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EinsZweiDrei

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    Von Tim Weber hochgeladen am 02.08.2017

    Buntes, schillerndes Volk zuckt und gebärdet sich auf bürgerlichen Straßen. Hüpft zur Musik, tanzt kreuz und quer entlang der Wagen. Läuft umher, schräg durch unser Bild. Christopher Street Parade im hohen Norden. Hippes Volk, kreatives Volk. Tags in Uniform, abends zum Event fein rausgeputzt im neusten, steilischen Schick. Hippes Volk, kreatives Volk, in der Masse weichgeknetet, die Leiber zum Muskel geformt, im Kasten zur Schau gestellt. Loblieder aus allen Kanälen, auf das Unitäre, das Originäre. Freiheit konsumierend, von Orgasmus zu Orgasmus die Leiber schwofend. Strapsen, geschmiedet Prismen und dergleichen mehr. Schnell also weg mit den Hedonisten und Polliganisten. Nur das kaum noch kontrollierbare Zucken eines Fingergliedes, nicht viel mehr.

    Nicht viel mehr Aufwand, nicht viel mehr Rätselraten, nicht viel mehr Mühe, nicht viel mehr und von Bomben zerfetze Leiber am Hindukusch. Beigemischt mit anteilnehmenden Kommentaren und ihrem nüchternen Abgang. Grausames Gewissen in rechthaberischen Ton. Dokumentarische Stille zu aufgehäuften Kinderleichen. Aufgehäuft und dicht gestapelt, Tetra Pack nebst Tetra Pack, zwischen den Frequenzen, in den Werbepausen. Die dezente Blutlache im Hintergrund dient einmal mehr dem zahlenden Argument, als bebilderte Untermalung für das Happening. Häppchenmahlzeiten für die Stimmung. Stimmungen für zwischendurch, die sich abends zu Chorälen bündeln lassen, auf den Bühnen der phobisch frequentierten Info Welt.

    Was diese Leichenornamente in ihrer fragmentierten Bilderflut tatsächlich sind? „Hurensohn, nimm was dir zusteht. Dies und das. Ratta, tatta, tatta, ta. Hasta la vista Baby. Ratta, tatta, tat!“

    Ein weiteres Gliedzucken nur und man sieht den Papst. Wie er im Flugzeuge mit Journalisten eine Andacht hält. Hoch oben aus dem Flieger spricht er weltmännisch und bodenständig zugleich. Fragt, wer er denn sei, um über das Unausgegorene zu richten. Ja, gute Frage, was ist das eigentlich aus all diesen Bildschirmkästen? Stete Bilder gleich dem ewigen Leben? Gespiegelter Grund für den Kit im Zwischenraum der Folgen? Ja, so etwas vielleicht, denn das meiste taugt nicht für viel.

    Und dann wundern sie sich. Wundern sich alle. Schreien und lamentieren kreuz und quer, wenn ihnen im Supermarkt der Wahnsinn ein Messer unter die Nase hält. Haben‘s im nächsten Augenblick allerdings schon wieder vergessen, im Flieger, auf ihrem Weg zum nächsten Urlaubsparadies. Dort weiter ihre Freiheit konsumierend, von der Beliebigkeit zur Spiritualität schwofend.

    Ein Flüchtling ist halt auch nur ein Mensch, genau wie der Investmentbanker, und somit per se auch schlecht. Hat ein Anrecht auf sein Ich, Ich, Ich und seine Paranoia, genau wie der Gutmensch, genau wie Heidi Klum auf ihren Orgasmus im Himmelbett. Gute Nacht alte Heimat.

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