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Zeichnungen, Mythologie,

EinsZweiDrei

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    Von Tim Weber hochgeladen am 18.09.2017

    Sein erster Gedanke, er glaubte, dass er den Hund unter Kontrolle hätte. Ein Hund, darum musste es sich handeln, auch das glaubte er. Er lag auf dem Rücken zur Seite gedreht und fühlte sich angebunden. Das ließ die Überlegung zu, ob er sich nicht dahingehend irrte, den Hund unter Kontrolle zu haben, ja, es vielleicht sogar genau anders herum sei. Möglich selbst, dass es nur eine Frage von Zeit war, bis eine Konfrontation unausweichlich würde, denn der Hund gab sich nicht, als sei er für das Spiel Stöckchen fangen zu begeistern.

    Mit genauerem Hinschauen fiel es ihm jedoch zunehmend schwerer das gedrungene Ding vor ihm am Boden, welches in seiner platt gedrückten Erscheinung gewisse Übereinstimmungen mit einem Koffer aufwies, eindeutig einem Vierbeiner zuzuordnen. Seine Kompaktheit, die im Wiederspruch dazu wie implodiert anmutende Hülle des Körpers, die ihren mutmaßlich dicht gepressten Inhalt dennoch völlig drucklos zu beherbergen schien, bestärkte die eingeschlagene Richtung seiner Überlegung, zumal die Konturen eher denen eines zweidimensionalen Geschöpfes glichen, als denen eines Hundes. Die Gedrungenheit erschien ihm so vollständig, dass er sich beim Anblick der Kreatur unweigerlich an eine Karikatur erinnert fühlte, einem zerknautschten Teddybären vielleicht, der trotz seiner Flachheit, oder was es nun auch war, dennoch stabil und sehr massig wirkte. Eine Massigkeit in eine kaum noch wahrzunehmenden Tiefe hinein, ob die Tiefe nun gequetscht oder gestaucht sein sollte, und ihm dadurch ein zweidimensionales und gleichzeitig doch auch voluminöses Erscheinungsbild verlieh. Von der typisierenden Physiognomie eines Lebewesens her, also von Rumpf, Kopf und Gliedmaßen, ließ es sich wiederum sagen, dass die Kreatur einem vierbeinigen Hund dann doch nicht ganz unähnlich war. Der Kopf sollte dabei das Imposanteste sein. Auffallend breit gestaltet, fast ohne jeglichen Ansatz eines Halses, schien er an den Korpus einfach aufgesteckt, oder angeklebt, wobei der Korpus seiner Grundform nach erstaunlich nahe an ein Trapezoid herankam, das man an den Ecken abgeschliffen hatte. Daher rührte wohl auch seine anfängliche Assoziation mit einem Koffer. Die stumpfe Schnauze nur für sich genommen, schien allerdings noch breiter. Breiter noch als bei den Breitesten unter den Rassen, was unter Einbeziehung in das Gesamterscheinungsbild gewiss auch der quadraturhaften Gedrungenheit geschuldet war. Aber auch hier galt das widersprüchlich Doppeltsinnige, denn so breit und massig die Schnauze einerseits wirkte, so platt war sie wiederum auch. Wie bei einem jener flachgedrückten Fische, die von vorne betrachtet zwar einem Fisch gleichen, aber deren Ansicht alleine schon deshalb irritiert, da beide Augen auf ein und derselben Seite liegen. Wenn man das Auge entlang des zangenhaften Innenrisses laufen ließ, soweit sich von Innen im räumlichen Kontext überhaupt noch vernünftig sprechen ließ, war das Maul ausschließlich mit lauter flachen, stumpfen Zähnen versehen. Kleine, stumpfe Spikes, die wohl kaum dazu geeignet sein konnten, Fleisch längs seiner Fasern in Stücke zu zerreißen. Trotz praktischer Inhaltsleere in die Tiefe hinein, ließ der ausladende Schädel jedoch erahnen, dass wenn der Hund einmal zupackte, einen so immensen Druck auszuüben in der Lage sein musste, dass alles zwischen seinen Kiefern sich dann Befindende mit der Zeit unerbittlich zermalmt werden würde. Die Augen, obschon auf ein und derselben Seite des Kopfes gelegen, hatten ihrerseits Ähnlichkeit mit jenen, in ihrer Beweglichkeit kaum eingeschränkten, eines Chamäleons. Wie ausgefahrene Teleskope traten sie aus der Fläche des Schädels und fuhren vollkommen losgelöst voneinander in die unterschiedlichsten Richtungen, durchforsteten jeden Winkel des ihnen aufgrund der seitlichen Stellungslage allein zugängigen Halbraumes einseitig, ohne dass man anhand ihres Bewegungsmusters eine gerichtete Absicht hätte ablesen können.

