohl doch lieber unmittelbar vor deiner Haustüre, habe ich recht? Also dann die blonde Maus mit der obszönen Spermafratze. Wohl um die 30, wenngleich sie ausschaut, als hätte sie zu ihrer speziellen Lust schon mit 14 gefunden. Mehrere Schwänze spritzten nacheinander auf sie ab. Die Ladungen immer schön aufs Gesicht und ins weit geöffnete Maul. Ja, so ist’s recht, meine Kleine. Zwischen zwei Schüben fletscht sie mit den Zähnen wie ein Raubtier, während sie die von Sperma belegte Zunge genüsslich an der Oberlippe abstreift. Ja, ich denke, das ist es für dieses mal. Die kommt dir noch am nächsten.

    Ich sehe schon, das Ganze wird sich heute Abend in meinem Kopf abspielen. Dieses Korsett hat sich eng um meine Seele geschnürt, lässt mir kaum mehr Luft zum Atmen. Hat sich mit mir als gewöhnlichen User verflochten. Das ist mehr als nur eine Marotte. Sowas erschließt sich dem Außenstehenden nicht gleich. Bin für die doch nur ein Platzfüller, ein Hindernis an dem ihre elektronischen Ereignisse vorbeiströmen. Ab und an mal getroffen. Getroffen in einem Sinne, das Sprichwort verkehrend, über den virtuellen Klick hinaus. Werde dann gnadenlos mit meiner eigenen Unzulänglichkeit konfrontiert. In diesem befangenen Moment, dieser kurzen, intimen Stunde, missbraucht für ihre Zwecke. Daraus schlagen sie ihr Kapital. Ja, Wirrwar in den Gedanken. Lauter Wirrwar in meinen Gedanken, ganz recht. Aber auch du kannst dich davon nicht einfach so frei machen. Denn du wirst mir doch zustimmen müssen, alles entwickelt sich hin zu Extremen, zu lokalen Ausuferungen. Gleich einem skurrilen Spannungsfelde zickzackförmig, kreuz und quer durch die Landschaften. Durch die Köpfe eines jeden einzelnen hindurch. Bewegung, ja sicher Bewegung kommt damit ins Spiel. Das bringt so ein Feld nun mal so mit sich. Wie durch ein mittels eines Kaleidoskops verursachten Schnittes zieht es aber letztendlich nur einen Flüssigkeitsstrom aus namenlosen Körpern, Gesichtern, Schwänzen und Arschficker nach sich. In der Schlange im Supermarkt, am Busbahnhof oder sonst wo, überall dasselbe. Das Spiegelbild wird ersetzt durch ein digitales Foto. Wie behalten sie sich nur so unter Kontrolle? Schieben ihrem Weibe am Abend einen Bottich Aale in die Möse, weil sie es so gerne hat, und präsentieren sich schon gleich am nächsten Tage wieder aufgeräumt in weißer Garderobe. Aber vielleicht entlädt sich das Feld einmal. In einem heftigen Sturm und alle zeigen dann ihr wahres Gesicht. Das wäre doch mal was, was meinst du? Da würden einigen schon die Augen aufgehen. Da hätten die Leute wirklich mal was zu schauen. Doch bis dahin starre ich lieber autistisch ins Feuer wie zur Steinzeit. Und das ist nicht mal das Schlechteste.

    Und jetzt ist es womöglich auch schon soweit. Jetzt denken sich alle ich sei gestört. Vielleicht denkst selbst du dir das. Aber mitnichten, sage ich dir. Denken sich vielleicht, ich wüsste nicht mehr so recht wo ich mich hier befände. Denken gar, sie hätten nun Kontrolle über mich. Denken, ich käme hier nicht mehr so ohne weiteres heraus. Aber da täuschen sie sich. Und du täuscht dich gleich mit ihnen wenn du so denkst. Ich brauche nur das Fenster aufzumachen. Nur einen Spalt weit. Wer steht denn dahinter, frage ich dich? Jederzeit. Jederzeit, lass es dir versichert sein. Wann immer ich es will, spaziere ich hier hinaus. Denn Gitterstäbe, Gitterstäbe sind nur zu dem einen Zwecke gut, damit das Tier nicht aus dem Zoo kann. Kneife nur einmal deine Augen ein wenig zu. Du wirst dich wundern, wie viel noch zu finden ist.

    Ja, das Ganze spielt sich in meinem Kopf ab. Heute nach Feierabend in meinem Kopf. Allerdings wer weiß, vielleicht findet man dich im Datenstrom ja auch irgendwo. Vergegenwärtige mir also noch einmal all die Bilder in Gedanken. Ein offener Mund verschwindet, ein anderer Arsch taucht auf. Manchmal auch durcheinander. Ich gehe dann aufs Klo, wo die beiden es ja auch schon getrieben haben sollen, und erleichtere mich. Als ich damit fertig war, fand ich auf meinem Schreibtisch ein frisch ausgedrucktes und ordentlich in eine Akte abgeheftetes Blatt Papier. (Ich hätte dir natürlich zuvor unbedingt sagen müssen, füge es also hier in Klammern kurz dazwischen, dass ich Fräulein K meinen abgerissenen Schmierzettel in die Hand gedrückt hatte, als sie mit ihrem Vortrag durch war. Und zwar mit der Bitte, sie möge die Herleitung überprüfen, woraufhin sie in ihrem Zimmer verschwand und dort irgendetwas in ihren Laptop tippte.) Die Parameter oben auf dem Ausdrucksbeleg waren alle pedantisch abgehakt. Weiter unten dann noch ein handschriftliches „geprüft“, das Datum und ihr Name. Gerechnet, bzw. rechnen lassen von einem Computerprogramm, dessen Quellcode sie sich nicht ein einziges mal angeschaut hatte, geschweige denn von der Materie irgendetwas verstand, aber alles, was es an Zahlen ausspucken sollte als gottgegeben hinnahm. Ein Prozent Abweichung zu der Zahl auf meinem Schmierzettel. Na bitte, wer sagt‘s denn. Soviel verstand sie immerhin doch noch.

    Ich begab mich also wieder an die Arbeit. Mein Elan für eine kleine Rebellion in Form eines Schmierzettels war schnell verflogen. Drückte erneut wie alle anderen meine Knöpfchen, woraufhin der Computer Kolonnen von Zahlen ausspuckte. Wie jeden Tag. Verbindlichkeiten über hundert Jahre hinweg. Aberwitzige Scheinexaktheit. Meine Arbeit, wie jeden Tag.

    Wie es dazu kam, dass ich die Stelle verlor und ins Kuckucksnest zog, fragst du dich? Belanglose Fatalitäten, was sonst? Ich stand auf, ging in ihr Zimmer, stopfte ihr meinen Schwanz ins Maul und ließ sie daran würgen, am Ende daran ersticken, aber vorher noch die richtigen Zahlen zusammen mit meinem Sperma auskotzen.

TitelFräulein K
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