    Angesichts dieses Unwesens kam es ihm in den Sinn sich zu fragen, war es nur ein Traum? Sollte er sich darum kümmern, oder einfach ignorieren, diesem Traum würde schon bald der nächste folgen, weniger verstörend? Es also aussitzen, bzw. ausliegen, einfach zu seiner ursprünglichen Lage wieder zurückfinden? Vorher noch ein wenig hin und her wälzen - sein übliches Ritual vor dem Einschlafen - bis er vielleicht mit verschränktem Arm über seiner Stirn und gerade ausgestreckten Beinen die Liegeposition gefunden haben sollte, von der er doch annahm, in ihr würde sich der Körper am schnellsten beruhigen, und schon mit der Annahme dem Wunsch nach Beruhigung gleich ein Stück näher kam? Wie oft schon war er aufgewacht, hatte mit den Augen die Umgebung durchrast, ohne dass er es gewagt hätte sich zu rühren, gar aufzustehen, doch jedes mal im festen Halbwissen, dass es nur ein Traum gewesen sein konnte, dass er dies wüsste, sobald der Wachzustand mehr und mehr im Vorzug war, und daher nur die Zeit überbrücken musste, die dafür notwendig war, ihn genau dort hinzuführen, damit das Halbwissen zur Gewissheit werden konnte und somit das Aufwachen sich dem Grunde nach erübrigte, er weiterschlafen konnte. Doch das hier schien anders. Oder er sollte es nur anders träumen. Doch er glaubte jetzt schon zu wissen, dass wenn er es ignorieren, wenn er weiterschlafen würde, entgegen dem Verflüchtigen seiner üblichen Träume, dieser hier ihn mit der Ungewissheit in den nächsten Tagen alleine ließ. Daher verlangte es ihn den Zustand zu verlassen, seine Augen brauchten dieses mal auch nicht zu rasen, sondern waren gleich schon auf die richtige Stelle fokussiert. Auf das tierhafte Geschöpf vor ihm am Boden.

    Fortsetzung folgt

TitelOrganik versus Mineralogie/Metallogie
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  • Tim Weber
    Tim Weber
    Herzlichen Dank, HDLLge.
  • HDIlge
    HDIlge
    Phantastische Komposition lieber Tim! Und toll ausgearbeitet....
  • Tim Weber
    Tim Weber
    Hallo Piotr. Ja, Bleistift und ein wenig Buntstift. Muss noch den Hintergrund machen. Daher hab ich's erstmal nur mit "inversen Farben" eingestellt, da der Hintergrund dann schwarz. Und ja, alles reine Phantasiefiguren. Grüße, Tim
  • Tim Weber
    Tim Weber
    Hallo Werwin. Sowas von dir freut mich sehr.
  • piotr_koshokar
    piotr_koshokar
    ist das eine Bleistiftzeichnung, kann nämlich nicht so genau erkennen? Interessante Figuren, alles Fantasie? LG Piotr
  • WERWIN
    WERWIN
    ..............^^.........interessante arbeit..............*gw
  • Tim Weber
    Tim Weber
    Hintergrund muss ich noch malen/ausarbeiten. Daher in der Version nur mit "inversen Farben"
  • huekki
    huekki
    Mag ich....auch gern noch etwas schattierter :) lg